Am vergangenen Donnerstag spielte sich in Norwegen Ungewöhnliches ab: Kronprinz Haakon und Mette-Marit erschienen nicht wie angekündigt zum Mittagessen für die Staatsverwaltung. Aus «privaten Gründen», wie sie ausrichten liessen. Das war noch nie passiert.
Jetzt wissen all die versetzten Verwalterinnen und Verwalter auch, wieso: Das Kronprinzenpaar brachte Mette-Marits Sohn, den notorischen Tunichtgut, den Kokser, Schläger, Wohnungszertrümmerer, Töfflidieb und Besitzer lebensgefährlicher Messer (mit alledem fiel der junge Mann in den letzten Monaten auf) Marius Borg Høiby nach London. Um ihn dort, so vermuten jedenfalls die norwegischen Medien, in eine Entzugs-Klinik einzuliefern.
Es war aber auch an der Zeit. Marius Borg Høiby liess in den vergangenen Wochen keine einzige Gelegenheit aus, um zu beweisen, dass ihm alles egal ist und er sich einen Dreck um sein Image und das seiner Familie schert. Der 27-Jährige, der im Juli 2017 seine erste Busse wegen Kokainkonsums begleichen musste, hat 2024 einen Sommer mit zwei Verhaftungen (wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung, Diebstahl), mehreren Geständnissen und immer neuen Vergehen und Anschuldigungen (von dreien seiner Ex-Freundinnen) hinter sich.
Nach seiner Verhaftung am 4. August bekannte er sich immerhin zu seinen Drogenproblemen und versprach, einen abgebrochenen Entzug wieder aufzunehmen.
Haakon äusserte sich am Rande der öffentlichen Sommerspiele bereits öffentlich dazu, König Harald sagte am 24. Oktober in einer traditionellen Rede: «Wir sind eine Familie – mit allen Freuden und Herausforderungen, die damit verbunden sein können, wie wir alle wissen. Sowohl in guten als auch in schwierigen Zeiten versuchen wir zusammenzuhalten und uns gegenseitig zu unterstützen.»
Marius Borg Høiby liess sich nur wenige Tage nach der Rede des Königs dabei fotografieren, wie er vor einem Zeitungsständer mit Schlagzeilen über ihn («Er bereut nichts») den Mittelfinger zeigt.
Nur Mette-Marit schwieg und immer neue Gerüchte kamen auf: So soll sie ihren Sohn am 4. August vor der bevorstehenden Verhaftung gewarnt (die Königsfamilie war vorab von der Polizei informiert worden) und seine Wohnung aufgeräumt und Spuren verwischt haben. Doch jetzt scheinen sie und Haakon die Konsequenzen gezogen zu haben.
(sme)