DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Soldaten des Spital-Bataillons 2 trainieren den Ernstfall, Biere, 21. März.
Soldaten des Spital-Bataillons 2 trainieren den Ernstfall, Biere, 21. März.Bild: KEYSTONE

Über 100 Soldaten haben sich infiziert – warum sie bei der Armee deswegen gefragt sind

Das Sars-CoV-2-Virus breitet sich auch in den Kasernen aus. Einmal geheilt, sind die betroffenen Angehörigen der Armee gefragte Einsatzkräfte.
26.03.2020, 07:0726.03.2020, 09:35
lorenz honegger / ch media

Bei der Bekämpfung einer Pandemie ist es eine Unvermeidlichkeit: Früher oder später werden die Helfer selber krank. Diese Tatsache offenbart sich jetzt auch in den Reihen der Schweizer Armee. Am Mittwochmorgen um sechs Uhr belief sich die Zahl der mit dem neuen Coronavirus infizierten Armeeangehörigen auf 105, wie Sprecher Daniel Reist gegenüber CH Media sagt. Damit entfällt eine von hundert bestätigten Coronavirus-Ansteckungen in der Schweiz auf die Armee. Eine klare Zunahme gegenüber vergangener Woche, als Armeechef Thomas Süssli noch von zehn bestätigten Fällen sprach. Immerhin mussten laut Reist nur einzelne Infizierte ins Spital und niemand auf die Intensivstation.

Dass gerade die Schweizer Armee nicht von Ansteckungen verschont bleibt, ist keine Überraschung: Der Oberfeldarzt der Armee betrachtet «enge Zwangsgemeinschaften», wie sie in den Schweizer Kasernen vorherrschen, laut CH-Media-Informationen als Risikofaktor für eine Sars-CoV-2-Infektion. Die Armee verzeichnet in den eigenen Reihen jeweils dreimal so viele Fälle der saisonalen Grippe wie im Rest der Bevölkerung.

Erste Rückkehrer in den nächsten Tagen

Die mit dem Coronavirus infizierten Armeeangehörigen bleiben ab Symptombeginn während mindestens zehn Tagen isoliert und dürfen frühestens 48 Stunden nach Abklingen der Symptome zurück zur Truppe. «Danach ist ein Einsatz wieder möglich», sagt Armeesprecher Reist. Man rechne in den nächsten Tagen mit den ersten Rückkehrern.

Nach erfolgter Heilung sind die Betroffenen als Einsatzkräfte bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie besonders gefragt. Sie sind gemäss aktuellen medizinischen Erkenntnissen immun gegen eine erneute Ansteckung mit dem Virus, können also beispielsweise bei einem Einsatz im Spital keine Patienten, Ärzte oder Pflegefachpersonen mehr anstecken. Der Schritt aus der Isolation an die Front in den Spitälern ist daher naheliegend.

Diese Promis, Sportler und Politiker haben das Coronavirus

1 / 24
Diese Promis, Sportler und Politiker haben das Coronavirus
quelle: epa/anp kippa / ferdy damman
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Immunologe rät zu Test vor erneutem Einsatz

Der Berner Immunologe Martin Bachmann hält den Einsatz geheilter Personen für richtig – nicht nur in der Armee. Es sei essenziell, dass diese in der Wirtschaft und im Gesundheitswesen wieder eingesetzt werden könnten. Vor einem Einsatz sei aber der Nachweis notwendig, dass die betreffende Person genügend sogenannte IgG-Antikörper produziert habe; das sind Abwehrstoffe im Blut. Das sei nicht bei jeder Infektion der Fall.

So könne es Coronavirus-Infizierte geben, die keine der typischen Symptome wie Husten oder Fieber aufwiesen, und «daher eventuell auch keinen Immunschutz gegen Sars-Cov-2 entwickeln».

Das Berner Inselspital beschaffe zurzeit Schnelltests aus China, um Patienten künftig auf das Vorhandensein der Antikörper im Blut testen zu können.

Das Hauptziel bleibt aber die Entwicklung eines Impfstoffs. Martin Bachmann und sein Team gehören zu den Tausenden Forschenden weltweit, die sich mit der Entwicklung beschäftigen. «Wir haben einen funktionierenden Impfstoff. Nun braucht es zusätzliche Gelder.» Das Teure an der Entwicklung seien die klinischen Studien und die Produktion.

Ein neu gegründetes Konsortium versuche derzeit, finanzielle Mittel für die Impfstoffentwicklung zu organisieren. Man benötige voraussichtlich 100 Millionen Franken, um innerhalb von sechs bis acht Monaten in Produktion gehen zu können. Das sei eine Investition, die sich lohne: «Wenn die Schweiz nicht selber einen Impfstoff entwickelt, werden wir diesen nicht rechtzeitig bekommen. Der Import scheitert ja bereits bei den Schutzmasken.»

Damit der Kraftakt gelinge, brauche es nicht nur Geld, sondern auch staatliche Flexibilität, sagt Immunologe Bachmann. «Die Behörden und die Swissmedic müssen beim Bewilligungsverfahren schnell agieren und zu Kompromissen bereit sein.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Coronavirus: Was du wissen musst

1 / 15
Coronavirus: Was du wissen musst
quelle: ap / zoltan balogh
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Die Bundesrats-Pressekonferenz von gestern

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Es braucht nun Solidarität»: Ruth Humbel fordert eine Impfpflicht für alle über 65 Jahre
Noch immer sind es vor allem ungeimpfte Covid-Patienten im Pensionsalter, die ins Spital eingewiesen werden. Ältere Menschen müssten nun einen Schritt tun, sagt die Gesundheitspolitikerin.

Noch immer stellen 80-Jährige und Ältere die mit Abstand höchste Zahl der Covid-Spitaleintritte: 356.5 Ungeimpfte pro 100'000 Ungeimpfte wurden in den ersten drei Novemberwochen eingewiesen. Und nur 46 Geimpfte pro 100'000 Geimpfte, obwohl diese Alterskategorie eine Impfquote von 92 Prozent aufweist (Zwei- oder Dreifachimpfung).

Zur Story