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Deutliches Ja zur AHV-Reform zeichnet sich ab: Die anderen Vorlagen stehen auf der Kippe

19.08.2022, 06:1419.08.2022, 10:44

Wäre bereits am 8. August abgestimmt worden, wären die beiden Vorlagen zur AHV-Reform angenommen worden. Die Massentierhaltungsinitiative hätte das Volksmehr knapp erreicht. Dies ist das Ergebnis der ersten Abstimmungsumfrage im Auftrag der SRG.

Für die AHV-21, die unter anderem die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre bringen würde, hätten 64 Prozent der Befragten gestimmt, 33 Prozent dagegen.
Für die AHV-21, die unter anderem die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre bringen würde, hätten 64 Prozent der Befragten gestimmt, 33 Prozent dagegen.Bild: KEYSTONE

In der am Freitag veröffentlichten Erhebung des Forschungsinstituts GFS Bern gaben 51 Prozent der Befragten an, sie hätten bestimmt oder eher Ja gesagt zur Initiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz».

46 Prozent äusserten sich gegen das Volksbegehren, 3 Prozent gaben an, sie seien noch unentschieden. Aussagen zum Ständemehr lassen sich gemäss den Studienautorinnen und -autoren keine machen.

Für die AHV-21, die unter anderem die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre bringen würde, hätten 64 Prozent der Befragten gestimmt, 33 Prozent dagegen. Der Anteil der Unentschlossenen liegt auch hier bei 3 Prozent.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Erhöhung der Mehrwertsteuer zugunsten der AHV: 65 Prozent hätten ein Ja in die Urne gelegt, 29 Prozent ein Nein, 6 Prozent sagten, sie hätten sich noch nicht entschieden. Die beiden Vorlagen sind miteinander verknüpft: Wird eine davon abgelehnt, scheitert die AHV-Reform.

Nur eine relative Mehrheit zeigt die Umfrage für die vierte Vorlage, über welche die Stimmberechtigten am 25. September befinden: 49 Prozent hätten der Aufhebung der Verrechnungssteuer und der Umsatzabgabe auf inländische Obligationen zugestimmt. 35 Prozent gaben an, sie hätten die Gesetzesänderung abgelehnt. Mit 16 Prozent ist der Anteil der Unentschlossenen deutlich höher als bei den anderen Vorlagen.

Knappes Ja der Grünen-Basis zu AHV-Reform

Bei der AHV-Reform sei die parteipolitische Polarisierung bereits gut erkennbar, schreiben die Studienautorinnen und -autoren. Erwartungsgemäss äusserte sich eine Mehrheit von 51 Prozent der SP-Anhängerinnen und -Anhänger gegen die vorgeschlagene Änderung des Änderung des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung.

Bei GLP, Mitte, FDP und SVP zeigt die Umfrage dagegen klare Mehrheiten für die AHV-21. Bei der FDP-Basis liegt der Ja-Anteil bei 83 Prozent, bei jener der GLP bei 80 Prozent. Auch bei Mitte und SVP dominiert das Ja-Lager mit 77 Prozent beziehungsweise 69 Prozent klar. Auch bei den Parteiungebundenen überwiegt mit 57 Prozent die Zustimmung.

Eine Ausnahme bilden die Sympathisantinnen und Sympathisanten der Grünen: 51 Prozent von ihnen äusserten sich für die AHV-21 - trotz gegenteiliger Haltung ihrer Partei.

Wie schon in einer früheren Umfrage von Tamedia und «20 Minuten» zeigt sich auch in der Erhebung im Auftrag der SRG ein deutlicher Geschlechterunterschied: 74 Prozent der Männer, aber nur 52 Prozent der Frauen gaben an, für die AHV-21 stimmen zu wollen. Mit 69 Prozent ist die Zustimmung in der Deutschschweiz zudem höher als in der Romandie mit 49 Prozent und in der italienischsprachigen Schweiz mit 50 Prozent.

Der Erhöhung der Mehrwertsteuer stimmen die Anhängerschaften aller Parteien mehrheitlich zu - auch jene von SP und Grünen. Es sei jedoch zu erwarten, dass der Zuspruch zur Reform bei den linken Parteien im Verlauf der Kampagne noch sinken werde, so GFS Bern. Am geringsten ist der Ja-Anteil zur Zusatzfinanzierung der AHV mit 56 Prozent bei der SVP-Basis.

Nein-Komitee kritisiert SRG-Umfrage zur AHV-Reform
Die Gegnerinnen und Gegner der AHV-Reform haben Kritik an der jüngsten Umfrage im Auftrag der SRG zu den Abstimmungen am 25. September geübt. Das mit der Erhebung betraute Forschungsinstitut weist die Vorwürfe zurück.

In der Umfrage werde das Hauptargument des Nein-Lagers nicht erwähnt, schrieb das Referendumskomitee gegen die AHV 21 am Freitag in einem Communiqué. Dieses laute, dass Frauen heute im Durchschnitt einen Drittel weniger Rente erhielten und ihnen mit der Reform die Rente gekürzt werde.

Das Komitee verwies in diesem Zusammenhang auf eine vergangene Woche publizierte Abstimmungsumfrage des Medienhauses Tamedia und von «20 Minuten». Dort sei das Argument abgefragt worden – und die Unterstützung für die Erhöhung des Frauenrentenalters mit 53 Prozent geringer ausgefallen als in der Erhebung im Auftrag der SRG.

Das Institut GFS Bern, das die SRG-Umfragen durchführt, betonte in einer Stellungnahme, man frage immer zuerst nach den Stimmabsichten, bevor man auf Argumente eingehe. Damit beeinflusse die Auswahl der entscheidenden Argumente das Resultat der Umfrage nicht, schrieb der Politologe Lukas Golder auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Zwei von acht Argumenten, nach denen sein Institut bei den beiden AHV-Vorlagen gefragt habe, beträfen die Frauenfrage, so Golder weiter. Dass diese im Zentrum der Debatte stehe, bringe man deutlich zum Ausdruck. Namentlich habe das Institut explizit danach gefragt, ob für die Befragten die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern beim Stimmentscheid eine Rolle spielten. Auf diese Weise habe man die linke Argumentation zur Debatte gestellt. (sda)

Geschlechtergraben bei Massentierhaltungsinitiative

Die Massentierhaltungsinitiative findet den Angaben zufolge bei Frauen deutlich mehr Anklang als bei Männern. 60 Prozent der befragten Frauen sagten gegenüber GFS Bern, dem Begehren zustimmen zu wollen, aber nur 41 Prozent der Männer.

Klare Mehrheiten von 87 respektive 77 Prozent findet die Initiative bei den Anhängerinnen und Anhängern von Grünen und SP. Bei der Basis der Grünliberalen äusserten sich 63 Prozent zustimmend, bei den Parteiungebundenen liegt der Ja-Anteil bei 54 Prozent.

Dagegen fällt das Volksbegehren bei den Anhängerschaften von SVP, FDP und Mitte. 70 Prozent der Anhängerinnen und Anhänger der SVP und 69 Prozent jener der FDP sagten, sie hätten ein Nein in die Urne gelegt. Auch bei der Basis der Mitte liegt das Nein-Lager mit 62 Prozent vorn.

Relativ stark fällt laut der Studie zudem der Stadt-Land-Graben aus: In grossen Agglomerationen wollen demnach 57 Prozent zustimmen, auf dem Land lediglich 40 Prozent. In kleinen und mittleren Agglomerationen zeigt die Umfrage eine knappe Ja-Mehrheit von 52 Prozent.

Vieles offen bei Verrechnungssteuer

Das Verrechnungssteuergesetz hätten die Anhängerinnen und Anhänger von SP und Grünen Anfang August mehrheitlich verworfen - mit 54 respektive 51 Prozent. Bei allen anderen Parteien hätte es zumindest eine relative Mehrheit gefunden. Am meisten Zustimmung zeigt die Umfrage bei der FDP-Basis mit 73 Prozent Ja.

Je höher das Einkommen, desto höher fällt die Zustimmung zur Änderung des Verrechnungssteuergesetzes aus, wie GFS Bern weiter ausführte. Das Institut wies darauf hin, dass der Stand der Meinungsbildung noch tief sei. Erst 44 Prozent hätten eine feste Meinung. Bis zum Abstimmungssonntag sei mit Bewegung bei den Stimmabsichten zu rechnen.

GFS Bern befragte für die SRG-Umfrage zwischen dem 29. Juli und dem 15. August 12'015 Stimmberechtigte. Der statistische Fehlerbereich beträgt +/-2,8 Prozentpunkte. (sda)

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87 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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In vino veritas
19.08.2022 06:26registriert August 2018
Für die AHV-21, die unter anderem die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre bringen würde, hätten 64 Prozent der Befragten gestimmt, 33 Prozent dagegen. Der Anteil der Unentschlossenen liegt auch hier bei 3 Prozent.


Gerne darf vermerkt werden, dass die weiblichen Stimmberechtigten eine Mehrheit darstellen. Nur falls wieder der böse böse Mann daran Schuld ist, wenn Frau hier die geforderte Gleichstellung erhält. Danke
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Mandalayon
19.08.2022 06:46registriert Februar 2018
Manchmal zweifle ich schon ein bisschen: an meinen Mitbürgern und/oder meinem Verstand.

SVP: AHV 77% ja, MwSt 56%.
SP: AHV 45% ja, MwSt 66%.

Da die beiden Vorlagen gegenseitig abhängig sind, ist aus meiner Sicht das einzig logische, für beide oder gegen beide zu sein, ich bekomme alles oder nichts. Bei der Wählerschaft dieser Parteien sind aber über 20% aus meiner Sicht komisch. Ist das bei der SVP so ein "Anti-Steuer-Reflex"? Und bei der SP eine Allergie auf die Rentenaltergleichstellung? Oder fehlt einfach das Wissen über die Kopplung? Irgendwelche Hobby-Politologen/Psychologen?
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Munchkin
19.08.2022 08:36registriert Januar 2019
Ich verstehe immer noch nicht wie man gegen die Massentierhaltungsinitiative sein kann. Woher kriegt man diese rosa Brille oder warum denken einige wirklich, dass es keine Massentierhaltung gibt?
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