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Coronavirus im Schweizer Abwasser nachgewiesen – Trinkwasser aber problemlos trinkbar



ZUR KLAERANLAGE WERDHOELZLI STELLEN WIR IHNEN HEUTE, DONNERSTAG, 20. SEPTEMBER 2017, FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Biological treatment at the wastewater treatment plant Werdhoelzli in Zurich, Switzerland, on July 5, 2017, where ERZ Disposal and Recycling Zurich purifies the wastewater of the city of Zurich and the six adjoining communities Adliswil, Kilchberg, Opfikon, Ruemlang, Wallisellen and Zollikon in four stages: mechanically, biologically, chemically and through filtration. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Die biologische Reinigung, aufgenommen am 5. Juli 2017 im Klaerwerk Werdhoelzli in Zuerich, wo ERZ Entsorgung und Recycling Zuerich das Abwasser aus der Stadt Zuerich und den sechs Anschlussgemeinden Adliswil, Kilchberg, Opfikon, Ruemlang, Wallisellen und Zollikon vierfach reinigt: mechanisch, biologisch, chemisch und durch Filtration. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Bild: KEYSTONE

Der Nachweis des neuen Coronavirus im Abwasser ist gelungen. Selbst kleine Konzentrationen lassen sich laut Forschern der beiden ETHs in Proben nachweisen. Dennoch könne das Trinkwasser in der Schweiz ohne Bedenken konsumiert werden.

Ein Forscherteam der ETH Lausanne (EPFL) und des Wasserforschungsinstitut des ETH Zürich (Eawag) arbeite nun daran, die Methode zu optimieren, heisst es in einer Mitteilung der ETHs vom Donnerstag. Werden die Proben rasch analysiert, könnte laut den Forschern ein Wiederanstieg von Infektionen während des Exits aus dem Lockdown ungefähr eine Woche früher erkannt werden als mittels klinischer Tests bei den Betroffenen.

Aus Lugano, Lausanne und Zürich wurden erste Abwasserproben analysiert, im Fall von Zürich und Lugano auch je eine aus der Zeit Ende Februar mit den ersten bekannten Fällen von Infektionen in der Schweiz. In allen Proben sei es den Forschenden gelungen, das neue Coronavirus nachzuweisen.

In den neueren Proben seien die Konzentrationen so hoch, dass eine Analytik verhältnismässig einfach scheine. Nicht so für die Proben vom Februar: «Dass es gelungen ist, aus Lugano mit erst einem und aus Zürich mit erst sechs bekannten Fällen bereits ein Signal im Abwasser zu messen, konnten wir nicht erwarten», wird EPFL-Umweltwissenschaftlerin Tamar Kohn in der Mitteilung zitiert.

Nach aktuellem Wissensstand gebe es keine Hinweise darauf, dass der Erreger sich über Wasser oder Abwasser verbreitete. Schweizer Trinkwasser sei hygienisch von hervorragender Qualität und eigne sich auch während einer Pandemie zum Trinken, heisst es in der Mitteilung.

Kurve rekonstruieren

Die erfolgreiche Detektion von tiefen Virenkonzentrationen zu einer frühen Zeit des Ausbruchs soll es möglich machen, rückwirkend die Kurve des Covid-19-Anstiegs zu rekonstruieren. Bis die über 300 Proben, die zurzeit an der Eawag und der EPFL eingefroren lagern, alle ausgewertet seien, würden aber noch Wochen vergehen.

Man könne aber kaum auf eine exakte Zahl von Infizierten rückschliessen, unter anderem schwanke die Zahl der ausgeschiedenen Viren pro Angestecktem zu stark. Wichtig sei jedoch der Verlauf: Am Beispiel der Proben aus Lausanne konnten die Wissenschaftler in den letzten Tagen den Anstieg der Sars-CoV2-Viren im Abwasser zwischen März und April grob nachzeichnen: Kohn schätzt die Vervielfachung der Konzentration derzeit auf das Zehn- bis Hundertfache.

Ziel ist ein Frühwarnsystem

Von zwölf Kläranlagen, neun davon aus dem Tessin, wurden seit dem Bekanntwerden der ersten Covid-19-Erkrankungen Proben genommen. Hauptziel des Projekts sei jedoch nicht der Rückblick, sondern der Aufbau eines Systems mit Frühwarnfunktion.

Mit Proben aus zwanzig grossen, geografisch gut über die Schweiz verteilten Kläranlagen könne man so das das Abwasser von rund 2.5 Millionen Leuten überwachen, schreiben die ETHs. In der Schweiz gibt es über 700 Kläranlagen, die rund 1.7 Milliarden Kubikmeter Abwasser reinigen.

Gemäss Bundesamt für Umwelt (Bafu) ist eine Ansteckung mit dem Coronavirus über den Kontakt mit Abwasser sehr unwahrscheinlich, wie es Mitte April hiess. Unwahrscheinlich scheint laut Bafu eine Ansteckung auch durch Hautkontakt mit Fluss- und Seewasser, da Coronaviren im Wasser nur kurze Zeit überleben und in den Kläranlagen effektiv abgetötet werden.

Laut Mitteilung dauern Forschungsprojekte in diesem Umfang üblicherweise mehrere Jahre. Die Gruppe um Kohn (Labor für Umweltchemie an der EPFL) sowie Christoph Ort und Tim Julian von der Eawag habe innert weniger Wochen aufgezeigt, dass aus der Idee Realität werden könne. (aeg/sda)

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Bundesrats-PK 29.04.2020

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