Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIV --- HANDOUT - Jungbaer

Im März tollte Jungbär 3 noch im Gras des Tierparks Dählhölzli, am Mittwochnachmittag fiel er dem Spiel mit seinem Vater zum Opfer.   Bild: Tierpark Dählhölzli

Tier-Drama im Dählhölzli

«Es könnte gut sein, dass Bär 3 gefressen wurde und wir nicht mehr viel von ihm finden»

Am Mittwoch wurde Jungbär 3 im Tierpark Dählhölzli von seinem eigenen Vater getötet und vermutlich von den Eltern verspiesen. «Das gehört zur Natur», sagt Dählhölzli-Direktor Bernd Schildger. 



Elf Wochen lang ging alles gut: Seit Januar lebten Bärenvater Misha, Mutter Masha und die Jungbären 3 und 4 zusammen in einem Gehege im Tierpark Dählhölzli. Bis am Mittwochnachmittag die Idylle gestört wurde: Da wurde Jungbär 3 von seinem eigenen Vater beim Spiel getötet. Danach trug Mutter Masha den Kadaver in den Stall. Kurze Zeit später spielten die Eltern wieder miteinander. 

«Misha und Masha sind unzertrennlich. Bei Versuchen, sie voneinander zu lösen, zeigten beide sofort Verhaltensstörungen», sagt Bernd Schildger, Direktor vom Tierpark Dählhölzli in Bern. «Für das Wohl der beiden war es wichtig, sie zusammen leben zu lassen.»

Familienleben für Bären ungewöhnlich

Tatsache ist: Für Bären ist das Zusammenleben einer ganzen Familie ungewöhnlich. In der Natur trennen sich die Väter von den Müttern und ihren Kindern, um sich eigene Territorien mit genug Nahrungsressourcen zu suchen. 

Misha und Masha sind aber nicht «normale» Bären. Sie wurden von Menschen aufgezogen und kamen 2009 als Geschenk des damaligen russischen Präsidentenpaars Dmitrij und Swetlana Medwedew nach Bern. Im Gegenzug nahm der Tierpark in Kauf, dass Misha den beiden Jungtieren gefährlich werden könnte. Und das ist nun auch passiert. 

Bär 3 könnte gefressen worden sein

Nun versuche man, sobald wie möglich das Gehege zu betreten, ohne die anderen Bären zu irritieren. «Es könnte gut sein, dass Bär 3 gefressen wurde und wir nicht mehr viel von ihm finden», sagt Schildger. 

Was sich für Menschen brutal anhöre, sei für Bären ein ganz natürliches Verhalten, ergänzt Schildger. «Man wird den Bären nicht gerecht, wenn man menschliches Verhalten auf sie überträgt.» Das Fleisch von Bär 3 sei zudem eine natürliche Nahrungsquelle, die sich Misha wahrscheinlich erschliesse.

Die Russischen Braunbaeren Mischa, rechts, und Mascha vergnuegen sich im Tierpark Daehlhoelzli, am Freitag, 29. Januar 2010, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Brown bears Mischa, right, and Mascha, left, presents by Russian President Dmitry Medvedev, play in their snow covered enclosure at the animal park Daehlhoelzli in Bern, Switzerland, Friday, January 29, 2010. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Unzertrennlich: Masha, links und Misha im Januar 2010.   Bild: Keystone

Kindstötungen gehören zur Natur

Nicht nur bei Bären, sondern auch bei Löwen, Schimpansen und Nagetieren kommen Tötungen von Jungtieren, sogenannte Infantizide, vor. Die Männchen töten Nachkommen von anderen, damit die Weibchen möglichst schnell wieder begattungsfähig werden und sie sich fortpflanzen können. 

«Das ist keine Frage der Moral, die Tiere wollen ihre eigene Fortpflanzung optimieren», sagt Robert Zingg vom Zoo Zürich. Auch Weibchen können zu Mörderinnen werden, wenn das Futter für die Familie knapp wird. Zingg glaubt jedoch nicht, dass Misha sein Junges absichtlich getötet hat: «Hätte er das gewollt, wäre es schon längst passiert», sagt er. 

HANDOUT - Jungbaer

Mutter Masha und Jungbär 3 im Januar. Bild: Tierpark Dählhölzli

Wie gross die Gefahr nun für das verbleibende Junge ist, ist schwer abzuschätzen. Klar ist: Masha, Misha und Bär 4 werden weiter zusammenleben. «Wir wollen, dass der Jungbär von seinesgleichen und nicht von Menschen aufgezogen wird», sagt Schildger. Dadurch soll er möglichst natürliche Verhaltensweisen lernen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Kommentar

Liebe Ständeräte, ich will heiraten dürfen. Liefert jetzt endlich die «Ehe für alle»!

Der Ständerat stimmt heute über die «Ehe für alle» ab. Einige Standesvertreter fordern eine weitere Verzögerung. Doch es ist endlich Zeit dafür.

Liebe StänderätinnenLiebe Ständeräte

Heute werden Sie über das Geschäft «Ehe für alle» diskutieren. Das Thema beschäftigt Sie schon lange: Diese Woche ist es exakt sieben Jahre her, seit die Forderung der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare mit der Geschäftsnummer 13.468 beim Parlament eingereicht wurde. Das ist eine sehr lange Zeit für alle Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen und vielleicht auch mal heiraten möchten.

Ich bin so einer. Heiraten, so klassisch …

Artikel lesen
Link zum Artikel