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Anthrax-Ausbruch in Sibirien: Hitzewelle taute infizierten Rentier-Kadaver auf



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Im Nordwesten Sibiriens wütet Anthrax: 1'500 Rentiere sind der Infektionskrankheit schon zum Opfer gefallen.  bild: survivalinternational

Im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen im Norden Russlands hat die Hitzewelle den Kadaver eines Rentiers aufgetaut, der von Anthrax (siehe Infobox) befallen war. Diese hoch ansteckenden Milzbrand-Sporen können in den Tierkörpern jahrzehntelang überleben. Nun wurden sie durch das heisse Klima abermals zum Leben erweckt und rafften innerhalb von vier Tagen 1500 Rentiere dahin. 

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Im Bild: Zellen des «Bacillus anthracis». Im Kalten Krieg experimentierte die Sowjetunion mit Milzbrand, wobei es zum Unfall in Swerdlowsk kam: Zahlreiche Anwohner der B-Waffen-Forschungsstätte wurden mit Anthrax infiziert und starben.  bild: wikipedia

Anthrax oder Milzbrand

Milzbrand ist eine Infektionskrankheit, die meist Paarhufer befällt, aber auch für den Menschen gefährlich werden kann. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch gilt allerdings als sehr unwahrscheinlich. Das vom Erreger produzierte Milzbrandtoxin ist hochgiftig; die Sporen können Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte überleben und wurden wegen ihrer Eignung als Biowaffe gut erforscht. Der Erreger kann die Haut (Hautmilzbrand; harmloseste Form, durch direkten Hautkontakt übertragbar, unbehandelt enden 5 bis 20 % der Fälle tödlich), die Lungen (Lungenmilzbrand; Sporenaufnahme durch Atmung, hohe Sterberate) oder den Darm (Darmmilzbrand; Ansteckung durch infizierte Milchprodukte oder infiziertem Fleisch, 50% der Fälle tödlich) befallen.

via wikiepdia

In der Region wurde daraufhin der Ausnahmezustand ausgerufen, seit 1941 hatte es in Westsibirien keine Anthrax-Fälle mehr gegeben.

Das Quecksilber stieg in der Jamal-Tundra dieses Jahr in ungeahnte Höhe: Die Maximaltemperatur stieg von 25 auf 35 Grad Celsius. Deshalb seien die Rentiere bereits geschwächt gewesen, als sie dem Anthrax-Erreger erlagen. Die noch nicht infizierten Tiere will man evakuieren. Aber es werde für viele zu spät sein, denn Anthrax könne ein Rentier innerhalb von drei Tagen töten, sagte der Biologieprofessor Vladimir Bogdanov gegenüber NBC News.

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Die Nenzen sind ein indigenes Volk mit ca. 41'000 Angehörigen im Nordosten des europäischen Teils Russlands und im Nordwesten Sibiriens. bild: thata

Doch nicht nur die Tiere sind gefährdet. Auch die Nenzen sind es – die nomadischen Rentier-Hirten der Region. Die Tiere bilden die Lebensgrundlage dieses Volkes, und nun, da einige von ihnen infiziert sind, können sich die gefährlichen Sporen schnell auf die Menschen übertragen. 63 Nenzen seien schon evakuiert, ihre Zelte desinfiziert und ihre Kinder in ein Internat verlegt worden, sagte die Regierung.

(rof via NBC News)

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • DerGrund 02.08.2016 23:13
    Highlight Highlight Offenbar gibt es unter den Nenzen schon Tote und zahlreiche Infizierte. Die Kadaver der vor über 50 Jahren bei Anthraxausbrüchen verstorbenen Tiere konnten damals offenbar nicht sinnvoll vergraben werden, da der Permafrostboden pickelhart ist, und bilden jetzt vielerorts in Sibirien eine Infektionsgefahr mit dem tödlichen Keim. Ich finde es extrem faszinierend, wie Erregersporen über ein halbes Jahrhundert im Permafrostboden überleben können und subito wieder infektiös sind...
  • peasbo 02.08.2016 20:44
    Highlight Highlight Versuch von vertuschung von militärübungen ?
  • Stachanowist 02.08.2016 19:22
    Highlight Highlight Für Russlands Norden hat die Klimaerwärmung allgemein schwere Konsequenzen. In der Arktis wurden zu Sowjetzeiten ganze Städte auf Permafrostboden gebaut, also ohne die auf normalem Boden nötigen Fundamente. Wegen der Klimaerwärmung drohen Städte, Ölförderanlagen und Eisenbahnen im aufgeweichten Grund zu versinken.
  • blobb / antifaschistischer Terrorist 02.08.2016 19:12
    Highlight Highlight Kadaver tauen erst bei 35 Grad und Wawrinka verliert gegen sich selber. Hat das Watson Team gestern zu viel gefeiert? ;)
    • Philipp Dahm 02.08.2016 19:35
      Highlight Highlight Permafrost, nicht Permafeier ;)
  • Zwerg Zwack 02.08.2016 17:29
    Highlight Highlight Da stimmt doch etwas nicht. Auch bei (durchschnittlich!) 25 Grad müsste doch ein gefrorener Rentierkadaver auftauen. Tippfehler bei den Temperaturangaben?
    • blobb / antifaschistischer Terrorist 02.08.2016 19:10
      Highlight Highlight Evtl. Celsuis mit Fahrenheit vertauscht.
      Erwärmung von -4° auf 1.5° Celsius erscheint mir logischer ;)
    • deepsprings 02.08.2016 19:11
      Highlight Highlight Bei einem Temperaturanstieg von +25 auf +35 Grad werden wesentlich größere Gebiete der Eisschmelze ausgesetzt.
    • Snowdrum 02.08.2016 19:12
      Highlight Highlight das Problem ist zimlich sicher das der Schnee/das Eis über dem Tier aufgetaut ist und das es danach auftaute
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