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Bundesrat will keine Fragen von Praktikanten beantworten

Bundespraesidentin Karin Keller-Sutter, rechts, und Bundesrat Albert Roesti, links, sprechen miteinander nach einer Medienkonferenz des Bundesrates zur Botschaft ueber den Solidaritaetsbeitrag fuer di ...
Medienschaffende in Ausbildung dürfen an Medienkonferenzen des Bundeshauses nur zuhören.Bild: keystone

Bundesrat will keine Fragen von Praktikanten beantworten

An Medienkonferenzen des Bundesrates sind nur akkreditierte Journalisten zugelassen. Sind sie noch in Ausbildung, haben sie aber ein Frageverbot.
31.07.2025, 07:5013.08.2025, 07:27
Doris Kleck / ch media

Ältere Journalistinnen und Journalisten schwärmen gerne von den alten Zeiten. Als die Medienkonferenzen des Bundesrates noch im Bundeshaus stattfanden. Mit gesprächigen Bundesräten ohne Informationsarmada. Mittlerweile wird selbst das Fragestellen an offiziellen Medienkonferenzen eingeschränkt.

Doch von vorne. 2001 entschied das Parlament: «Das Parlamentsgebäude dem Parlament.» Für die Journalisten wurde ein Medienzentrum ausserhalb des Bundeshauses geschaffen. Kostenpunkt: 42,5 Millionen Franken. 2006 wurde es in Betrieb genommen. Seither finden die Medienkonferenzen des Bundesrates dort statt.

Wer Zugang zum Medienzentrum will, braucht eine Akkreditierung. Muss nachweisen, dass er oder sie regelmässig über die Bundespolitik berichtet. Bislang galt, dass man dies mindestens während 60 Prozent einer Vollzeitstelle tun muss. Das war die Voraussetzung für eine C-Akkreditierung – ausgestellt von der Bundeskanzlei.

«Zweiklassengesellschaft»

Wer weniger über Bundespolitik berichtete, bekam eine sogenannte C1-Akkreditierung. Diese wurde aber nicht von der Bundeskanzlei ausgestellt, sondern von den Parlamentsdiensten. Mit der C1-Akkreditierung gelangte man aber nicht nur ins Bundeshaus, sondern auch ins Medienzentrum und konnte somit die Medienkonferenzen des Bundesrates verfolgen und Fragen stellen.

Diese Zweiklassengesellschaft gab immer wieder zu reden. Auch deshalb hat der Bundesrat die Akkreditierung neu geregelt. Die Voraussetzungen für die C-Akkreditierung wurden heruntergeschraubt, die Kategorie C1 abgeschafft. Die Änderungen treten am 1. August in Kraft.

Das hat Konsequenzen für Medienschaffende, die noch in der Ausbildung sind. Praktikanten oder Volontäre haben bislang eine C1-Akkreditierung erhalten, weil sie befristet im Bundeshaus tätig sind. C1 gibt es nun aber nicht mehr. Und die Bundeskanzlei hält fest, dass sie nicht für eine C-Akkreditierung berechtigt sind. Sie können zwar für das Parlamentsgebäude eine Tagesakkreditierung beantragen (und den Parlamentariern Fragen stellen) und dürfen im Medienzentrum arbeiten, aber sie dürfen nur an Medienkonferenzen teilnehmen, wenn es von der Bundesratssprecherin vorgängig erlaubt wird.

Ist dies der Fall, dürfen sie den Bundesräten zwar lauschen, aber ja keine Fragen stellen. Die Bundeskanzlei hält fest: «Medienschaffende in Ausbildung können keine Fragen an den Medienkonferenzen stellen.» Die Möglichkeit, Fragen zu stellen, sei mit einer Akkreditierung verbunden und daher akkreditierten Medienschaffenden vorbehalten.

Alles bürokratisch geregelt also. Nur die Frage nicht, was mit Praktikanten geschieht, die an der Medienkonferenz trotzdem die Hand hochhalten und eine Frage stellen wollen. Werden sie ignoriert, abgeführt oder gesperrt?

(aargauerzeitung.ch)

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96 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Trio_Duo
31.07.2025 08:36registriert Februar 2025
Damit man darin geschuhlt ist, was sich gehört? Damit keine Kritischen Fragen aufkommen? Damit man weiterhin als Antwort geben kann... Wir beobachten die Lage. Ein peinlicher Haufen das...
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Nocciolo
31.07.2025 08:41registriert November 2014
Aus demokratischer Sicht halte ich das für fragwürdig oder was genau ist der Grund für die Limitierung? Sollten nicht möglichst viele Fragen stellen? Eine Demokratie sollte so transparent wie möglich sein. Wenn jemand einen Blog startet und dem Bundesrat Fragen stellen will, sollte dort hin gehen können.
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iudex
31.07.2025 08:07registriert April 2020
Basierend auf den Fragen anlässlich den Corona Pressekonferenzen sollte die Hürde deutlich höher seien, da wird teilweise ja offenbar einfach irgendjemand vorbeigeschickt.
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