Schweizer Badi-Special: Geschichte in 44 Wahnsinns-Bildern
Schaut euch die Bilder an – und dann Badehosen an und ab in die Badi eures Vertrauens!
Taucht ein, in die wunderbare Schweizer Badi-Welt ...
Willy Trapp hat dieses Wunderwerk 1931 geschaffen.
Strandbad Weggis – das mutigste Freibad der Schweiz
Am Vierwaldstättersee in Weggis, Luzern, 1931:
Oben sehen wir es im Jahr 1931. Zwölf Jahre, nachdem es als erstes Schweizer Freibad ohne Geschlechtertrennung in die Geschichte eingegangen war. Nichts mehr mit Frauen links, Männer rechts, nichts mehr wie in der Kirche.
Und das war das Problem in der stark katholisch geprägten Innerschweiz. Doch wahrhaft Unsittliches konnte man da nicht beobachten. Und so hielt sich das «Schandbad» Weggis und wurde bald zum Vorbild vieler anderer Badeanstalten im Land.
Nacktbaden für zwischendurch
An der Alleine in Porrentruy, Jura, 1915:
Nicht umsonst heisst diese Bilderreihe History Porn. Ein klein wenig Schlüpfrigkeit muss rein, besonders nachdem sich das Strandbad Weggis enttäuschenderweise gar nicht als Schandband entpuppt hat. Nun denn, dann müssen wir eben in den Jura, genauer in die Grenz- und Garnisonsstadt Porrentruy während des Grossen Krieges, in dem sie als logistischer und administrativer Militärstützpunkt diente: Hier wurde ein Grossteil der 220'000 Schweizer Männer, die bei der Generalmobilmachung 1914 zum Dienst aufgeboten wurden, stationiert.
Und selbstredend mussten sie sich hin und wieder waschen. Am besten in der Alleine, etwas unterhalb der Stadt, in einfach eingerichteten Flussbädern. Wo genau dieses nackte «bain de soldats» stattgefunden hat, ist allerdings nicht dokumentiert.
Heute sind die Flussbäder verschwunden, dafür ist inzwischen ein Freibad entstanden, das letzten Sommer Berühmtheit erlangte, weil es den Franzosen den Zutritt versagte. Dieses Jahr dürfen ausländische Gäste wieder rein, allerdings zum doppelten Preis.
Lorrainebad
An der Aare in Bern, 1989:
1892 aus dem Wunsch erwachsen, einen Ort fürs obligatorische Schulschwimmen zu haben, erinnert das Lorrainebald daran, dass Schwimmen in Bern traditionsgemäss zum Alltag gehört. Zudem leistet es seinen Beitrag zur Volksgesundheit.
Badekultur in Bern heisst: für alle zugänglich und darum gratis. Keines der städtischen Freibäder (Marzili, Weyermannshaus, Freibad Wyler und besagtes Lorrainebad) verlangt Eintritt.
Auch hier gibt's übrigens einen FKK-Bereich; für Frauen und Männer, allerdings nur liegend, wer in Wasser steigt, muss sich eine Badehose anziehen.
Abgebranntes Kulturgut – die Badhütte Rorschach
Am Bodensee in Rorschach, St. Gallen:
Ihre Stelzen ragten seit 1924 aus dem See. Ein klassisches, hölzernes Kastenbad, nur über eine Brücke vom Ufer aus erreichbar, das war die Rorschacher Badhütte. Seit dem Brand in der Nacht vom 23. Dezember 2024 ist sie nicht mehr. Warum, ist bis heute nicht geklärt. Ein technischer Defekt oder ein unsachgemäss bedientes Elektrogerät sind die wahrscheinlichsten Ursachen.
Sechs Millionen Franken soll der Wiederaufbau kosten. Damit begonnen werden kann aber frühestens ab 2027. Bis dahin machen sich die Wasserfledermäuse in der verbliebenen Betonplattform breit. Die nachtaktiven Mückenjäger nisten in den Spalten und ziehen von April bis August ihre Jungen dort auf. Dann herrscht strikte Sperrzeit für jegliche bauliche Unternehmungen. Denn die glattnasenartige Myotis daubentonii gilt als schützenswert, genauso wie die Badhütte, unter deren Überresten sie wohnt.
Letzibadi – Max Frischs architektonisches Erbe
Letzigraben, Zürich, 2009:
Das war noch alles, bevor er mit «Stiller» (1954) und «Homo Faber» (1957) weltberühmt wurde. Max Frisch hatte das Germanistik-Studium abgebrochen und dafür das der Architektur an der ETH Zürich zu Ende gebracht. Als «reizvolle, belebte Schmuckanlage» sollte das neue Freibad im Arbeiterquartier Albisrieden ausgestaltet werden, heisst es in der Ausschreibung. Frisch bewirbt sich – und sein Entwurf gewinnt.
In seinem Tagebuch vom August 1947 ist zu lesen:
«Endlich ist es so weit, dass wir mit unserem Bau beginnen. Die ersten Arbeiter sind auf dem Platz; ihre braunen Rücken glänzen von Schweiss, und um die Baracke, wo unsere Pläne warten, wimmelt es von leeren Bierflaschen; irgendwo werfen sie Bretter aufeinander, daß es hallt; die ersten Lastwagen sind da, und heute, wie ich auf diese Baustelle komme, ist es schon ein ganzer Berg von brauner Erde; ein Bagger frisst die Wiese weg mitsamt den Stauden. In zwei Jahren, die mir sehr lang erschienen, soll die Anlage eröffnet werden; ein Freibad für das Volk.
Vor hundert Jahren war hier der Galgenhügel; der Aushub wird nicht ohne Schädel sein, wie sie Hamlet in die Hand genommen hat, und weiter drüben ist es das alte Pulverhaus, das sie eben abbrechen; fast lautlos stürzen die alten Mauern, verschwinden in einer Wolke von steigendem Staub – Wären es die Pulverhäuser aller Welt!»
Lido Conca d'Oro
Am Lago di Lugano in Paradiso, Tessin, 1934:
Am Fuss des Monte San Salvatore liegt das «goldene Becken», die Seebadi der Gemeinde Paradiso. Im Jahr 1981 sah das dann bereits so aus:
Häädler Badi
Heiden, Appenzell Ausserrhoden, 1932 erbaut:
Badezimmer wurden in der Schweiz erst im Zuge des grossen Wohnungsbaus in den Nachkriegsjahren zum Standard. Vorher verfügte fast keiner über diesen Luxus. Um das Duschen und Baden für die breite Bevölkerung zu ermöglichen, mussten also Freibäder her. Sie sollten die Menschen nicht nur sauber halten, sondern vor allem auch fit und gesund. Frische Luft, Sonne und viel Bewegung, das waren die Pfeiler, auf der die Volksgesundheit fusste. Die sogenannte Hygenebewegung nahm sich dieser Bestrebungen an.
Einer ihrer Pioniere war der Schweizer Bauingenieur und Architekt Beda Hefti (1897–1981). Als Ingenieur kannte er sich bestens aus mit Beton, Wassertechnik und Dingen wie Becken-Hydraulik. Und so begann er damit, harte Betonbäder sanft in die vorliegende Landschaft einzubetten, wobei er der strengen Geometrie des Neuen Bauens folgte.
Ein Stil, der neben seiner Funktionalität auch die soziale Verantwortung widerspiegelte, die man beim Erschaffen neuer Räume zu übernehmen begann. Der Einsatz moderner Materialien und technischen Könnens kombiniert mit dem Wunsch, einen heilsamen Wohlfühlort zu schaffen, brachte überall im Land (u. a. in Gstaad, Murten, Vulpera, Engelberg, Interlaken, Basel, Grenchen, Renens, Payerne) jene typischen Hefti-Freibäder hervor; terrassierte Liegewiesen, gestaffelte Mauern und Stufen, farbiger Beton.
Freibad Burgdorf
Burgdorf, Bern, 1929 erbaut:
Anfangs liess Hefti noch ein wenig neoklassizistische Straffheit walten, mit der er unter anderem das Schwimmbecken in Burgdorf einfassen liess.
Panorama-Schwimmbad Gruebi
Adelboden, Berner Oberland, 1931 erbaut:
Sein Machwerk in Adelboden ist wieder etwas verspielter. Ein rundes Planschbecken und ein runder Musikpavillon, alles in wunderbar polychromer Farbigkeit, legen sich zusammen mit dem Schwimmbecken und den Umkleidekabinen stimmig inmitten dieses mächtigen Alpenpanoramas.
Alpines Schwimm- und Sonnenbad Wengen
Wengen, Berner Oberland, 1936:
Auch diese Badi folgt der architektonischen Sprache des Neuen Bauens, entworfen von den beiden Interlakner Architekten Alfred Urfer und Walter Stähli. 2005 bis 2009 hat man die Anlage renoviert, aber, zum Leidwesen so manch originalverliebter Seele, wurde der Pavillon entgegen bauzeitlicher Befunde orange gestrichen.
Also schaut man beim Baden wohl lieber zur Jungfrau ...
Strandbad Caumasee
Am Caumasee, Flims, Graubünden, 1945:
Die erste Badehütte stand bereits im Jahre 1835 hier. Kein Wunder, wer will nicht in dieses strahlende Türkis eintauchen.
Und nicht allein schön war dieses Wasser, es galt auch als heilsam. Besonders bei eiternden Wunden, entzündeten Augen oder Rheumaleiden. Der funkelnde Bergsee zog Kursuchende und Bauern an, die in der Hoffnung auf Linderung ihre gichtigen Finger hineintunkten. Selbst ihre kranken Kühe liessen sie darin baden.
Basler Rheinschwimmen
Basel, 2024:
Lebendige Tradition Nr. 1 im sommerlichen Basel: Das Rheinschwimmen. Das Sich-Treiben-Lassen von der Strömung, an einer spektakulösen Altstadtkulisse vorbei. Am besten mit dem Wickelfisch, einem wasserfesten Schwimmsack, in dem man sein Zeugs verstauen kann.
Strandbad Seerose
Am Hallwilersee, Meisterschwanden, Aargau, 1928:
Bereits vor der Eröffnung hatten sich die Leute auf der Wiese zu tummeln begonnen, da, «wo sich früher ein liebliches Buchenwäldchen» ausgebreitet hatte, wie die NZZ am 3. August 1928 schrieb.
Die Wiese sollte aber nicht allein dem Herumliegen dienen, sondern immer auch Platz bieten, seinen Körper zu kräftigen, ganz im Sinne der volksgesundheitlichen Vorstellungen der Zeit.
Die Seerose diente aber auch noch einem anderen Zweck. Man erhoffte sich von einem klar geregelten und eintrittspflichtigen Badebetrieb eine gewisse Beruhigung der wilden Zustände am Ufer des Hallwilersees: Dabei komme «gewiss viel weniger Anstössiges vor, als in den gegenwärtigen offenen Badplätzen, deren sich allerhand Wandervögel bedienen» – so der Anzeiger vom Lindenberg während der Planungsphase des Strandbads.
Gitterlibad
Liestal, Basel-Landschaft, 1930:
Otto Plattners Plakat fürs Gitterlibad, das 1933 nach den Plänen des Liestaler Architekten Max Tüller erbaut wurde – und wie Heftis Badeanstalten als Paradebeispiel für den Stil des «Neuen Bauens» gilt.
Strandbad Lido Luzern
Luzern, 1938:
Willkommen im ältesten Strandbad der Stadt Luzern!
Am 4. Februar 1929 beschloss das Luzerner Parlament den Bau, am 29. Juni desselben Jahres wurde es bereits eröffnet.
Und ein weitgehend unbekannter Herr namens Albert Solbach entwarf dieses wunderbare Plakat dafür:
Marzili
An der Aare in Bern, 1976:
Willkommen in der ältesten Schwimm‑ und Badeanstalt von Bern!
«Stolze Bierbäuche in überforderten Speedo-Badehosen jassen unter roten Rivella-Schirmen, gegerbte Lederhäute sonnenbaden im FKK-Separée Paradiesli, schlaksige Teenager rennen um Ping-Pong-Tische, durchtrainierte Körper werden stolz spazieren geführt, die Kleinsten pinkeln ins wadentiefe Kinderbecken und lädierte Partyraketen schlafen unter den Bäumen ihren Rausch aus. Tout Bern trifft sich im Marzili, mittendrin weist die überdimensionale Plastik-Bratwurst den Weg zum leiblichen Wohl und über allem thront majestätisch das Bundeshaus.
Gisela Feuz in «Bärn isch eso»
Hier wurde bereits im 18. Jahrhundert gebadet. 1782 entstand das erste Marzilibad, der «Füferweiher», kostenpflichtig wohlgemerkt. 1822 wurde daraus eine «akademische Badeanstalt», eröffnet von Phokion Heinrich Clias (1782–1854), dessen Vater ein nach Boston ausgewanderter Nidwaldner war, der als Offizier im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg diente. Aus Phokion hingegen wurde der Begründer des Schweizer Turnunterrichts – zusammen mit Johannes Niggeler und Adolf Spiess rief er die «Vaterländische Turngemeinde» ins Leben.
bild: burgerbibliothek bern
Als Initiator und Betreiber von Berns erster Badeanstalt lag ihm natürlich auch der Schwimmunterricht am Herzen, den er insbesondere für die Mädchen propagierte.
1866 wurde der erste öffentliche Frauenbadeplatz im Marzili eröffnet, in den 1920ern folgte ein gemischter Familienbereich.
Aktuell wird das Freibad komplett erneuert – mit einem «Löifuweg» wird der zugeschüttete Aarelauf zwischen dem neuen Bootshafen im Süden und dem Bueberseeli nachgezeichnet.
Darum wird es dieses Jahr auch gestaffelt geöffnet, was den Platz etwas einschränkt. Sprich, vielleicht ein paar stolze Bierbäuche weniger.
Rhybadhysli Santihans
Am Rhein in Basel, 2009:
Die Regeln sind einfach im 1896 erbauten Rheinbad St. Johann, kurz «Rhybeli» genannt.
Das Schwimmen erfolgt hier auf eigene Verantwortung, kein Bademeister überwacht deine Züge.
Bains des Paquis
Am Genfer See, Genf, 2008:
Hier dagegen wird streng überwacht.
Strandbad Mythenquai
Am Zürichsee, Zürich, 1931:
Willkommen im spektakulärsten Strandbad von Zürich! 1922 eröffnet, war es das erste reine Freizeitbad, das nichts mehr mit einer Waschanstalt gemein hatte. Und auch die Geschlechtertrennung musste man nach Protesten schnell wieder aufgeben.
1927 stellte das Warenhaus Jelmoli eine 10 Meter hohe Wasserrutsche auf. Mit einem Holzschlitten – und gegen eine kleine Gebühr – konnte man direkt in den See sausen.
Die Rutsche wurde zum Symbol für das Erlebnisbad Mythenquai, doch bereits 1933 war sie wieder weg; die Stadt Zürich wollte sie Jelmoli nicht abkaufen – und für Jelmoli lohnte sich der Betrieb offenbar nicht mehr.
Altes Strandbad Weesen
Am Walensee, Hüttenböschen, Glarus, 1921:
Das alte Strandbad lag nicht in Weesen, SG, sondern gegenüber davon, auf der Glarner Seite der Linth bei Hüttenböschen. 70 Badehäuschen reihten sich hier aneinander, ein Musikpavillon stand im Wasser und die Fähre verband die Halbinsel bei Weesen mit dem Strandbad. Das war alles damals, als die Gemeinde noch als «das Nizza der Schweiz» galt und Gäste aus England, Holland und Deutschland in ihren Hotels und Badekurhäusern unterbrachte, bevor sie weiter in die Bündner Bergkurorte reisten.
Heute ist von dem historischen Strandbad nichts mehr da ausser der Sand – und das frei zugängliche Seeufer.
Aarauer Fluss- und Sonnenbad
An der Aare, Aarau, Aargau, 1932:
«Nachweinen wird dem alten Kasten bei aller Dankbarkeit niemand», schrieb die Lokalzeitung 1931 lakonisch zum Abbruch der ersten Aarebadi. 1868 war sie am linken Aareufer entstanden, gleich neben dem nördlichen Kopf der Kettenbrücke.
Dass es keine Tränen gab, war vor allem der Eröffnung der zweiten Aarebadi geschuldet, die im selben Jahr oberhalb des Eniwa-Kraftwerks (mit dem hübschen Türmchen ganz im Hintergrund des Bildes) gebaut worden war – und in dem sich Männer und Frauen ungetrennt vergnügen durften. Für 20 Rappen pro Tag. Die Schüler zahlten nichts und lernten hier schwimmen, bis sich die Becken allmählich mit Schlamm zu füllen begannen. Manchmal trieben auch Tierkadaver und andere unerfreuliche Dinge den Fluss hinunter, Kläranlagen waren damals noch die Ausnahme. Und so entschieden sich 1952 die Schulen, ihren Schwimmunterricht hier nicht weiter fortzuführen, auch weil der Kanal von amtlichen Stellen als «hygienisch bedenklich» oder klar «gesundheitsschädigend» eingestuft wurde.
Als Ersatz eröffnete 1955 das Freibad im Schachen – ohne Zugang zum Fluss, dafür gespeist von sauberem Grundwasser.
Seebad Katzensee
Am Katzensee, Zürich, 1973:
Als die Insekten noch zahlreich waren und in Scharen über die leergetrunkenen Tassen und Essensreste der Badi-Gäste herfielen.
Seebad Utoquai
Am Zürichsee, Zürich, 2003:
Während sich die einen an der Street Parade vergnügen, liegen die anderen in der Badi rum.
Was der Architekt William Henri Martin hier 1890 auf Pfählen in den See setzte, war ein regelrechter Badepalast. Ein hölzernes Kastenbad mit Türmchen im damals modischen neumaurischen Stil. 1908 kommen die Sonnenterrassen aufs Dach des ältesten erhaltenen Seebads von Zürich.
Strampi
Am Bielersee in Nidau, Bern, 1949:
Ernst Berger ist der Architekt dieser 1929 bis 1932 entstandenen Perle mit grosser sichelförmiger Sandbucht, Liegewiese und elegantem Sprungturm. Das Strandbad Biel – liebevoll «Strampi» genannt – steht im Inventar der Kulturgüter der Gemeinde Nidau.
