Mondbasis? Hat da jemand MONDBASIS gesagt??
Der folgende Bildstoff reiht sich nahtlos ein in die lose Oliver-Baroni-Serie zum Thema «früher war die Zukunft geiler». Bezüglich Autodesign, etwa, trifft diese These zu.
Bezüglich Flugreisen, Hausroboter und Architektur ebenfalls.
Und vor allem trifft es zu, wenn es um das Thema Weltraumforschung geht.
Für uns Kinder der 1970er Jahre war es eine ausgemachte Sache, dass es bis zum Ende des Jahrzehnts eine dauerhaft bemannte Basis auf dem Mond geben würde. Und es war nichts als logisch, dass besagte Mondbasis bis zur Jahrtausendwende bereits die Grössenordnung einer Kleinstadt haben würde – und dabei höchstwahrscheinlich riesige Glaskuppeln aufweisen würde, unter denen wir Menschen unser Leben so ziemlich genauso führen könnten wie zu Hause auf Mutter Erde.
Nun erreicht uns die Nachricht, die US-Raumfahrtbehörde NASA plane nun eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond. 50 Jahre zu spät, aber immerhin.
Laut NASA-Chef Jared Isaacman sei das Ziel, «vor dem Ende der Amtszeit von Präsident Trump auf den Mond zurückzukehren, eine Mondbasis zu bauen, eine anhaltende Präsenz zu etablieren und die anderen Dinge zu tun, die eine amerikanische Anführerschaft im Weltraum sicherstellen».
Bild: keystone
Ja, klar: Hintergrund ist der globale Konkurrenzkampf im All. Grösster Konkurrent der USA ist China mit dem vorgegebenen Ziel, bis 2030 Menschen auf den Mond zu bringen. Und auch Russland will auf den Mond ...
... aber wetten, dass alle diese Programme eines gemeinsam haben werden?
Ihre Mondbasen werden kleine, enge, hässliche Dinger sein. Hey, im Zweifel werden sie wie ein paar Baustellencontainer aneinandergereiht aussehen.
Auf jeden Fall nicht so:
Oder so:
Ach, wie waren doch die Zukunftsvisionen von Mondbasen schön, ... damals in der Vergangenheit!
Seit dem Beginn des Wettlaufs ins All in den 1950er Jahren entwickelten alle – von Raketenwissenschaftlern bis hin zu Kinderbuchillustratoren, von Sci-Fi-Regisseuren bis hin zu Industriedesignern – Projektionen davon, wie eine bemannte Mondbasis in nicht allzu ferner Zukunft aussehen könnte.
Mal waren es offiziell genehmigte Konzeptstudien des NASA Glenn Research Center, wie dieses Gemälde von David A. Hardy aus den frühen 70er-Jahren, ...
... mal waren es wissenschaftliche Spekulationen für Magazine, wie diese «future moon colony» von David Meltzer, die 1968 im «National Geographic Magazine» erschien:
Und mal waren es wunderbar unterhaltsame Was-wäre-wenn-Szenarien, wie etwa im eingangs dieses Artikels gezeigte Kindersachbuch «Future Cities: Homes & Living into the 21st Century» von 1979, das unter anderem diese legendäre Doppelseite enthält, ...
... welche «die Olympischen Spiele im Jahr 2020» darstellt.
Nun, das Jahr 2020 haben wir bereits hinter uns, und es gab keine Olympischen Spiele auf dem Mond. Und bislang gibt es auch noch keine Mondkolonie, die in irgendeiner Weise dem hier ähnelt:
Und schon gar nicht dem hier:
Bislang gibt es keine Mondkolonie, punktum.
Schade, denn Vorlagen dafür gab es etliche. Hier eine aus einem japanischen Kinderbuch aus den 50er-Jahren:
Und hier eine Visualisierung von 1968 vom Illustrator Les Bossinas für das NASA Glenn Research Center:
Bossinas' kreisförmiger Zitadellenentwurf erwies sich übrigens als sehr einflussreich, tauchte er doch bald danach in diesem wunderschönen Konzeptentwurf von Robert McCall für den Film «2001: A Space Odyssey» auf:
Regisseur Stanley Kubrick verwendete in der Folge für den Film genau diesen Entwurf für die Clavius Moon Base.
Auch Moon Base Alpha 1 aus der britisch-italienischen Science-Fiction-Serie «Space 1999», die von 1975–1977 lief, folgte diesem Design ...
... wobei man die Gelegenheit nicht verpasste, die eine oder andere Glaskuppel-Biosphäre einzubauen, die in Zukunftsvisionen der 1970er fast schon obligatorisch war.
Okay – bleiben wir husch bei der Mondbasis von «Space 1999», denn das Design ist schlicht grossartig. Guckt mal den Wohnbereich an!
Und die Schlaghosen der Uniformen!
Und die Frisuren erst!
Hey, selbst wenn sich die angekündigte Mondbasis der NASA am Ende als nicht komplett enttäuschend herausstellen sollte, derart coole Frisuren wie die Jungs aus «Space 1999» wird die Besatzung niemals haben!
Und schon gar nicht so coole Morgenmäntel.
Okay, zurück zu den Konzeptillustrationen! Hier «The Moon In the Year 2024», wie er in der «Futurama»-Ausstellung von GM auf der Weltausstellung in New York 1964 zu sehen war:
Hier ein Konzept von NASA-Illustrator Bob Luke von 1974:
«Moon Base Central Plaza» von Pat Rawlings, 1986, das offenbar ein unterirdischer Park mit Sauerstoffzufuhr sein soll. Die Wartungsteams stehen bestimmt unter grossem Druck.
Ein Entwurfsvorschlag für eine aufblasbare Unterkunft aus dem Jahr 1989:
In dieser 1969er-Ausgabe des «Science Journal» ging Dr. Rodney Wendell Johnson, leitender Planer des Advanced Manned Mission Program der NASA, auf das Problem der extremen Temperaturen auf der Mondoberfläche ein. Für eine semipermanente Basis schlug er vor, vorgefertigte Unterkünfte und ausbaubare Labore einzugraben.
Etwas weniger Science und umso mehr Fiction: So stellte sich Künstler Ed Emshwiller «Weihnachten auf dem Mond» vor anno 1954:
