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So wurde Philip Morris zum Schweizer Pavillon-Sponsor für die Expo in Dubai

Enthüllt: So wurde Philip Morris zum Schweizer Pavillon-Sponsor für die Expo in Dubai

Der Mailaustausch zwischen Aussendepartement und Tabakkonzern zeigt: Der Sponsoring-Deal war weiter fortgeschritten als dargestellt.
13.11.2019, 06:3113.11.2019, 06:33
Lorenz Honegger / ch media
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Die Redaktion von CH Media hat Einblick in den Mailverkehr zwischen dem Aussendepartement und Philip Morris erhalten. Rechts: Die Reak­tion einer EDA-Mitarbeiterin auf die Mitteilung, dass Philip Morr ...
Die Redaktion von CH Media hat Einblick in den Mailverkehr zwischen dem Aussendepartement und Philip Morris erhalten. Rechts: Die Reak­tion einer EDA-Mitarbeiterin auf die Mitteilung, dass Philip Morris das Sponsoring für Dubai 2020 unterschrieben hat.bild: ZVG/Ausrisse: CHM

Als FDP-Bundesrat Ignazio Cassis diesen Sommer nach tagelanger Dauerkritik den Spon­soring-Deal mit dem Tabak­konzern Philip Morris stoppt, lässt er über seinen Generalsekretär eine unmissverständliche Botschaft verbreiten: «Wir haben nie entschieden, mit Philip ­Morris zusammenzuarbeiten. Wir haben einzig eine Absichtserklärung unterschrieben und explorative Gespräche geführt.»

Das Credo aus dem Aussendepartement (EDA) lautet bis heute: Alles halb so wild, das Sponsoring des Schweizer Pavillons an der Weltausstellung in Dubai 2020 im Umfang von 1.8 Millionen Franken ist nur eine vage Idee gewesen.

Jetzt zeigen Recherchen: Cassis’ Aussendepartement hat den Status des Sponsoring-Deals in der Öffentlichkeit verzerrt dargestellt. Die Redaktion CH Media hat gestützt auf das ­Öffentlichkeitsgesetz Einblick in den E-Mail-Austausch eines Mittelsmanns von Philip Morris mit Präsenz Schweiz erhalten, der Abteilung für Landeskommunikation des EDA.

Anhand des Schriftverkehrs lässt sich nachzeichnen, dass das EDA das Millionenspon­soring von Philip Morris keineswegs als unverbindliche Option betrachtet hat, sondern von einer «bestätigten Partnerschaft» ausgegangen ist.

Kinder wären Tabakwerbung ausgesetzt gewesen

Die zentrale Figur im Sommerskandal des Jahres 2019 ist der welsche Unternehmensberater Bastien Dubois*. Er ist schon in der Vergangenheit für Präsenz Schweiz tätig gewesen und hat den ursprünglichen Kontakt zwischen Philip Morris und dem EDA initiiert. Dubois drängt auf ein schnelles Vorgehen: Bereits am 11. April steht der Sponsoring-Deal in den Grundzügen. «Nach einigen kurzen Nächten und intensi- ven Gesprächen» habe er die «gute Neuigkeit» erhalten, dass das «Executive Comittee» von ­Philip Morris bereit sei, den Schweizer Pavillon in Dubai mit mindestens 1.5 Millionen Franken zu sponsern, schreibt er an Präsenz Schweiz.

Als Gegenleistung für sein Geld will der Tabakkonzern die Expo-Besucher unter anderem auf dem Dach des Pavillons ­seine neue Erhitzungszigarette «Iqos» ausprobieren und kaufen lassen. Philip Morris sei sich bewusst, dass auch Min­derjährige Zugang zum Pavil- lon hätten, erklärt Dubois im E-Mail. Deshalb werde das Unternehmen seine Präsenz so gestalten, dass diese «nicht attraktiv ist für Kinder».

«Wir sind sehr glücklich, Philip Morris als Partner zu haben.»

Dass Minderjährige mit Tabakwerbung in Kontakt kommen sollen, lässt beim Aussendepartement keine Alarmglocken läuten. Im Gegenteil. Der Chef «Internationale Gross­veranstaltungen» antwortet Du­bois am 16. April: «Danke vielmals für all deine Bemühungen und die erfolgreiche Verhandlung. Wir werden dir in Kürze einen Vorvertrag schicken.»

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Am 16. Mai übermittelt das Aussendepartement seine Offerte an den Mittelsmann von Philip Morris, inzwischen mit einem Sponsoring-Volumen von 1.8 Millionen Franken. Es folgen elf Tage Funkstille. Bei Präsenz Schweiz wächst die ­Ungeduld. «Gibt es Neuigkeiten in Bezug auf die Teilnahme von Philip Morris am Schweizer Pavillon?», fragt eine Mitar­beiterin bei Dubois nach.

Eine Woche später retourniert dieser das unterschriebene Dokument. Der Deal zwischen Tabakkonzern und Aussen­departement ist besiegelt. Die EDA-Mitarbeiterin antwortet euphorisch: «Du hast mir den Tag gerettet! Das sind grossar­tige Neuigkeiten, wir sind sehr glücklich, Philip Morris als ­Partner zu haben.»

Im Juni folgt ein Baustellenbesuch in Dubai, zu dem auch zwei Vertreter von Philip Morris eingeladen sind. Die EDA-Mitarbeiterin bittet Dubois, das Logo von Philip Morris in drei verschiedenen Formaten zu übermitteln. Anlässlich der Besichtigung will Präsenz Schweiz in einer Power-Point-Präsentation alle «bestätigten» Sponsoring-Partner mit Logo vorstellen. Kein Anzeichen, dass es sich um eine Partnerschaft in der exploratorischen Phase handelt.

Cassis’ Departement bleibt bei seiner Darstellung

Das Aussendepartement bleibt auf Nachfrage der Redaktion CH Media bei der Darstellung, es habe nie einen Entscheid für den Sponsoring-Deal ge­geben: Die Gespräche mit Philip Morris hätten sich in der exploratorischen Phase befunden. «In der zweiten Phase, der Validierung durch die Linie, wurde beschlossen, diesen Weg nicht fortzusetzen.»

Der Tabakkonzern Philip Morris hat sich nach der Aufkündigung der Zusammenarbeit im Juli noch verärgert gezeigt. Nun will das Unternehmen die Causa Dubai ebenfalls ad acta legen. «Für Philip Morris ist diese Angelegenheit endgültig erledigt.»

Mittelsmann Bastien Du­bois dementiert seine Rolle als ­Kontaktperson zu Philip Morris nicht, will sich jedoch «aus ­Professionalitätsgründen» nicht zu Details äussern.

*Name geändert (aargauerzeitung.ch)

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quelle: zuma dukas dukas / ?? 2005 by jeff goode/toronto star
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Keine Tabakwerbung mehr – zum Schutz der Minderjährigen
Video: srf
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7 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mr.CoJones aka Philodog
13.11.2019 06:45registriert September 2015
Warum habe ich In den letzten Tagen das Gefühl, dass wir im Bundesrat zwei komplette Fehlbesetzungen haben?
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ingmarbergman
13.11.2019 07:58registriert August 2017
Wenn es doch nur eine Gelegenheit gäbe, unfähige Bundesräte nicht wiederzuwählen..🤔
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Nik G.
13.11.2019 09:23registriert Januar 2017
Autsch... Wieso können sie nicht einfach dazu stehen? Kein Rückgrat? Wetten mit Parmeli wird dasselbe in einem Jahr geschehen. Er hat die ETH Studie aktiv verhindern wollen.
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