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Bundesrat: SP nominiert Jon Pult und Beat Jans als Nachfolger von Berset

Die 2 gewaehlten Kandidaten Jon Pult, SP-GR, 3. von links, und Beat Jans, Regierungspraesident Basel-Stadt, 3. von rechts, posieren mit Samuel Bendahan, SP-VD, Mattea Meyer, SP-ZH, Samira Marti, SP-BL ...
Jon Pult (Dritter von links) und Beat Jans (Dritter von rechts) – einer von ihnen wird wohl neuer SP-Bundesrat.Bild: keystone

Nach 18 Wahlgängen ist klar: SP schickt Jon Pult und Beat Jans ins Bundesrats-Rennen

25.11.2023, 15:0925.11.2023, 20:23
Dario Bulleri
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Die SP schickt den Baselstädter Regierungspräsidenten Beat Jans und den Bündner Nationalrat Jon Pult in die Bundesratswahlen am 13. Dezember.

Die Fraktion schlägt sie als mögliche Nachfolger von Bundesrat Alain Berset vor, wie die Partei am Samstag mitteilte.

Wer stand sonst noch zur Wahl?

Um die Nachfolge Bersets hatten sich sechs Kandidierende beworben. Neben Pult und Jans waren das der Berner Nationalrat Matthias Aebischer, der Zürcher Ständerat Daniel Jositsch, die Berner Regierungsrätin und frühere Nationalrätin Evi Allemann und der Waadtländer Nationalrat Roger Nordmann.

Staenderat Daniel Jositsch, SP-ZH, verlaesst die Fraktionssitzung ueber das SP Ticket zur Nachfolge von Bundespraesident Alain Berset an der Bundesratswahl vom 13. Dezember, am Freitag, 24. November 2 ...
Daniel Jositsch wird erneut nicht für den Bundesrat nominiert.Bild: keystone

Bereits am Freitag hatten die Vertreterinnen und Vertreter der SP in National- und Ständerat beschlossen, mit einem Zweierticket zu der Ersatzwahl um die Nachfolge Bersets anzutreten. Wer es nicht auf das Ticket schafft, dürfte nur geringe Chancen haben, in der Landesregierung Einsitz zu nehmen.

Warum dauerte die Wahl so lange?

Ursprünglich wollte die SP die beiden Kandidaten um 12.30 Uhr bekanntgeben. Doch das Wahlprozedere zog sich in die Länge. Zunächst wurde die Pressekonferenz auf 13.30 Uhr verschoben, schliesslich auf 14.30 Uhr. Bis die Kandidaten dann tatsächlich vor die Medien traten, war es nach 15 Uhr.

Der Grund für die Verzögerung: Für die Wahl brauchte es ganze 18 Wahlgänge, wie SP-Fraktionspräsidentin Samira Marti vor den Medien bestätigte.

Wie sehen die detaillierten Resultate der Wahl aus?

Wie dem Wahlprotokoll der SP hervorgeht, schaffte es Beat Jans als erster Kandidat aufs Ticket – nämlich im zehnten Wahlgang. In diesem holte er sich 29 Stimmen, womit er sich gegen die letzte verbliebene Gegnerin Evi Allemann (20) durchsetzte. Zuerst ausgeschieden waren Daniel Jositsch im 3. Wahlgang, Matthias Aebischer im 7. Wahlgang, Pult im 8. und Nordmann im 9.

Bei der Wahl um den zweiten Platz auf dem Ticket war wiederum Jositsch der erste, der ausschied – im imsgesamt 15. Wahlgang. Danach folgten Aebischer im 16. und Allemann im 17. Wahlgang. Am Schluss entschied Pult das Rennen mit 27 Stimmen gegen Nordmann mit 22 Stimmen für sich.

Nationalrat Roger Nordmann, SP-VD, verlaesst die Fraktionssitzung ueber das SP Ticket zur Nachfolge von Bundespraesident Alain Berset an der Bundesratswahl vom 13. Dezember, am Freitag, 24. November 2 ...
Roger Nordmann verpasste einen Platz auf dem SP-Ticket nur knapp.Bild: keystone

Was sagt die SP zu den Kandidaten?

Sowohl Pult als auch Jans hätten der Fraktion überzeugend aufzeigen können, wie sie die Schweiz sozialer gestalten und das Land in die Zukunft bringen wollten, sagte SP-Fraktionspräsidentin Samira Marti vor den Medien. Sie freuten sich, mit so kompetenten Persönlichkeiten in die Bundesratswahlen gehen zu können.

Deshalb brauche es neben Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider eine starke Stimme im Bundesrat, um die soziale Schweiz voranzubringen. Sowohl Pult als auch Jans könnten diese Stimme sein, sagte Meyer.

Das Co-Präsidium der Partei sprach von zwei «hervorragenden, kompetenten und engagierten» Kandidaten. Es sei ein fairer und interessanter Wahlkampf gewesen, sagte Co-Präsidentin Mattea Meyer am Samstag vor den Medien. Sie bedankte sich auch bei den unterlegenen vier Kandidaturen. Die nächsten Jahre würden herausfordernd werden angesichts einer FDP und SVP-Mehrheit im Bundesrat, die auch willens sei, ihre Macht auszuspielen.

Was sagt Pult zu seiner Nominierung?

Jon Pult findet, die Bundesratswahl sei eine Persönlichkeitswahl. Das entscheide letztendlich, wer Bundesrat werde. In den Positionen seien er und sein Mitbewerber, der Regierungspräsident des Kantons Basel-Stadt, Beat Jans, sich sehr ähnlich.

Bundesratskandidat Jon Pult, Nationalrat SP-GR, gibt ein Interview bei der Bekanntgabe der offiziellen Kandidaten der SP fuer die Bundesratswahl als Nachfolge von Bundesrat Alain Berset, am Samstag, 2 ...
Jon Pult spricht zu den Medien.Bild: keystone

Seine Botschaft sei, die Vielfalt der Schweiz, die er auch zum Teil repräsentiere, stark zu machen. Es gelte auch aufzuzeigen, dass dies eine Stärke sei. Diese müsse man in Kohäsion umwandeln, so der Bündner Nationalrat Pult. Auf sein junges Alter angesprochen sagte Pult, die Frage nach seiner Erfahrung sei legitim. Er habe sich gefragt, ob er bereit sei und sei zum Schluss gekommen, das sei der Fall.

Was sagt Jans zu seiner Nominierung?

Jans möchte als Brückenbauer agieren, denn wenn Stadt und Land auseinanderdrifteten, wolle er dazu beitragen, dass beide zueinanderfänden. Und er wolle zeigen, dass der Bundesrat mehrheitsfähige Lösungen schaffen könne, die für beide Seiten stimmen würden, so der frühere Nationalrat Jans weiter.

Beat Jans, Regierungspraesident Kanton Basel Stadt, spricht an der Delegiertenversammlung der SP Schweiz, am Samstag, 29. Oktober 2022, in Basel. Traktandiert sind Themen wie Gleichstellung, Energieve ...
Beat Jans ist Regierungspräsident des Kantons Basel-Stadt.Bild: keystone

Wie sieht die politische Karriere der beiden Kandidaten aus?

Der 59-jährige Jans ist seit über zwei Jahrzehnten eine feste Grösse in der lokalen und nationalen Politik. Er ist seit 1998 Mitglied der SP, für die er zunächst auf kantonaler und dann auf nationaler Ebene wirkte.

Von 2010 bis 2020 sass er im Nationalrat, bei den Wahlen 2015 und 2019 erhielt er jeweils die meisten Stimmen im Kanton. Und 2020 schaffte der gelernte Landwirt, der später an der ETH Umweltnaturwissenschaften studierte, als Neuling im ersten Wahlgang den Sprung in die baselstädtische Regierung. Von 2015 bis 2020 war der Basler Vizepräsident der SP.

Als Jans' Markenzeichen gelten seine Begeisterungsfähigkeit, Eloquenz und Volksnähe.

Der 39-jährige Pult war der mit Abstand jüngste männliche Partei-Kandidat für die Nachfolge von Bundesrat Berset. Pult ist ein politischer Frühstarter und trat als Teenager der Juso bei. 2009 wurde er mit nur 24 Jahren Präsident der SP Graubünden. Von 2010 bis 2018 war er Mitglied des Grossen Rats von Graubünden und von 2005 bis 2011 Gemeinderat der Stadt Chur. 2019 wurde Pult in den Nationalrat gewählt, in dem er heute noch sitzt. Weiter ist er Vizepräsident der SP Schweiz.

HANDOUT - Jon Pult, aufgenommen 2007. Die Buendner Sozialdemokraten werden in Zunkunft vom juengsten Praesidenten aller kantonalen SP-Sektionen gefuehrt. Der 24-jaehrige Jon Pult ist am Samstag, 7. Ma ...
Jon Pults Politik-Karriere startete früh – ein Bild aus dem Jahr 2007.Bild: SP

Pult gilt als begnadeter Rhetoriker und eines der grössten Politiktalente der Sozialdemokraten - Attribute, die ihn seine bereits 20-jährige Politiklaufbahn lang begleiten.

Mit Material von Keystone-sda

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Diese SPler wollen für Alain Berset in den Bundesrat
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Diese SPler wollen für Alain Berset in den Bundesrat
Evi Allemann, Berner Regierungsrätin, kandidiert bereits das zweite Mal. Sie wollte bereits 2022 als Nachfolgerin von Simonetta Sommaruga kandidieren, landete jedoch nicht auf dem Wahlvorschlag der SP. Allemann erreichte den dritten Platz und wurde nicht nominiert. Die ausgebildete Juristin hat zwei Kinder.
quelle: keystone / peter klaunzer
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Hier verkündet Berset seinen Abgang aus dem Bundesrat
Video: watson
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363 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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mountaineer
25.11.2023 14:41registriert November 2016
Ich möchte hier gerne daran erinnern, dass die vereinigte Bundesversammlung bei der Wahl der Mitglieder des Bundesrates frei und nicht an irgendwelche 'Tickets' gebunden ist. 🤓
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N. Y. P.
25.11.2023 15:00registriert August 2018
Animositäten.

Das Jositsch Drama.

Die grössten Feinde sind immer in der eigenen Partei zu finden.
17658
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maruhu
25.11.2023 14:14registriert Januar 2021
Sollte Herr Jositsch von der SP nicht gesetzt werden, empfehle ich ihm in die GLP zu gehen.
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Der erste Japankäfer des Jahres ist in Kloten ZH in eine Überwachungsfalle getappt. Schon wieder. Denn in Kloten wurde bereits im vergangenen Sommer ein Befall des Japankäfers entdeckt – die erste und bisher einzige Population dieses gebietsfremden Schädlings nördlich der Alpen in Europa, wie der Kanton Zürich meldet.

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