Stress im Alltag ist normal. Doch wie stark unser Körper auf Stress reagiert, hängt auch davon ab, ob wir genug trinken. Forscher der Liverpool John Moores University zeigen: Wer weniger als 1,5 Liter Wasser pro Tag trinkt, schüttet in Stresssituationen deutlich mehr Cortisol aus: ein Hormon, das langfristig krank machen kann.
Für die Studie teilten die Forscher 32 gesunde junge Erwachsene in zwei Gruppen ein: Die eine trank wenig (unter 1,5 Liter), die andere viel (über 2,5 Liter). Beide Gruppen mussten sich einem Stresstest stellen, dazu zählten Kopfrechnen und ein simuliertes Vorstellungsgespräch.
Das Ergebnis: Beide Gruppen waren gleich nervös, aber bei den Wenigtrinkern stieg der Cortisolspiegel deutlich stärker an. Das kann fatale Folgen für die Gesundheit haben: «Eine übertriebene Cortisol-Reaktion erhöht das Risiko für Herzkrankheiten, Diabetes und Depressionen», sagte Studienleiter Neil Walsh.
Auffällig war jedoch: Die Wenigtrinker fühlten sich nicht durstiger. Das zeigt, wie unzuverlässig Durst als Körpersignal ist. Denn schon bevor wir ihn spüren, leidet der Wasserhaushalt – mit Folgen für das Stresssystem.
Bei Flüssigkeitsmangel schüttet das Gehirn das Hormon Vasopressin aus. Es signalisiert den Nieren, Wasser zu sparen, und aktiviert gleichzeitig das Stresszentrum. Die Cortisolproduktion steigt.
Laut Europäischer Lebensmittelbehörde (Efsa) sollten Männer täglich etwa 2,5 Liter, Frauen rund 2 Liter trinken, inklusive Kaffee, Tee und wasserreicher Lebensmittel. Bei Hitze, Sport oder Krankheit ist mehr Flüssigkeit nötig.
Die beste Kontrolle liefert der Blick in die Toilette: Hellgelber Urin deutet auf gute Flüssigkeitszufuhr hin, dunkler Urin auf Mangel. Wichtig ist auch, über den Tag verteilt regelmässig zu trinken, grosse Mengen auf einmal helfen nicht.