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Kampf gegen Swiss-Boni, Alte wollen nicht im Spital sterben – die Sonntagspresse zu Corona

Die rasant abnehmende Mobilität in der Schweiz nach den jüngsten Corona-Massnahmen, die zunehmende Radikalisierung der Corona-Leugner und eine spezielle Wintersaison. Über das und mehr schreiben die Sonntagszeitungen über das Coronavirus.
01.11.2020, 06:0801.11.2020, 13:42

Mobilität nimmt ab

Die Mobilität in der Schweiz ist wegen der verschärften Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie seit Wochenmitte bereits deutlich gesunken. Das zeigen Mobilitätsdaten des Unternehmens Intervista, die der «SonntagsZeitung» vorliegen. Legten die Schweizerinnen und Schweizer Mitte Oktober noch gegen 20 Kilometer pro Tag zurück, so betrug die Tagesdistanz am letzten Freitag im Schnitt noch 13,9 Kilometer.

Zugreisende am Bahnhof Bern, 12. Oktober.
Zugreisende am Bahnhof Bern, 12. Oktober.Bild: keystone

Deutlich verstärkt habe sich der Slowdown, nachdem Kantone angekündigt hatten, Grossveranstaltungen abzusagen und der Bundesrat am Mittwoch öffentliche Veranstaltungen auf 50 Personen beschränkt sowie Clubs und Diskotheken geschlossen habe. Experten hoffen, dass sich dies rasch auf die Fallzahlen auswirkt.

SP und SVP wollen gegen Swiss-Boni vorgehen

Die beiden Parteien SVP und SP wollen verhindern, dass Top-Manager der Airline Swiss Boni ausbezahlt werden. Die SP-Nationalrätin Céline Widmer und der SVP-Nationalrat Lars Guggisberg werden laut der «SonntagsZeitung» an der nächsten Sitzung der Finanzkommission den Antrag stellen, dass die Landesregierung die Überweisung von Boni unterbindet.

Céline Widmer (SP) will gegen die Swiss-Boni vorgehen.
Céline Widmer (SP) will gegen die Swiss-Boni vorgehen.Bild: keystone

Mit einem Entscheid der Finanzkommission im Rücken müsse der Bundesrat den Druck auf die Swiss-Führung aufbauen, so Guggisberg. Die Swiss stehe tief in der Schuld der Schweizer Steuerzahler. Noch einen Schritt weiter will die SP gehen. Sie verlangt, dass kein Unternehmen, das in irgendeiner Art während der Corona-Krise durch den Staat unterstützt wird, Boni ausschütten darf.

Risikoliste diente mehr der psychologischen Wirkung

Trotz geringem Nutzen hat der Bund ab Juli Personen, die aus Risikoländern in die Schweiz eingereist waren, zehn Tage in Quarantäne gesetzt. Betroffen waren Zehntausende Reisende. Dabei habe das Vorgehen des Bundes weniger darauf abgezielt, die Corona-Pandemie in der Schweiz einzudämmen.

Bild: keystone

Vielmehr habe die Quarantäne auch den gewollten Effekt gehabt, dass die Menschen weniger in Risikogebiete reisten, zitiert die «NZZ am Sonntag» einen Vertreter des Bundesamtes für Gesundheit. Es sei also nicht um die Wirkung der Massnahme gegangen, sondern auch um das psychologische Ziel. FDP-Ständerat Andrea Caroni bezeichnete es als skandalös, das der Bund dennoch an der Quarantänepflicht festhielt.

Corona-Leugner radikalisieren sich

Die Leugner der Corona-Pandemie radikalisieren sich zunehmend. In den Chats jener, die gegen Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus sind, tauchen vermehrt Drohungen auf. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) nimmt laut dem «SonntagsBlick» die Entwicklung sehr ernst.

Menschen demonstrieren gegen die Corona-Politik des Bundes, Zürich (Archivbild).
Menschen demonstrieren gegen die Corona-Politik des Bundes, Zürich (Archivbild).Bild: KEYSTONE

Die Entwicklung sei besorgniserregend, sagte Fedpol-Sprecher Florian Näf. Und weiter: «Die steigende Gewaltbereitschaft der Corona-Leugner-Szene beschäftigt uns stark.» Die Drohungen richteten sich gegen exponierte Stellen wie das Bundesamt für Gesundheit und gegen Politiker, die in der Bekämpfung der Pandemie im Vordergrund stünden. Laut Näf mussten in den letzten Monaten die Schutzmassnahmen für einzelne Personen verschärft werden. Der Bund führe in Zusammenarbeit mit den Kantonspolizeien Gefährder-Ansprachen bei potenziellen Gewalttätern durch.

Maskenpflicht auf Skiliften

Vor dem Start in die neue Skisaison haben die Seilbahnunternehmen ihr Schutzkonzept für die Bekämpfung der Corona-Pandemie nachgebessert. Nach dem neuen Konzept, das der Dachverband der Seilbahnen an seine Mitglieder verschickt hat und das der «SonntagsZeitung» vorliegt, gilt die Maskenpflicht auf sämtlichen Anlagen, also auch auf Sesselbahnen und Schleppliften.

Schutzmasken werden auf allen Liften Pflicht sein.
Schutzmasken werden auf allen Liften Pflicht sein.Bild: keystone

In einer früheren Fassung war diese Pflicht nur in geschlossenen Bahnen verordnet worden. Neuerdings müssen die Wintersportler nicht nur in geschlossenen Warteräumen, sondern auch draussen beim Anstehen einen Mund- und Nasenschutz tragen.

Schulen halten an Skilagern fest

Einzelne Kantone und Schulen halten trotz der rapide steigenden Fallzahlen des Coronavirus an der Durchführung der Skilager fest. Für nächsten Winter sind über die Schweizer Schneesport-Initiative GoSnow aktuell 159 Schneesportlager gebucht, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Die Non-Profit- Organisation wurde von Bund, Kantonen und Sportvertretern gegründet und unterstützt Schulen und Lehrer bei der Organisation der Klassenlager.

Doch die verschärften Corona-Massnahmen bekommen auch die Lager zu spüren. In den letzten Tagen wurden bei GoSnow 83 Lager mit fast 5000 Personen annulliert. Die Organisatoren der Lager kritisieren die Verbote. Die Klassenlager könnten sicherer sein als der normale Schulbetrieb.

Betagte wollen nicht ins Spital

Steigt die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen dramatisch an, müssen Mediziner schon bald entscheiden, wer gerettet werden soll. Sind die Betten belegt, sollen über 85-Jährige nur noch palliativ behandelt werden. Doch längst nicht alle Betagten wollen sich bei einer Infektion mit dem Coronavirus hospitalisieren lassen; vor allem jene nicht, die in Altersheimen leben.

Bild: EPA

Das zeigt eine Umfrage des «SonntagsBlick» bei 18 Kantonen. Nur etwa die Hälfte der Covid-19-Toten sind der Krankheit im Spital erlegen. Tatsächlich wollen die Betagten selbst laut «SonntagsZeitung» meist nicht auf die Intensivstation.

Berset wollte Homeoffice-Pflicht

Das Home-Office ist ein Eckpfeiler im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Am letzten Mittwoch empfahl der Bundesrat die Bildschirmarbeit zu Hause nochmals explizit. Wie Recherchen des «SonntagsBlick» zeigen, hatte Gesundheitsminister Alain Berset sogar beantragt, Home-Office nicht nur zu empfehlen, sondern soweit möglich zur Pflicht zu erklären.

Bild: sda

Hätte sich Berset durchgesetzt, hätte dies bedeutende rechtliche Konsequenzen gehabt. Die Position von Arbeitnehmenden wäre in manchen Streitfällen gestärkt worden. Der Bundesrat scheute sich davor und schmetterte den Antrag ab.

Berset appelliert an die Bevölkerung

Bundesrat Alain Berset hat einmal mehr an die Eigenverantwortung der Schweizer Bürgerinnen und Bürger in der Corona-Pandemie appelliert. Mit Lockdowns allein lasse sich die Krise nicht meistern. Es brauche die Unterstützung durch die Bevölkerung, sagte Berset in einem Interview mit der Westschweizer Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche».

Er verstehe die jüngste Kritik, dass der Bundesrat die Interessen der Wirtschaft stärker gewichtet habe als die Gesundheit. Er warnte jedoch vor falschen Schlüssen. Wenn die Krise eines gelehrt habe, dann dass die Wirtschaft und die Gesundheit nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften. Für die Politik sei derzeit die Auslastung der Spitäler mit Covid-19-Patienten das zentrale Thema für allfällige neue Massnahmen gegen die Pandemie. (jaw/sda)

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40 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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N. Y. P.
01.11.2020 08:20registriert August 2018
Die Top - Mänätscher von der Swiss wollen natürlich wieder den Boni kassieren. Während viele Menschen und Firmen jeden Rappen umdrehen, müssen diese föhnfrisierten Nadelstreifen natürlich ihren Boni abkassieren.

Da fehlen einem glatt die Worte.
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Blitzesammler
01.11.2020 08:35registriert Mai 2015
jetzt braucht es keine Skilager!! Wieso muss möglichst alles für die Kinder durchgeboxt werden. Auch Kinder können mal verzichten!! (ich selbst bin Vater und unsere Kinder sehen dies auch so)
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Davide F. Lu
01.11.2020 11:50registriert September 2020
Wenn es effektiv so ist, dass die besagten 'Boni' bei der Swiss Bestandteil der variablen Lohnkomponente sind und dies auch auf ganz unterschiedlichen Hirarchiestufen so ist, dann gehören sie ausbezahlt, wobei es dem Topkader sicher gut anstehen würde, darauf ganz oder teilweise zu verzichten. Und NRs, die auf Lohnlisten vom Staat oder der Stadt Zürich stehen und ihren gesicherten, durch Steuergelder finanzierten Lohn vollumfänglich beziehen, würde es gut anstehen, sich hier nicht allzu prominent und lauthals in Szene zu setzen.
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