Wegen des Öls: Will Trump auch den Iran angreifen?
«Warum haben wir das Öl nicht genommen?», klagte Donald Trump – damals noch Immobilien-Tycoon in New York – nach dem Irak-Feldzug von George W. Bush. Die Frage hat vor mehr als zwei Jahrzehnten noch Sinn gemacht. Öl war damals immer noch der wichtigste Rohstoff, der die Weltwirtschaft am Laufen hielt. «Heute ist Öl nicht mehr unsere Achillesferse», hält jedoch Amy Myers Jaffe, Politologin an der New York University, in der «New York Times» fest.
Man kann darüber streiten, wie lange es dauern wird, unbestritten ist jedoch, dass die Zukunft den Elektroautos gehört, nicht nur aus Gründen der Ökologie, sondern ganz einfach, weil die Technologie den Verbrennern überlegen und China inzwischen in der Lage ist, sie zu wettbewerbsfähigen Preisen herzustellen. Zudem sind Sonnen- und Windenergie ebenfalls günstiger geworden als Benzin und Diesel.
Mit dem Aussterben des Verbrenners wird der wichtigste Verbraucher des Öls verschwinden. Kommt dazu, dass derzeit mehr vom schwarzen Gold produziert wird, als die Welt nötig hat. Auf den Märkten herrscht eine Ölschwemme, die Preise sind daher auch im Keller.
Donald Trump sieht das ganz anders. Sein Vorbild ist William McKinley, US-Präsident zwischen 1897 und 1901. Wie Trump war dieser ein grosser Fan von Zöllen, und er war es auch, der eine kurze koloniale Phase der Amerikaner dirigierte. Unter McKinley verleibten sich die USA Hawaii und Puerto Rico ein und vertrieben die Spanier von den Philippinen.
Weil Trump in den Rückspiegel der Geschichte schaut, verkennt er die neuen Verhältnisse auf den Energiemärkten. Er ist stolz darauf, dass in seiner Amtszeit kein einziges Windrad aufgestellt werden wird, und er die Anstrengungen von Joe Biden in Sachen nachhaltige Energie nach Kräften sabotiert. Sein Mantra lautet bekanntlich: «Drill, Baby, Drill».
«Seit den Achtzigerjahren ist Mr. Trump darauf fixiert, dass Öl die treibende Kraft der Geopolitik ist», stellt die «New York Times» fest. «Schon in seinem 1987 erschienenen Buch ‹Art of the Deal› schreibt er, dass 1973 die Ölkrise die amerikanischen Airlines zerstört habe. Nach seiner Rückkehr ins Weisse Haus im vergangenen Jahr hat er die Formation eines National Energy Dominance Council verkündet, mit dem Ziel, die Abhängigkeit von ausländischen Importen zu verringern.»
Gier nach Öl und unverhohlener Neo-Kolonialismus bilden denn auch den Kern der Donroe-Doktrin, die besagt, dass die USA in dem, was Trump für den Westen hält, nach Belieben schalten und walten können. Venezuela ist das erste Opfer dieser Doktrin. Inzwischen ist glasklar geworden, dass der Sturz des Diktators Nicolás Maduro bloss ein Nebeneffekt des amerikanischen Militärschlages war. Hauptsächlich geht es Trump ums Öl, wie er immer wieder betont.
Venezuela verfügt zwar über die grössten bekannten Ölreserven der Welt, sein Anteil an der weltweiten Produktion beträgt jedoch gerade mal ein Prozent. Daran ist nicht nur die jahrzehntelang vernachlässigte, marode Infrastruktur schuld. Das Öl ist auch schwer abbaubar und von schlechter Qualität. Zudem ist die Situation in dem von Banden beherrschten Land viel zu unsicher, als dass sich Investitionen im dreistelligen Milliardenbereich rechtfertigen liessen.
Deshalb hält sich die Lust der amerikanischen Ölmultis, sich im grossen Stil zu engagieren, in Grenzen. Darren Woods, CEO von ExxonMobil, zog den Zorn des Präsidenten auf sich, weil er unverblümt erklärt hatte: «Venezuela ist uninvestierbar.»
Die USA sind derzeit der grösste Ölproduzent der Welt. Das reicht Trump nicht. Er will sein Land zum grössten Petro-Staat überhaupt machen. Daher ist es denkbar, dass er versucht sein könnte, sich auch den Iran zu krallen. Die aktuellen Demonstrationen gegen das Ayatollah-Regime liefern dazu den perfekten Vorwand. Karoline Leavitt, die Pressesprecherin des Weissen Hauses, erklärt denn auch, Luftangriffe seien «eine der vielen Optionen», die auf dem Tisch liegen würden.
Der Präsident doppelt nach: «Scheinbar sind viele Menschen getötet worden. Das hätte nicht geschehen dürfen», so Trump. «Das Militär sieht sich die Lage genau an. Wir haben viele Optionen.»
Bisher hat der US-Präsident einzig einen Strafzoll von 25 Prozent für alle Länder verhängt, die Öl aus dem Iran importieren. Sein Vize J.D. Vance und Aussenminister Marco Rubio sollen ihn auch dazu drängen, eine diplomatische Lösung anzustreben, meldet das «Wall Street Journal». Das Blatt fügt jedoch hinzu: «Derzeit favorisiert Trump die Option, den Iran anzugreifen.»
So schlank wie in Venezuela dürfte ein militärischer Angriff auf den Iran nicht ablaufen, zumal nicht klar ist, worauf sich ein solcher Angriff richten und welche Folgen er haben wird. Einfach den obersten Führer Ali Chamenei zu entführen und mit den übrigen Ayatollahs weiterzumachen, dürfte kaum eine Lösung sein.
Ein Preis von 50 Dollar für ein Fass Erdöl ist das erklärte Ziel von Trump. Das würde ihm helfen, die «Erschwinglichkeit»-Krise in den USA zu dämpfen und seine Wähler zu beruhigen. Doch es würde ihm gleichzeitig viel Ärger einbrocken. Mit diesem Preis können weder die Ölproduzenten in Texas noch die Scheichs im Persischen Golf leben. Kein Wunder also, dass Cliff Kubchan, der Vorsitzende der Eurasia Group, einer politischen Beratungsfirma, Trumps unersättliche Gier nach Öl wie folgt kommentiert: «Ich halte dies für eine schlechte Wette.»
