Schweiz
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Schwere Unfälle auf Schweizer Strassen haben vor allem einen Grund: Ablenkung



ARCHIVBILD ZU AKTUELLEN STATISTIKEN UEBER GESCHLECHTERDIFFERENZEN AM STEUER, AM SAMSTAG, 30. DEZEMBER 2017 - Fahrlehrer Sandro Ceravolo erteilt einer Fahrschuelerin ihre dritte Fahrstunde, aufgenommen am 17. Dezember 2012. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Keine gute Idee: Lesen am Steuer. Bild: KEYSTONE

Die meisten schweren Verkehrsunfälle sind gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) auf abgelenkte Verkehrsteilnehmende zurückzuführen. Sorgen bereiten die schweren Personenschäden bei Radfahrenden.

1111 Menschen waren im Jahr 2017 auf Schweizer Strassen wegen abgelenkter Verkehrsteilnehmender schwer oder tödlich verletzt worden, wie die BFU gestützt auf ihren Sinus-Report 2018, der das Sicherheitsniveau und das Unfallgeschehen im Strassenverkehr analysiert, mitteilte.

Unaufmerksame oder abgelenkte Verkehrsteilnehmende seien oft für Unfälle mit Schwerverletzten oder Getöteten verantwortlich. Im Durchschnitt gebe es deswegen jeden Tag drei Schwerverletzte.

Junge lassen sich mehr ablenken

Ablenkung sei kein geschlechtsspezifisches Phänomen: Sie komme sowohl bei Männern wie auch bei Frauen anteilsmässig gleich häufig vor. Hingegen spiele die Ablenkung bei den 18- bis 24-Jährigen eine deutlich grössere Rolle als bei älteren Unfallverursachern.

Fast gleich viele schwere Unfälle ereignen sich gemäss BFU wegen Vortrittsmissachtung, die innerorts sogar die häufigste Unfallursache ist. Bei drei von vier schweren Unfällen wegen Vortrittsmissachtung seien Autolenker die Verursacher. Leidtragende von Vortrittsmissachtungen seien nebst den Motorrad- und Velofahrern in erster Linie die Fussgänger. Rund 40 Prozent der deswegen tödlich verletzten Menschen seien zu Fuss unterwegs gewesen.

Überhöhte Geschwindigkeit verursache täglich zwei schwere Personenschäden, Alkoholkonsum einen pro Tag. Diese beiden Unfallursachen seien demnach etwas weniger häufig, allerdings hätten Alkohol- und Geschwindigkeitsunfälle deutlich schwerwiegendere Folgen und endeten häufiger tödlich.

Die BFU sieht eine erfreuliche Entwicklung in der Unfallentwicklung in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Zwar sind im vergangenen Jahr 230 Menschen im Strassenverkehr gestorben, 14 mehr als im Vorjahr. Trotz dieser kurzfristigen Zunahme habe sich die Anzahl Getöteter in den vergangenen zehn Jahren jedes Jahr um durchschnittlich 17 reduziert.

Kein Rückgang bei Velounfällen

Während die Anzahl schwerer Personenschäden von Autoinsassen in den letzten zehn Jahren um die Hälfte zurückgegangen sei, sei bei den Radfahrern keine Reduktion festzustellen, schreibt die BFU weiter.

Laut Verkehrsprognose 2040 des Bundes wird der Fahrradverkehr doppelt so stark wachsen wie der motorisierte Individualverkehr. Die steigende Dichte und Heterogenität des Verkehrs machten es insbesondere in Dörfern und Städten zunehmend schwierig, unfallbedingte Verletzungen und Todesfälle zu verhindern.

Für das Unfallgeschehen bei den Radfahrern seien verschiedene Gefahrenquellen massgebend. So verletzten sich Radfahrer bei Unfällen schwer, weil sie beispielsweise über mangelndes Gefahrenbewusstsein und zu wenig verkehrsrelevantes Wissen verfügten, nachts und insbesondere tagsüber oft schlecht erkennbar unterwegs seien und sich nicht an die Verkehrsregeln hielten.

Eine Reihe von Risikofaktoren

Risikofaktoren bei den Kollisionsgegnern seien beispielsweise neben Vortrittsmissachtungen und Fahrgeschwindigkeit hohe und steile Fahrzeugfronten, eine hohe Festigkeit von Frontaufbauten sowie die Infrastruktur, die stark auf den motorisierten Verkehr ausgerichtet sei.

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Durch defensives Fahrverhalten könnten Radfahrer viel zu ihrer eigenen Sicherheit beitragen. Zusätzlich sollte die Planung gut ausgebauter Infrastruktur für Radfahrer vorangetrieben werden. Das innerörtliche Strassennetz sollte konsequent nach dem Geschwindigkeitsregime 50/30 betrieben werden.

Auch das vorausschauende, partnerschaftliche Fahrverhalten seitens der Motorfahrzeuglenkenden gegenüber den Radfahrern sei zu fördern. Weiter sollten die Kollisionseigenschaften von Motorfahrzeugen verbessert werden.

Auch könnten Motorfahrzeuge mit Fahrassistenzsystemen ausgerüstet werden, die beispielsweise der Detektion von Radfahrern dienten. Schliesslich sollte auch die Velohelmtragquote gefördert werden. (aeg/sda)

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • w'ever 08.11.2018 22:36
    Highlight Highlight ich fühle mich abgelenkt davon, dass ich mittlerweile mehr auf meinen tacho schaue um ja keinen km/h zu schnell zu sein (egal ob 30er oder 120), als auf den wirklichen verkehr
    • dan2016 09.11.2018 06:12
      Highlight Highlight man darf auch langsamer fahren, falls man mit der Maximalgeschwindigkeit überfordert ist.
  • kobL 08.11.2018 15:12
    Highlight Highlight In Holland und Dänemark ist es am sichersten zum Velo fahren und dort hat praktisch niemand einen Helm an. Warum? Safety in numbers und gute Infrastruktur. Und wie haben sie dass geschafft? Indem man dem Auto wieder Platz weggenommen hat und ordentlich investiert hat.
    Hierzulande betreibt man gerne Victim blaming und fordert die Velofahrer zu defensiver Fahrweise plus einen Helm anzuziehen. Nur bringt mir der Helm nicht viel wenn mich einer mit einem Auto oder Lastwagen umnietet, weil er abgelenkt ist oder auch absichtlich in mich hineinfährt, weil keine Lust zu warten.
    Benutzer Bild
  • andrew1 08.11.2018 14:47
    Highlight Highlight Velofahrer halten sich insbesondere in städten nicht an die verkehrsregeln. Statt wie bei den autofahrern zu büssen wird die infrastruktur ausgebaut. Zückerli statt peitsche.
  • KeineSchlafmützeBeimFahren 08.11.2018 12:52
    Highlight Highlight Ich nutze nie, wirklich nie das Handy. Es gibt sehr selten Ausnahmen, wenn jemand zum Beispiel dringend mit mir telefonieren möchte. Dann aber über Lautsprecher. Und wenn ich lange im Stau oder an einer Ampel stehe, dann wird auch mal zum Handy gegriffen. Aber wenn ich fahre, passiert das nie. Sobald ich jedoch andere Autofahrer beim Fahren auf der Autobahn oder egal wo mit dem Handy sehe, rege ich mich ob dieser Verantwortungslosigkeit auf. Wegen solchen Menschen gehe ich wahrscheinlich auch mal drauf!
  • Frausowieso 08.11.2018 12:35
    Highlight Highlight Mein Eindruck ist, dass die Verkehrsteilnehmer immer egoistischer werden. Sie setzen ihren Willen durch und alle anderen sollen sich danach richtig. Drängelnde Autofahrer, die sich in jede Lücke quetschen und andere von der Fahrbahn mobben, Velofahrer die stur jede Ampel und jeden Zebrastreifen ignorieren, Fussgänger die einfach auf die Strasse latschen.....es ist ein gesellschaftliches Problem. Die Menschen nehmen sich selbst zu wichtig und verhalten sich deshalb rücksichtslos.
    • Wilhelm Dingo 08.11.2018 14:44
      Highlight Highlight @Ms. Song: Ja, die Menschen nehmen sich selbst zu wichtig...schau mal im Tram in die Gesichter, da hast Du das Gefühl, jeder hat die Weisheit mit Löffeln gefressen.
  • Dragonlord 08.11.2018 12:16
    Highlight Highlight Es gibt viele Lenker, die gestresst sind. Sie schalten jegliche Vernunft aus und denken nur an sich selbst. Mit zunehmendem Verkehr und gleichbleibender Infrastruktur und Technologie eine tödliche Mixtur, vor allem für die schwächsten Verkehrsteilnehmer.
    Tempo 30 innerorts, mehr verkehrsberuhigende Massnahmen innerorts, obligatorische Freisprechanlage in Geschäftsfahrzeugen, Helmpflicht für Velofahrer, härtere Strafen bei Verkehrsverstössen innerorts. Diese Punkte müssten in der heutigen Zeit einfach umgesetzt werden können. Wir tun uns trotzdem schwer damit und finden immer Ausreden. Schade!
  • Franbon 08.11.2018 12:13
    Highlight Highlight Jede/r 2. Autofahrer/in denen ich, wenn ich Beifahrerin bin, ins Auto schaue sind am Handy....das finde ich extrem gefährlich denn es passiert so schnell etwas dann kann man gar nicht reagieren, denn diese Menschen können nicht vorausschauend fahren....
  • MacB 08.11.2018 11:48
    Highlight Highlight Hauptgrund Nr. 1 ist und bleibt das Handy.
    • Chnebeler 08.11.2018 12:27
      Highlight Highlight Meiner Meinung nach kommt als 1. Zu wenig Abstand -> deshalb reicht die Reaktionszeit niemals. Wers nicht glaubt soll mal zur Hauptverkehrszeit die Autobahn beobachten. Alleanderen Faktoren verstärken den effekt.
    • andrew1 08.11.2018 14:54
      Highlight Highlight Da nützt auch alles radaren nix. Ich sage immer lieber 20 kmh zu schnell auf der autobahn oder landstrasse dafür konzentriert als mit 80/120 unkonzentriert rumzüdümpeln , am handy oder am rauchen.

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