Geschäftsreise im selben Zimmer? Bewerberinnen erheben Vorwürfe gegen Tessiner CEO
Der Chef eines Tessiner Unternehmens suchte eine «persönliche Assistentin». Mehrere Frauen berichten daraufhin, dass sie beim Vorstellungsgespräch vom Chef sexuell belästigt worden seien. Darüber berichtet RSI.
Die Assistentin solle zwischen 19 und 40 Jahre alt sein, «absolut frei von familiären Verpflichtungen» und «verfügbar für neue Erfahrungen ausserhalb der üblichen Regeln», hiess es laut RSI in der Stellenanzeige. Der CEO habe sich selbst als «Manager von hohem menschlichem und professionellem Niveau» bezeichnet.
Einige Bewerberinnen, die zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurden, schilderten gegenüber RSI ihre Erfahrungen. Der Arbeitgeber habe aufdringliche und intime Fragen gestellt und das Aussehen der Frauen kommentiert. Zwischen ihm und seiner Assistentin, die «immer an seiner Seite» sein müsse, sei eine «Symbiose» notwendig.
Er habe auch über seine Auffassung von «Geschäftsreisen» mit der Assistenz gesprochen. Dabei stelle er sich vor, einige Tage in einer Wohnung am Meer zu verbringen, eventuell sogar im selben Zimmer.
Die Bewerbungsgespräche hätten teilweise am Ende des Arbeitstages oder am Samstag stattgefunden, wenn niemand anderes mehr im Büro gewesen sei. Eine Kandidatin sagt gegenüber RSI, sie habe unerwünscht einen Kuss erhalten. Manche Frauen hätten sich nach dem Gespräch gedemütigt gefühlt.
Auch eine Journalistin von RSI habe sich auf die Stelle beworben und ähnliche Erfahrungen wie die restlichen Bewerberinnen gemacht. Der Chef habe ihr mitgeteilt, dass der Vertrag erst abgeschlossen werden könne, wenn eine «Vertiefung des gegenseitigen Kennenlernens» stattgefunden habe. Dazu gehöre, abends nach 21 Uhr mit ihm zu chatten und ihn auf einer Geschäftsreise zu begleiten – was jedoch nicht entlohnt werde.
RSI hat den Unternehmer laut eigener Aussage konfrontiert. Dieser habe die Vorwürfe zurückgewiesen. Alle Aussagen seien erfunden. (hkl)
