International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Versteckter Hilferuf von Arbeitssklaven: Supermarkt stoppt Produktion von Karten in China



Nach der Entdeckung einer mutmasslich von Gefangenen verfassten Botschaft hat die britische Supermarktkette Tesco ihre Weihnachtskartenproduktion in einer chinesischen Fabrik gestoppt. Wie die «Sunday Times» berichtete, fand ein Londoner Mädchen am vergangenen Wochenende in einer von Tesco vertriebenen Weihnachtskarte einen Hilferuf mutmasslicher chinesischer Zwangsarbeiter.

Eine Unternehmenssprecherin zeigte sich am Sonntag «schockiert» über den Medienbericht – die Produktion in der betroffenen Fabrik in Shanghai werde «sofort gestoppt» und die Karten vorerst aus dem Verkauf genommen.

«Wir sind ausländische Gefangene im chinesischen Gefängnis Qingpu in Shanghai», soll laut «Sunday Times» in der Weihnachtskarte gestanden haben, die von Tesco für wohltätige Zwecke vertrieben wurde. «Wir werden gegen unseren Willen zur Arbeit gezwungen. Bitte helfen Sie uns und verständigen Sie Hilfsorganisationen.»

Die Tesco-Sprecherin sagte, das Unternehmen würde «niemals Gefangenenarbeit» in ihren Lieferketten akzeptieren. Die Karte sei von einer chinesischen Firma hergestellt worden, wo im November eine unabhängige Untersuchung der Produktionsbedingungen stattgefunden habe. «Es wurden keine Beweise gefunden, die darauf hindeuten, dass sie gegen unsere Regel, die den Einsatz von Gefängnisarbeit verbietet, verstossen haben», sagte die Sprecherin.

Untersuchung eingeleitet

Eine Untersuchung des Falls sei aber eingeleitet worden. Falls sich der Verdacht über die Zwangsarbeit bestätigen sollte, werde Tesco die Zusammenarbeit mit dem Zulieferer aufkündigen, sagte die Sprecherin.

(FILE) Tesco has posted a loss of almost £6.4bn for 2014, the biggest loss in its trading history. GLASGOW, SCOTLAND - OCTOBER 23:  A general view of a Tesco supermarket on October 23, 2014 in Glasgow, Scotland.Tesco one of Britains biggest supermarkets has announced a 91.9% plunge in pre-tax profits to £112 million for the first half of the year.  (Photo by Jeff J Mitchell/Getty Images)

Bild: Getty Images Europe

Wie aus dem Bericht der «Sunday Times» weiter hervorgeht, bat der Verfasser des Hilferufs darum, «Mr. Peter Humphrey» zu kontaktieren. Nach einer Internet-Recherche habe sich dieser als ein ehemaliger Journalist herausgestellt, der neun Monate im chinesischen Qingpu verbracht hatte. Der Vater des Londoner Mädchens, das den Hilferuf entdeckt hatte, nahm demnach Kontakt mit Humphrey auf, der die Geschichte schliesslich für die Zeitung aufschrieb.

Humphrey, der dem Bericht zufolge früher einmal für die Nachrichtenagentur Reuters gearbeitet hatte, habe ehemalige Häftlinge kontaktiert, die bestätigt hätten, dass ausländische Häftlinge an der Produktion von Tesco-Weihnachtskarten beteiligt waren.

Im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre um das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) waren Humphrey und seine Frau 2013 von chinesischen Behörden festgenommen worden. Beide arbeiteten damals für eine Firma, die multinationale Konzerne bei der Untersuchung von Korruptionsvorwürfen in China unterstützte. Im darauffolgenden Jahr wurden sie verurteilt und des Landes verwiesen.

Weihnachtskarten, deren Erlöse für gemeinnützige Zwecke gespendet werden, sind in Grossbritannien sehr beliebt und werden in Supermärkten zu niedrigen Preisen verkauft. Nach Angaben von Tesco spendet das Unternehmen jährlich rund 300'000 Pfund (383'000 Franken) seiner Erlöse aus dem Kartenverkauf an Wohltätigkeitsorganisationen. (aeg/sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

70. Jahrestag der Volksrepublik China

Internierung von Uiguren

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

29 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
_kokolorix
22.12.2019 15:25registriert January 2015
Was für ein offensichtlicher Fall von Socialwashing.
Statt die Karten so billig wie möglich in China zu produzieren und einen Teil des Gewinns zu spenden, könnte Tesco ja die Karten im gebeutelten Grossbritannien, zu fairen Arbeitsbedingungen, herstellen lassen. Die lächerliche Spende, welche zudem zur Hälfte von der Verwaltung verschwendet wird, wäre dann überflüssig.
38712
Melden
Zum Kommentar
w'ever
22.12.2019 15:12registriert February 2016
uffff... nochmal glück gehabt dass nur die weihnachtskarten von arbeitssklaven hergestellt worden sind.
3256
Melden
Zum Kommentar
MeinSenf
22.12.2019 16:19registriert April 2016
Die Gefangenen rufen "helft uns", und Tesco... kündigt die Zusammenarbeit auf...
Bravo🤔
674
Melden
Zum Kommentar
29

Vergiftete Böden und Kinderarbeit – was sich Schweizer Firmen im Ausland alles erlauben

Am 29. November stimmt die Schweiz über die Konzern-Initiative ab. Sie soll Schweizer Unternehmen bei Rechtsverstössen im Ausland stärker haftbar machen. Höchste Zeit also, um sich ein paar Beispiele von bis jetzt ungeahndeten Menschenrechts- und Umweltvergehen anzusehen.

Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung: Bereits am 29. November kann das Schweizer Stimmvolk erneut wählen gehen. Zum Beispiel über die Konzernverantwortungsintiative. Diese fordert, dass globale Konzerne mit Sitz in der Schweiz einem zwingenden Regelwerk unterstellt sind, wenn es um die Beachtung von Menschenrechten und Umweltschutz bei ihren weltweiten Tätigkeiten geht.

Oder einfach gesagt: Schweizer Unternehmen und ihre Tochterfirmen könnten für ihre Tätigkeiten im Ausland rechtlich …

Artikel lesen
Link zum Artikel