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Mit Übung lassen sich bis zu zwei Impfdosen mehr aus einer Ampulle ziehen.
Mit Übung lassen sich bis zu zwei Impfdosen mehr aus einer Ampulle ziehen.
Bild: APA/APA

Kantone ziehen mehr Impfungen aus den Ampullen – doch es gibt ein Problem

Geschicktes Fachpersonal kann aus einer Ampulle mehr Impfdosen ziehen, als vorgesehen. Allerdings könnte das dem medizinischen Personal zum Verhängnis werden.
14.04.2021, 09:41

Fingerspitzengefühl, Übung und das richtige Werkzeug: Das sind die Kriterien, damit man aus einer Impfstoffampulle beispielsweise sechs anstatt fünf Dosen ziehen kann. In einzelnen Kantonen wie Bern oder Basel-Land wird das bereits regelmässig getan. Folglich gibt es mehr Impfdosen. Das Problem dabei: Mit dieser Praxis liegt ein «Off-Label-Use» vor.

Das behandelnde Personal ist grundsätzlich verantwortlich, Arzneimittel so zu verabreichen, wie es der Hersteller empfiehlt. Weichen sie davon ab, tragen sie die Verantwortung für Komplikationen.

Sechs anstatt fünf Dosen

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weiss, dass den Impfstoffampullen (Vial) zum Teil mehr Impfstoff entnommen wird, als empfohlen. Der Bund sieht beim Impfstoff Pfizer fünf Dosen pro Vial vor und bei Moderna zehn Dosen. «Es gelingt jedoch regelmässig, eine sechste respektive elfte Dosis zu entnehmen», sagt Masha Foursova vom BAG.

Die Moderna-Impfampullen sind etwas grösser als die von Biontech/Pfizer.
Die Moderna-Impfampullen sind etwas grösser als die von Biontech/Pfizer.
Bild: keystone

Auch Gundekar Giebel von der Berner Gesundheitsdirektion bestätigt die Praxis: «Geübte Fachleute können mit dem richtigen Impfwerkzeug eine oder sogar zwei zusätzliche Impfdosen aus einer Ampulle ziehen». Allerdings gelinge das weit nicht jeder Person, ergänzt Giebel.

Der «Off-Label-Use» von Arzneimitteln sei auch grundsätzlich nicht verboten, sagt Foursova vom BAG. Allerdings sei das Impfpersonal selber verantwortlich, wenn es den Impfstoff anders als empfohlen anwendet. Ausserdem müsse die zu impfende Person über den «Off-Label-Use» aufgeklärt werden.

Bis zu einer Million mehr Impfungen

Wie viel mehr Impfungen die Kantone tatsächlich durch die geschickte Impfgewinnung verabreichen können, ist nicht bekannt. Je nachdem, wie breit die Kantone das Verfahren anwenden, dürfte die Zahl höher sein. Im Optimalfall, wenn aus jeder Ampulle eine Dosis mehr gezogen würde, sogar über eine Million (siehe Grafik).

Geübte Hände können eine und sogar zwei zusätzliche Impfdosen aufziehen.

Zahlen bleiben intransparent

Was aus den offiziellen Zahlen hingegen hervorgeht, ist, wie viele Impfdosen der Bund an die Kantone ausgeliefert hat. Weil die Impfungen nie als einzelne Dosen, sondern in Vials geliefert werden, muss der Bund umrechnen. Dabei dürfte er von seiner Empfehlung ausgehen, sprich von den fünf Dosen (Pfizer) und zehn Dosen (Moderna) pro Vial.

Die Kantone weisen offiziell nur aus, wie viele Impfungen verabreicht wurden. Unbekannt bleibt, wie viele Impfdosen die Kantone untereinander verschoben haben. Ein weiterer Grund, weshalb die Anzahl der ausgelieferten Impfdosen nicht den effektiv verimpften entspricht.

Regel würde Impfpersonal absichern

In den USA ist man einen Schritt weiter und hat die Empfehlung angepasst. Eine angepasste Empfehlung könnte hier helfen. Neu sei es offiziell möglich, pro Vial von Moderna maximal elf Impfdosen zu entnehmen, heisst es in einer Mitteilung der US-Arzneimittelbehörde FDA.

Auch der Impfhersteller Pfizer/Biontech sagte vor drei Monaten, ein Vial reiche für sechs Dosen. Das BAG passte hier seine Empfehlung leicht an, indem es schrieb, dass die Entnahme einer sechsten Dosis mit dem bestehenden Material und «bei geübter Handhabung» möglich sei.

Bund schiebt Ball zu Kantonen

Es bleibt die Frage der Verantwortung des Impfpersonals, das versucht, das Optimum aus den Fläschchen zu holen. Der Bund will hier allerdings keine weiteren Regeln schaffen, hiess es bei der Pressekonferenz des BAG am Dienstag. Das BAG empfehle, die Anweisungen zu befolgen. «Wenn das eine Fachperson anders handhabt, ist sie dafür verantwortlich», sagte Virginie Masserey.

Den «Off-Label-Use» regeln müssten sowieso die Kantone, sagt BAG-Sprecherin Masha Foursova. «Es sind auch kantonale Gerichte, die in erster Instanz allfällige Sorgfaltspflichtverletzungen im Schadens- und Haftungsfall zu beurteilen hätten.»

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