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bild: watson / mit material von shutterstock
Emma Amour

«Hilfeee, der Geist meines Ex' verfolgt mich!»

28.10.2019, 10:29
Liebe Emma,

Im Gegensatz zu anderen glücklosen Seelen durfte ich bereits zwei grossartige Lieben in meinem Leben willkommen heissen. Die eine, eine Jugendliebe, war lang und toll und ist vollkommen als schöne Erinnerung abgehakt. Die zweite Liebe währte sehr lange, machte mich sehr glücklich, aber am Ende waren wir zwei beste Freunde, die zusammenlebten und ich zog weiter. Was ihm so ziemlich das Herz brach, für mich dieser damalige Befreiungsschlag aus altem Trott aber einfach notwendig war.

Rund zwei Jahre nach dieser Trennung bin ich ziemlich sicher, meine dritte Liebe gefunden zu haben. Die Schmetterlinge purzeln, ich kriege mein Dauergrinsen nicht aus dem Gesicht und zukünftige Träume werden gemeinsam geplant. Also eigentlich alles super.

Aber der Geist meines Ex’ lässt mich nicht los. Ewiges Vergleichen, dieses «was wäre wenn, wenn er es wäre» und in nostalgischen Momenten heftiges Trauern um diese verlorene Möglichkeit, ein Leben mit ihm zu geniessen.

Meine Frage nun: Sind diese Gefühlswallungen gegenüber einem Ex-Partner normal, wenn man so lange Zeit ein schönes Leben geteilt hat und keine «bösen» Katastrophen wie Fremdgehen / Betrug / Verletzungen zum Ende geführt haben? Wie kann man einen Schlussstrich ziehen und sich ganz auf den neuen Partner einlassen? Oder sind solche Gefühle ein Warnsignal von meinem Herzli, dass der damalige Schlussstrich ein falscher war?

Helppppp!!

Lieber Gruss,
Joëlle

Hoi Joëlle,

lass mich etwas tun, das ich selten mache, wenn ich Fragen beantworte. Ich erzähle dir eine kleine Geschichte aus meinem Leben. Bei meiner ersten grossen Liebe war ich 17 Jahre alt. Wir waren sechs Jahre zusammen. Es waren sechs wunderbare Jahre, bis wir uns einfach auseinanderlebten.

Er entwickelte sich in die eine, ich in die andere Richtung. Wir liebten uns mehrheitlich auch nur noch platonisch. Was denn auch zur Trennung führte. Wir haben uns mit viel Tränen und Wohlwollen voneinander verabschiedet.

Es fiel nie ein böses Wort. Im Gegenteil. Wir unterstützten uns und hielten sehr lange Kontakt. Seit der Trennung ist mehr als ein Jahrzehnt vergangen. In der Zwischenzeit hatte ich weitere, ernste Beziehungen. Die ich notabene alle mit der ersten grossen Liebe verglichen habe.

Und das tue ich immer noch. Bei jedem Mann, der meinen Weg kreuzt, taucht irgendwo in meinem Hinterkopf die erste grosse Liebe auf. Das, obwohl ich zu 100 Prozent und schon sehr lange über den Mann hinweg bin.

Warum ich dir das erzähle? Ich will dir damit aufzeigen, dass es nicht nur okay, sondern ganz normal ist, dass wir vergleichen. Nichts prägt uns wohl so sehr wie die erste richtige grosse Liebe. Sie wird bis ans Ende unserer Tage zu unseren grössten und wichtigsten Erfahrungen zählen, die wir gemacht haben.

Und das ist doch gut und schön und richtig so.

Dass wir da natürlich kurzfristig Wehmut spüren, wenn ein neuer Mensch in unser Leben tritt, soll uns, soll dich keinesfalls aus dem Konzept bringen. Auch heisst das noch lange nicht, dass du den Schlussstrich nicht richtig ziehen konntest und deswegen nicht parat für den neuen tollen Mann bist.

Also, liebe Joëlle, entspann dich. Lass die Gefühle zu. Die Vergleiche. Die Wehmut. Vergiss dabei aber nicht ganz, warum ihr euch getrennt habt. Und dass neue Begegnungen ganz neue tolle Facetten in dein Leben bringen.

Ich wünsche dir und dem neuen Mann an deiner Seite nur das Beste,

deine

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Emma Amour ist ...
… Stadtmensch, Single, Anfang 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.bild: watson
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55 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sagittarius
28.10.2019 12:05registriert März 2019
Das Wort vergleichen stört mich irgendwie.

Vergleichen tut man aus einem Zustand von Mangel. Vergleiche führen dazu, dass man immer mehr und noch Besseres will, dass man irgendwie nie zufrieden ist.

Ja, auch ich denke manchmal an meine erste Liebe zurück... Wie es damals war, was ER alles gemacht hat, wie ich damals empfunden habe, was ich alles gemacht habe etc. Irgendwann merkte ich, es geht nicht um den Menschen (auch wenn er toll war!). Ich vermisste die unbeschwerte, intensive Zeit von damals. Nicht per se den Menschen. Ich vermisste MICH von damals!

Nun die Frage, was ists bei Dir?
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Knäckebrot
28.10.2019 11:59registriert Juni 2017
Liebe Joëlle

Hier ein unkonventioneller, liebevoller Kommentar:

Emma sagt, es sei für sie 100% abgeschlossen, auch wenn es ihr heute noch bei "jedem Mann" irgendwo "im Hinterkopf auftaucht". Das finde ich eine eindrückliche Feststellung.

Dein Problem war nicht dein Freund, sondern dein Trott. Wechsle den Trott und nicht den Freund. Wenn du am Freund statt am Trott ansetzt, dann wird sich das wiederholen und in deinem Herzen irgendwo eine Sehnsucht bleiben. Versuche herauszufinden "was" deine Sehnsucht ist und nicht "wer" deine Sehnsucht ist.
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olmabrotwurschtmitbürli #wurstkäseszenario
28.10.2019 10:52registriert Juni 2017
Also mir bereitet es eine ungeheure Genugtuung, dass bei meiner ersten Liebschaft all ihre späteren Typen im Vergleich zu mir fürchterlich scheitern.

Glaubs...
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