Proteste gegen syrische Regierung in der Schweiz – Krawalle in Bern
Davor fand laut der Polizei auch in Winterthur ZH eine unbewilligte Kundgebung mit dem Titel «Solidarität mit Rojava» statt. Auch in der Stadt Basel hatten sich am Abend Menschen zu einer unbewilligten Demonstration formatiert.
In Bern marschierten die Demonstrierenden um 19 Uhr vom Bahnhofplatz zum Bundeshaus. Nach Verhandlungen mit der Kantonspolizei Bern liess diese die Menschenmenge via Bahnhofplatz auf die Schützenmatte vor die Reitschule gewähren. Dort tolerierte die Polizei noch eine Platzkundgebung, aber keinen weiteren Umzug, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor Ort beobachtete.
Die altersmässig bunt gemischte Menge skandierte unter anderem «Free, free Rojava», «Jolani Terrorist» und «Terrorist Erdogan» und forderte auf Plakaten «Defend Kurdistan» und «Defend Rojava». Mehrmals wurden Feuerwerk und andere Pyrotechnika gezündet. Bei der Lorrainebrücke versuchten mehrere Teilnehmende, eine Polizeisperre zu durchbrechen, und griffen die Einsatzkräfte mit Pyrotechnika und später auch mit Wurfgegenständen an, wie es in einer Mitteilung der Kantonspolizei Bern hiess.
Die Polizei habe kurzzeitig Reizgas und sowie auch Gummischrot einsetzen müssen. Die Kundgebung habe sich schliesslich zu kleineren Gruppen abgespalten und gegen 21.40 Uhr aufgelöst. Es seien drei Personen angehalten und für weitere Abklärungen zu Polizeiräumlichkeiten gebracht worden. Aufgrund der Kundgebung, kam es in der Innenstadt zu erheblichen Verkehrseinschränkungen.
Die Berner Polizei wurde von der Kantonspolizei Basel-Stadt unterstützt. Die Kundgebung war nicht bewilligt, wie die Gewerbepolizei der Stadt Bern am Dienstagnachmittag auf Anfrage mitgeteilt hatte.
Polizei stoppt Umzug auf Winterthurer Bahnhofplatz
Rund eine Stunde vor dem Beginn der Demonstration in Bern versammelten sich in Winterthur ZH rund 300 Menschen am Hauptbahnhof zu einer unbewilligten Kundgebung mit dem Titel «Solidarität mit Rojava», wie die Stadtpolizei mitteilte. Neben vielen kurdischen Teilnehmenden mischten sich dabei laut der Polizei auch Vertreterinnen und Vertreter aus dem linksextremen Umfeld unter die Demonstrierenden.
Kurz nach 18.30 Uhr formierten sich die Demonstrierenden spontan zu einem Demonstrationsumzug und bewegten sich Richtung Technikumstrasse. Um Ausschreitungen und Sachbeschädigungen zu verhindern, insbesondere nach den Ereignissen vom Vortag in Zürich, war die Stadtpolizei mit mehreren Einsatzgruppen vor Ort und stoppte den Umzug auf dem Bahnhofsplatz. Dabei kam es zum Einsatz von Pfefferspray, wie die Polizei weiter mitteilte.
Gegen 19.45 Uhr wurde die Demonstration aufgelöst. Bis zum späten Dienstagabend wurden keine Sachbeschädigungen bekannt, es kam laut der Polizei jedoch zu grösseren Verkehrsbehinderungen.
Tramfahrgast in Basel am Kopf verletzt
Auch in Basel hatte sich am Abend gegen 18.30 Uhr eine Gruppe zu einer unbewilligten Kundgebung auf dem Claraplatz formiert, wie die Polizei vom Kanton Basel-Stadt am späten Dienstagabend mitteilte.
Daraufhin sei ein Demonstrationszug von 500 Personen durch die Innenstadt gelaufen, bei dessen Verlauf mehrere Böller gezündet und Banner an verschiedenen Örtlichkeiten aufgehängt worden seien. An der Demonstration seien kurdische Flaggen gesichtet worden, wie ein Sprecher der Polizei der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bestätigte.
Beim Centralbahnplatz angekommen, hätten die Demonstrierenden eine Sitzblockade auf den Tramgleisen durchgeführt. Dabei sei die Scheibe eines Trams beschädigt und ein Fahrgast am Kopf verletzt worden. Er habe daraufhin mit der Sanität ins Spital gebracht werden müssen. Der Demozug habe sich anschliessend über den Barfüsserplatz und die Mittlere Brücke zurück zum Claraplatz begeben, wo sich die Kundgebung gegen 22.15 Uhr aufgelöst habe. Gemäss dem Polizeisprecher sei es zu keinen Festnahmen gekommen.
Kurdische Gebiete in Syrien bedroht
Bereits am Montagabend hatten sich in der Stadt Bern mehrere hundert Personen mit denselben Anliegen zu einer unbewilligten Spontankundgebung getroffen. Der Umzug war von der Polizei toleriert und eng begleitet worden.
Anlass der Demonstrationen ist die Lage in Syrien: Dort rücken seit einigen Tagen Regierungstruppen und Verbündete immer weiter in die Kurdengebiete im Norden und Osten des Landes vor. Hintergrund ist ein Streit zur Eingliederung der bisher autonom verwalteten Kurdengebiete in die staatliche Ordnung. Ein eigentlich am vergangenen Sonntag verkündeter Waffenstillstand scheint inzwischen faktisch beendet. (sda)
