Wie ein Zürcher Versuch mit Elektro-Ambulanzen misslang
Elektroautos sind nicht mehr aufzuhalten und haben den Praxisbeweis erbracht. Auch elektrisch betriebene Lieferwagen, Lastwagen und Linienbusse gehören längst zum Schweizer Strassenbild. Anders sieht es bei Spezialfahrzeugen aus, etwa für die Feuerwehr oder Sanität. Hier steckt die Entwicklung in den Kinderschuhen. Das hat die Stadt Zürich auf die harte Tour gelernt.
Ihre Rettungsorganisation Schutz und Rettung (SRZ) betreibt eine Flotte von 27 Rettungswagen, die altershalber bis 2030 ersetzt werden sollen. Weil sich die Stadt das Netto-Null-Ziel gegeben hat, wagte sie seit 2023 einen Versuch mit zwei elektrisch betriebenen Ambulanzen. Bei einer handelte es sich um einen zum Elektrofahrzeug umgebauten Mercedes, bei einer um ein als elektrisches Fahrzeug konzipiertes Modell des Herstellers Iveco.
Mittlerweile ist dieser Test abgeschlossen – und die Fahrzeuge haben ihn nicht bestanden. Das Mercedes-Fahrzeug habe «unkontrollierte Neustarts durchgeführt, wodurch die Einsatzkräfte nicht losfahren konnten», heisst es in einem Dokument der Stadt. Beim Iveco-Modell hätten sich «Ladekonflikte zwischen der Fahrzeugbatterie und den elektrischen Verbrauchern» – also etwa Licht, medizinische Geräte oder Kühlung – ergeben. Das Fazit der grössten zivilen Rettungsorganisation der Schweiz: «Die Konzepte sind noch nicht vollständig ausgereift».
Notarzt-Auto muss schnell wieder geladen werden
Der Testbetrieb habe wichtige Erfahrungswerte geliefert, sagt SRZ-Sprecher Severin Lutz. In den nächsten zwei Jahren sei nun aber keine Beschaffung von elektrischen Rettungswagen geplant. «Das gibt uns die Möglichkeit, den Markt sowie neue und ausgereiftere Produkte genau zu beobachten».
Perspektivisch soll bei SRZ ein Drittel der zu ersetzenden Rettungswagen elektrisch betrieben sein, zwei Drittel konventionell. Mit diesem Mix bleibe die Verfügbarkeit in einer Strommangellage – und umgekehrt auch bei einem Mangel von Treibstoff – sichergestellt. Dies habe oberste Priorität.
Ähnliche Erfahrungen macht Bern. Elektrisch betriebene Ambulanzen waren dort zwar noch nicht im Einsatz, dafür aber ein elektrisch betriebenes Notarztfahrzeug. Dessen Fahrverhalten werde vom Personal zwar lobend erwähnt, sagt Martin Müller, Sprecher von Schutz und Rettung Bern. Es müsse aber jeweils schnellstmöglich wieder geladen werden.
Polizei-Teslas bewähren sich
Bei Fahrzeugen wie Rettungswagen im Bereich von mittleren Gewichtsklassen sei Schutz und Rettung Bern «auf Lösungen des Marktes gespannt». Noch sei das Angebot für Einsatzfahrzeuge in diesem Bereich nicht breit genug. Zudem sei die technische Ladeinfrastruktur etwa bei den Notfallstationen der Spitäler nicht vorhanden, um Rettungswagen aufladen zu können.
Als Notfallorganisation müsse man auch in einer Strommangellage oder bei einem Blackout einsatzfähig bleiben, gibt Müller zu bedenken. Zudem müsse die Organisation in Bern Gegenden ausserhalb des urbanen Gebiets abdecken können, «was entsprechende Anforderungen an die Fahrzeuge stellt».
Bei der Sanität von Basel-Stadt sind ebenfalls noch keine elektrisch betriebenen Fahrzeuge im Einsatz. Bei der Feuerwehr sind es 18 Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb, neben Mannschaftstransportwagen auch Einsatzleitwagen und kleinere Löschfahrzeuge. Generelle Probleme verzeichne das Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) nicht, sagt Sprecher Toprak Yerguz. Das JSD habe schon früh auf Elektromobilität gesetzt, etwa bei der Kantonspolizei. Seit 2019 sind dort sieben Teslas im Einsatz, mit denen die Polizei gute Erfahrungen machte.
Diesel-Fahrzeuge wegen Lade-Lücken
«Wir haben immer betont, dass die Gewährleistung des Einsatzzweckes oberste Priorität hat und über der Art des gewählten Antriebs steht», sagt Yerguz. Wenn ein Elektro-Fahrzeug den Einsatzzweck nicht erfüllen könne, würden solche mit konventionellem Antrieb beschafft.
Das sei etwa der Fall bei Personentransportern für die Abteilung Militär und Zivilschutz. Diese müssten auch in Krisen, Katastrophen und Notlagen funktionieren und würden zum Transport zu Ausseneinsätzen in anderen Kantonen genutzt. «Dabei können diese Fahrzeuge auch für mehrtägige Einsätze in Bergregionen verwendet werden», sagt Yerguz. Dort gebe es «möglicherweise Versorgungslücken bei der Ladeinfrastruktur». Deshalb würden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor beschafft.
Während Schweizer Strassen dank immer mehr Elektrofahrzeugen also leiser werden, kommt die Sanität auch in den nächsten Jahren noch fast überall mit dem Diesel-Fahrzeug. Wer auf sie angewiesen ist, dem dürfte die Art des Antriebs allerdings egal sein.

