Leben
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Mein Vater hat eine bipolare Störung – so war meine Kindheit

Allen war klar, dass der Vater von Jolina Gruber (Name von der Redaktion geändert) anders war: Dass der Grund dafür eine psychische Erkrankung war, wusste allerdings lange Zeit niemand. So hat Gruber ihre Kindheit mit ihrem Vater erlebt, der ihr zunehmend fremd wurde – und um den sie sich heute kümmert.

Jolina Gruber*



Vater, Baby und Kind.

Bild: Shutterstock.com

Es ist drei Uhr nachts, als mein Vater mich weckt und sich an mein Bett setzt. Ich bin zunächst noch zu müde, um zu verstehen, was er redet. Neben mir liegt meine beste Freundin, die bei mir übernachtet und nun auch wach ist. Aus dem Schlafzimmer höre ich meine Mutter leise weinen.

Mein Vater spricht über den Streit, den er soeben mit meiner Mutter hatte. Wie schwierig deren Beziehung zueinander gerade ist. Er redet und redet, sucht offensichtlich Bestätigung, dass er richtig gehandelt hat, dass er Recht hat in diesem Streit, den ich nicht so richtig verstehe.

«Papa, es ist nachts. Meine Freundin ist hier. Wir wollen schlafen», sage ich genervt.

Aber er ist zu aufgedreht, er hört einfach nicht auf, zu reden. Schlaf scheint ihm nichts zu bedeuten, weder unserer noch sein eigener.

In letzter Zeit passieren solche Dinge öfter: Dass mein Vater extrem unruhig ist, übertrieben redselig, kaum zur Ruhe kommt. Irgendetwas stimmt nicht.

Dass mein Vater eine psychische Krankheit hat, habe ich nicht gewusst

Als sich diese Szene ereignete, war ich 13 Jahre alt. Damals wusste ich, dass mein Vater sich ungewöhnlich verhält. Dass sein Verhalten mit einer psychischen Krankheit zusammenhängen könnte, habe ich allerdings nicht verstanden.

Mein Vater ist mittlerweile diagnostiziert mit einer bipolaren Störung mit schizophrenen Tendenzen. Die bipolare Störung macht, dass seine Stimmungen extrem schwanken: Phasenweise ist er aufgedreht, redselig, schläft kaum und gibt extrem viel Geld aus. Dann wieder ist er depressiv, antriebslos, schläft den ganzen Tag und wäscht sich nicht.

Wenn ich mich an meine früheste Kindheit zurückerinnere oder mit meinen Verwandten spreche, ist klar: Mein Vater war schon immer irgendwie anders. Wir alle waren nur lange Zeit nicht in der Lage, seine Andersartigkeit in Worte zu fassen – bis die Ärzte uns das nötige Vokabular lieferten: bipolare Störung. Ich bin also nicht aufgewachsen mit einem komischen Vater, sondern einem geistig kranken.

Ich bin also nicht aufgewachsen mit einem komischen Vater, sondern einem geistig kranken.

Ich bin mir nicht sicher, ob meine Mutter, die mittlerweile verstorben ist, jemals tiefgehend verstanden hat, was mit meinem Vater los ist. Sie war Krankenschwester und vor allem verliebt in ihre Arbeit – bis mein Vater auf die Bildfläche trat. Er war um die 40, gutaussehend, frisch geschieden und gerade erst aus Österreich nach Deutschland gekommen, um hier einen Neustart zu wagen.

Meine Mutter, damals schon Ende 30 und mit einem extrem starken Kinderwunsch, hat sich bestimmt allzu gerne von diesem charmanten und ungewöhnlichen Fremden umgarnen lassen.

Ihren Erzählungen und denen alter Freunde meines Vaters nach zu urteilen muss er damals schon unter seiner bipolaren Störung gelitten haben: Alle wussten, der Jupp, der ist der Klügste von uns allen – aber auch der Wildeste, der stellt immer etwas an. Und nun erobert er eben das Herz dieser Krankenschwester und heiratet sie Hals über Kopf.

In manischen Phasen denkt mein Vater nicht an Konsequenzen

Was nach dem Beginn einer wildromantischen Beziehung klingt, entpuppt sich erst aus heutiger Sicht als Puzzleteil seiner psychischen Störung. Wenn mein Vater in einer seiner manischen Phasen ist, handelt er bedenkenlos. Das tun auch psychisch gesunde Menschen häufig – aber nicht mit so einer Systematik, wie mein Vater es in den letzten Jahren getan hat.

Das Besondere an der bipolaren Störung ist, dass sie zwei Extreme vereint – entweder man ist besonders aktiv oder eben das genaue Gegenteil. Bei manchen Menschen können diese Extreme wöchentlich schwanken. Bei meinem Vater tun sie das teilweise jährlich.

Deswegen ist uns auch so lange nicht aufgefallen, welchem Muster seine Störung folgt. Seine depressive Phase, die wir als «normal» und unauffällig empfunden haben, dauerte gerne mal ein paar Jahre an. Bis sie dann von einer einjährigen manischen Phase durchbrochen wurde.

Sobald diese dann vorbei war, dachten wir allerdings immer: Es wird jetzt wieder besser. Das war jetzt nur eine schlechte Zeit.

Zu viel Geld kann bei meinem Vater manische Schübe auslösen

Ich verbrachte als kleines Mädchen viel Zeit mit meinem Vater, der zu Hause war, während meine Mutter arbeiten ging. Ich sage immer, ich war ein «Papa-Kind»: Wir haben viel zusammen unternommen, sind nach Österreich gefahren, haben Fahrradtouren gemacht, sind schwimmen gegangen – die gemeinsame Zeit hat uns zusammengeschweisst.

Das erste Mal, dass mein Vertrauen zu ihm Kratzer erlitt, war nach unserem Umzug in eine grössere Wohnung. Damals war ich zwölf. Wir haben von meiner Oma etwas Geld für den Umzug selbst und neue Möbel geschenkt bekommen – und das löste eine schwere manische Phase bei meinem Vater aus. Die erste, die ich bewusst wahrnahm, ohne jedoch seine Krankheit zu erkennen.

Ich war ein «Papa-Kind».

Er stritt zu diesem Zeitpunkt viel mit meiner Mutter, war gleichzeitig sehr viel unterwegs – wo genau, wusste ich nicht. Wenn meine Mutter wieder einmal Nachtschicht hatte, sass ich manchmal abendelang allein zu Hause, ohne Nachricht von meinem Vater, wo er war und ob es ihm gut ging. Das Papa-Kind konnte sich nicht mehr auf seinen Papa verlassen.

Erst Jahre später, als sich solche Vorfälle häuften, habe ich verstanden: Wenn mein Vater grosse Summen Geld zur Verfügung hat, dreht er einfach durch. Er gibt das Geld mit beiden Händen aus. Wird hyperaktiv. Erfindet Geschichten, zum Beispiel, dass er eine eigene Firma habe oder Diplomat sei.

Aber nach wenigen Monaten war der Spuk wieder vorbei. Mein Vater beruhigte sich und nahm seinen gewohnten Platz in seinem Sessel vor dem Fernseher ein, wo er, tagein, tagaus, vor sich her grummelte.

Erst mit 18 wurde mir bewusst, wie krank mein Vater war

Der Ernst seines Zustands wurde mir erst bewusst, als ich etwa 18 war: Damals haben wir das Haus meiner Oma verkauft, weil sie in ein Heim umzog. Den Erlös sollte ich erhalten, mein Vater hatte allerdings auch Zugriff auf das Geld. Gedacht war die Summe eigentlich als finanzielles Polster für die Zeit nach dem Abi und mein Studium.

Mein Vater allerdings verprasste einen Grossteil davon innerhalb kürzester Zeit, kaufte zwei Autos, übernachtete in Hotels, lud Freunde und Fremde zum Trinken ein. Nur ein Drittel der Summe konnte ich retten, indem meine Mutter und ich meinem Vater den Zugriff zu unseren Finanzen verweigern liessen. Das ging nur mithilfe eines Notars.

Das löste Aggressionen bei ihm aus: Wenn man meinem Vater in seiner manischen Phase Geld verweigert, ist mit ihm nicht zu spassen. Sein Zorn traf schliesslich meine Mutter, die alleinige Verdienerin und Geldgeberin der Familie. Immer verärgerter wurde er, immer schlimmer ging er sie an – bis er schliesslich handgreiflich wurde und meine Mutter ins Gesicht schlug.

Mein Vater durfte sich unserer Wohnung nicht mehr nähern.

Ich ging dazwischen, versuchte, meine Mutter zu verteidigen. Rief schliesslich die Polizei. Nach diesem Vorfall erhielt mein Vater Hausverbot und durfte sich unserer Wohnung nicht mehr nähern.

Später erst, als er sich wieder beruhigt hatte (was er meistens tut, wenn er über längere Zeit kein Geld zur Verfügung hat), liess meine Mutter ihn wieder bei uns einziehen. Teils tat sie das aus Mitleid – teils aber auch, weil sie rechtlich dazu verpflichtet war, ihn zu finanzieren. Die günstigere Alternative war es, sich wieder eine Wohnung zu teilen.

Endlich die Diagnose: Bipolare Störung

Unter einem Vorwand schafften wir es, meinen Vater zu einem Neurologen zu schicken: Seine Hausärztin, der wir von den Ausfällen meines Vaters erzählt hatten, gab ihm eine Überweisung zum «Spezialisten», angeblich wegen seiner Venen.

Der Neurologe erkannte recht schnell, woran mein Vater wahrscheinlich litt: an einer bipolaren Störung. Endlich hatten wir es schwarz auf weiss.

Nachdem mein Vater wieder bei uns eingezogen war, schien alles wie früher zu sein – und doch war alles anders. Mein Vertrauen zu meinem Vater war verschwunden.

Ich weiss, dass mein Vater keine Schuld an seiner Krankheit trägt. Und trotzdem ist so viel passiert, was ich nicht vergessen kann. Das ausgegebene Geld, die erfundenen Geschichten, die Gewalt – in den manischen Phasen fühlt es sich an, als sei mein Vater fremdgesteuert. Das ist nicht mein Papa. Das ist ein fremder Mann, der sich so verhält, als hätte er starke Drogen genommen.

Ich hatte allerdings Glück, dass ich in meiner Kindheit verhältnismässig wenig mitbekommen habe von der Krankheit meines Vaters – vor allem, weil es immer starke Frauen um uns herum gab, die ihn aufgefangen und mich vor allem Übel bewahrt haben: Das war einerseits meine Oma, die immer wieder versucht hat, meinen Vater zu beschwichtigen.

Vor allem aber hat meine Mutter für Stabilität in unserem Leben gesorgt: Obwohl sie so viel gearbeitet hat, hat sie die Familie zusammengehalten und mich unterstützt, wo es nur ging. Auch und vor allem dann, wenn mein Vater mich aufgrund seiner Krankheit nicht unterstützen konnte.

Heute passe ich auf meinen Vater auf

Heute übernehme ich diese Rolle und passe auf meinen Vater auf – trotz allem, was geschehen ist. Das gefällt ihm manchmal mehr und manchmal weniger: Da ich seit dem Tod meiner Mutter vor fünf Jahren auch unsere Finanzen verwalte, liess er es eine Zeit lang gerne mal an mir aus, wenn ich ihm in seinen manischen Phasen «zu wenig» Geld gab.

Vor zwei Jahren war eine Episode sogar so schlimm, dass ich meinen Vater in die psychiatrische Klinik einweisen lassen musste – mit 70 Jahren also war er zum ersten Mal in so einer Einrichtung. Er war wütend, fühlte sich unterstanden – aber ich habe mir nicht mehr zugetraut, mich allein um ihn zu kümmern.

Ich glaube, dass psychische Krankheiten in unserer Gesellschaft nach wie vor ein grosses Tabu sind.

Mittlerweile wohnt mein Vater in einer eigenen kleinen Wohnung unter mir und hat einen gesetzlichen Betreuer, der sich um seine Finanzen und Behördengänge kümmert. Ausserdem nimmt er Psychopharmaka, die seine Stimmungsschwankungen in der Waage halten. Unser Verhältnis ist relativ entspannt.

Ich glaube, dass psychische Krankheiten in unserer Gesellschaft nach wie vor ein grosses Tabu sind. Zwar sehe ich eine positive Entwicklung: Mein Vater wurde immerhin als bipolar diagnostiziert und bekommt nun die notwendige Unterstützung. Vor 20, 30 Jahren noch galt er einfach nur als «komisch», ohne dass jemand einen schwerwiegenden gesundheitlichen Grund erahnt hätte.

Über die Angehörigen von psychisch Kranken wird kaum gesprochen

Ausserdem wird viel zu wenig darüber gesprochen, was psychische Krankheiten mit den Angehörigen der Betroffenen machen. Sie können aufgrund des mangelnden emotionalen Abstands die Geschehnisse oftmals schlecht einordnen, fühlen sich belastet und wissen nicht, wo sie Hilfe holen können.

Und dann fällt es vielleicht einfach schwer, zuzugeben, wenn die Familienmitglieder oder der Partner unter einer psychischen Krankheit leidet. Man will den Betroffenen in kein schlechtes Licht rücken. Ich habe damals mit meinen Freunden und Bekannten glücklicherweise recht viel darüber gesprochen, was mit meinem Vater los ist.

Dadurch habe ich nicht nur viel Anerkennung und Unterstützung erfahren – sondern im Endeffekt auch wertvolle Tipps bekommen, an wen ich mich wenden kann, wenn ich Hilfe benötige. Dass es zum Beispiel eine Krisenhotline des psychiatrischen Notdienstes gibt, habe ich erst durch eine Freundin erfahren.

Wir müssen wachsamer sein und lernen, die Zeichen psychischer Krankheit in unserem Umfeld richtig zu deuten – nicht nur, um den Betroffenen zu helfen, sondern auch deren Angehörigen. Nur auf diese Weise schaffen wir es auch, das gesellschaftliche Stigma psychischer Krankheiten aufzuheben und psychisch Kranken sowie ihren Familien zu helfen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • ZurichSonne 12.06.2019 13:53
    Highlight Highlight Liebe Jolina, vielen Dank dass du deine Geschichte mit uns teilst. Ich finde es sehr stark von dir, dass du auf ihn aufpasst. Mein Vater ist ebenfalls bipolar, ich bin heute 26 und wir wissen es seit 10 Jahren. Jedoch habe ich keinen Kotakt zu ihm. Ich habe für mich entschieden, dass es so besser ist. Viele Menschen können das leider nicht verstehen. Es quälte mich täglich der Gedanke, was er wohl als nächstes "anstellt" und das machte mich selbst irgendwann fast krank. Heute habe ich seine Krankheit akzeptiert, aber möchte ihn nach wie vor nicht in meinem Leben haben.
  • Jay888 12.06.2019 10:42
    Highlight Highlight Der Vater von meinem Exfreund hat auch eine bipolare Störung. Er war genauso wie dein Vater.. Hatte auch Schulden und seine ganze Familie damit belastet. Mein Exfreund musste das Studium abbrechen, weil plötzlich kein Geld mehr da war. Hat dann auch immer seine Familie unterstützen müssen, weil der Vater wieder irgendein Blödsinn gekauft hat...
    War auch für mich sehr schwierig, trotz Verständnis, konnten wir nie in die Ferien, keine neue Wohnung, usw. weil der Freund immer der Familie sein Geld geben musste... Schon hart, wieviele Menschen die Krankheit betrifft...
  • PlusUltra 11.06.2019 23:59
    Highlight Highlight Fesselnder Beitrag, danke dafür!

    Betroffene und Angehörige (egal ob es sich um eine psychische oder physische Krankheit handelt) sollten öfters den Mut fassen, darüber zu reden. Einerseits um Hilfe und Unterstützung zu erhalten, andererseits auch um in der Öffentlichkeit den Krankheitsbildern den Schrecken zu nehmen.

    Viele wären wohl verblüfft darüber zu erfahren, wieviel Support sie auch vom weniger engen Bekanntenkreis bekämen. Wer Halt und Unterstützung braucht, soll sie einfordern!
  • myso 11.06.2019 18:51
    Highlight Highlight Danke für diesen Artikel. Ich habe einen bopolaren Bruder und ich kann mich sehr damit identifizieren.
    Ich bin sehr froh ist er in einem guten Netz aufgefangen worden. Nachdem was alles passiert ist könnte und will ich mich nicht um ihn kümmern müssen.
    Hut ab, dass sie ihrem Vater so weit vergeben konnte.
  • Luzifer Morgenstern 11.06.2019 18:07
    Highlight Highlight Liebe Redaktion. Ich finde, das ist ein äusserst gelungener Beitrag. Und ich denke, das könnte man angemessen würdigen mit einer auffälligen Infobox, wo alle sehen, wo man sich Hilfe holen kann, als Betroffene(r) oder als Angehörige(r). Ich meine, klar kann man mit Hausarzt und Polizei sprechen, und es gibt auch öffentliche Notfall-Kontaktnummern. Da sollte man die Jugendlichen Leser auf das Sorgentelefon aufmerksam machen. Und für Erwachsene gibt es Notfallpsychiater, Selbsthilfegruppen... Lange Liste... Wie findet ihr das?
  • Laurrra 11.06.2019 18:00
    Highlight Highlight Kenne ich sehr gut auch mein Vater lebte mit der selben diagnose..
    Im nachhinein betrachtet schmerzen mich die depressiven phasen mehr..in diesen phasen war jegliches leben aus ihm verschwunden...auch wenn teils manische phasen auch schrecklich waren mit zu erleben, sprühte er doch voller leben...
  • Suela 11.06.2019 16:13
    Highlight Highlight der Vater einer Freundin war genau gleich.. weiss man ob das vererbbar ist? Ich stelle ähnlich beschriebene Züge teilweise auch bei ihr fest..
    • auloniella 11.06.2019 16:31
      Highlight Highlight Vererbbar im absoluten Sinne nicht, aber eine familiäre Häufigkeit ist feststellbar.
    • Niiki 11.06.2019 16:31
      Highlight Highlight Bipolare störung ist nicht vererbar, schizophrenie (sehr warscheindlich falsch geschrieben) jedoch schon.
    • Luzifer Morgenstern 11.06.2019 18:44
      Highlight Highlight Niiki, korrekt geschrieben. Schizophrenie ist wahrscheinlich zum grössten Teil genetisch veranlagt, hat aber wenig bis nichts mit dem üblichen Sprachgebrauch zu tun. Eineiige Zwillinge sind z.B. Nur zu 45% beide betroffen, wenn eins betroffen ist.)

      Lass mich devilsplainen: Wenn die Umgangssprache „Schizo“ sagt, meinen die meisten Leute eine Dissiziative Identitätsstörung (DIS). Und eine DIS ist normalerweise durch ein Trauma verursacht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • BigE 11.06.2019 15:13
    Highlight Highlight Ein sehr berührende Geschichte, die mich als Nichtbetroffene, in einem stabilen Familienumfeld aufgewachsene Frau, sehr berührt. Ich wünsche allen betroffenen Menschen und Angehörigen viel Kraft und Hilfe!
  • Asho 11.06.2019 15:11
    Highlight Highlight Betroffenen Kindern, Eltern und Unterstützern kann ich das Institut Kinderseele Schweiz empfehlen:
    https://www.kinderseele.ch/

    Informationen, Beratung und Kurzfilme
  • Olmabrotwurst 11.06.2019 13:35
    Highlight Highlight Ich hatte auch mal eine Freundin mit so einer Störung. Es hat mich persönlich sehr viel kraft gekostet, vorallem das hin und her.

    Bis mir auch bewusst wurde wie die Krankheit funktioniert hat es eine Ewigkeit gedauert.

    Meine Frau meint heute das ich sehr ruhig bin in hektischen Situationen, ich glaube das kommt von meiner damaligen Freundin, hat mich gelernt Situationen aus einem ganz anderen Blickwinkel abzuschätzen bevor man reagiert.
  • Pitefli 11.06.2019 13:32
    Highlight Highlight Eine heimtückische und gemeine Krankheit. Es ist für alle Familienangehörige wahnsinnig schwierig. Meine Schwester hat jahrelang darunter gelitten. Am Schluss war der Leidensdruck zu gross und sie hat sich das Leben genommen. Das Stigma einer psychischen Erkrankung ist noch immer viel zu gross. Trotz Anerkennung der WHO ist es keine gesellschaftlich anerkannte Krankheit.
    • redeye70 11.06.2019 22:55
      Highlight Highlight Das ist sehr hart, was du da schreibst! Geht mir sehr nahe. Meine Schwester versuchte sich das Leben zu nehmen als sie in einer abgrundtiefen Depression steckte. Sie entschied sich noch rechtzeitig um und alarmierte mich, bevor der Medimix seine volle Wirkung zeigen konnte. Ich will mir gar nicht vorstellen wie sich das anfühlen würde, hätte sie es durchgezogen.
  • El Schnee 11.06.2019 12:46
    Highlight Highlight Ein konstruierter Beitrag, mit der immer gleichen Masche, möglichst aus der ‚Sicht eines Opfers‘. Der übliche Psychiatriekitsch offenbart sich besonders an der Stelle, wo behauptet wird, der Neurologe habe die Störung rasch erkannt. Woran hat er das erkannt? Hat er im tief in die Augen geschaut oder die üblichen suggestiven Fragen gestellt? Es gibt keine Biomarker. Die Kriterien für psychische Abweichung wird v.a. sozial definiert. Endlich hat man den Sündenbock. Moderne Hexenjagd. Mobbing pur. Psychiatr. Diagnosen sind keine Befreiung und Psychopharmaka sind äusserst destruktiv. Nicht lustig.
    • Pitefli 11.06.2019 13:22
      Highlight Highlight Genau solche Aussagen sind der Killer für die gesellschaftliche Anerkenning psychischer Erkrankungen als Krankheit. Die meisten (Fach-) Ärtze kennen die Kriterien für eine psychische Erkrankung.
    • Andi Weibel 11.06.2019 13:24
      Highlight Highlight Das Schlimme an solchen Erkrankungen ist, dass die Erkrankten (insbesondere in den manischen Phasen) keinerlei Einsicht haben, wie sehr die Krankheit ihnen und ihren Angehörigen Schaden zufügt, und deshalb jede Hilfe verweigern.

      Alle sind herzlich eingeladen, sich ernsthaft mit der Krankheit auseinanderzusetzen, bevor sie irgendwelche Ratschläge geben.
    • Adumdum 11.06.2019 13:36
      Highlight Highlight Alternative?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Waver 11.06.2019 12:42
    Highlight Highlight Als betroffener muss ich dazu sagen, dass man selbst sich ausserstande sieht entsprechend Hilfe zu finden. Das ist genauso Anstrengend wie die Krankheit selbst. In den manischen Phasen denkt man nicht mal dran und in den depressiven ist man derart haltlos, dass das ebenfalls nicht unmöglich erscheint (wohin wenden, lächerlich erscheinen, wird sowieso nicht ernst genommen etc.)
    • Estelle P!nk 11.06.2019 15:22
      Highlight Highlight Es ist nicht einfach sich Hilfe zu suchen und dann auch noch eine Therapeutin zu finden die zu einem passt. Aber es ist möglich.
    • Luzifer Morgenstern 11.06.2019 18:53
      Highlight Highlight Noch einmal an die Redaktion: wo ruft man an, wenn man einfach ins Telefon heulen möchte: Hilfe! Hört mich jemand?“
    • Estelle P!nk 11.06.2019 19:50
      Highlight Highlight Die dargebotene Hand ist immer für dich da! Tel: 143
  • atorator 11.06.2019 11:39
    Highlight Highlight Verteilt über die Schweiz gibt es die Kriseninterventionszentren (KIZ), welche ich sehr empfehlen kann. Da kann man in einem ersten Schritt mal zur Ruhe kommen und ist an einem sicheren Ort. Und in dieser Woche wird eine Triage gemacht und die weitere Schritte besprochen.

    Ich habe meinen sehr schwierigen Vater 4 Jahre lang gepflegt. Das war eine unheimlich schwierige Zeit, auch für mich sehr belastend. Mein Tipp daher: Die Verantwortung unbedingt auf mehrer Schultern verteilen, wenn man helfen möchte und sich professionelle Hilfe holen. Sonst wird es schnell mal zu viel.
  • Andi Weibel 11.06.2019 11:34
    Highlight Highlight Das beschreibt ziemlich genau auch meine Kindheit...

    Was auch kaum bekannt ist: Bipolar affektive Störungen bringen eine Mortalität von 15 bis 30% mit sich (vorallem durch Suizid), was höher ist als viele Krebsarten.
    • Luzifer Morgenstern 11.06.2019 18:56
      Highlight Highlight So schön, dass du Suizid als Todesfolge von psychischen Krankheiten anerkennst. Psychische Erkrankungen sind oft tödlich. Man muss das sagen.
  • Niiki 11.06.2019 11:02
    Highlight Highlight Meiner Vater scheint dem deinen sehr zu ähneln, wobei ich seit mehr als 10 Jahren keinen Kontakt mehr pflege. Sein verhalten war zu schmerzhaft und er wollte sich nicht helfen lassen. Was ich weiss ist das er inzwischen bei Ehefrau nummer 4 ist und extrem hoch verschuldet.
    Gerade für Kinder ist es sehr schwer einen psychisch kranken Elternteil zu haben. Man merkt etwas stimmt nicht, kann dies jedoch nicht richtig verstehen
  • Estelle P!nk 11.06.2019 10:52
    Highlight Highlight Bipolar ist eine heimtückische Sache, in 2-3 Monats-Zyklen wechselten bei mir die Phasen ab. Während der depressiven Phasen war ich nicht fähig mir Hilfe zu holen, sobald die manische Phase da war, dachte ich nicht an Hilfe, da ich dann eh die Beste war und alles konnte.

    Mittlerweile lebe ich zum Glück frei von solch starken Schwankungen und auch ohne Medikamente. Ich hatte Glück.

    Angehörige gehen leider zu oft vergessen, es ist nicht einfach das mitzumachen. Ich kann mich nicht genug oft bei meiner Exfrau bedanken für ihre jahrelange Unterstützung ohne zu wissen was überhaupt los war.
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  • Pümpernüssler 11.06.2019 10:51
    Highlight Highlight Kenne es selber von meiner Mutter her. Wünsche dir weiterhin viel Kraft. Danke für die Geschichte.

Zebulon Simentov ist der letzte Jude Afghanistans. Darum bleibt er in Kabul

Bis vor kurzem hatte ich noch nie etwas von Zebulon Simentov gehört. Sein Name begegnete mir in einem Wikipedia-Artikel über die Vertreibung von Juden aus arabischen und anderen islamischen Ländern: 1948 gab es demnach rund 5000 Juden in Afghanistan, 2008 jedoch nur noch einen einzigen – nämlich Simentov.

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