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Schweiz
Coronavirus

Coronavirus Schweiz: Die Frucht der Altersheime vor der stillen Triage

Die Furcht der Altersheime vor der stillen Triage

02.11.2020, 01:2502.11.2020, 06:33
Das Pflegepersonal behandelt Patienten mit Covid19 Erkrankungen auf der Intensivstation des Spitals in Schwyz am 22. Oktober 2020 in Schwyz (SZ). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Das Pflegepersonal behandelt Patienten mit Covid-19-Erkrankungen auf der Intensivstation des Spitals in SchwyzBild: keystone

Es sei eine der schwierigsten Fragen überhaupt. «Niemand will so etwas entscheiden müssen», sagt Professorin Tanja Krones. Die Rede ist von der Triage. Vom Moment, wenn nicht mehr genügend Platz und Personal da ist für alle behandlungsbedürftigen Patienten.

Dann werden Fachleute wie Krones, Leiterin Klinische Ethik am Zürcher Universitätsspital, hinzugezogen. Sie sollen bei der Entscheidung helfen: «Wer erhält lebenserhaltende Massnahmen – und wer nicht?» Ein Szenario, das bald eintreffen könnte. Dies berichtet die SonntagsZeitung.

Diese Woche verkündete der Koordinierte Sanitätsdienst des Bundes, dass die Intensivbetten in der Schweiz ohne weitere Massnahmen nur noch zehn Tage ausreichen. Daten vom Freitag zeigen: In Schwyz, Solothurn oder Freiburg liegt die Belegung schon jetzt über 90 Prozent.

>>> Coronavirus: Die News im Liveticker.

Pflegepersonal begleitet Bewohner in den Tod – mit Maske und Schutzanzug

Doch der gebannte Blick auf die Intensivstationen zeige nur die eine Hälfte des Geschehens. Denn genau wie im Frühling spielt sich ein Grossteil des Covid-Dramas derzeit in den Altersheimen ab. Über die Hälfte der Todesfälle ging in der ersten Welle auf deren Bewohner zurück. Und genau das wiederholt sich jetzt.

Die Betreuung der Sterbenden sei für das Pflegepersonal emotional sehr hart, berichtet die Zeitung weiter – unter Berufung einer Geschäftsleiterin eines Zürcher Altersheim. Es gebe enge Beziehungen zwischen Betreuenden und Bewohnern, die teils Jahre im Zentrum lebten. Und nun müsse das Pflegepersonal diese in den Tod begleiten. Mit Masken und Schutzanzügen.

Die Selbst-Triage der Betagten

Wer erhält den letzten Platz, wenn die Spitäler überfüllt sind? Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften hat dazu Richtlinien erstellt. Als Kriterium ist unter anderem auch das Alter 85 aufgeführt. Was bereits für heftige Kritik gesorgt hat. Auf nächste Woche werden die Vorgaben jedoch revidiert, wie Experten bestätigen.

Für die allermeisten Betagten braucht es aber keine solchen Richtlinien. Sie entscheiden sich von sich aus gegen einen Spitalaufenthalt – es kommt zu einer Selbst-Triage. Den meisten seien noch die Bilder aus Italien präsent mit den überfüllten Stationen – und das schrecke ab, sagt ein Winterhurer Arzt.

Würden die Patienten aus den Heimen vermehrt in die Spitäler kommen, so würde die Situation rasch eskalieren. Tanja Krones sagt gegenüber der «SonntagsZeitung». Es bestehe die Gefahr, dass bereits ausserhalb des Spitals dazu geraten beziehungsweise entschieden wird, dass Patienten nicht ins Spital verlegt werden – auch um das System zu schonen. Jetzt, wo die Spitäler in einigen Regionen voll seien, müsste man aber gemeinsam darauf achten, dass es nicht zu einer solchen «stillen» Triage komme.

Triage
Triage bezeichnet die Methodik, den Schweregrad einer Erkrankung oder Verletzung innerhalb kurzer Zeit zu identifizieren, eine Kategorisierung und Priorisierung vorzunehmen und den betroffenen Patienten dem geeigneten Behandlungsort zuzuweisen. Dies geschieht bei unerwartet hohem Patientenaufkommen und unzureichenden Ressourcen.

Spitäler versuchen, Patienten ins Altersheim zu verlegen

Atemnot. Viele Covid-Infizierte klagen darüber. Älteren Personen mache dies Angst, erklärt eine Expertin für Intensivmedizin. Mit Medikamenten könne man Patienten die Angst nehmen. Eine Heilung bringe das zwar nicht, aber eine Leidenslinderung.

Der Tod würde allerdings unter Umständen billigend in Kauf genommen. Andererseits habe auch die künstliche Beatmung gravierende Folgen – je nach Vorerkrankung besteht auch hier ein hohes Risiko zu sterben.

Die Betagten belasten also die Intensivstationen nicht, obwohl unter ihnen die meisten Toten dieser Pandemie zu finden sind. Eher ist es umgekehrt. Für sie geht die Gefahr von Spitälern aus, die in den nächsten Wochen versuchen könnten, Covid-Patienten in Seniorenheime zu verlegen. Genau eine solche Anfrage gab es bereits in einem Zürcher Altersheim. Das sei aber gefährlich und erinnere an die erste Welle in Italien, sagt der zuständige Arzt.

Es sei zwar verständlich, dass die Spitäler Platz schaffen müssten. Doch das Personal in den Alterszentren könne das nicht auch noch stemmen. Sonst drohe der Kollaps. (cri/ch media)

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51 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Arthur Philip Dent
02.11.2020 01:41registriert Februar 2016
Und. Das. In. Der. Schweiz.

Liebe Hochzeits- & Shopping-Analphabeten, liebe Schweden-Fans, Grossanlassbefürworter und Durchseuchungsprediger... und vor allem, liebe Covidioten - entschuldigung, corona-skeptiker... man wünscht sowas ja niemandem, aber vielleicht solltet ihr auch mal durch einen schutzanzug eurer röchelndem n grossmutter lebwohl sagen. Nur so fürs feeling.
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Schso
02.11.2020 03:49registriert April 2017
Was sagen eigentlich Andreas Thiel und Marco Rima dazu?
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Schönbächler
02.11.2020 02:31registriert April 2016
Soviel zu "Die stärke des Volkes misst sich am wohle der schwächsten"

Wir haben versagt.
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Zahl der Sterbehilfe-Patienten bei Exit erneut gestiegen

1125 Menschen sind im vergangenen Jahr mit Hilfe von Exit Deutsche Schweiz aus dem Leben geschieden. Das sind 15 Prozent Mitglieder mehr als 2021. Die Zahl der Mitglieder der Sterbehilfeorganisation wuchs um 2022 um 17’361 auf 154'118 Mitglieder.

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