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Bei dem Polizeieinsatz auf dem Mormonthügel filmte die Waadtländer Polizei fleissig mit. Viele Videos davon stellte sie auf Twitter. bild: watson

Analyse

Warum die Waadtländer Polizei die Räumung des Mormonthügels auf Twitter veröffentlichte

Die Waadtländer Kantonspolizei filmte bei der Räumung des Protest-Camps auf dem Holcim-Gelände fleissig mit und veröffentlichte Dutzende Videos auf Twitter. Dass die Polizei so offensiv kommuniziert ist neu – und hat vor allem zwei Gründe.

Cet article est également disponible en français. Lisez-le maintenant!
Agathe Seppey
Agathe Seppey



Am Dienstagmorgen waren in den sozialen Medien unzählige Bilder und Videos von der Räumung des Mormonthügels im Kanton Waadt zu sehen. Polizisten in Kampfmontur evakuierten die 200 Umwelt-Aktivistinnen und Aktivisten, die sich auf dem Gelände bei Eclépens und La Sarraz (VD) gegen die Ausweitung des Steinbruchs wehrten.

Dabei filmte die Kantonspolizei jedes Vorrücken fleissig mit. «Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir ein solches Kommunikationsmanagement bei einer Schweizer Polizei je gesehen haben», so André Duvillard gegenüber watson. Er ist ehemaliger Kommandeur und Kenner des Sicherheitsdispositivs von Polizeieinsätzen.

Transparenz und Deeskalation

Was hat die Waadtländer Polizei dazu bewogen, ihren Einsatz so akribisch zu dokumentieren? Jean-Christophe Sauterel, Kommunikationsdirektor der Waadtländer Kantonspolizei antwortet direkt am Mormonthügel: «Es ist eine Frage der Transparenz. Die Menschen haben das Recht zu sehen und zu wissen, was vor sich geht und wie die Polizei eingreift. Und wir haben alles getan, um sicherzustellen, dass die Medien ihre Arbeit machen können.»

Auch auf die Frage, warum die Videos gerade auf Twitter geteilt wurden, hat Sauterel eine Antwort. Die gleichen Netzwerke wie die Aktivistinnen und Aktivisten zu nutzen, findet auch der ehemalige Kommandeur Duvillard sinnvoll: «Es gibt den Menschen die Möglichkeit, sich aus mehreren Blickwinkeln eine Meinung zur gleichen Situation zu bilden.»

Und wenn im Jahr 2021 die Präsenz der Polizei auch auf Twitter ganz normal ist, können die Videos und Tweets bei einem risikoreichen Einsatz auch für eine Deeskalation sorgen, so Duvilard weiter.

Auch Bodycams waren im Einsatz

Die am Dienstag von der Polizei publizierten Videos wurden vom Kommunikationsteam der Kapo Waadt aufgenommen. Zudem filmten auch Polizeibeamte, die mit Bodycams ausgestattet waren, die Szenen der Räumung. Diese Minikameras sind seit 2019 im Rahmen eines Pilotprojekts im Einsatz. Die damit aufgenommenen Bilder sind jedoch nicht öffentlich, sondern für gerichtliche Zwecke bestimmt.

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Ein Polizist filmt die Räumung des Mormonthügels mit einer Handkamera. bild: watson

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Seit 2019 filmt die Waadtländer Polizei auch mit Bodycams Polizeieinsätze. bild: keystone

In einer Zeit, in der weltweit über Polizeigewalt diskutiert wird, sei der Entscheid der Waadtländer Polizei nachvollziehbar, so Duvillard. Man setzte auf Nähe und intensive Kommunikation, um das Vertrauen der Bürgerinnen stärken. «Natürlich ist man auch daran interessiert, die öffentliche Meinung mitzuprägen», sagt der ehemalige Kommandeur.

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Der besetzte Hügel Mormont bei Eclépens wird geräumt

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Der besetzte Hügel Mormont bei Eclépens wird geräumt
quelle: keystone / jean-christophe bott
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