Die Familien-Politik der Beckhams ist zwangsneurotisch und Brooklyn absolut kindisch
Jetzt ist es also wie im Fussball: Alle warten auf den Videobeweis. Der angeblich zeigen soll, wie sich Mama Victoria Beckham an der Hochzeit ihres Sohnes Brooklyn «sehr unangemessen» benommen haben soll. So unvorstellbar peinlich und penetrant soll sie sich in den Vordergrund getanzt haben, dass Brooklyns Braut in Tränen ausbrach.
Sohn Brooklyn ist angeblich im Besitz dieses Videos. Sonst kein Mensch, denn kein Mensch durfte an der heiligen Palm-Beach-Hochzeit von Brooklyn Beckham und Nicola Peltz im April 2022 mehr als ein paar schimmlige Schnappschüsse mit einem sehr beschränkten Klapphandy machen, das den Hochzeitsgästen extra dafür ausgehändigt wurde. Die eigenen Geräte mussten sie abgeben.
So stellt sich das Internet Victorias unangemessenen Auftritt vor:
Für alle angemessenen Fotos waren die «Vogue» und Brooklyn zuständig, Brooklyn hat von seinen Eltern gelernt, wie man das macht mit den Familienfotos und der Presse. Oder wie der ehemalige Besitzer des «OK!»-Magazins in seiner Autobiografie schreibt: Jahrelang traf er sich immer freitags mit David und Victoria Beckham und man wählte gemeinsam die Fotos aus, die in «OK!» erscheinen sollten. Damals, bevor es Social Media gab. Die Beckhams waren immer schon gross in Sachen Imagekontrolle.
Oder so:
Als sich David und Victoria 1997 ineinander verliebten, kamen zwei Marken und Medienlieblinge zusammen, die sich gegenseitig nur befruchten konnten, das war schnell klar. Er verliebte sich in die vornehme Posh Spice, die ihr Lachen hässlich fand und immer leicht abwesend in irgendein Space blickte. Sie verliebte sich in den Fussballstar, der den Begriff «metrosexuell» prägte, weil er gerne viel Zeit mit seinen Haaren verbrachte. Beide liebten ihr nicht immer ganz geschmackssicheres Spiegelbild und am meisten liebten sie, wenn sie sich in den Medien gespiegelt fanden.
Die Beckhams schleusten sich und nacheinander ihre vier Kinder in eine reibungslos funktionierende mediale Verwertbarkeitsschlaufe ein. Brooklyn, Romeo, Cruz und Harper waren ab Geburt Teil von Brand Beckham. Vieles war ein bisschen wie bei den Royals und gewiss sehr lästig, trotzdem schien die Familie Beckham weit mehr Spass zu machen als die Windsors. Statt in traurigen Spitälern kranke Kinderhände zu schütteln, sass man an der Paris Fashion Week oder im Fussballstadion. Und der grösste Profiteur der zwangsneurotischen Beckhamschen Familienförderung war Brooklyn.
Mit 14 wachte er auf und wollte Model werden, also suchte man ihm eine hochkarätige Model-Möglichkeit. Mit 15 bezeichnete er sich als Fotograf, mit 16 fotografierte er eine Parfum-Kampagne für Burberry. Mit 17 publizierte er seinen ersten Bildband und studierte in New York Fotografie, was er jedoch nach einem Jahr abbrach.
Der Reigen prominenter Girlfriends begann ebenfalls früh – mit 14 kam er mit der Schauspielerin Chloë Grace Moretz zusammen. Später datete er die jüngere Schwester von Kate Moss und weitere sieben Models oder Sängerinnen, darunter Rita Ora. Mit 21 verliebte er sich in die amerikanische Milliardärstochter und Schauspielerin Nicola Peltz.
Ebenfalls mit 21 wollte er Profikoch werden und bekam für seine tragisch amateurhaften Koch-Videos eine Crew von 62 Film- und Kochprofis und Einsätze bei berühmten Köchen geschenkt. Mit 25 hatte er einen kurzen Vertrag mit Uber Eats, die Gerichte, die er dafür entwickelte, stiessen auf keinerlei Liebe. Die Zeitschrift «Tatler», die sonst alles, was aus reichen britischen Häusern und Köpfen kommt, nur super findet, schrieb: «Der Geschmack der verschiedenen Gerichte war eine so einzigartige Kombination aus fade und abstossend, dass es schwer ist, die ‹coolen Orte› zu finden, die als Inspiration dienten. Ein Schuhladen? Seine ledrigen Knödel und gummiartigen Nudeln deuten jedenfalls darauf hin.»
Trotzdem hatte er immer alles. Weil er ein Beckham ist. Jetzt nennt er es «Kontrolle», bezichtigt seine Eltern der totalen Verlogenheit und Inszenierungssucht (dies stimmt gewiss) und will sich nie, nie, nie wieder mit ihnen versöhnen. Such horseshit.
Aktuell ist er Unternehmer, seine Firma heisst Cloud23 und stellt zwei Chilisaucen her, nämlich Hot Habanero und Sweet Jalapeño. «Seit seiner Kindheit sind Brooklyns Erfahrungen von globalen Einflüssen geprägt. Die Vielfalt der Kulturen inspirierte ihn dazu, Neues auszuprobieren, zu experimentieren und sich zu dem Trendsetter zu entwickeln, der er heute ist», lernen wir bei Cloud23. Klar, wenn man in Madrid, L.A. und England aufwachsen durfte.
Seine Saucen gelten als «Kitchen Couture», in jeder Flasche schlummern grosszügige 2,2 dl, die Zweierpackung kostet 35 Dollar. Und woran erinnert das entfernt? Vielleicht an die Marmeladen der Duchess of Sussex? Und Prinz Brooklyn mit seiner amerikanischen Frau, die von den Beckhams nie akzeptiert worden sei, an Prinz Harry mit seiner amerikanischen Frau, die von den Royals nie akzeptiert worden sei?
Brooklyn und Harry sind zwei unversöhnliche Briten, die jedes einzelne Privileg ihres Lebens ihrer Familie verdanken und jetzt im gutbetuchten amerikanischen Wut-Exil vor sich hin zetern. Folgt von Brooklyn jetzt auch noch ein Enthüllungsbuch, «Control» vielleicht? Oder die Netflix-Doku im Stile seiner Eltern bloss gegen seine Eltern? Wird hier bald ein weiterer Familienkonflikt zu sehr viel Geld gemacht?
Es ist alles so abgrundtief kindisch. David Beckham sagte dazu am WEF: «Kinder dürfen Fehler machen. So lernen sie.» Nachsichtiger kann man das kaum sagen. Und auch Eltern dürfen Fehler machen. Man könnte sich ja einfach mal aussprechen, anstatt auf allen Kanälen zu pöbeln. Und wir? Warten auf den Videobeweis.
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