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Symbolbild für die Hamsterkäufe in Corona-Zeiten: Toilettenpapier wird wie ein kostbarer Schatz behandelt. Bild: AP

Weshalb kommt es zu Hamsterkäufen? Daten aus Grossbritannien geben darauf eine Antwort

Leere Regale, volle Einkaufswagen und ein Vorrat, welcher für mehrere Monate reicht: Hamsterkäufe gibt es aus verschiedenen Gründen. Doch eine Studie hat ergeben: Es sind nicht nur die klassischen Hamsterkäufe, welche die leeren Regale verursachen.



Wer in den letzten Wochen WC-Papier oder Pasta einkaufen wollte, hat sich bestimmt geärgert, als man nur leere Regale vorgefunden hat. Und das, obwohl der Bund und die Handelsketten von Hamsterkäufen abgeraten haben und die Kundinnen und Kunden darum baten, nur das Nötigste einkaufen zu gehen, damit andere nicht leer ausgehen. Ebenfalls wurde klar kommuniziert, dass es keine Engpässe geben würde und die Supermärkte auch bei einem kompletten Lockdown offen gehalten werden.

Keine klassischen Hamsterkäufe

Es sind tatsächlich nur wenige, die wirkliche Hamsterkäufe tätigen. Dies zeigt eine Zusammenstellung im supermarktblog, der sich auf Daten aus Grossbritannien beruft. Überfüllte Einkaufswagen, voll mit einer Jahresration Toilettenpapier und Pasta, sind nur selten der Grund für die leeren Regale. Die meisten sind «Zwerghamster» – also Kundinnen und Kunden, welche zusätzliche Einkäufe getätigt und dabei ein bisschen mehr als sonst gekauft haben.

Das zeigt eine Studie der Marktforscher von Kantar, welche das Einkaufsverhalten der Briten analysiert hat. Dazu haben sie die Daten vom März 2019 mit diesen des März 2020 verglichen. Britische Kundinnen und Kunden haben im Schnitt elf anstatt zehn Produkte in ihren Warenkorb gelegt – dafür waren sie aber drei zusätzliche Male einkaufen. Das hatte einen geradezu lawinenartigen Effekt – und zusammengerechnet 79 Millionen Einkäufe mehr verursacht als im selben Zeitraum des Vorjahres. (Ja, Millionen.)

Warum kommt es zu Hamsterkäufen?

Kurz: Das Prinzip der Knappheit. Wenn ein Produkt knapp ist oder auch nur knapp scheint, hat dies eine magische Anziehung auf uns Menschen. Nach dem Knappheitsprinzip zeigen Menschen eine Vorliebe für quantitativ begrenzte Güter, unabhängig von deren Produktqualität. Dies kann damit erklärt werden, dass ein geringes Angebot mit Exklusivität bzw. hoher Qualität assoziiert wird.

«Limited Edition», «nur noch für kurze Zeit», «bald nicht mehr erhältlich»: Viele von uns haben sich bereits aufgrund solcher Sätze zu einem Kauf verleiten lassen. Dieses Prinzip wird vor allem auch von Luxusmarken wie Chanel oder Hermes verwendet, indem sie durch Wartezeiten und hohe Preise die Tasche oder den Mantel so unzugänglicher und schlussendlich begehrter machen. Aber auch Fast-Food-Ketten wie McDonald's machen einige ihrer Burger attraktiver, indem sie diese nur für eine begrenzte Zeit auf den Markt bringen. Dies löst in uns den Drang aus, das Produkt zu kaufen, bevor es nicht mehr erhältlich ist.

Der «Keks»-Versuch

Bereits in den 1970er Jahren wurde getestet, ob die Rarität eines Guts dessen Attraktivität steigert. Dazu wurden Teilnehmern des Versuchs verschiedene Anzahlen Kekse vorgelegt. Die Teilnehmer, welche nur 2 Kekse vorgesetzt bekamen, hatten ein grösseres Verlangen nach diesen als die Teilnehmer, welche 10 Kekse erhielten. Vor allem dann, wenn die Forscher sagten, es habe nicht mehr Kekse, weil die andere Testgruppe diese bereits verspeist habe. Das Verlangen nach einem knappen Produkt ist also vor allem dann stark ausgeprägt, wenn sich die Knappheit durch erhöhte Nachfrage erklären lässt.

Worchel, Lee & Adewole, 1975

Ein Teufelskreis entsteht

Durch die vermeintliche Rarität eines Produktes wird in uns also der Drang ausgelöst, dieses auch zu kaufen, und das in höheren Mengen als üblich. Dadurch entsteht schlussendlich die tatsächliche Knappheit und in Folge dessen verfestigt sich der Druck, dieses Produkt jetzt zu kaufen – aus Angst, es sei später nicht mehr erhältlich.

Bilder von leeren Einkaufsregalen, Sprachmemos, welche vor dem Lockdown warnen und nahezu zu Hamsterkäufen raten, erhöhen diesen Druck. Fakt ist aber: Die Zwerg- und die klassischen Hamsterkäufe haben bereits wieder abgenommen.

Sei ehrlich: Warst du in letzter Zeit auch ein Hamster?

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30Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • imposselbee 07.04.2020 09:23
    Highlight Highlight Toilettenpapier kann auch sehr reduziert eingesetzt werden, das gröbste bringt man mit max. 6 Papers weg und die Feinarbeit mit einem Lappen, den man dann sauber wäscht. Das Gefühl ist beinahe so toll wie nach einem Bidet. Länder mit Bidet kennen das Toilettenpapier Problem gar nicht. Ja, die Bidet sind für Unterbodenwäsche und nicht nur für die Füsse.
    • canoe58 07.04.2020 17:49
      Highlight Highlight Als eine Touristin aus der Schweiz ein Englisches Hotelzimmer bezieht, sieht sie das erste Mal ein Bidet. Daraufhin fragt sie den Porter: “Oh, is that for washing childs in?” Der Porter antwortet: “No madam, it is for washing childs out”.
  • TheRealDude 06.04.2020 18:55
    Highlight Highlight Ich denke, ein wichtiger Punkt wird noch zu wenig betrachtet. Wenn z. B. ein 4- Personenhaushalt plötzlich jede Mahlzeit Zuhause einnehmen muss, weil die Kids und Eltern zuhause und Kantinen, Restaurants etc. geschlossen sind, brauchts auch einfach mehr Lebensmittel vom Grossverteiler. Da kommt man mit den vorher gekauften Mengen gar nicht mehr aus, da viel mehr Zuhause gegessen wird. Mit drei Mahlzeiten am Tag, frisch gekocht, da kommt einiges zusammen.
  • Ohniznachtisbett 06.04.2020 18:42
    Highlight Highlight Man muss, glaube ich auch in Betracht ziehen, dass viele auch tatsächlich mehr benötigen. Ich esse normal am Mittag auswärts und Abend dann nicht viel. Jetzt muss ich immer zu Hause essen. Gerade frische Produkte benötige ich jetzt viel mehr, weil ich eben mehr koche, statt im Restaurant oder Takeaway zu essen.
  • Beat_ 06.04.2020 18:41
    Highlight Highlight Und bezüglich WC-Papier gibt es noch eine einfache Erklärung dazu:
    - Viele Menschen sind mehr zu Hause, haben also allenfalls einen etwas höheren Bedarf und
    - die WC-Papier-Packungen in den Regalen brauchen viel Volumen. Und wenn dann drei oder vier Kunden mehr als sonst WC-Papier kaufen, sieht es gerade etwas leer aus (und dann kommt wahrscheinlich der oben beschriebene Effekt dazu).
  • benn 06.04.2020 18:37
    Highlight Highlight Ja genau eine erklärung warum apple und bang & olufson standard technology zu überhöhten preisen verkaufen kann, man hat das gefühl es sei was exklusives und schwer zu kriegen
    • Hierundjetzt 06.04.2020 22:46
      Highlight Highlight Sooo einfach ist Marketing dann schon nicht. 🤪

      In jedem Starbucks Becher (egal welche Grösse) hats nur 1 Espresso drin.

      Trotzdem wird es Miliardenfach gekauft

      Arte Doku Starbucks schauen. Damit wäre Deine Frage geklärt
  • IchIstEinAnderer 06.04.2020 18:33
    Highlight Highlight Man muss auch daran denken dass nun alles zu Hause gegessen und geschissen wird.
    In normalen Zeiten kann man den Dönner ja auch in der Kloschüssel der Bude loswerden.
    Bedeutet der Bedarf in Micoop steigt, der im C&C sinkt.
  • Dani B. 06.04.2020 18:22
    Highlight Highlight WC-Papier hat das grösste Volumen pro Preis. Da wirken die Regale schnell leer. --- Und von Watson gibt es keine Printausgabe.
    • dmark 06.04.2020 19:30
      Highlight Highlight @Dani B.
      Tja, mit Digitalmedien geht das schlecht.

      Und nein, versuche es gar nicht erst... ;)
    • Dani B. 06.04.2020 20:18
      Highlight Highlight Danke dmark!
      Die beste Art, aus Fehlern zu lernen, ist aus Fehlern anderer zu lernen.
    • dmark 07.04.2020 23:08
      Highlight Highlight @Dani B.:
      Ich gehe jede Wette ein, das jemand schon mal "diesen Fehler" gemacht hat... ;)

      Wie bekomme ich jetzt nur diese Bilder wieder aus dem Kopf?
  • ChiliForever 06.04.2020 18:17
    Highlight Highlight "Britische Kundinnen und Kunden haben im Schnitt elf anstatt zehn Produkte in ihren Warenkorb gelegt – dafür waren sie aber drei zusätzliche Male einkaufen."

    Hm, die Rechnung verstehe ich nicht ganz. Wenn sie drei Mal zusätzlich gekauft haben, haben sie dann 44 statt sonst 10 Produkte in einem Zeitraum X gekauft? Das würde ich dann schon "Hamstern" nennen.
  • nadasagenwirjetzteinfachmal 06.04.2020 18:01
    Highlight Highlight Was man auch nicht vergessen sollte. Nehmen wir eine 5 köpfige Familie ...Mama und Papa arbeiten ausser Haus und essen Mittag in der Kantine und die 3 Kinder gehen zur Schule und essen am Mittagtisch der Schule. Alle 5 gehen täglich 1-÷ mal auf Toilette. Nun machen Mama und Papa Homeoffice und die Kinder Homeschooling.
    Alle 5 essen und kacken nun zu Hause........
  • Füürtüfäli 06.04.2020 17:52
    Highlight Highlight Es war ein schöner Morgen im September 2057. Als Paul aufwachte, verspürte er das Bedürfnis, auf die Toilette zu gehen. Für Paul war es kein gewöhnlicher Tag! Es war der Tag, an dem er die letzte Rolle Toilettenpapier verbrauchte, das seine Eltern im Jahr 2020 gekauft hatten.
    • Tavares 06.04.2020 19:29
      Highlight Highlight Best. Comment. Ever. 😂👍
  • Garp 06.04.2020 17:50
    Highlight Highlight Da ich eh Notvorrat habe, hat mich das alles nicht betroffen.

    Ist das Thema immer noch aktuell? Bei uns im Laden hat es von allem.
    • dmark 06.04.2020 19:36
      Highlight Highlight Ok, Prepper ;)

      Scherz beiseite - einen kleinen Vorrat sollte man schon zu hause haben.
      Ist im Moment sogar von Vorteil, weil man nicht so oft einkaufen gehen muss.
    • Garp 06.04.2020 20:18
      Highlight Highlight Genau und ich bekenne mich zum Minprepper ;-) , gelernt von meiner Mama, die den zweiten Weltkrieg mitbekommen hat, wenn auch in der Schweiz. Notvorräte gehörten mit zum Erziehungsprogramm, zumindest bei mir, nicht bei meinen Brüdern. 😁
    • Toltec 07.04.2020 12:53
      Highlight Highlight ich (2-Personen-Haushalt) hab den Aufruf gelesen, sich wieder mal Notvorrat aufzubauen, und das dann auch gemacht.
      Natürlich hab ich dazu mehr kaufen müssen, als sonst immer.
      Ich denke mal viele haben das in den auf den Aufruf folgenden 10 Tagen gemacht. Entsprechend sah der örtliche Laden eher leer aus.
      Jetzt ist bereits wieder Normalbetrieb da, und es gibt kaum was das fehlt.

      Aber ist ein super Thema zum sinnlos aufbauschen.
  • TBD 06.04.2020 17:43
    Highlight Highlight Sorry, dass ich halt mehr einkaufe, dafür aber nicht so oft...
    • dmark 06.04.2020 19:37
      Highlight Highlight @TBD:
      Ist im Moment auch gut so. Ich verstehe auch die Leute nicht, welche nun immer noch jeden Tag durch die Läden ziehen.
    • Gwdion 07.04.2020 06:50
      Highlight Highlight Wer wie ich zu Fuß einkaufen geht, kauft man halt nur so viel, wie er/sie auch nach Hause tragen kann. Für einen vierköpfigen Haushalt muss man sich da schon nicht jeden Tag, aber doch zwei, dreimal pro Woche in den Laden wagen.
    • Gwdion 07.04.2020 08:31
      Highlight Highlight Dazu kommt die begrenzte Haltbarkeit von Lebensmitteln wie frischem Gemüse, Brot etc.
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