Laut JetSpy, dem Online-Tracking-Dienst für Privatjets, besitzt Amazon-Gründer Jeff Bezos neben seinen zwei Gulfstream G650ER (ein beliebtes Flugzeugmodell für Business- und Privatjets) neuerdings auch ein Schweizer Produkt. Der Schweizer Flugzeughersteller Pilatus bewirbt seinen PC-24 als Super Versatile Jet, «den einzigen super vielseitigen Jet der Welt», weil er auf kurzen und unbefestigten Pisten landen kann.
Dies kann er vor allem, weil er gehörig klein ist – was sich wiederum auf die Raumverhältnisse und Ausstattung der Kabine auswirkt. Das Online-Magazin Business Insider schaute sich das Flugzeug in Genf auf der EBACE – European Business Aviation Convention & Exhibition –, Europas grösster Konferenz für Geschäftsluftfahrt, etwas genauer an.
Für die Vorteile der Flexibilität und nicht auf befestigte Start- und Landebahnen angewiesen zu sein sind offenbar selbst die reichsten Kunden bereit, Kompromisse bei Komfort und Platzangebot einzugehen. Da wäre etwa die Kabinengrösse: Bei einer Höhe von gut 1,5 Metern muss sich jeder und jede bücken.
Auch die Kombüse ist ultra-kompakt, mit gerade mal einem Waschbecken und Schrank für Champagnergläser.
Vor allem aber fungiert die Küche auch als Toilette: Unter dem Waschbecken zieht man an einem Griff, um die Toilette zu öffnen – ein platzsparendes Layout.
Platzsparend, gewiss, aber auch mit Einschränkungen, was die Privatsphäre betrifft: Nur ein Vorhang trennt das WC vom Cockpit (in dem immerhin nur ein Pilot zum Betrieb des Jets benötigt wird). Wenigstens gibt es auf der anderen Seite eine Tür zur Kabine, die für Privatsphäre sorgt.
Was sich auf den ersten Blick als krasser Kompromiss anhört (WC in der Küche? Hallo?), entpuppt sich in der Praxis als Verkaufsargument des PC-24: Normalerweise befinden sich Toiletten im hinteren Teil eines Jets, aber auf dem PC-24 findet man einen Vorhang, der einen direkten Zugang zum Frachtraum ermöglicht, der eine Ladekapazität von 1400 Kilogramm hat und nicht durch eine Festinstallation einer Toilette beeinträchtigt ist.
Allzu lange Flüge sind mit dem PC-24 nicht möglich, denn mit einer Reichweite von rund 3500 Kilometern müsste er auf der Strecke zwischen Bezos' Wohnsitz in Miami und Amazons Hauptsitz in Seattle einen Tankstopp einlegen. Dafür ist der Kaufpreis von 10 Millionen Dollar geradezu ein Schnäppchen.
Wie genau Bezos seinen Kurzstrecken-Jet einsetzt, ist nicht weiter bekannt. Auch nicht, für wie viele Personen die Kabine konzipiert ist (gewöhnlich finden acht bis zehn Passagiere Platz in einem PC-24). Vorstellen darf man den Pilatus als das aviatische Pendant zum Landrover eines Multimilliardärs, der gewöhnlich Rolls-Royce fährt.
(obi)