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Island zeigt, wieso unsere 42-Stunden-Woche ein Auslaufmodell ist

Während hierzulande die 42-Stunden-Woche als Status quo gilt, feiert in Island die Viertagewoche grosse Erfolge.
07.07.2021, 10:4207.07.2021, 13:37

Weniger arbeiten und trotzdem den gleichen Lohn verdienen. Mehr Stunden mit Familien und Freunden und trotzdem wirtschaftlicher und effektiver sein. Ein Versuch, der in Island die Viertagewoche zwischen 2015 und 2019 untersuchte, hat gemäss Studienresultaten genau dies herausgefunden.

In Island nahmen an den Versuchen, die von der Stadtverwaltung Reykjavík und der nationalen Regierung durchgeführt wurden, über 2500 Erwerbstätige teil – das entspricht etwa einem Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung. Auch Arbeitnehmende aus dem öffentlichen Sektor (Schulen, Pflegeberufe, Sozialdienste) waren beteiligt.

Die kälteste Hauptstadt Europas als Versuchsort für die Viertagewoche: Reykjavík, Island.
Die kälteste Hauptstadt Europas als Versuchsort für die Viertagewoche: Reykjavík, Island.
Bild: Shutterstock

Dass dieses Experiment ausgerechnet in Island auf grosse Zustimmung stiess, ist kein Zufall: Das Land zählt gemäss OECD zu den Ländern, in denen überdurchschnittlich viele Überstunden gearbeitet wurden – über 15 Prozent der arbeitenden Bevölkerung.

Die Wochenarbeitszeit der Isländerinnen und Isländer gehört zu den höchsten der Welt. Dies hat in einer Umfrage dazu geführt, dass die Work-Life-Balance in Island als eine der schlechtesten bewertet wurde.

«Ein Wandel ist möglich»

Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die meisten Teilnehmenden ihre Wochenarbeitszeit von 40 auf 36 oder 35 Stunden reduziert haben, während sie das gleiche Gehalt erhielten. Die Überraschung: Trotz Reduktion der Arbeitszeit konnte das Produktivitätsniveau nicht nur gehalten, sondern in vielen Fällen gar erhöht werden.

Gemäss den involvierten Forschenden hätten die teilnehmenden Arbeitstätigen angegeben, weniger gestresst zu sein als zuvor. Auch die Work-Life-Balance habe sich deutlich verbessert im Vergleich zu früher. Die Studie zeige, dass die Verkürzung der Arbeitswoche «ein überwältigender Erfolg» gewesen sei, so der Leiter der Forschungsabteilung des Thinktanks Autonomy Will Stronge.

Gudmundur Haraldsson, ein Forscher bei Alda, sagte: «Die isländische Reise zur kürzeren Arbeitswoche zeigt uns, dass es nicht nur möglich ist, in der heutigen Zeit weniger zu arbeiten, sondern gleichzeitig auch ein progressiver Wandel möglich ist.»

Ob und wie die Resultate im grossen Stil oder auf andere Länder übertragbar sind, ist noch nicht bekannt. Obwohl andere Länder wie Spanien oder Regionen in Neuseeland bereits ähnliche Versuche durchgeführt haben, ist fraglich, ob die Ergebnisse auf komplexere Wirtschaftsstrukturen übertragbar sind. Weitere Pionierversuche werden es zeigen.

(adi)

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