Schweiz
History Porn

Schweizer Badi-Special: Geschichte in 44 Wahnsinns-Bildern

Bei Temperaturen um die 35 Grad geniesst ein Badegast am Mittwoch, 6. August 2003, in der Badi Tiefenbrunnen in Zuerich einen Sprung ins kalte Nass. Das heisse Wetter soll laut den Vorhersagen noch ei ...
Altweibersommertag 2010 in Thun.Bild: KEYSTONE
History Porn

Schweizer Badi-Special: Geschichte in 44 Wahnsinns-Bildern

31.05.2026, 09:5931.05.2026, 09:59

Schaut euch die Bilder an – und dann Badehosen an und ab in die Badi eures Vertrauens!

Taucht ein, in die wunderbare Schweizer Badi-Welt ...

Strandbad davos
Bild: via flickr

Willy Trapp hat dieses Wunderwerk 1931 geschaffen.

Strandbad Weggis – das mutigste Freibad der Schweiz

Am Vierwaldstättersee in Weggis, Luzern, 1931:

Poststempel 9.7.1931
Strandbad, Weggis
Description
Postmark 9.7.1931
Impressum
Weggis : Photo-Haus Niedecken

vor 9.7.1931
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Oben sehen wir es im Jahr 1931. Zwölf Jahre, nachdem es als erstes Schweizer Freibad ohne Geschlechtertrennung in die Geschichte eingegangen war. Nichts mehr mit Frauen links, Männer rechts, nichts mehr wie in der Kirche.

1938 im Strandbad Lido Luzern. Das grosse Seebad am Vierwaldstättersee wurde 1929 eröffnet.
1938 im Lido.bild: via geschichte-luzern

Und das war das Problem in der stark katholisch geprägten Innerschweiz. Doch wahrhaft Unsittliches konnte man da nicht beobachten. Und so hielt sich das «Schandbad» Weggis und wurde bald zum Vorbild vieler anderer Badeanstalten im Land.

Mehr dazu gibt's hier nachzulesen:

Nacktbaden für zwischendurch

An der Alleine in Porrentruy, Jura, 1915:

Porrentruy, 1915
Eth Biblothek Zürich, Bildarchiv

Nicht umsonst heisst diese Bilderreihe History Porn. Ein klein wenig Schlüpfrigkeit muss rein, besonders nachdem sich das Strandbad Weggis enttäuschenderweise gar nicht als Schandband entpuppt hat. Nun denn, dann müssen wir eben in den Jura, genauer in die Grenz- und Garnisonsstadt Porrentruy während des Grossen Krieges, in dem sie als logistischer und administrativer Militärstützpunkt diente: Hier wurde ein Grossteil der 220'000 Schweizer Männer, die bei der Generalmobilmachung 1914 zum Dienst aufgeboten wurden, stationiert.

Und selbstredend mussten sie sich hin und wieder waschen. Am besten in der Alleine, etwas unterhalb der Stadt, in einfach eingerichteten Flussbädern. Wo genau dieses nackte «bain de soldats» stattgefunden hat, ist allerdings nicht dokumentiert.

Heute sind die Flussbäder verschwunden, dafür ist inzwischen ein Freibad entstanden, das letzten Sommer Berühmtheit erlangte, weil es den Franzosen den Zutritt versagte. Dieses Jahr dürfen ausländische Gäste wieder rein, allerdings zum doppelten Preis.

Lorrainebad

An der Aare in Bern, 1989:

Das Lorrainebad, im August 1989 in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle) (KEYSTONE/Str)
Bild: KEYSTONE

1892 aus dem Wunsch erwachsen, einen Ort fürs obligatorische Schulschwimmen zu haben, erinnert das Lorrainebald daran, dass Schwimmen in Bern traditionsgemäss zum Alltag gehört. Zudem leistet es seinen Beitrag zur Volksgesundheit.

Badekultur in Bern heisst: für alle zugänglich und darum gratis. Keines der städtischen Freibäder (Marzili, Weyermannshaus, Freibad Wyler und besagtes Lorrainebad) verlangt Eintritt.

Auch hier gibt's übrigens einen FKK-Bereich; für Frauen und Männer, allerdings nur liegend, wer in Wasser steigt, muss sich eine Badehose anziehen.

Abgebranntes Kulturgut – die Badhütte Rorschach

Am Bodensee in Rorschach, St. Gallen:

Rorschach Badhütte
bild: staatsarchiv st. gallen

Ihre Stelzen ragten seit 1924 aus dem See. Ein klassisches, hölzernes Kastenbad, nur über eine Brücke vom Ufer aus erreichbar, das war die Rorschacher Badhütte. Seit dem Brand in der Nacht vom 23. Dezember 2024 ist sie nicht mehr. Warum, ist bis heute nicht geklärt. Ein technischer Defekt oder ein unsachgemäss bedientes Elektrogerät sind die wahrscheinlichsten Ursachen.

Sechs Millionen Franken soll der Wiederaufbau kosten. Damit begonnen werden kann aber frühestens ab 2027. Bis dahin machen sich die Wasserfledermäuse in der verbliebenen Betonplattform breit. Die nachtaktiven Mückenjäger nisten in den Spalten und ziehen von April bis August ihre Jungen dort auf. Dann herrscht strikte Sperrzeit für jegliche bauliche Unternehmungen. Denn die glattnasenartige Myotis daubentonii gilt als schützenswert, genauso wie die Badhütte, unter deren Überresten sie wohnt.

Badehütte Rorschach
Bild: Staatsarchiv St.Gallen

Letzibadi – Max Frischs architektonisches Erbe

Letzigraben, Zürich, 2009:

Hans-Jakob Ragaz geniesst mit Luan, links, den ersten Tag der Sommersaison in der Badeanstalt Letzibadi am Samstag, 9. Mai 2009 in Zuerich. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)
Bild: KEYSTONE

Das war noch alles, bevor er mit «Stiller» (1954) und «Homo Faber» (1957) weltberühmt wurde. Max Frisch hatte das Germanistik-Studium abgebrochen und dafür das der Architektur an der ETH Zürich zu Ende gebracht. Als «reizvolle, belebte Schmuckanlage» sollte das neue Freibad im Arbeiterquartier Albisrieden ausgestaltet werden, heisst es in der Ausschreibung. Frisch bewirbt sich – und sein Entwurf gewinnt.

Freibad Letzigraben im Jahr 1949 (Michael Wolgensinger/Max Frisch-Archiv)
Das Freibad Letzigraben im Jahr seiner Eröffnung 1949.bild: Michael Wolgensinger/Max Frisch-Archiv

In seinem Tagebuch vom August 1947 ist zu lesen:

«Endlich ist es so weit, dass wir mit unserem Bau beginnen. Die ersten Arbeiter sind auf dem Platz; ihre braunen Rücken glänzen von Schweiss, und um die Baracke, wo unsere Pläne warten, wimmelt es von leeren Bierflaschen; irgendwo werfen sie Bretter aufeinander, daß es hallt; die ersten Lastwagen sind da, und heute, wie ich auf diese Baustelle komme, ist es schon ein ganzer Berg von brauner Erde; ein Bagger frisst die Wiese weg mitsamt den Stauden. In zwei Jahren, die mir sehr lang erschienen, soll die Anlage eröffnet werden; ein Freibad für das Volk.
Vor hundert Jahren war hier der Galgenhügel; der Aushub wird nicht ohne Schädel sein, wie sie Hamlet in die Hand genommen hat, und weiter drüben ist es das alte Pulverhaus, das sie eben abbrechen; fast lautlos stürzen die alten Mauern, verschwinden in einer Wolke von steigendem Staub – Wären es die Pulverhäuser aller Welt!»

Lido Conca d'Oro

Am Lago di Lugano in Paradiso, Tessin, 1934:

Lugano-Paradiso, Strandbad
Datierung
1934
Bild: Eth Bibliothek Zürich, bildarchiv

Am Fuss des Monte San Salvatore liegt das «goldene Becken», die Seebadi der Gemeinde Paradiso. Im Jahr 1981 sah das dann bereits so aus:

Paradiso, Albergo d'oro Paradiso
Datierung
28.07.1981
Bild: eth zürich bibliothek, bildarchiv

Häädler Badi

Heiden, Appenzell Ausserrhoden, 1932 erbaut:

Schwimmbad Heiden, 1932
Ein Plakat aus der Entstehungszeit des Schwimmbades.bild: via poster-auctioneer

Badezimmer wurden in der Schweiz erst im Zuge des grossen Wohnungsbaus in den Nachkriegsjahren zum Standard. Vorher verfügte fast keiner über diesen Luxus. Um das Duschen und Baden für die breite Bevölkerung zu ermöglichen, mussten also Freibäder her. Sie sollten die Menschen nicht nur sauber halten, sondern vor allem auch fit und gesund. Frische Luft, Sonne und viel Bewegung, das waren die Pfeiler, auf der die Volksgesundheit fusste. Die sogenannte Hygenebewegung nahm sich dieser Bestrebungen an.

Einer ihrer Pioniere war der Schweizer Bauingenieur und Architekt Beda Hefti (1897–1981). Als Ingenieur kannte er sich bestens aus mit Beton, Wassertechnik und Dingen wie Becken-Hydraulik. Und so begann er damit, harte Betonbäder sanft in die vorliegende Landschaft einzubetten, wobei er der strengen Geometrie des Neuen Bauens folgte.

Druckennächster Zufallsartikel

Schwimmbad Heiden, nationales Kulturgut 
Bild

Titel:
Schwimmbad Heiden, nationales Kulturgut
Thema: Land

Ort: Heiden (Karte anzeigen)

Datum: --.--.1932
Das Strandbad in Heiden wurde 1932 erbaut.bild: via zeitzeugnisse.ch

Ein Stil, der neben seiner Funktionalität auch die soziale Verantwortung widerspiegelte, die man beim Erschaffen neuer Räume zu übernehmen begann. Der Einsatz moderner Materialien und technischen Könnens kombiniert mit dem Wunsch, einen heilsamen Wohlfühlort zu schaffen, brachte überall im Land (u. a. in Gstaad, Murten, Vulpera, Engelberg, Interlaken, Basel, Grenchen, Renens, Payerne) jene typischen Hefti-Freibäder hervor; terrassierte Liegewiesen, gestaffelte Mauern und Stufen, farbiger Beton.

Freibad Burgdorf

Burgdorf, Bern, 1929 erbaut:

Sommerstimmung im 1929 erbauten Freibad Burgdorf – eines von 50 ausgewählten Bädern in der neuesten Publikation des Schweizer Heimatschutzes. (Foto: Tanja Schätti, Schweizer Heimatschutz)
Das Freibad Burgdorf ist eines von 50 ausgewählten Bädern in der neuesten Publikation des Schweizer Heimatschutzes mit dem Titel «Bäder im Wandel der Zeit». Architektonisch gleicht es sehr dem Bains de la Motta in Freiburg, das 1924 fertiggestellt wurde und Heftis Karriere als Schwimmbad-Architekt ins Rollen brachte.bild: anja Schätti, Schweizer Heimatschutz

Anfangs liess Hefti noch ein wenig neoklassizistische Straffheit walten, mit der er unter anderem das Schwimmbecken in Burgdorf einfassen liess.

Panorama-Schwimmbad Gruebi

Adelboden, Berner Oberland, 1931 erbaut:

Leibesertüchtigungen im Gruebi, 1931.
Leibesertüchtigungen im Gruebi, 1931.bild: dp

Sein Machwerk in Adelboden ist wieder etwas verspielter. Ein rundes Planschbecken und ein runder Musikpavillon, alles in wunderbar polychromer Farbigkeit, legen sich zusammen mit dem Schwimmbecken und den Umkleidekabinen stimmig inmitten dieses mächtigen Alpenpanoramas.

2019 wurde es inklusive des Musikpavions renoviert und erstrahlt heute im alten neuen Glanz.
2019 wurde es inklusive des Musikpavions renoviert und erstrahlt heute im alten neuen Glanz. bild: david bühler

Alpines Schwimm- und Sonnenbad Wengen

Wengen, Berner Oberland, 1936:

Poststempel 21.8.1936

Wengen (1276 m) mit Jungfrau und Breithorn, Schwimm- und Sonnenbad
Eth Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Auch diese Badi folgt der architektonischen Sprache des Neuen Bauens, entworfen von den beiden Interlakner Architekten Alfred Urfer und Walter Stähli. 2005 bis 2009 hat man die Anlage renoviert, aber, zum Leidwesen so manch originalverliebter Seele, wurde der Pavillon entgegen bauzeitlicher Befunde orange gestrichen.

Also schaut man beim Baden wohl lieber zur Jungfrau ...

Strandbad Caumasee

Am Caumasee, Flims, Graubünden, 1945:

Poststempel 15.7.1945
Flims, das Strandbad am Caumasee
Eth Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Die erste Badehütte stand bereits im Jahre 1835 hier. Kein Wunder, wer will nicht in dieses strahlende Türkis eintauchen.

Caumasee Seebad 1880
Das ehemalige Seebad am Caumasee, um das Jahr 1880.Bild: wikimedia

Und nicht allein schön war dieses Wasser, es galt auch als heilsam. Besonders bei eiternden Wunden, entzündeten Augen oder Rheumaleiden. Der funkelnde Bergsee zog Kursuchende und Bauern an, die in der Hoffnung auf Linderung ihre gichtigen Finger hineintunkten. Selbst ihre kranken Kühe liessen sie darin baden.

A beautiful view of the Caumasee lake under a cloudy sky near Flims, in the Grisons, Switzerland xkwx alps beach caumasee cloudy coast daytime environment flims forest green grisons hills lake landsca ...
Fürs Feeling noch einmal in Farbe.Bild: www.imago-images.de

Basler Rheinschwimmen

Basel, 2024:

Rheinschwimmen: Am offiziellen 44. Basler Rheinschwimmen schwammen am Dienstag über 4500 Menschen den Rhein hinunter. Vereinzelt kam es zu Zwischenfällen, 2024
Bild: keystone

Lebendige Tradition Nr. 1 im sommerlichen Basel: Das Rheinschwimmen. Das Sich-Treiben-Lassen von der Strömung, an einer spektakulösen Altstadtkulisse vorbei. Am besten mit dem Wickelfisch, einem wasserfesten Schwimmsack, in dem man sein Zeugs verstauen kann.

Strandbad Seerose

Am Hallwilersee, Meisterschwanden, Aargau, 1928:

Das Strandbad Seerose kurz nach der Eröffnung. (Stadtarchiv Baden, Q.11.3.17.9)
Bild: Stadtarchiv Baden

Bereits vor der Eröffnung hatten sich die Leute auf der Wiese zu tummeln begonnen, da, «wo sich früher ein liebliches Buchenwäldchen» ausgebreitet hatte, wie die NZZ am 3. August 1928 schrieb.

Die Wiese sollte aber nicht allein dem Herumliegen dienen, sondern immer auch Platz bieten, seinen Körper zu kräftigen, ganz im Sinne der volksgesundheitlichen Vorstellungen der Zeit.

Im Uferbereich des jungen Standbades. (Stadtarchiv Baden, Q.11.3.17.5)
Bild: Stadtarchiv Baden

Die Seerose diente aber auch noch einem anderen Zweck. Man erhoffte sich von einem klar geregelten und eintrittspflichtigen Badebetrieb eine gewisse Beruhigung der wilden Zustände am Ufer des Hallwilersees: Dabei komme «gewiss viel weniger Anstössiges vor, als in den gegenwärtigen offenen Badplätzen, deren sich allerhand Wandervögel bedienen» – so der Anzeiger vom Lindenberg während der Planungsphase des Strandbads.

Gitterlibad

Liestal, Basel-Landschaft, 1930:

Otto Plattner geb. 29. Juni 1886, gest. 20. Oktober 1951, Schweizer Maler, Graphiker: Werbung, Schwimmbad Liestal, 1934, Schweiz, Reproduktion eines Plakates
Bild: www.imago-images.de

Otto Plattners Plakat fürs Gitterlibad, das 1933 nach den Plänen des Liestaler Architekten Max Tüller erbaut wurde – und wie Heftis Badeanstalten als Paradebeispiel für den Stil des «Neuen Bauens» gilt.

Strandbad Lido Luzern

Luzern, 1938:

Lido Strandbad Luzern
Die schicke Runddusche ist ein Werk des in Moutier, BE, geborenen Architekten Arnold Berger.bild: staatsarchiv Luzern

Willkommen im ältesten Strandbad der Stadt Luzern!

Am 4. Februar 1929 beschloss das Luzerner Parlament den Bau, am 29. Juni desselben Jahres wurde es bereits eröffnet.

Und ein weitgehend unbekannter Herr namens Albert Solbach entwarf dieses wunderbare Plakat dafür:

Marzili

An der Aare in Bern, 1976:

Bern, "Marzilibad"
Originaltitel
Bern [?], Schwimmbad
Datierung
15.06.1976
Eth Bibliothek zürich, Bildarchiv

Willkommen in der ältesten Schwimm‑ und Badeanstalt von Bern!

«Stolze Bierbäuche in überforderten Speedo-Badehosen jassen unter roten Rivella-Schirmen, gegerbte Lederhäute sonnenbaden im FKK-Separée Paradiesli, schlaksige Teenager rennen um Ping-Pong-Tische, durchtrainierte Körper werden stolz spazieren geführt, die Kleinsten pinkeln ins wadentiefe Kinderbecken und lädierte Partyraketen schlafen unter den Bäumen ihren Rausch aus. Tout Bern trifft sich im Marzili, mittendrin weist die überdimensionale Plastik-Bratwurst den Weg zum leiblichen Wohl und über allem thront majestätisch das Bundeshaus.
Gisela Feuz in «Bärn isch eso»

Hier wurde bereits im 18. Jahrhundert gebadet. 1782 entstand das erste Marzilibad, der «Füferweiher», kostenpflichtig wohlgemerkt. 1822 wurde daraus eine «akademische Badeanstalt», eröffnet von Phokion Heinrich Clias (1782–1854), dessen Vater ein nach Boston ausgewanderter Nidwaldner war, der als Offizier im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg diente. Aus Phokion hingegen wurde der Begründer des Schweizer Turnunterrichts – zusammen mit Johannes Niggeler und Adolf Spiess rief er die «Vaterländische Turngemeinde» ins Leben.

Marzili
Schwimmübungen im ehemaligen Seitenarm der Aare, «Löifu» genannt, der einst durchs Marzilibad floss und ihm seinen Inselcharakter verlieh. Mit dem Bau der Monbijoubrücke (1962) und den Eingriffen ab 1968 wurde dieser Kanal weitgehend zugeschüttet und es entstanden die heutigen Beckenanlagen, darunter das 1968 eröffnete 50‑Meter‑Becken.
bild: burgerbibliothek bern

Als Initiator und Betreiber von Berns erster Badeanstalt lag ihm natürlich auch der Schwimmunterricht am Herzen, den er insbesondere für die Mädchen propagierte.

1866 wurde der erste öffentliche Frauenbadeplatz im Marzili eröffnet, in den 1920ern folgte ein gemischter Familienbereich.

Aktuell wird das Freibad komplett erneuert – mit einem «Löifuweg» wird der zugeschüttete Aarelauf zwischen dem neuen Bootshafen im Süden und dem Bueberseeli nachgezeichnet.

Marzili, 1997
Das Marzili im Jahr 1997.Bild: keystone

Darum wird es dieses Jahr auch gestaffelt geöffnet, was den Platz etwas einschränkt. Sprich, vielleicht ein paar stolze Bierbäuche weniger.

Rhybadhysli Santihans

Am Rhein in Basel, 2009:

Sign-board at the outdoor river pool "St.Johann" on the shores of the river Rhine, pictured on April 20, 2009 in Basel, Switzerland. The sign reads: People who don't swim will not be to ...
Bild: KEYSTONE

Die Regeln sind einfach im 1896 erbauten Rheinbad St. Johann, kurz «Rhybeli» genannt.

Das Schwimmen erfolgt hier auf eigene Verantwortung, kein Bademeister überwacht deine Züge.

Bains des Paquis

Am Genfer See, Genf, 2008:

A pool attendant looks at people enjoying the warm and sunny weather at the public swimming pool "Bains des Paquis" at the lake of Geneva, in Geneva, Switzerland, Friday, June 20, 2008. (KEY ...
Bild: KEYSTONE

Hier dagegen wird streng überwacht.

Strandbad Mythenquai

Am Zürichsee, Zürich, 1931:

ürich, Strandbad Mythenquai und die Alpen, ca. 1930.
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Willkommen im spektakulärsten Strandbad von Zürich! 1922 eröffnet, war es das erste reine Freizeitbad, das nichts mehr mit einer Waschanstalt gemein hatte. Und auch die Geschlechtertrennung musste man nach Protesten schnell wieder aufgeben.

1927 stellte das Warenhaus Jelmoli eine 10 Meter hohe Wasserrutsche auf. Mit einem Holzschlitten – und gegen eine kleine Gebühr – konnte man direkt in den See sausen.

Zurück zur Übersicht >>

Bickel Karl - Zürich StrandbadNumber: 208142
Künstler: Bickel Karl
Titel: Zürich Strandbad

Jahr: 1928
Womöglich will sie nicht unbedingt auf die Rutsche. Plakat von Karl Bickel, 1928.Bild: via poster-auctioneer
Poststempel 17.8.1932
Zurich, lido Strandbad
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Die Rutsche wurde zum Symbol für das Erlebnisbad Mythenquai, doch bereits 1933 war sie wieder weg; die Stadt Zürich wollte sie Jelmoli nicht abkaufen – und für Jelmoli lohnte sich der Betrieb offenbar nicht mehr.

Zürcher Badis waren auch früher gerne überfüllt: Sprungturm in den 1920er-Jahren.
Foto: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich / Pleyer
Der Sprungturm in den 1920er-Jahren.Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich / Pleyer

Altes Strandbad Weesen

Am Walensee, Hüttenböschen, Glarus, 1921:

Botschaft der Postkarte: Jetzt gibt’s dann noch eine Bootfahrt. Poststempel 9.6.1925

Weesen, Strandbad, g. Glärnisch und Rautispitz
Originaltitel
Weesen, Strandbad, g. Glärnisch und Rautispitz
Unten die Badeanlage, darüber der steil aufragende Rautispitz und Wiggis, im Hintergrund links der höhere, vergletscherte Bereich des Glärnisch, Eth Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Das alte Strandbad lag nicht in Weesen, SG, sondern gegenüber davon, auf der Glarner Seite der Linth bei Hüttenböschen. 70 Badehäuschen reihten sich hier aneinander, ein Musikpavillon stand im Wasser und die Fähre verband die Halbinsel bei Weesen mit dem Strandbad. Das war alles damals, als die Gemeinde noch als «das Nizza der Schweiz» galt und Gäste aus England, Holland und Deutschland in ihren Hotels und Badekurhäusern unterbrachte, bevor sie weiter in die Bündner Bergkurorte reisten.

Botschaft der Postkarte: So, da heschse! Beste Grüsse. Poststempel 7.9.1921
Strandbad Weesen, 1921
«So, da heschse! Beste Grüsse *unleserlicher Name», steht auf dieser hübschen Postkarte aus dem Jahr 1921.Eth Bibliothek zürich, Bildarchiv

Heute ist von dem historischen Strandbad nichts mehr da ausser der Sand – und das frei zugängliche Seeufer.

Aarauer Fluss- und Sonnenbad

An der Aare, Aarau, Aargau, 1932:

Alte Badanstalt in Aarau
Die zweite Aarebadi, im August 1932, oberhalb des Eniwa-Kraftwerks in Aarau.
Sammlung Stadtmuseum Aarau / Aargauer Zeitung
Bild: Sammlung Stadtmuseum Aarau

«Nachweinen wird dem alten Kasten bei aller Dankbarkeit niemand», schrieb die Lokalzeitung 1931 lakonisch zum Abbruch der ersten Aarebadi. 1868 war sie am linken Aareufer entstanden, gleich neben dem nördlichen Kopf der Kettenbrücke.

Dass es keine Tränen gab, war vor allem der Eröffnung der zweiten Aarebadi geschuldet, die im selben Jahr oberhalb des Eniwa-Kraftwerks (mit dem hübschen Türmchen ganz im Hintergrund des Bildes) gebaut worden war – und in dem sich Männer und Frauen ungetrennt vergnügen durften. Für 20 Rappen pro Tag. Die Schüler zahlten nichts und lernten hier schwimmen, bis sich die Becken allmählich mit Schlamm zu füllen begannen. Manchmal trieben auch Tierkadaver und andere unerfreuliche Dinge den Fluss hinunter, Kläranlagen waren damals noch die Ausnahme. Und so entschieden sich 1952 die Schulen, ihren Schwimmunterricht hier nicht weiter fortzuführen, auch weil der Kanal von amtlichen Stellen als «hygienisch bedenklich» oder klar «gesundheitsschädigend» eingestuft wurde.

Als Ersatz eröffnete 1955 das Freibad im Schachen – ohne Zugang zum Fluss, dafür gespeist von sauberem Grundwasser.

Seebad Katzensee

Am Katzensee, Zürich, 1973:

Katzensee
Datierung
12.08.1973
Eth Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Als die Insekten noch zahlreich waren und in Scharen über die leergetrunkenen Tassen und Essensreste der Badi-Gäste herfielen.

Katzensee
Datierung
12.08.1973
Eth Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Seebad Utoquai

Am Zürichsee, Zürich, 2003:

Zahlreiche Raver aus dem In- und Ausland vergnuegten sich auch dieses Jahr wieder bei herrlichem Wetter an der Streetparade in Zuerich, aufgenommen am 10. August 2003. Die Luftaufnahme zeigt die Badea ...
Bild: KEYSTONE

Während sich die einen an der Street Parade vergnügen, liegen die anderen in der Badi rum.

Was der Architekt William Henri Martin hier 1890 auf Pfählen in den See setzte, war ein regelrechter Badepalast. Ein hölzernes Kastenbad mit Türmchen im damals modischen neumaurischen Stil. 1908 kommen die Sonnenterrassen aufs Dach des ältesten erhaltenen Seebads von Zürich.

Seebadi Utoquai 1920
Bildarchiv AGU zürich via stadt-zürich

Strampi

Am Bielersee in Nidau, Bern, 1949:

Strampi Biel
Bild: eth bibliothek, bildarchiv

Ernst Berger ist der Architekt dieser 1929 bis 1932 entstandenen Perle mit grosser sichelförmiger Sandbucht, Liegewiese und elegantem Sprungturm. Das Strandbad Biel – liebevoll «Strampi» genannt – steht im Inventar der Kulturgüter der Gemeinde Nidau.

Biel: Das dortige Strandbad gehörte bei seiner Eröffnung in der 30er-Jahren zur absoluten Spitze der schweizerischen Badis. Hier eine Aufnahme aus den frühen 50er Jahren.
Das Strampi in den frühen 50ern.eth Bibliothek Zürich, Bildarchiv
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Wenn du denkst, deine Badi ist jetzt schon zu voll, …
1 / 48
Wenn du denkst, deine Badi ist jetzt schon zu voll, …
Wenn du diese Fotos gesehen hast, freust du dich sogar darüber, wenn dein Nachbar nur seinen Fuss auf dein Badetuch legt! Als Bonus ist auf jedem Wimmelbild eine gelbe Quietschente versteckt. Findest du sie? Im Bild: Haeundae Beach in Busan, Südkorea. (EPA/YNA)
Auf Facebook teilenAuf X teilen
World of watson: 25 Dinge, die wir früher in der Badi gemacht haben
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
6 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
6
10 Jahre Brexit: Ein Lehrstück in Sachen Zuwanderung
Mit der 10-Millionen-Initiative soll die Zuwanderung in die Schweiz abnehmen. Genau dies haben die Briten 2016 mit dem Austritt aus der EU angestrebt. Es ging gründlich schief.
Ein pflegeleichtes Mitglied der Europäischen Union war Grossbritannien nie. Immer wieder gab es Reibereien, etwa um die Einzahlungen in den gemeinsamen Haushalt. Am rechten Rand der Konservativen Partei wurde Brüssel zum Feindbild, obwohl gerade sie es war, die den 1973 vollzogenen Beitritt angestrebt hatte. 2016 schlug die Stunde der EU-Gegner.
Zur Story