Schweiz
Bundesrat

Japankäfer bedroht Natur: So will der Bund die Ausbreitung stoppen

Ein Japankäfer auf einer gegessenen Pflanze.
Der Japankäfer stellt eine «ernsthafte Bedrohungy» dar. Bild: bundesamt für landwirtschaft

Auto- und Gepäckkontrollen: So will der Bund die Japankäfer-Ausbreitung stoppen

Bei Reisen aus gewissen Gebieten in der Schweiz sollen ab sofort Auto und Gepäck auf Japankäfer kontrolliert werden. Dazu hat der Bund am Montag aufgerufen.
11.05.2026, 08:0211.05.2026, 12:55

«Wir wollen die Ausbreitung dieses Käfers möglichst eindämmen», sagte Christian Hofer, Direktor des Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) am Montag vor den Medien. Eine neu lancierte Kampagne soll dies erreichen.

Der Japankäfer stelle eine ernsthafte Bedrohung für die Landwirtschaft, den Gartenbau und die Umwelt dar. «Dieser Käfer ist extrem gefrässig», so Hofer. Er befällt Blätter, Früchte und Blüten von über 400 Pflanzenarten. Seine Larven schädigen zudem die Wurzeln von Rasenflächen. Sein Schadenspotenzial wird auf mehrere 100 Millionen Franken pro Jahr geschätzt. «Wir müssen unbedingt versuchen, alles einzusetzen, damit diese Verbreitung verlangsamt werden kann.»

Blinde Passagiere entdecken

Erstmals entdeckt wurde der Käfer in der Schweiz im Jahr 2017 im Tessin. Seither hat er sich südlich der Alpen stark ausgebreitet. Im vergangenen Jahr hat er erstmals erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht. Auch nördlich der Alpen gibt es kleine, isolierte Populationen, meist entlang von Hauptverkehrsachsen. «Der Käfer ist da, den bringt man nicht mehr weg», so Hofer. Es gehe jetzt darum, seine Verbreitung zu verlangsamen, um Zeit zu gewinnen, damit man Erfahrungen im Kampf gegen die Käfer sammeln könne.

Zur Zeit fährt der Bund nördlich der Alpen noch eine sogenannte Tilgungsstrategie: Kleine Populationen des Käfers werden mit verschiedenen Methoden ausgerottet. Südlich der Alpen hingegen fährt er eine sogenannte Eindämmungsstrategie. Man versucht also nur noch, die Ausbreitung zu verlangsamen und Schäden zu verringern.

Käfer als blinde Passagiere

Der Mensch spielt laut BLW eine grosse Rolle bei der Ausbreitung des Japankäfers. Er gelangt oft unbemerkt als «blinder Passagier» in Fahrzeugen oder im Gepäck in neue Regionen. Die neue Kampagne «Gepäck checken, Japankäfer stoppen!» soll diese Verschleppung verhindern. «Wir können nur etwas gegen den Japankäfer machen, wenn wir alle etwas tun», sagte Andreas von Felten, stellvertretender Fachbereichsleiter Pflanzengesundheit beim BLW.

Konkret ruft der Bund alle Personen, die sich in befallenen Gebieten befinden, dazu auf, das Gepäck und das Auto gründlich auf die Käfer untersuchen.

Bereits bei der Parkplatzwahl in Befallsgebieten wird zur Vorsicht geraten. Autos sollten nicht direkt neben Rebflächen abgestellt werden, da sich die Käfer dort bevorzugt aufhalten. Zudem sollten die Fenster von parkierten Fahrzeugen geschlossen bleiben.

Vor der Heimreise ist eine sorgfältige Prüfung des gesamten Gepäcks notwendig. Dies betrifft insbesondere Kleidung, die im Freien getragen wurde, sowie Jacken und Schuhe. Auch alle Arten von Taschen wie Rucksäcke oder Handtaschen müssen untersucht werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Sport- und Outdoor-Ausrüstung. Schliesslich müssen auch die Koffer und Reisetaschen selbst von innen und aussen kontrolliert werden. Die Kontrolle des Autos ist ebenfalls ein zentraler Punkt. Der Kofferraum sowie die Sitze und Fussräume müssen abgesucht werden.

Verdächtige Käfer melden

Wird ein Japankäfer entdeckt, soll dieser eingefangen und daran gehindert werden, wieder zu entkommen. «Am besten ihn zerdrücken oder ihn in ein geschlossenes Gefäss einsperren», so von Felten weiter.

Jeder Fund soll umgehend dem zuständigen kantonalen Pflanzenschutzdienst gemeldet werden. Der Japankäfer ist ungefähr so gross wie eine Kaffeebohne. Er hat einen metallisch grün schimmernden Kopf und kupferbraune Deckflügel. Zur Identifikation dienen die weissen Haarbüschel an beiden Seiten des Hinterleibs. Für die Meldung an die Behörden soll ein Foto des Insekts gemacht und der genaue Fundort notiert werden. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Invasive Tierarten in der Schweiz
1 / 57
Invasive Tierarten in der Schweiz
SÄUGETIERE: Sikahirsch (Cervus nippon)Die Hirschart aus Ostasien ist ein Neozoon und wird als invasive Art eingestuft, weil sie sich in seltenen Fällen mit dem heimischen Rothirsch paart und dadurch genetisch vermischt. Das reine Rotwild verschwindet dadurch; nur die «Hybridart» überlebt.
quelle: shutterstock
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Invasives Weichtier im Bodensee
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
9 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
9
Axpo-Chef will keine AKW für die Schweiz – und macht dafür diesen Vorschlag
Thomas Sieber erlebte während seinen zehn Jahren als Verwaltungsratspräsident Krisen, Kriege und viel Leerlauf. Die Schweiz sei auf einem kritischen Pfad, sagt er im Interview.
Zehn Jahre stand Thomas Sieber an der Spitze des grössten Schweizer Stromkonzerns. Ende Mai tritt er nun als Verwaltungsratspräsident der Axpo zurück. «Wir sind operativ gut unterwegs», sagt Sieber. «Die letzten drei Jahre waren die besten Resultate unserer über hundertjährigen Geschichte.» Weniger gut läuft es beim Strom für die Schweiz. Politik und Branche können sich nicht einigen, wie die Versorgungssicherheit mittelfristig gewährleistet werden soll. Sie streiten lieber über AKW.
Zur Story