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Brisante Berset-Notiz: Trotz Mutation wohl keine schärferen Massnahmen

Brisante Berset-Notiz: Trotz Mutation wohl vorerst keine schärferen Massnahmen

Der Bundesrat verzichtet heute auf eine formelle Sitzung. Die Drähte laufen trotzdem heiss. Recherchen von CH Media zeigen: In einer Informationsnotiz hat Gesundheitsminister Alain Berset den Regierungskollegen seine Einschätzung der Lage mitgeteilt.
30.12.2020, 11:4230.12.2020, 11:42
Patrik Müller / ch media

Die wissenschaftliche Taskforce hat gestern einmal mehr Alarm geschlagen. Ihr Präsident Martin Ackermann sagte, die Schweiz müsse die Ausbreitung der mutierten Corona-Varianten «unter allen Umständen» verhindern. Dafür seien tiefe Ansteckungszahlen zentral. Ackermann stellte ein Horrorszenario in den Raum: Verbreite sich, wie in England, das mutierte Virus auch in der Schweiz, könnte es bis im Frühling 20'000 Neuinfektionen geben – pro Tag!

Die Taskforce warnte darum nicht nur vor «vorschnellen Lockerungen» – gemeint war wohl die Wiedereröffnung von Skigebieten, wie sie gestern Zentralschweizer Kantone bekanntgaben. Sondern sie schlug auch zusätzliche Massnahmen vor: Vermehrtes Homeoffice und ein verspäteter Schulstart (die meisten Kantone beginnen schon diesen Montag wieder) würden helfen, Zeit zu gewinnen und die Virus-Ausbreitung zu bremsen.

Bundesrat Alain Berset waehrend einem Besuch im Impfzentrum Basel Stadt, am Montag, 28. Dezember 2020, in Basel. Bundesrat Berset besuchte den Kanton Basel-Stadt im Zusammenhang mit der Situation um d ...
Alain Berset Anfang Woche in Basel.Bild: keystone

Der pointierte Auftritt der Taskforce, der es heute auf die Frontseiten von «Blick» und «Tages-Anzeiger» brachte, fand just einen Tag statt, bevor der Bundesrat die Corona-Lage beurteilen wollte. Die übliche Mittwochs-Sitzung der Landesregierung findet zwischen den Festtagen nicht statt, daran ändert auch Corona nichts.

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Mehrere Bundesräte, darunter der Bundespräsident ab 1. Januar 2021, Guy Parmelin, halten sich aber in Bern auf. Es fände ein «laufender Austausch» statt, man könne auch ohne formelle Sitzung «jederzeit reagieren», heisst es aus bundesratsnahen Kreisen.

Kein unmittelbarer Handlungsbedarf

Dass noch in dieser Woche neue Massnahmen beschlossen werden, ist eher nicht zu erwarten. Darauf lässt eine sogenannte Informationsnotiz von Alain Bersets Innendepartement (EDI) schliessen, die gestern – noch vor dem Auftritt der Taskforce – den anderen Departementen zugestellt wurde.

Demnach sieht Berset zurzeit keinen unmittelbaren Handlungsbedarf, er schlägt vorerst keine neuen Massnahmen vor. Doch wie immer in dieser Pandemie wird offengelassen, jederzeit wieder zu anderen Schlüssen zu kommen.

Am Montag hatte sich Berset an einer Medienkonferenz «verhalten optimistisch» gezeigt, zugleich aber betont, dass die aktuelle Lage wegen der Festtage schwierig einzuschätzen sei. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG), das in Bersets Departement angesiedelt ist, kam gestern aber zu einer kritischeren Einschätzung: Patrick Mathys, Leiter der Sektion Krisenbewältigung im BAG, sagte, es gebe «nicht viel Optimismus zu versprühen».

Unbestritten ist sowohl beim Bund wie auch bei den Kantonen, dass wegen der Corona-Mutation konsequenter getestet und die Kontaktverfolgung bei Neuinfektionen intensiviert werden sollten.

Taskforce-Chef Ackermann plädiert für das aufwendigere Backward-Tracing – also das Zurückverfolgen, wo sich eine Person angesteckt hat. Laut Linda Nartey, Vizepräsidentin der Kantonsärzte, wird das aber schwierig. Schon jetzt können nicht alle Kantone nur schon das klassische Contact-Tracing sicherstellen.

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quelle: keystone / urs flueeler
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36 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Phrosch
30.12.2020 12:25registriert Dezember 2015
Es wäre ein Anfang, aktuell nichts zu lockern. Aber die Innerschweiz öffnet Skigebiete und Graubünden sogar Testaurantterrassen. Grund: die Spitäler sind nicht mehr völlig überlastet. Dabei müssten die Infektionszahlen über längere Zeit konstant deutlich sinken, bis wir von einer Stabilisierung reden können. Wie sich die Feiertage auswirken, werden wir erst in ein bis zwei Wochen wissen, aber es wird fleissig daran gearbeitet, dass es dann wieder deutlich schlechter aussehen wird.
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Bärner Gieu
30.12.2020 12:14registriert Januar 2016
Unglaublich, ich bin entsetzt. Ich entfremde mich diesem Land, wo Geld über alles geht, jeden Tag etwas mehr. Mehr als 100 Menschenleben pro Tag werden dem Gott Mammon geopfert!
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Glücklicher
30.12.2020 12:05registriert Juni 2020
Zum Glück haben wir keine hyperaktive Regierung, die konsequent versucht, die Balance zu halten und den Unmut beider Lager aushält.
(Auch ich bin nicht mit allem einverstanden. Das gilt es aber auszuhalten.)
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