Schweiz
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Was jetzt?

Nach dem Gripen-Aus: Das sind die vier «Pläne B»

Eine Lockheed Martin F-35 bei einem Testflug über der Chesapeake Bay in Virginia, USA.  Bild: AP US Navy

Nach dem Volks-Nein zum Gripen müssen die Sicherheitspolitiker über die Bücher, wenn die Luftwaffe und damit die Armee einsatzfähig bleiben soll. Diese vier Szenarien sind möglich. 

1. Warten, warten, neue Evaluation

In this Feb. 11, 2011 photo released by the U.S. Navy, a variant of the F-35 Joint Strike Fighter, the F-35C, conducts a test flight over the Chesapeake Bay. The Navy is observing the Centennial of Naval Aviation with a series of nationwide events celebrating 100 years of heritage, progress and achievement in naval aviation. (AP Photo/U.S. Navy, Lockheed Martin)

Tarnkappen-Flieger Lockheed Martin F-35: Bald Standard in ernst zu nehmenden Streitkräften. Bild: AP US Navy

Bis spätestens im Jahr 2030 haben nach den F-5 Tiger auch die F/A-18 Hornet der Schweizer Luftwaffe ausgedient. Entscheidet man sich im Grundsatz dafür, die Luftkampftauglichkeit der Schweizer Armee zu erhalten, dann müssen die Beschaffungsstelle Armasuisse und die Luftwaffe eine neue Evaluation zur Erneuerung der gesamten Kampfflugzeug-Flotte initiieren. 

Spätestens 2020, aber eher schon 2018 müsste mit der Neu-Evaluation begonnen werden. Dieses Szenario hat den Vorteil, dass man eine einheitliche Flotte mit Mehrzweck-Kampfjets beschaffen kann, die technisch auf dem neuesten Stand ist. Zum Beispiel den Tarnkappen-Flieger Lockheed Martin F-35, die Standardausrüstung der US- und Nato-Streitkräfte ab 2016.

Nachteil: Ein solch grosses Rüstungsgeschäft wäre erneut referendumsfähig und könnte vom Stimmvolk verhindert werden. 

Vorteil: Bei einer erneuten Ablehnung an der Urne bestände kein Zweifel mehr, dass die Stimmbürger keine Luftwaffe mehr finanzieren wollen. 

Wahrscheinlichkeit des Szenarios: Hoch.

2. Salami-Taktik

Das VBS kann versuchen, die nötigen Mittel für die Kampfjet-Beschaffung über die ordentlichen Rüstungsprogramme vom Parlament bewilligen zu lassen und zurückzulegen (zum Beispiel 300 Millionen Franken pro Jahr) und mit diesem Budget die ausfallenden F-5 Tiger und F/A-18 Hornet tranchenweise zu ersetzen. Thomas Hurter, SVP-Nationalrat und Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats hat dieses Szenario bereits Anfang April aufs Tapet gebracht. 

Angesichts der technischen Komplexität hochentwickelter Systeme wie Kampfjets ist allerdings fraglich, ob eine Beschaffung jeweils kleiner Stückzahlen über zwei Jahrzehnte verteilt überhaupt praktikabel ist. Zudem ist die politische Legitimation dieser Variante fraglich. Die Interpretation des gestrigen Abstimmungsergebnisses läuft erst an. Hat das Stimmvolk sich nur gegen das Kampfflugzeug-Modell Gripen entschieden? Oder gegen die geplante Investition von drei Milliarden Franken in die Luftwaffe? 

Kommt man zum letzteren Schluss, muss jeder Parlamentarier um seine Wiederwahl bangen, der diese Variante unterstützt. 

Vorteil: Nicht referendumsfähig und darum berechenbarer.

Nachteil: Politische Legitimation durch den Souverän fehlt. 

Wahrscheinlichkeit: Gering.

3. Rent-a-Jet

Die Spotter haben sich am Freitag, 14. November 2008 beim Spotterday auf dem Flugplatz Emmen das Bild vom Eurofighter Typhonn der Deutschen Luftwaffe gesichert. Der Eurofighter ist das dritte Kampfflugzeug welches als Tiger Teil Ersatz in Emmen getestet wird. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Flugzeugenthusiasten bestaunen einen deutschen Eurofighter an den Spotterdays 2008 auf dem Militärflugplatz Emmen.  Bild: KEYSTONE

Dieses Szenario brachte FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger ins Spiel. Die stellvertretende Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates spielte öffentlich mit dem Gedanken, bei einer Ablehnung des Gripen-Fonds bis zu einer neuen definitiven Lösung kontinuierlich elf Kampfjets anzumieten, am besten bei einem Nachbarland. 

Allerdings müssten dafür ebenfalls während mindestens der nächsten zehn Jahren die rund 300 Millionen Franken jährlich aufgeworfen werden, zu denen das Stimmvolk gestern je nach semantischer Deutung «Nein» gesagt hat. 

Hinzu kommt: Man kriegt eher den Ausschuss, wenn man von fremden Streitkräften mietet und zahlt gleich viel, wie bei einem Kauf. Bloss gehören einem die Flugzeuge am Ende nicht. 

Vorteil: In nützlicher Frist realisierbar. 

Nachteil: Siehe oben. 

Wahrscheinlichkeit: Gering.

4. Drohnen und Patriot-Raketen statt Kampfjets

Eine Drohne des Typs Hermes 900 startet am Montag, 8. Oktober 2012, auf der Airbase Emmen zu einem Testflug. Die Hermes 900 kommt als Nachfolgerin der bei der Schweizer Luftwaffe im Dienst stehenden Aufklaerungsdrohne ADS 95 in Frage. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Eine Drohne des Typs Hermes 900. Die Hermes 900 kommt als Nachfolgerin der bei der Schweizer Luftwaffe im Dienst stehenden Aufklärungsdrohne ADS 95 in Frage. Bild: KEYSTONE

Statt eine eigene Luftwaffe mit Kampfjets zu unterhalten, könnte die Schweiz die luftpolizeilichen Aufgaben in enger Kooperation mit der Nato wahrnehmen. Bereits heute kooperiert die Schweiz mit der Nato. Da die Schweizer Luftwaffe nur zu Bürozeiten einsatzfähig ist, mussten französische Mirage 2000* ein vom Ko-Piloten entführtes Flugzeug der Ethiopian Airlines zum Flughafen Genf-Cointrin begleiten.

Für die Luftaufklärung könnten Kampf- und Aufklärungsdrohnen in der Luft eingesetzt werden und für die Flugabwehr würden Boden-Luft-Abwehrsysteme wie etwa Patriot-Raketen zum Einsatz kommen. Politisch wird diese Variante jedoch auf breiten Widerstand stossen, denn sie würde auf die Aufgabe des Prinzips der bewaffneten Neutralität herauslaufen. 

Die Ideen einer verstärkten Boden-Luft-Abwehr sind jedoch bereits weit fortgeschritten. Ob diese Lösung günstiger ist als eine Kampfflugzeug-Flotte, darf bezweifelt werden. Insbesondere das Patriot-System ist teuer, ein einzelner Schuss kostet bis zu drei Millionen US-Dollar.

Vorteil: Kosteneinsparungen. 

Nachteil: Preisgabe der bewaffneten Neutralität.

Wahrscheinlichkeit: Gering. 

* In der ursprünglichen Version dieses Artikels hiess es, zwei Eurofighter der französischen Luftwaffe hätten das Flugzeug der Ethiopian Airlines nach Genf begleitet. Das ist falsch. Wir entschuldigen uns für den Fehler.



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    Alle Leser-Kommentare
  • Riccardo 16.07.2014 16:29
    Highlight Highlight Die Schweiz braucht keine Armee und auch keine Kampfjets. Wir müssen uns um eine friedliche Neutralität kümmern. Mit den Einsparungen kann man beispielsweise die Sozialversicherungen sanieren und die Steuern senken. Gutes Beispiel: Irland
  • mauchmark 20.05.2014 07:42
    Highlight Highlight 5. Variante:

    Betriebdauerverlängerung und Modernisierung der alten 54 F-5 E/F Tiger II

    Mehrere F-5 Tiger Betreiberländer (z.B. Brasilien, Chile, Thailand,...) haben ihre F-5 bereits modernisiert und die Flugzellen aufgefrischt.
    Brasilien investierte ca. 6 Millionen Dollar pro Kampfflugzeug und kann mit dieser Massnahme ihre F-5 Tiger rund 10 bis 15 länger fliegen lassen - bis dann die Gripen E verfügbar sind. "Die Kampfwertsteigerung umfasst eine zeitgemässe Avionik und moderne Waffenrechner, welche dem Kampfflugzeug aus den 1970er Jahren die Fähigkeit geben, über modernen Gefechtsfeldern weiter bestehen zu können."
    Quelle: http://www.fliegerweb.com/militaer/news/artikel.php?show=news-7401

    Vorteil: keine Neubeschaffung und bekannte Technik.

    Nachteil: nur max. 15 Jahre Lebensdauerverlängerung.

    Wahrscheinlichkeit: Gering.

    (Bild: aufgerüstete Tiger F-5E von Brasilien)

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    • Horseman 20.05.2014 20:33
      Highlight Highlight weshalb meinst Du, ist die Wahrscheinlichkeit gering? Klingt für mich vernünftig ... :-)
    • mauchmark 21.05.2014 12:08
      Highlight Highlight Klingt für mich auch vernünftig. Das VBS und Armasuisse haben jedoch vor ca. zwei Jahren ein Tiger-Upgrade geprüft und sind zum Ergebnis gekommen, dass das 1,1 Milliarden kosten würde und somit zu teuer sei! Das wären rund 20 Millionen CHF pro F-5! Keine Ahnung warum das so teuer sein sollte, wenn die Brasilianer das für 6 Millionen Dollar hinkriegen!? Vermutlich wurde aber absichtlich diese Option nie ernsthaft geprüft oder falsche Zahlen kommuniziert, weil man die Gripen Beschaffung nicht gefährden wollte. Daher auch meine Einschätzung, das die Realisierung auch jetzt noch gering ist. Denn man hat sich vor der Gripen-Abstimmung in dieser Frage festgelegt - nun können sie nicht plötzlich das Gegenteil behaupten... Obschon mehrere Länder das Gegenteil bewiesen haben: http://en.wikipedia.org/wiki/Northrop_F-5#Upgrades
    • Horseman 22.05.2014 23:36
      Highlight Highlight So könnte es sein, stimme zu. Gibt für mich noch eine andere Alternative, weshalb es so ist ...

      Der RUAG-Konzern wartet verschiedene Kampf-Flugzeuge ausländischer Armeen und auch verschiedene Business-Jets sowie Mittelstrecken-Flugzeuge anderer Hersteller, weil die gewarteten Aggregate aus der RUAG-Küche längere Lebensdauer aufweisen und so Neu-Investitionen erst später notwendig werden. Das ist natürlich schön; damit lässt sich gutes Geld verdienen, was der RUAG-Konzern braucht, damit er von Aufträgen der Armasuisse unabhängiger wird. Treibt natürlich die Kosten für Wartung und Upgrade von Flugzeugen der Schweizer Luftwaffe auch in die Höhe.
      Brasilianer werden wohl anders upgraden als die Schweizer ....
  • Horseman 19.05.2014 22:28
    Highlight Highlight Kleine Jungs spielen im Sand mit den Spielzeug-Autos und wissen schon ganz genau, worum's geht. Grosse Jungs spielen mit Kampf-Flugzeugen und haben letztlich keine Ahnung, worums geht - so sind, die technikverliebten Männer.

    Tatsächlich gibt's wohl leistungsfähigere KJampflugzeuge als der Gripen, aber darum ging's doch überhaupt nicht mehr bei dieser Abstimmung. Der Gripen wäre eine vernünftige Lösung gewesen im Sinne von Preis-Leistungsverhältnis und hätte dem Werkplatz Schweiz Impulse geben können.

    Wenn ich an die Gespräche in meiner Umgebung denke, so hab ich nicht die leisesten Zweifel, dass dieses Abstimmungs-Ergebnis sagt, dass der Wille in der Schweiz abnimmt, für die Unabhängigkeit echt etwas zu tun. Meine Ahnen drehen sich im Grab.

    Die Schweiz mit einer Masseneinwanderungs-Initative zu schwächen, war die erste Dummheit. Die zweite liess nicht lange auf sich warten. Wo das wohl hinführt?

  • Zeit_Genosse 19.05.2014 17:36
    Highlight Highlight Ich hätte gerne 2015 einen neuen VBS-Vorsteher, der eine glaubwürdige und bezahlbare Schweizer Armee formiert. Das Parlament stimmt ab und die SVP beansprucht diese Departement, weil sie Angst hat, dass die Schweiz schleichend mit der EU kooperieren könnte.
    • JayAge 19.05.2014 19:47
      Highlight Highlight Dass die Schweizer Armee bezahlbar ist, beweisen die letzten paar Jahrzehnte, oder? ;-) Der Gripen wäre ja auch mit dem ordentlichen Militärbudget finanziert worden.
    • Neptun 20.05.2014 08:40
      Highlight Highlight Ich möchte ja nicht in der Haut von BR Maurer stecken. Er hat wohl das unbeliebteste Departement aller, wie das ja Grufti bereits erwähnt hat. Ich sehe den "Schwarzen Peter" eher beim Parlament, dass wie eine Fahne im Wind andauernd die politischen Leitplanken ändert, resp. gewisse Exponenten aus dem Links-Grünen Lager, welche vor einer Abstimmung auf einmal vergessen, dass mit den Sicherheitspolitischen Bericht und der Armeebericht die Aufgaben der Armee definiert wurden...
  • Donald 19.05.2014 17:33
    Highlight Highlight Leider fehlt es bei unserer Regierung überall eine langfristige Vision. Gerade bei der Armee kommt ja Herr Maurer gefühlt jeden Monat mit einem neuen Konzept. So oft kann sich die Bedrohungslage gar nicht ändern. Eine Armee muss sowieso langfristig ausgelegt sein. Da kann man doch nicht auf jede Schlagzeile reagieren, so wie dies heute leider gemacht wird.
  • Romeo 19.05.2014 17:24
    Highlight Highlight 30 Sukoi t-50 wären toll. Damit kann man auch die F/A 18 ersetzen.
    • Romeo 20.05.2014 07:56
      Highlight Highlight Hi Grufti. Putin (auf Französisch!), ist auch nicht mein Freund. Er wird nicht mehr allzu lange bleiben, hoffentlich. Die T-50 ist einfach das aktuell modernste und vielseitigste Flugzeug. Besser sogar als die F-22 Raptor. Schön ist sie auch. Gruss.
      Play Icon
  • Slant 19.05.2014 16:50
    Highlight Highlight Ich hätte gerne 15 F-35, 10 neue Drohnen und eine Salami. Wo kann ich abstimmen?
    • jacques.huber 19.05.2014 17:13
      Highlight Highlight Immer diese Taktik .... :-)
    • Slant 19.05.2014 18:14
      Highlight Highlight Statt Kampfflugzeuge - 150kg Salami Notvorrat für jeden Bürger.
    • Marin Kloter 19.05.2014 22:58
      Highlight Highlight Und ein Schiitli Cheminéeholz! :D

Bald könnte die 5. Initiative gegen Tierversuche kommen

Das Schweizer Stimmvolk dürfte erneut über ein Tierversuchsverbot entscheiden können. Eine entsprechende Volksinitiative ist auf der Zielgeraden.

Das Komitee der Initiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot – Ja zu Forschungswegen mit Impulsen für Sicherheit und Fortschritt» sammelte bereits über 111'000 Unterschriften, wie dessen Website zu entnehmen ist. 100'000 sind für das Zustandekommen nötig.

Die Sammlung soll indessen weitergehen, wie die Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche» …

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