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Das Wrack des Reisebusses, in dem 28 Menschen den Tod fanden. 
Bild: KANTONSPOLIZEI WALLIS

Belgischer Journalist behauptet: «Busunglück in Sierre war Verzweiflungstat des Chauffeurs»

07.03.2016, 18:4008.03.2016, 07:56

Am 13. März 2012 starben in Sierre 28 Menschen – darunter 22 Schulkinder – in einem belgischen Reisebus, der auf der A9 in eine Tunnelwand prallte. Als wahrscheinlichste Ursache für das schwerste Busunglück in der Schweiz seit 30 Jahren wurde in einem Untersuchungsbericht «Unaufmerksamkeit oder ein Schwächeanfall des Chauffeurs» angenommen. 

«Wenn man alle Elemente zusammenstellt, wird deutlich, dass hier etwas anderes als Zufall im Spiel ist.»
Douglas De Coninck

Dies stimmt nicht, glaubt der belgische Journalist Douglas De Coninck. Der Reporter der Zeitung «De Morgen» hat heute sein Buch «De busramp in Sierre: 1 pil, 28 doden» («Das Busunglück in Sierre: 1 Pille, 28 Tote») vorgestellt. Er glaubt nicht, dass dieses fürchterliche Unglück ein Unfall war. 

Wie der Germanwings-Co-Pilot

De Coninck ist überzeugt, dass der Chauffeur Geert Michiels den Bus absichtlich in die Tunnelwand lenkte. Michiels, der das Antidepressivum Seroxat eingenommen hatte, soll eine Verzweiflungstat begangen haben – ähnlich wie der Germanwings-Co-Pilot Andreas Lubitz, der im März 2015 seinen Airbus absichtlich abstürzen liess. 

In seinem Buch rekonstruiert De Coninck die Unglücksfahrt anhand der letzten SMS, die der Chauffeur verschickte, der Auswertung des Fahrtenschreibers und der Aussagen der Überlebenden. Zudem zieht er eine Studie heran, die auf gefährliche Nebenwirkungen von Seroxat hinweist. Chauffeur Michiels war vor seinem Tod dabei, das Antidepressivum allmählich abzusetzen. «Wenn man alle Elemente zusammenstellt, wird deutlich, dass hier etwas anderes als Zufall im Spiel ist», sagt De Coninck im «Morgen»

«Der Chauffeur ist in unseren Augen kein Schuldiger. Er ist genauso ein Opfer wie unsere Kinder.»
Mutter eines Opfers

Angehörige hoffen auf neue Untersuchung

Bei der Buchpräsentation waren laut «De Morgen» auch mehrere Angehörige von tödlich verunglückten Kindern anwesend. Man empfinde es als eine Erleichterung, dass dieses Buch erscheine, hiess es aus ihren Reihen. Von den Schweizer Behörden habe es nie befriedigende Antworten auf die Fragen gegeben. Eine Frau sagte, sie hoffe, das Buch werde zu einer neuen Untersuchung führen. 

Die Unfallstelle im Tunnel de Sierre.&nbsp;<br data-editable="remove">
Die Unfallstelle im Tunnel de Sierre. 
Bild: commons.wikimedia.org/orphée

Eine andere Frau, Mutter eines Opfers, sagte: «Der Chauffeur ist in unseren Augen kein Schuldiger. Er ist genauso ein Opfer wie unsere Kinder. Was wir aber wirklich brauchen, ist eine Erklärung, warum dieses Busunglück geschehen konnte. Die Antworten, die die Schweizer Justiz nicht geben konnte oder sogar unterdrückt hat, gibt Douglas De Coninck.» 

Die These, dass der Chauffeur absichtlich in die Tunnelwand fuhr, um Selbstmord zu begehen, ist allerdings nicht neu. Schon vor knapp zwei Jahren behauptete die niederländische Rechtsmedizinerin Selma Eikelenboom in einer TV-Sendung, es sei keine valable Erklärung, den Unfall auf eine Unachtsamkeit des Fahrers zurückzuführen. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Chauffeur mit Absicht in die Mauer gefahren ist, obwohl er unter dem Einfluss von Antidepressiva stand», sagte sie damals. (dhr)

Der Absturz von Germanwings 4U9525 in Frankreich

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Der Absturz von Germanwings 4U9525 in Frankreich
quelle: ap/ap / martin meissner
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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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LubiM
07.03.2016 18:49registriert Mai 2014
Ich sag das, was ich bereits vor ein oder zwei Jahren gesagt habe: Die Familien sollen doch abschliessen damit. Das ist nur das beste für alle, die Kinder bringt es sowieso nicht zurück und alle wissen ja, dass es bei so einem Unglück nicht wie beim Germanwings Fall in 2-3 Tagen kann gesagt werden, dass es Absicht ist. Es gibt keine Blackbox im Bus, keine Kameras (in diesem)... so kann man nur Spekulieren... sorry wenn das jetzt hart klingt.
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Karl33
07.03.2016 18:55registriert April 2015
Eine andere Frau, Mutter eines Opfers, sagte: «Der Chauffeur ist in unseren Augen kein Schuldiger. Er ist genauso ein Opfer wie unsere Kinder. Was wir aber wirklich brauchen, ist eine Erklärung, warum dieses Busunglück geschehen konnte. Die Antworten, die die Schweizer Justiz nicht geben konnte oder sogar unterdrückt hat, gibt Douglas De Coninck.»
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Die Antwort, warum das Unglück geschehen konnte, findet die Frau wohl eher im Glauben einer Religion als in den Medien. Und die Opfer/Täterdebatte ist irgendwie unnötig, nach jedem tragischen Ereignis die Ausrufe empörter BürgerInnen...
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Butschina
07.03.2016 20:39registriert August 2015
Diese Frage wird wohl nie zu klären sein. Und alle, die Antidepressiva nehmen, in einen Topf schmeissen finde ich gefährlich. Denn davon gibt es sehr viele, auch bei Berufschauffeuren.
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