Schweiz
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Polizei bei der Reitschule in Bern nach einer Demonstration, am Samstag, 25. Februar 2017. Bei der Protestkundgebung am Samstagabend sind mehrere Personen verletzt worden. Ein Grossaufgebot der Polizei war im Einsatz. Nach der gewaltsamen Raeumung eines besetzten Hauses an der Effingerstrasse am letzten Mittwoch hatte die Gruppe

Besucher der Reitschule auf der einen, die Polizei auf der anderen Seite. Jetzt tobt der Streit auch auf Social Media. Bild: KEYSTONE

Tweets statt Pflastersteine: Der Streit zwischen der Reitschule und der Polizei in 5 Akten

Seit Anfang März kochen die Emotionen rund um der Berner Reitschule wieder hoch. Neu setzten jedoch nicht nur die Reitschüler auf Social Media, sondern auch die Polizei. Eine Eskalation in 5 Akten.



Die Vorgeschichte:

Ausgangspunkt der erneuten Spannungen zwischen der Reitschule und der Polizei ist ein Einsatz vor drei Wochen. Laut der Polizei sei eine Patrouille auf eine Gruppe von Sprayern aufmerksam geworden und wollte diese stellen. Danach seien die Polizisten mit Steinen und Flaschen beworfen worden und der Einsatz musste abgebrochen werden.

Auf Social Media gehen die Kämpfe jedoch weiter. Hier schildert die Reitschule den Vorfall etwas anders: Die beiden Polizisten seien «gezielt» in eine Menschengruppe gefahren, schreibt die Reitschule in einem Posting auf Facebook.

Seither gab es auf der Schützenmatte, dem Platz vor der Reitschule, mehrere Razzien. Die Polizei erklärt diese in einem offenen Brief mit dem Kampf gegen den Drogenhandel. «Wir sind beauftragt und verpflichtet, dem Drogenhandel auf der Schützenmatte entgegen zu wirken, der mit seinen Strukturen Menschen in schwierigen Situationen ausnützt und ausbeutet», schreibt Stefan Blättler, Kommandant der Kantonspolizei Bern, in seinem Blog-Eintrag.

Als Reaktion auf die Razzien installierte die Reitschule eine Sirene beim Vorplatz. «Die Sirene macht die Besucher der Reitschule auf die drohende Gefahr von Polizeiübergriffen aufmerksam», so die Mediengruppe der Reitschule.

Der Schlagabtausch auf Twitter:

Trotz der Sirene gelang es der Polizei, fünf Personen zu verhaften. Bei den Verhafteten wurden 15 Gramm Kokain gefunden. Im Verlaufe der letzten zwei Wochen wurden vier solcher Einsätze durchgeführt.

Aussergewöhnlich aber ist, dass die Polizei im Nachgang der Aktionen stets auf Twitter über den Verlauf und «Ausbeute» der Razzien informierte. Insgesamt wurden 18 Personen verhaftet und mehrere Gramm Kokain eingezogen.

Währenddessen wehrt sich die Reitschule auf ihrem Twitter-Kanal. Die erste Aktion, die kurz nach dem offenen Brief ausgeführt wurde, wird als PR-Aktion bezeichnet. Wenige Tage später kritisiert die Reitschule, dass die Polizei zur Verhaftung einer Person mit 40 Polizisten in Vollmontur erschien.

Zu allen Vorwürfen nimmt die Polizei postwendend auf Twitter Stellung. So versuche die Polizei mit den offenen Worten Transparenz herzustellen, trotzdem müsse sie ihren gesetzlichen Auftrag umsetzen. Ausserdem sei der Kampf gegen den Drogenhandel manchmal mit hohem Aufwand verbunden, man wisse schliesslich nie, was die Beamten erwartet.

Die Polizei sattelt um:

Die Häufung der Tweets auf der Seite der Polizei ist kein Zufall. «Wir setzen Twitter zur kommunikativen Begleitung von meist längeren und dynamischen Einsätzen ein, bei denen man nicht genau weiss, wie sich die Situation entwickelt. Damit wollen wir so zeitnah wie möglich Transparenz zum Einsatz schaffen», sagt Christoph Gnägi, Chef der Medienstelle der Kantonspolizei Bern.

So sollen zum Beispiel Betroffene zeitnah über die Massnahmen und die Gründe des Einsatzes informiert werden. Man setze Social Media aber bereits seit etwa zwei Jahren zu diesem Zweck ein.

Das sagt der Experte:

Social-Media-Experte Konrad Weber vom SRF ist nicht restlos von den Tweets überzeugt: «Es ist ein schmaler Grat zwischen dem Schaffen von Transparenz und Meinungsmache.» Für den Experten wirken die Tweets manchmal etwas unbeholfen und würden über das Ziel hinausschiessen. «Ist es wirklich Aufgabe der Polizei, ihre Einsätze öffentlich zu legitimieren?», fragt sich Weber.

Umfrage

Soll die Polizei zeitnah auf Social Media ihre Einsätze legitimieren?

  • Abstimmen

1,593

  • Ja, das schafft mehr Transparenz.35%
  • Nein, das ist nicht Aufgabe der Polizei.53%
  • Ich weiss nicht.11%

Weiter ist für ihn klar, dass die Polizei mit dem verstärkten Einsatz von Social Media die Informations-Strategie der Reitschule direkt kontert: «Das ist eine direkte Reaktion auf das Vorgehen der Reitschule.» Die Polizei begegnet damit den Anschuldigungen, die in den letzten Wochen wieder lauter geworden sind.

Die Situation wird sich dadurch aber kaum entspannen. «Das ist nicht die Lösung des Konfliktes, sondern eine Verschiebung in den digitalen Raum», so Weber.

Das sind weitere Reaktionen

Die weiteren Rückmeldungen auf die Twitteraktivität der Polizei sind gemischt. Manche Twitter-User heissen das neue Vorgehen gut. Sie begrüssen die nüchterne Darstellung und besonders die Transparenz, die dadurch entsteht. Andere sehen hinter der Tweet-Offensive puren Opportunismus.

Auch in der Reitschule ist man nicht begeistert. «Offenbar hat die Polizei ihre PR-Strategie gezielt auf die Reitschule ausgerichtet. Dies zeigt sich auch daran, dass nur Einsätze im Raum Schützenmatte derart eng auf Twitter begleitet werden, während dies bei anderen Geschehnissen nicht passiert», so die Mediengruppe Reitschule zu watson.

Was die Polizei kommuniziere und was sie schlussendlich tue, klaffe aber weit auseinander. Die Kommunikationsabteilung gebe sich zwar offen und freundlich, die Einsatzkräfte verhielten sich im Raum Schützenmatte jedoch noch eskalativer und herablassender als zuvor.

«Wir sehen die neue Medienstrategie daher nicht als Versuch zum Austausch, sondern als Präventivmassnahme gegen schlechte Schlagzeilen», so das Urteil der Reitschule.

Die Berner Reitschule

Polizist in der Berner Reitschule eingesperrt

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Die Berner Reitschule

Polizist in der Berner Reitschule eingesperrt

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45
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45Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • guggussugus 25.03.2019 02:29
    Highlight Highlight Gibt Ihnen Brot und spiele wie es die alten Römer machten, um ihre miesen Machenschaften zu überblenden.
    Oh, dass machen sie ja schon.. Dann gehe ich jetzt schlafen.. Gute Nacht
  • malu 64 24.03.2019 15:45
    Highlight Highlight Lebst du anders als der grosse Teil, bist du immer im Fadenkreuz der Staatsmacht. Diese versucht mit allen Mitteln recht zu haben. Da wird genauso getrickst und betrogen wie auf der Gegenseite. Lasst euch nicht unterkriegen bleibt schwarze Schafe!
    • just sayin' 25.03.2019 12:26
      Highlight Highlight @malu 64

      "Lebst du anders als der grosse Teil, bist du immer im Fadenkreuz der Staatsmacht"

      huh? ist glaubs die mehrheit, welche diesen lebensstil zelebriert. das ist längst hipp
  • Helios 24.03.2019 12:25
    Highlight Highlight Das was Kapo Bern hier abzieht nimmt langsam absurde Züge an.

    Die meiste Stadtberner kennen die Reitschule bestens, weil die meisten die in Bern wohnen schon mal dort im Ausgang an einem Konzert, beim Feierabendbier oder im Restaurant essen waren.

    Viele haben darum auch schon miterlebt wie sich eine Situation hochschaukeln kann. Das dabei die Kapo kein unschulds Lämmchen ist, wissen deshalb die meisten auch. Wenn man dann tagsdarauf die Polizeicommuniques liest, fragt man sich dann schon in was für einer reflexionsfreien Welt die leben. Jegliche Schuld wird kategorisch von sich gewiessen.
    • just sayin' 25.03.2019 12:27
      Highlight Highlight lebe in bern
      gehe zwischendurch in die halle
      sehe das ein wenig anders als du
  • Pfützentreter 24.03.2019 12:19
    Highlight Highlight Anarchiiiiiie!
    Hihihi, gähn.
    So, ihr Reitschüler und Jungschützen: werdet erwachsen. Und an alle Politisierenden: sorgt dafür, dass weniger Arschgeigen zur Polizei kommen. Zum beispiel, indem ihr Arschgeigen Zugeständnisse macht, bevor sie sich bei der Polizei bewerben. Das braucht Zeit, ich weiss, wird sich aber auszahlen, und zwar für alle.
  • andrew1 23.03.2019 20:20
    Highlight Highlight In der schweiz kann man sich halt nicht einfach ein gebäude unter den nagel reissen und dann meinen man könne einen rechtsfreuen raum haben. Vor dem gesetzt sind zum glück alle gleich, auch die reitschule. Leider ist die politik und polizei zu wenig restriktiv. Die sollen so etwas mal in der usa oder japan probieren.
    • Beba 24.03.2019 11:38
      Highlight Highlight Bin ich nicht ganz deiner Meinung.
      Es geht doch schon seit Jahren super in Bern.
      Die Reitschüler sind da, machen was sie wollen, beschimpfen die Polizei und geben Verdächtigen Unterschlupf und die Möglichkeit abzuhauen.
      Und alles mit Steuergeldern der Stadt 😊
      Funktioniert doch super
    • dath bane 24.03.2019 11:46
      Highlight Highlight Wieso ist unsere Polizei nicht wie die in den USA? Dort funktioniert doch das Justizsystem viel besser.
    • andrew1 24.03.2019 12:30
      Highlight Highlight Weil die polizei dort extrem hart durchgreifft. Fliegt dort nur eine flasche gegen polizisten wird das gebäude wohl von einer swat-einheit gestürmt und hunderte verhaftet. Bei widerstand taser usw. Das areal wohl abgerissen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Zwei Fallende Stimmen 23.03.2019 20:19
    Highlight Highlight Ich wette, bei einer Razzia in der UBS oder CS würde man mehr als 15 Gramm finden.
    • Janiboy 23.03.2019 20:35
      Highlight Highlight Die haben dafür sicher einen extra Tresor um jederzeit versorgt zu sein.
    • Bowell 23.03.2019 20:47
      Highlight Highlight Whatabout...
    • Zwei Fallende Stimmen 23.03.2019 21:26
      Highlight Highlight @Bowell: naja, die Schwerpunktsetzung der Polizei wenns um Drogen geht lässt sich also durchaus kritisieren. Sind auch meine Steuergelder. Und Aufwand/Ertrag rechnet sich da also wirklich nicht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lowend 23.03.2019 19:57
    Highlight Highlight Vielleicht könnte man mal die Drogenanlaufstelle direkt neben dem Parteibüro der SVP platzieren und dann die SVP für die Probleme, die dann entstehen, verantwortlich machen.

    Die Reitschule kann für den Drogen-Drive-In auf dem Parkplatz etwa genau so viel dafür, wie es früher das Bundeshaus konnte, als in den 80ern die Parlamentarier über Junkies steigen mussten, um ins Bundeshaus zu gelangen.
    • Reli 23.03.2019 22:29
      Highlight Highlight Unterschied: in der Reitschule dürfen sich die Dealer verstecken und werden neuerdings sogar mit einer Sirene gewarnt. Damals beim Bundeshaus war das weniger der Fall
    • Wennli 23.03.2019 22:30
      Highlight Highlight Man könnte die Dealer auch freundlich bitten Ihre Waren direkt vor dem Polizeiposten zu verkaufen, so müsste die Polizei nicht extra mit Fahrzeugen ausrücken und es könnte unnötiger CO2-Ausstoss vermieden werden.
  • Hierundjetzt 23.03.2019 19:38
    Highlight Highlight Jaja die lustige „Reitschule“ wiedermal 😴😴😴

    Eine staatliche Verwaltungseinheit (Polizei) streitet sich mit einer anderen staatlichen Verwaltungseinheit (Reitschule).

    Poaeh sind die beiden laaaaangweilig.

    Reitschule: immer noch in den 80ger Jahre steckengeblieben♻️💤
  • WerWillSchonStringenzUndSachkenntnis 23.03.2019 19:31
    Highlight Highlight Der Staat finanziert eine Institution, die grundsätzlich gegen den demokratischen Rechtsstaat ist.
    Die Institution lässt sich vom demokratischen Rechtsstaat finanzieren, den sie grundsätzlich ablehnt.
    Ich bin unsicher, welche Seite schizophrener ist.
    • P. Silie 24.03.2019 00:30
      Highlight Highlight Interessante Beschreibung, danke
    • Pachyderm 24.03.2019 09:28
      Highlight Highlight Inwiefern finanziert der Staat die Reitschule genau?
    • WerWillSchonStringenzUndSachkenntnis 24.03.2019 09:37
      Highlight Highlight @Pachyderm: Guckst du Internet:
      Der Staat finanziert das Gebäude samt regelmässiger Sanierung. Zudem:
      „Die Stadt Bern unterstützt die Ikur jährlich mit 380 000 Franken für Miete und Nebenkosten.“
      ZB https://www.nzz.ch/schweiz/wie-militante-die-berner-reitschule-in-beschlag-nehmen-1.18495332
    Weitere Antworten anzeigen
  • Nicolas D 23.03.2019 19:23
    Highlight Highlight Ist mir egal. ... im Untergrund ist es besser. ... Hippies *hust
  • G-Man 23.03.2019 19:14
    Highlight Highlight Kommen 20 werden sie angegriffen. Kommen 40 heisst es es sei übertrieben... so what
    • Pafeld 23.03.2019 20:41
      Highlight Highlight 40 Mann in Vollmontur und mit Verletzten auf beiden Seiten für die paar Gramm Koks im Wert von ein paar Hundert Franken? Wissen Sie, was ein solcher Einsatz kostet? Sorry, dass ist Verhältnisblödsinn. Und von einem Polizeikommandanten erwarte ich, dass er seine Ressourcen effizient nutzt. Und nicht einen politisch motivierten Law&Order-Fetisch nachgeht.
    • Roman h 23.03.2019 20:57
      Highlight Highlight @pafeld
      Wieso braucht es 40 Mann?
      Ganz einfach, weil sie sonst keine Chance haben.
      Was heisst das jetzt
      Die Besucher der Reitschule stören ganz klar den Polizeieinsatz und sind somit schuld das der Steuerzahler mehr Geld ausgeben muss.
      Daher doch am besten alle verhaften
    • yolomarroni 23.03.2019 21:19
      Highlight Highlight Es ist anzumerken, dass bei der Razzia mit den 40 Polizisten in Vollmontur keine Drogen gefunden worden sind und das Aufgebot nur wegen EINER verdächtigen Person erfolgte.
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Der neuste Internet-Trend: Kindern Käse ins Gesicht werfen

Twitter-User «yungholmes VE» wirft seinem kleinen Bruder eine Käsescheibe ins Gesicht und filmt das Ganze. Ein neuer Internet-Trend ist geboren. Der Tweet erhält innerhalb von 24 Stunden über 700'000 Likes und wird fast 250'000 Mal retweeted.

Diverse User antworteten «yungholmes VE» mit eignen Aufnahmen. Lustig oder dumm? Diese Frage überlassen wir euch liebe User. Hier ein paar Beispiele:

(leo)

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