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Beef don't kill my vibe! So schmeckt der Burger beim fleischlosen Metzger

Kann man das Verlangen nach Fleisch stillen, ohne ein Tier zu essen? Wir machen den Selbstversuch. 

Fleisch ist die neue Zigarette  –  das dachte sich auch Unternehmer David Meyer, als er vor sieben Jahren gemeinsam mit dem niederländischen Bauern Jaap Korteweg und Experten aus der Lebensmittelindustrie anfing, Fleischalternativen zu entwickeln, die diesen Namen auch verdienen und nicht nach lieblos gewürztem Tofu schmecken. So viel schon mal vorab: Es ist ihnen geglückt. 

In der Berliner Bergmannstrasse 1 steht seit vergangenem Herbst der erste Konzept-Store des vegetarischen Metzgers im gewohnten Berliner Chic. Das Mobiliar glänzt so schön neu, das Menü wird verschnörkelt mit Kreide geschrieben und die Angestellten sehen keinen Grund zur falschen Freundlichkeit. Alles wie immer also – bis auf das, was letztlich auf dem Teller landet.  

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bild: bxj

Im Angebot:

Dass die Gerichte fleischlos sind, versteht sich von selbst und muss nicht extra mit rotem Filzstift auf die Speisekarte gekritzelt werden.

Fleischlos als Understatement — das muss man als Gastronomiebetrieb in Berlin erst einmal hinbekommen. Vor allem zu diesem Preis.



Das fleischlose Dasein, man sieht es den Burgern und Würstchen jedenfalls nicht an. Aber schmeckt man es raus? Der vegetarische Chickenburger ist zumindest auf den ersten Blick nicht von einem Burger mit «echtem Hühnchen» zu unterscheiden. Wer nicht über den Fleischersatz im Burger Bescheid weiss, wird vermutlich erstmal an seinem Verstand zweifeln — so täuschend echt sind die Fasern geraten.

bild: bxj

Erst nach der Hälfte, also sobald die unmittelbare Hitze von der Panade weicht, wird der Unterschied zum Hähnchen durch die veränderte Konsistenz der angefeuchteten Lupine deutlich. Wer den Geschmack eines echten Backhähnchens seit Kindheitstagen kennt und liebt, wird ab diesem Zeitpunkt erste Probleme mit dem Burger haben.

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bild: bxj

Die Umstellung ist nicht nur eine Frage des Willens, sondern auch klar eine der Zeit. Ähnlich ergeht es mir bei der Kostprobe des Chili sin Carnes. Während die Konsistenz beinahe 100%-ig ans Original reicht, erinnert die Würze einen Tick zu sehr an künstliche Geschmacksverstärker. 

Floskel hin oder her: Manchmal ist weniger eben doch mehr.

Im Test besonders überzeugt hat die Currywurst – genauso wie vegetarische Wurstaufschnitte aus dem Kühlregal schmeckt sie vor allem nach einem: fettigem Fleisch.

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Ein Stillleben aus Currypulver und Soja-Junk.  bild: bxj

Das macht die Zubereitung, klärt mich David auf. Unangefochtenes Highlight bleiben die knusprig gebackenen und sorgfältig marinierten «Hühnerstückchen», die an BBQ am See erinnern. Spätestens jetzt wird klar: verdammt, genau so schmeckt die Zukunft. Des Chefs ganzer Stolz. Kalorienzählen tut hier Gott sei Dank keiner. 

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bild: bxj

Die Produkte des vegetarischen Metzgers basieren auf Soja und proteinreichen Lupinen, das Sortiment im Kühlregal reicht dabei von Hähnchenfilet über Würstchen bis hin zu Thunfisch. Mit herkömmlichen Sojagranulatgemischen aus dem Supermarkt hat der vegetarische Metzger trotzdem nicht viel gemein. Aktuell arbeiten die Produzenten zu 70 Prozent mit Soja und zu 30 Prozent mit Erbsen und Lupinen.

Für das Fake-Fleisch ist vor allem die Konsistenz und die richtige Gewürzmischung relevant. Der «Fish Free Tuna» oder die «veganen Ragout-Krokettenbällchen» kosten dabei etwa so viel wie gutes Bio-Fleisch — also etwa 25 Prozent mehr als reguläre Fleischersatzprodukte aus dem Supermarkt. 

David Meyer sagt:

«Fleisch ohne schlechtes Gewissen wird durch uns möglich und hoffentlich auch bald massentauglich.»

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Die Crew beim fleischlosen Metzger. bild: bxj

Wer jetzt fragt, warum man denn unbedingt den Fleischgeschmack nachahmen müsse, kennt scheinbar die Antwort hartgesottener Fleischesser nicht. Obwohl mittlerweile jedem bewusst ist, dass Massentierhaltung schlecht und der Wurstverzehr zum Frühstück sicherlich nicht gesund ist, möchten viele Konsumenten nicht auf liebgewonnene Gewohnheiten verzichten. Auch Gründer Jaap wollte «einfach nicht auf den Geschmack von Fleisch verzichten.» Daher war klar für ihn, dass er etwas finden muss, was sein Verlangen nach Fleisch stillt, ohne dafür ein Tier zu schlachten. Die Sehnsucht nach der bislang unnachahmbaren Konsistenz von Steak bildete schliesslich die Grundlage für seine Geschäftsidee.

Wer möchte, kann sich beim nächsten Berlin-Besuch selbst ein Urteil bilden. Noch sind Lupine als Fleischersatz in Deutschland ein Geheimtipp. Mal abwarten, wie lange noch. In den Niederlanden sind sie bereits the shit. 

Vegan gibt's selbstverständlich auch in Zürich:

Obwohl: Oliver Baroni kann die vegane Currywurst aus Zürich nicht wirklich loben:  

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Video: watson/Oliver Baroni, Emily Engkent

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    Alle Leser-Kommentare
  • Phrosch 06.09.2017 20:47
    Highlight Highlight Was ich immer noch nicht verstehe: wenn jemand kein Fleisch essen will, warum braucht er dann "fast-wie-richtiges-Fleisch"-Ersatzprodukte und einen fleischlosen Metzger? Ist ja okay, kein Fleisch zu essen, es gibt ja jede Menge anderes. Aber Gemüse und Co. misshandeln und die zu Wurst und Schnitzel umbauen macht keinen Sinn. Aber vielleicht kann mir das ja jemand erklären...
    • JuliSaflor 06.09.2017 23:57
      Highlight Highlight Wenn es etwas gibt, das wie Fleisch aussieht, riecht und schmeckt, warum müssen dann noch Tiere für Fleisch leiden und sterben? Warum muss der Planet unnötig leiden um die Kosten der Massentierhaltung zu bezahlen? Kann mir das mal einer erklären?
    • leya 07.09.2017 00:04
      Highlight Highlight Steht ja im Artikel. Es geht darum, nicht auf den Geschmack von Fleisch verzichten zu müssen.
    • Pachyderm 07.09.2017 08:13
      Highlight Highlight Ich bin mir sicher, wenn du kurz drüber nachdenken würdest, kämst du selber drauf.

      Aber eigentlich würde es reichen den Artikel zu lesen, dastehts nämlich drin.
  • What’s Up, Doc? 06.09.2017 16:01
    Highlight Highlight Garnelenburger (6,99 Euro)
    Currywurst (4,49 Euro)
    Pulled Beef Burger (6,99 Euro)
    Chicken Schawarma (5,49 Euro) oder
    Crispy Chicken Burger (6,99 Euro) mit Süsskartoffelpommes

    Wie wäre es wenn man dem Produkt auch einen eigenen Namen geben würde. Ich mein ja nur, verkauft man Weisswein als Proseco bekommt man auf's Dach, aber Vegiburger als Chicken oder Beef verkaufen passt?
    • Trouble 08.09.2017 10:15
      Highlight Highlight Meine Rede! Beef ist Beef, wenn's Beef drin hat. Sollte nicht so schwer zu verstehen sein.
  • Toerpe Zwerg 06.09.2017 15:24
    Highlight Highlight Metzger?
  • pedrinho 06.09.2017 14:54
    Highlight Highlight Ich habe beim essen von fleisch kein schlechtes gewissen.

    Berichtet doch einfach von einem initiativen hersteller der schmackhafte produkte fuer eine marktnische produziert.

    Ich mache den gemüsessern auch keinen vorwurf, wenn sie die nahrung meiner wiederkauer vertilgen. Und nennt doch die produkte, auch wenn sie schmecken sollten, nicht wurst, nicht fisch, nicht fleisch......

    Mehr und mehr, habe ich es satt von minderheiten aus allen ecken meine freiheit begrenzt zu sehen.
    Lebe doche jeder nach seinem geschmack, doch "noli turbare circulos meos"

    • Pachyderm 06.09.2017 15:16
      Highlight Highlight Inwiefern begrenzt es denn deine Freiheit, wenn in Berlin Burger verkauft werden, für die keinem Tier ein Bolzen durchs Gehirn geschossen wurde?
    • grünergutmensch 06.09.2017 15:43
      Highlight Highlight pedrinho, no panic! niemand nimmt dir dein tierleichenstück weg. aber weisch, ein wenig nach vorne schauen, in die zukunft, über den tellerrand, würde manchen gut tun. aber eben, neues und alternatives denken funktioniert wohl nicht zusammen mit konservativer einstellung (konservieren)
    • pedrinho 06.09.2017 15:54
      Highlight Highlight Beef/fisch-burger ohne fleisch/fisch

      "where´s the beef" ?

      und der bolzen durchs gehirn - dein problem, nicht meins, immer noch besser als schaechten oder sonst irgendwie "inhuman" vom leben auf den (ess)tisch bringen.

      ich kann es, echtes fleisch&fisch sogar gemüsebeilage mit meinem leben gut vereinbaren !

      wenn dir das nicht passt, akzeptiert, dein problem, pflege deine religion und lass jenen die anders denken und handeln auch ihre freiheit, mir würde nie einfallen dich zu bevormunden.

      und wie bereits gesagt
      "noli turbare circulos meos" (!)

    Weitere Antworten anzeigen
  • jjjj 06.09.2017 14:49
    Highlight Highlight Ist ja alles super, aber warum muss man es immer als Fleisch, Wurst, etc benennen?
    Vegi-Metzger ist auch so ein Unwort...
    • grünergutmensch 06.09.2017 15:48
      Highlight Highlight why not? ob in der wurscht jetzt gehackte tierteile drin sind oder ghackts pflanzliches oder die burger pflanzlich oder fleischig sind, spielt doch keine rolle. alles ist in form gebrachte nahrung. auch nuggets sind gehacktes poulet oder eben gehacktes tofu, seitan gemisch wo im teig frittiert werden.
      wurde deine frage beantwortet? und ja, metzger ist eh negativ behaftet, da würd ich diese bezeichnung nicht für eine vegibeiz benutzen.
    • The hard Blob 07.09.2017 17:05
      Highlight Highlight Ich mag den Geschmack von Fleisch, habe aber aus verschiedenen Gründen ein immer schlechteres Gewissen wenn ich davon esse und möchte mein Fleischkonsum deshalb so gering wie möglich halten. Wenn ich also etwas essen kann was sehr ähnlich schmeckt, ohne dass dafür Tiere gefoltert wurden bin ich froh. Deshalb finde ich es auch cool wenn der Name des Gerichts mir angibt, dass es etwa so schmeckt wie z.B. chicken nuggets.
  • cubus72 06.09.2017 14:25
    Highlight Highlight Vegetarischer Metzger?
  • Ohniznachtisbett 06.09.2017 13:08
    Highlight Highlight Fleisch ist die neue Zigarette... Und mit beidem werde ich wohl nicht so schnell aufhören... Warum heisst etwas, was 0% Beef drin hat, dann Beef, warum heisst es Chicken-Burger, wenn kein Chicken drin ist. Ettikettenschwindel ist das. Die sollen ihre in Burgerform gedrückten Lupine essen bis es ihnen aus den Ohren rauskommt. Aber bitte nennt das Zeug einfach nicht Beef. Ich kann doch auch nicht irgend eine Wurst orange anmalen und dann sagen: Rüebli, wer will ein Rüebli...
    • wololowarlord 06.09.2017 16:27
      Highlight Highlight neue geschäftsidee: man eröffne ein restaurant, indem alles mit vegan angeschrieben ist, jedoch fleisch enthält. man kann so das "schlechte" gewissen trösten, da man ja vegan isst, aber muss nicht auf den fleischgeschmack verzichten. oder so.
    • Taliscaolila 06.09.2017 19:49
      Highlight Highlight Wirklich? Dieses Argument? Ist dir schon einmal aufgefallen, dass in der Sonnennilch keine Milch drinn ist? Und im Babyöl keine Babys? Eine Produktbezeichnung ist nicht gleich eine Inhaltsangabe. "Gehacktes" bezeichnet bspw. Die Zubereitungsart, welche man sehr wohl auch an Gemüse anwenden kann. Der vegane Chicken Burger heisst nun mal so, weil er geschmacklich nach Hühnchen schmecken soll - um zu wissen was drinn ist gibt es so eine super Erfindung die man Inhaltsangabe nennt, also nichts von Etikettenschwindel
    • P. Meier 07.09.2017 14:04
      Highlight Highlight @Taliscaolila
      Sehr dünnes Eis. Sonnenmilch kommt von der Farbe/Konsistenz (z.B. Sojamilch, Mandelmilch). Babyöl ist für Babies geeignet. Wenn ein Chickenburger ohne Chicken auskommt muss er wohl für die Ernährung/Pfege von Chicken geeignet sein! Wieso braucht man den unmöglichen Ausdruck "fleischloser Metzger"? Da spricht man besser von "Burger vom Gärtner". Beef ist die englische Bezeichnung für Rindfleisch und nicht für "ein Produkt mit rindfleischähnlichem Geschmack". Und ausser bei Zwiebeln ist mir kein Grünzeug bekannt, das man wirklich hackt, Wenn schon Vegan, dann vegane Bezeichnung!
  • stabiler 06.09.2017 12:59
    Highlight Highlight Auf jeden Fall eine gute Sache. Das Problem ist viel weniger der Geschmack, als die Barrieren im Kopf der Menschen. Schon heute bemerkt eine grosse Mehrheit nicht, wenn sie einen veganen statt einen fleischhaltigen Burger serviert bekommt.

    Vgl.: http://www.stern.de/tv/vegane-burger--merken-fleischesser--wenn-sie-keine-echte-bulette-essen-7491676.html

    Gerade mal 7 von 100 bemerkten den "Schwindel". Mir fällt es schwer, nachzuvollziehen, wieso man dennoch (einfach aus Gewohnheit) zum Fleischburger greift, im Wissen darum, wie Tiere dafür gelitten haben müssen.
    • Echo der Zeit 06.09.2017 18:56
      Highlight Highlight Es gibt ja auch nicht an jeder Ecke einen Coolen Veganen Burger Laden - übel finde ich, wenn es bei denn Sandwiches etwa Fünf mit Fleisch zur Auswahl hat (Salami, Schinken, Fleischkäse, Thon, Trockenfleisch) und eines mit Käse.
  • Pachyderm 06.09.2017 12:17
    Highlight Highlight Coole Sache, werde ich auf jeden Fall ausprobieren wenn ich mal in Berlin bin.
  • grünergutmensch 06.09.2017 11:52
    Highlight Highlight Guter Artikel, das ist die Zukunft, jetzt noch bitte ein Ableger in ZH 😋😋😋😋👌
    • grünergutmensch 07.09.2017 00:24
      Highlight Highlight ich meide hiltl, zu überfüllt, zu teuer, und de mr hiltl himself ist nicht mal vegi...;)

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