Schweiz

Hälfte der Schweizer Bevölkerung ist unzufrieden mit der Aussenpolitik

Hälfte der Schweizer Bevölkerung ist unzufrieden mit der Aussenpolitik

02.12.2022, 10:5402.12.2022, 10:54
Das Bundeshaus in Bern, am Sonntag, 28. August 2022. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Die Arbeit im Bundeshaus wird kritische gesehen.Bild: keystone

71 Prozent der Schweizer Bevölkerung befürwortet den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Gemäss einer Studie will die Bevölkerung auch mehrheitlich einen vollständigen Zugang zum europäischen Binnenmarkt und die Teilnahme an den EU-Kooperationsprogrammen.

Die Ergebnisse einer Studie des Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag der Europäischen Bewegung Schweiz 30 Jahre nach dem Schweizer Nein zum EWR zeigen, dass die Hälfte der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger unzufrieden mit der Schweizer Aussenpolitik ist. Mit dem Abbruch der Verhandlungen zum Rahmenabkommen mit der Europäischen Union (EU) ist eine relative Mehrheit nicht einverstanden, und eine absolute Mehrheit ist der Ansicht, dass sich die Beziehungen seither verschlechtert haben.

Befragt wurden rund 1000 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Der wichtigste und gleichzeitig dringlichste Schwerpunkt aus Sicht der Befragten seien stabile Beziehungen zur EU. Doch stehe dies auch in einem Spannungsfeld, da der zweitdringlichste aussenpolitische Aspekt eine möglichst eigenständige und neutrale Schweiz sei, heisst es in einer Mitteilung vom Freitag.

Bei der Schwerpunktsetzung in der schweizerischen Aussenpolitik befinden sich stabile Beziehungen zur EU (89 Prozent eher oder sehr wichtig), Mitbestimmung der Schweiz in internationalen Gremien (80 Prozent) und ein möglichst eigenständiges und neutrales Handeln der Schweiz (74 Prozent) in den obersten Rängen.

Hin- und hergerissen in Bezug auf die EU

Bezüglich dem aussenpolitischen Schwerpunkt mit der höchsten Dringlichkeit ist die Stimmbürgerschaft fast polarisiert: 38 Prozent wünschen sich stabile Beziehungen zur EU, während 35 Prozent eine möglichst neutrale und eigenständige Schweiz wollen.

Lediglich 2 Prozent der befragten Stimmbürgerinnen und Stimmbürger beurteilen gemäss der Studie der Europäischen Bewegung Schweiz die EU-Leistung als sehr gut, während 41 Prozent diese als eher gut wahrnehmen. Immerhin 34 Prozent beurteilen sie aber als eher schlecht und 17 Prozent sogar als sehr schlecht.

Durch den russischen Überfall auf die Ukraine im Februar und den Krieg in dem osteuropäischen Land hat sich das Ansehen der EU für eine relative Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger jedoch eher bis stark verbessert (46 Prozent).

Neben der stark gewünschten Kooperation im Bereich Ausbildung sei in der aktuellen Situation aber auch die Energie und für einen Teil der Befragten die Sicherheit ein wichtiger Grund, um enger und institutionalisiert mit der EU zu kooperieren, so die Studie.

Die Präferenzen im Bereich Energie und Ausbildung seien dabei weitgehend unabhängig von der individuellen Positionierung auf der Links-Rechts-Achse. (aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
47 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Reto32
02.12.2022 11:57registriert Juni 2017
Die grosse Mehrheit der Schweizer ist sich offensichtlich noch nicht bewusst, dass das InstA ein EWR-Minus-Abkommen war und dass sämtliche Bestimmungen, die Gewerkschaften, Kantone und die Rechte zum Aufschrei gebracht haben (wie z.b. die Einschränkung von Kontrollen der Arbeitsbedingungen von EU-Arbeitnehmern, die Abschaffung der 8-Tage-Regel, die Unionsbürgerrichtlinie oder die Einschränkung der staatlichen Beihilfen) direkt aus dem EWR übernommen wurden - mit einigen minimalen Änderungen, um der Schweiz zu gefallen.

Und das InstA war nur ein sehr kleiner Teil des gesamten EWR-Vertrages.
245
Melden
Zum Kommentar
avatar
Helga41
02.12.2022 11:37registriert November 2021
Mir tun die jungen Leute leid, die dank der SVP nicht bei Erasmus mitmachen dürfwnc. In der EU ist das übrigens auch ein Programm für Berufsleute in Ausbildungen.
3927
Melden
Zum Kommentar
47
Tragödie auf dem Bauernhof: Was wirklich geschah
Hofbesitzerin Marianne B. galt als Frau, die mit ihren Tieren überfordert war. Recherchen zeigen: Es war vor allem ein gefährlicher Mann, der sie überforderte.
Aus der Ferne wirkt der Bodenhof in Ramiswil SO idyllisch. Er liegt leicht erhöht über dem Guldental, umgeben von Wiesen und Bäumen. Hier hinauf führt nur eine schmale Zufahrtsstrasse. Andere Wege gibt es nicht, deshalb kommen nicht einmal Wanderer vorbei.
Zur Story