Schweiz
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Soldiers from the Swiss Army

Soldaten des Spital-Bataillons 2 trainieren den Ernstfall, Biere, 21. März. Bild: KEYSTONE

Über 100 Soldaten haben sich infiziert – warum sie bei der Armee deswegen gefragt sind

Das Sars-CoV-2-Virus breitet sich auch in den Kasernen aus. Einmal geheilt, sind die betroffenen Angehörigen der Armee gefragte Einsatzkräfte.

lorenz honegger / ch media



Bei der Bekämpfung einer Pandemie ist es eine Unvermeidlichkeit: Früher oder später werden die Helfer selber krank. Diese Tatsache offenbart sich jetzt auch in den Reihen der Schweizer Armee. Am Mittwochmorgen um sechs Uhr belief sich die Zahl der mit dem neuen Coronavirus infizierten Armeeangehörigen auf 105, wie Sprecher Daniel Reist gegenüber CH Media sagt. Damit entfällt eine von hundert bestätigten Coronavirus-Ansteckungen in der Schweiz auf die Armee. Eine klare Zunahme gegenüber vergangener Woche, als Armeechef Thomas Süssli noch von zehn bestätigten Fällen sprach. Immerhin mussten laut Reist nur einzelne Infizierte ins Spital und niemand auf die Intensivstation.

Dass gerade die Schweizer Armee nicht von Ansteckungen verschont bleibt, ist keine Überraschung: Der Oberfeldarzt der Armee betrachtet «enge Zwangsgemeinschaften», wie sie in den Schweizer Kasernen vorherrschen, laut CH-Media-Informationen als Risikofaktor für eine Sars-CoV-2-Infektion. Die Armee verzeichnet in den eigenen Reihen jeweils dreimal so viele Fälle der saisonalen Grippe wie im Rest der Bevölkerung.

Erste Rückkehrer in den nächsten Tagen

Die mit dem Coronavirus infizierten Armeeangehörigen bleiben ab Symptombeginn während mindestens zehn Tagen isoliert und dürfen frühestens 48 Stunden nach Abklingen der Symptome zurück zur Truppe. «Danach ist ein Einsatz wieder möglich», sagt Armeesprecher Reist. Man rechne in den nächsten Tagen mit den ersten Rückkehrern.

Nach erfolgter Heilung sind die Betroffenen als Einsatzkräfte bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie besonders gefragt. Sie sind gemäss aktuellen medizinischen Erkenntnissen immun gegen eine erneute Ansteckung mit dem Virus, können also beispielsweise bei einem Einsatz im Spital keine Patienten, Ärzte oder Pflegefachpersonen mehr anstecken. Der Schritt aus der Isolation an die Front in den Spitälern ist daher naheliegend.

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Immunologe rät zu Test vor erneutem Einsatz

Der Berner Immunologe Martin Bachmann hält den Einsatz geheilter Personen für richtig – nicht nur in der Armee. Es sei essenziell, dass diese in der Wirtschaft und im Gesundheitswesen wieder eingesetzt werden könnten. Vor einem Einsatz sei aber der Nachweis notwendig, dass die betreffende Person genügend sogenannte IgG-Antikörper produziert habe; das sind Abwehrstoffe im Blut. Das sei nicht bei jeder Infektion der Fall.

So könne es Coronavirus-Infizierte geben, die keine der typischen Symptome wie Husten oder Fieber aufwiesen, und «daher eventuell auch keinen Immunschutz gegen Sars-Cov-2 entwickeln».

Das Berner Inselspital beschaffe zurzeit Schnelltests aus China, um Patienten künftig auf das Vorhandensein der Antikörper im Blut testen zu können.

Das Hauptziel bleibt aber die Entwicklung eines Impfstoffs. Martin Bachmann und sein Team gehören zu den Tausenden Forschenden weltweit, die sich mit der Entwicklung beschäftigen. «Wir haben einen funktionierenden Impfstoff. Nun braucht es zusätzliche Gelder.» Das Teure an der Entwicklung seien die klinischen Studien und die Produktion.

Ein neu gegründetes Konsortium versuche derzeit, finanzielle Mittel für die Impfstoffentwicklung zu organisieren. Man benötige voraussichtlich 100 Millionen Franken, um innerhalb von sechs bis acht Monaten in Produktion gehen zu können. Das sei eine Investition, die sich lohne: «Wenn die Schweiz nicht selber einen Impfstoff entwickelt, werden wir diesen nicht rechtzeitig bekommen. Der Import scheitert ja bereits bei den Schutzmasken.»

Damit der Kraftakt gelinge, brauche es nicht nur Geld, sondern auch staatliche Flexibilität, sagt Immunologe Bachmann. «Die Behörden und die Swissmedic müssen beim Bewilligungsverfahren schnell agieren und zu Kompromissen bereit sein.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Satan Claws 26.03.2020 12:00
    Highlight Highlight "Bei der Bekämpfung einer Pandemie ist es eine Unvermeidlichkeit: Früher oder später werden die Helfer selber krank."

    Was für ein Unsinn. Angenommen es gäbe eine Ebola Pandemie mit einer signifikant höheren Todesrate als bei Covid-19, stirbt dann das Personal einfach?

    Nein, man schützt sich so gut es geht bis es ein Heilmittel gibt und das immer, auch jetzt. Alles andere ist einfach unglaublich dumm.
  • Vanessa_2107 26.03.2020 09:57
    Highlight Highlight Habe ich das nun richtig verstanden? Hatte ich einmal den Virus und die Infektion durchgestanden, zum Glück überlebt, bin ich ab da 100% immun dagegen und kann Niemanden mehr anstecken? Könnte ich mich nicht ein zweites Mal anstecken? Also ich weiss nicht, solche Berichte verunsichern einem eher. Ich habe gelesen, man weiss einfach noch zu wenig über den Virus. In letzter Zeit stellten sie z.B. fest, dass auch Viele zwischen 20 und 40ig daran serben mussten, dabei hiess es doch immer, vor allem ü65-Jährige seien sehr gefährdet.
    • Barthummel 26.03.2020 11:16
      Highlight Highlight Zur Immumität hörst du jeden Experten etwas anderes sagen, was so viel heisst wie, "wir wissen das auch noch nicht so genau".

      Es sterben übrigens nicht mehr 20-40 Jährige an Covid-19 als an anderen Erkrankungen durch Viren und Bakterien. Entscheidend sind auch hier der gesundheitliche Zustand und mögliche Vorerkrankungen.

      Bisher sind so wenige Fälle bekannt, die einzig und alleine durch den SARS-CoV-2 erkrankt und nach jetztigem Wissensstand ausschliesslich an Covid-19 gestorben sind, dass man sie an einer Hand abzählen kann.

    • Vanessa_2107 26.03.2020 12:02
      Highlight Highlight Verstehe die Blitzer nicht, im Grund stelle ich nur Fragen...aber vermutlich wissens die Blitzer alle ganz genau.
    • Mutzli 26.03.2020 16:30
      Highlight Highlight @Barthummel

      Sorry, aber "Es sterben übrigens nicht mehr 20-40 Jährige an Covid-19 als an anderen Erkrankungen durch Viren und Bakterien." -> Das ist bisschen ein Satz ohne Aussage.

      Nicht mehr als bei welchen anderen Erkrankungen? Ebola=Ja Masern=Nein Pest=Ja Grippe=Nein etc.

      Nach dem umfassenden Imperial College Report vom 16.3 (https://bit.ly/2xpDElM), sterben durchaus 20-40 Jährige an Covid-19 (Grafik unten).

      Was aber kritischer ist als die "reinen" bis 0.08% Toten durch Covid-19: Hospitalisierungsrate, die Ende 30er um 4% liegt. Sind die Betten voll, steigt die Todesrate dramatisch.
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  • Lunaral 26.03.2020 09:07
    Highlight Highlight So könne es Coronavirus-Infizierte geben, die keine der typischen Symptome wie Husten oder Fieber aufwiesen, und «daher eventuell auch keinen Immunschutz gegen Sars-Cov-2 entwickeln».

    Verstehe ich das richtig: Immunschutz wird nur oder eher entwickelt, wenn jemand tatsächlich Symptome hat? Sprich, jemand der keine Symptome aufweist könnte sich mehrfach anstecken oder bleibt dann einfach ansteckend?
    Entschuldigt die Laienfrage, habe keinen medizinischen Hintergrund aber möchte die zitierte Aussage gerne verstehen.
    Danke für klärende Antworten.
    • actualscientist 26.03.2020 09:18
      Highlight Highlight Jein. Ein symptomfreier Krankeitsverlauf kann einfach darauf hindeuten dass die Virale last immer gering war. Dann kann es sein das die Immunisierung nicht vollständig ist, weil das Immunsystem nicht stark genug reagieren musste.

      Das heisst allerdings nicht, das ausschliesslich Personen mit einem schlimmen Krankheits verlauf eine Immunisierung haben. Es ist einfach viel Wahrscheindlicher.
    • lilie 26.03.2020 09:23
      Highlight Highlight @Luneral: Ja, genau, so ist es gemeint. 🙂

      Das gibt es auch bei anderen Erkrankungen. Ich hab z.B. eine der Kinderkrankheiten (weiss nicht mehr welche) nicht "richtig" durchgemacht und wurde deshalb danach noch geimpft, zur Sicherheit.
    • Toerpe Zwerg 26.03.2020 09:47
      Highlight Highlight Das ist eigentlich relativ irrelevant, weil jemand ohne Symptome auch nicht weiss, ob er/sie das Virus hatte.
    Weitere Antworten anzeigen
  • fotzelschnitte 26.03.2020 08:49
    Highlight Highlight Zitat:"Sie sind gemäss aktuellen medizinischen Erkenntnissen immun gegen eine erneute Ansteckung mit dem Virus, können also beispielsweise bei einem Einsatz im Spital keine Patienten, Ärzte oder Pflegefachpersonen mehr anstecken."
    .....nach meinem Verständnis spielt es doch keine Rolle, ob ich selber, durch eine Erkrankung immun bin.Überträger kann ich trotzdem noch sein.
    Das wäre doch eine falsche Sicherheit. Jeder soll sich im Kontakt mit anderen einfach so verhalten, als ob er Träger ist. Immun oder nicht....hab noch nie gehört, dass Viren sich auf immunen Menschen nicht niederlassen.....
    • guineapig 26.03.2020 09:02
      Highlight Highlight Du verwechselst da immun mit asymptomatisch. Wenn jemand gegen ein Virus eine Immunität aufgebaut hat (durch eine vorherige Infektion oder Impfung), dann bekämpft sein Immunsystem das Virus so effizient, dass es sich nicht mehr genügend vermehren kann um eine Krankheit auszulösen oder andere Menschen anzustecken.
      Im Gegensatz dazu stehen asymptomatische Träger, welche nicht immun sind und sich deshalb infizieren, jedoch aus verschiedenen Gründen keine Symptome verspüren. Diese können ansteckend sein.
    • FoxSinBan 26.03.2020 09:02
      Highlight Highlight Ja das stimmt vorallem bei diesem Virus der sich n den oberen atemwege reproduziert. Da das immunsystem bereits "trainiert" ist wird die person nicht mehr erkranken.
      Ausser der Virus mutiert weiter und kann nicht mehr erkannt werden.


      Ich denke die aussage sollte sien wir haben so Arbeitskräfte die nicht mehr krank werden. Infiziert ider übertäger sind sie Trozdem. Aber ich kann sie weiter einsetzen
    • Miimiip! aka Roadrunn_er 26.03.2020 09:05
      Highlight Highlight Könnte sein dass man nach einer geheilten Infektion noch Überträgervsein kann. Glaube aber wenn du geheilt bist, der Virus abgetötet wird von den Körpereigenen Abwehrkräften. Dann kann der Virus zwar auf dich springen, wird jedoch von den eigenen Abwehrkräften abgetötet.
      Denke das werden die zuständigen Entscheider schon genügend abklären und die Freigabe dann erteilen. Da habe ich vollstes Vertrauen in die Jungs und Mädels👍🏻
    Weitere Antworten anzeigen
  • Fairness 26.03.2020 08:44
    Highlight Highlight Ein grosses Dankeschön an alle, die gegen diese Sch****virus kämpfen!
  • Matti_St 26.03.2020 08:26
    Highlight Highlight In einem Interview hat ein Italienischer Arzt ausgesagt, am Anfang kamen nur alte Menschen mit Beschwerden ins Spital. Danach sehr viele Jüngere.
    Könnte es sein, dass diese Immunität nicht so oft wirkt wie es viele denken und bei der nächsten Ansteckung wird es auch für die Jüngeren schlimmer, da das Immunsystem geschwächt ist?
    • a-minoro 26.03.2020 08:42
    • Deubelbeiss 26.03.2020 08:48
      Highlight Highlight Klingt nach gefährlichem Halbwissen
    • Illuminati 26.03.2020 08:52
      Highlight Highlight Auch Jüngere Personen können zur Risikogruppe gehören! zB Asthma und Diabetes etc. können auch junge Leute haben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Gubbe 26.03.2020 08:25
    Highlight Highlight Ich möchte immer mit dem gleichen Namen angesprochen werden. Wieso nicht die Virusinfektion, wenn es sich um die Gleiche handelt? Corona, Covid-19 ist eine Unterart von
    Sars-Cov-2. Wieso also mal so und dann so?
    • Satan Claws 26.03.2020 11:34
      Highlight Highlight @Gubbe

      SARS-CoV-2 ist das Virus welches die Krankheit COVID-19 verursacht.
    • Jürg Müller - Fehler beim bearbeiten der Anfrage 26.03.2020 12:35
      Highlight Highlight Corona ist das Virus, Covid-19 die Krankheit.
  • Satan Claws 26.03.2020 08:11
    Highlight Highlight 3 Wochen Inkubationszeit + zwei Wochen leichte Symptome (wo die Krankheit kaum auffällt) + Sicherheitstage.

    Wird die Bevölkerung genügend vor der Armee geschützt? Werden sie aus Sicherheitsgründen 6 Wochen isoliert? Wird die Armee Flächendeckend getestet und die Bevölkerung nicht?

    Wenn dieses vorgehen so clever ist, weshalb macht man es nicht gleich bei einem Teil der Fachkräfte in den Spitälern, solange diese noch nicht überrannt werden?
  • PlayaGua 26.03.2020 08:08
    Highlight Highlight Wenn der Impstoff tatsächlich wirkt, sollten die 100 Mio. in 2 Minuten vom Bund gesprochen sein.
    • Selbst-Verantwortin 26.03.2020 13:08
      Highlight Highlight Ob er wirkt und angewendet werden kann, weiss man trotzdem erst, nachdem die 100 Mio ausgegeben sind. Eine Bedingung „wenn der Impfstoff tatsächlich wirkt“ macht keinen Sinn. Wenn man das weiss, fehlt kein Geld mehr.
  • mstuedel 26.03.2020 07:57
    Highlight Highlight Hier wird ersichtlich, wie wichtig es wäre, die geheilten Fälle systematischer zu erfassen. Denn diese sind - nicht nur für die Armee - sehr wertvolle Arbeitskräfte mit geringerem Ausfallrisiko.
  • Etniesoph 26.03.2020 07:49
    Highlight Highlight Der Bund könnte ja die Finanzierung des Impfstoffes übernehmen und anschliessend vergünstigt die Bevölkerung impfen. Aber bei unserem Sparfuchsbundesrat wird das wohl erst als letzte Option in Betracht gezogen...
    • Barthummel 26.03.2020 11:23
      Highlight Highlight Dieser "Sparfuchsbundesrat" hat gerade für Milliarden zu 0% Zins gebürgt! Und das weitgehend ohne bürokratische Hürden.
  • BerriVonHut 26.03.2020 07:47
    Highlight Highlight Nein, keine Kompromisse beim Impfstoff! Auch da geht es um Menschenleben. Das Gegenteil von Gut, ist Gut gemeint.
    • Balmii 26.03.2020 08:48
      Highlight Highlight Natürlich braucht es Kompromisse. So dauert im Normalfall die Zulassung eines Medikaments (oder eben Impfstoff) in der Schweiz mindestens 130 Tage im Eilverfahren. Eine Begleitung durch die Zulassungsbehörden schon jetzt macht Sinn. Weil, wie Sie sagen, es geht um Menschenleben. Und das ist nun mal ein Kompromiss
    • genauleser 26.03.2020 10:51
      Highlight Highlight Gemeint sind da rein administrative Hürden, wie Wartezeiten, Einholen der Zustimmung jeder einzelner kantonaler Ethikkomission, Reihenfolge in der Bearbeitung von Gesuchen, monatelange Preisverhandlungen bei industriellen Anbietern...

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