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Trotz Brexit wächst die britische Wirtschaft – aber sehr langsam

11.11.2019, 13:0211.11.2019, 13:14
Die britische Wirtschaft leidet unter dem Brexit-Verfahren.
Die britische Wirtschaft leidet unter dem Brexit-Verfahren.Bild: EPA

Mitten in der Brexit-Unsicherheit ist die britische Wirtschaft so langsam gewachsen wie schon lange nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg zwischen Juli und September binnen Jahresfrist nur um 1,0 Prozent und damit weniger stark als von Ökonomen erwartet.

Das teilte das nationale Statistikamt ONS am Montag mit. Im Frühjahr hatte es noch zu einem Plus von 1,3 Prozent gereicht. Zum Vorquartal legte die Wirtschaft im Sommer um 0,3 Prozent zu und konnte einen zweiten Rückgang in Folge somit vermeiden. «Eine Rezession knapp zu verhindern, da gibt es nichts zu feiern», sagte Ökonom Tej Parikh vom Institute of Directors.

Während Finanzminister Sajid Javid von «soliden» Wachstumszahlen sprach, reagierte die oppositionelle Labour Partei kritisch. «Die Tatsache, dass die Regierung ein Wachstum von 0,1 Prozent in den vergangenen sechs Monaten feiert, zeigt, wie niedrig ihre Hoffnungen und Erwartungen an unsere Wirtschaft sind», sagte Labours finanzpolitischer Sprecher John McDonnell.

Lange Zeit stand im Raum, dass Grossbritannien Ende Oktober die EU mit oder ohne Abkommen verlässt. Dies hatte für Unsicherheit bei britischen Firmen und Verbrauchern gesorgt. Die Brexit-Frist wurde aber erneut verschoben.

Neuwahlen im Dezember

Am 12. Dezember gibt es Neuwahlen, und Premierminister Boris Johnson will seine Heimat nun bis Ende Januar aus der Europäischen Union herausführen. Johnson kann Umfragen zufolge mit einer Mehrheit rechnen, was nach Worten von Analyst Kallum Pickering von der Berenberg Bank positiv wirken könnten. «Es würde den Weg dafür ebnen für einen geregelten Brexit des Vereinigten Königreichs am 31. Januar 2020.»

Die Investitionen der Unternehmen traten zum Vorquartal auf der Stelle, während Ökonomen hier einen Rückgang um 0,5 Prozent befürchtet hatten. Die Verbraucher erhöhten ihre Ausgaben um 0,4 Prozent und profitierten von sinkender Arbeitslosigkeit und steigenden Gehältern, während der Staatskonsum um 0,3 Prozent kletterte. Die Dienstleister legten von Frühjahr auf Sommer um 0,4 Prozent zu, die Industrie kam allerdings über eine Stagnation nicht hinaus.

Die britische Wirtschaft hat seit dem Brexit-Referendum von Mitte 2016 an Schwung verloren. Zuvor hatte das BIP meist um zwei Prozent pro Jahr zugelegt. Die britischen Notenbank (BoE) traut der heimischen Wirtschaft im laufenden Jahr nur ein Wachstum von 1,4 Prozent zu. Dies wäre so viel wie 2018 und damit das schwächste Plus seit der Finanzkrise vor rund zehn Jahren. (aeg/sda/awp/reu)

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