Im Lincoln Park Zoo in Chicago lebt Siku, ein männlicher Eisbär. Dieser hat ein ungewöhnliches Problem, wie die BBC berichtet: 2018 bemerkten die Tierpfleger, dass er Haare verlor. An einzelnen Stellen war die Haut unter seinem weissen Fell zu sehen, er rieb sich an verschiedensten Orten in seinem Gehege, um sich zu kratzen. Schnell wurde klar: Siku juckte es am ganzen Körper.
Später wurde deutlich: Siku hat eine Allergie. Kathryn Gamble, die Tierärztin des Lincoln Park Zoo, begann, Haut- und Allergietests zu machen. Die zeigten, dass die Haut des Eisbären auf Hausmilben und verschiedene Pollenarten reagierte. Besonders stark war dieser Effekt bei menschlichen Hautschuppen. Was somit bedeutet: Siku ist allergisch auf Menschen.
Forscher vermuten, dass Tiere genau wie Menschen Allergien entwickeln, wenn sie mit neuen Stoffen in Kontakt kommen. Einige Experten gehen auch davon aus, dass Tiere, die auf Bauernhöfen und in Zoos leben, eher Allergien entwickeln, weil sie in von Menschen geschaffenem Umfeld leben. Das liege daran, dass sie Parasiten und Bakterien, die sie in der freien Wildbahn hätten, nicht ausgesetzt sind, so Forscher. Somit würde ihr Immunsystem in ein Ungleichgewicht geraten.
Von Allergien spricht man, wenn der Körper auf eigentlich harmlose Stoffe, wie Pollen oder Nüsse, eine übertriebe Reaktion auslöst. Das ist bei Mensch und Tier gleich. Oft reagieren Menschen auch auf Stoffe, die sie nicht kennen, etwa bei einem Umzug.
Annette Petersen, Tierärztin und Dermatologin an der Michigan State University, sagt gegenüber BBC, dass Tiere im Zoo parasitenfreies Essen erhalten. Somit nehmen sie aber die Bakterien, die sie in der Wildnis vor Krankheiten oder Allergien schützen, nicht auf. In anderen Worten: Für die Tiere wird so gut gesorgt, dass sie als Nebenwirkung Allergien entwickeln.
Glücklicherweise sind Allergien für Tiere, die in Zoos leben, behandelbar. Siku hat eine Kombination von allergieauslösenden Stoffen erhalten, das in lokalen Honig gemischt wurde. Der Honig hat zusätzlich lokale Pollen, die Sikus Körper helfen sollten, sich an das Umfeld zu gewöhnen. Tatsächlich reagierte der Eisbär bei Tests, die etwa anderthalb Jahre später durchgeführt wurden, viel weniger auf die Stoffe. (nib)