Schweiz
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«Leute haben die Botschaft verstanden» – Bevölkerung hält sich an Verhaltensregeln



Die Schweizer Bevölkerung hält sich an die neuen Corona-Verhaltensregeln – von wenigen Ausnahmen abgesehen. Das zeigen Analysen in verschiedenen Schweizer Städten. Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle stieg auf 7014 an. 60 Personen sind verstorben.

«99 Prozent der Leute haben die Botschaft verstanden», sagte etwa der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause am Sonntag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Der menschenleere Baerenplatz, vorne, und Bundesplatz, hinten, beim Bundeshaus, am Sonntag, 22. Maerz 2020 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der menschenleere Bärenplatz in Bern. Bild: KEYSTONE

Seit Freitagabend habe es kaum noch Ansammlungen im öffentlichen Raum gegeben. Natürlich sei das auch eine Folge der kühleren Witterung. Doch es sei offensichtlich, dass sich die allermeisten Menschen die Vorgaben des Bundesrats zu Herzen genommen hätten. Auch an Bushaltestellen und beim Einkaufen sei die Zwei-Meter-Regel konsequent eingehalten worden.

In einigen wenigen Fällen habe die Polizei «mit Nachdruck» dafür sorgen müssen, dass die Regeln eingehalten würden, fügte Nause an. Es seien auch Bussen verteilt worden. Konkrete Zahlen dazu liegen noch keine vor.

140 Meldungen an Kapo Zürich

Insgesamt gingen bei der Kantonspolizei Zürich zwischen Freitagabend und Sonntagnachmittag 140 Meldungen ein. Rund 100 Meldungen betrafen jugendliche Gruppierungen, die sich scheinbar nicht an die Abstandsregeln oder die Höchstanzahl von Personen gehalten hatten. Oft hätten sich diese aber bis zum Eintreffen der Polizei bereits aufgelöst oder die angetroffene Situation habe nicht der Eingangsmeldung entsprochen, teilte die Polizei mit.

Blick auf die leere Seepromenade, aufgenommen am Freitag, 20. Maerz 2020 in Zuerich. Die Stadt Zuerich ergreift weitere Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus und sperrt mehrere Plaetze, Paerke und Flaniermeilen ab sofort. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Das gesperrte Zürcher Seebcken. Bild: KEYSTONE

Patrouillen der Kantonspolizei seien teilweise zwar auf Gruppen mit mehr als fünf Personen gestossen, sagte eine Sprecherin. Diese hätten sich aber nach Gesprächen mit den Polizisten einsichtig gezeigt und sich wieder aufgelöst. Bussen seien dabei nicht verteilt worden. Insgesamt zog die Kantonspolizei Zürich ein positives Fazit.

Wetterumschwung hat geholfen

Die Luzerner Polizei vermeldete keine ausserordentlichen Ereignisse. Für eine Bilanz wegen Bussen sei es aber noch zu früh, sagte ein Sprecher. Auch er mutmasste, dass der Wetterumschwung geholfen habe, die Massnahmen des Bundes einzuhalten.

Im Kanton Waadt gingen bisher 26 Meldungen wegen Nichteinhaltung der Vorschriften ein. 17 Bussen wurden verteilt, darunter 12 in Lausanne. Die Polizei büsste vor allem Zusammenkünfte von mehr als fünf Personen in städtischen Parks von Lausanne. Insgesamt würden die Richtlinien von der Bevölkerung aber gut eingehalten, sagte der Lausanner Sicherheitsdirektor Pierre-Antoine Hildbrand.

View of empty place du Bourg de Four at the GenevaÕs Old City after closing of restaurants, stores, and bars, following the SwissÕ authorities proclaims Monday the state of necessity to fight against the spread of the coronavirus COVID-19, in Geneva, Switzerland, Monday, March 16, 2020. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Zwangsruhe auch in Genf. Bild: KEYSTONE

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Genf. Seit Freitagabend hat die Polizei 30 Bussen verteilt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag intervenierte sie mehrmals in den Stadtrandgebieten, um Gruppen von Jugendlichen zu vertreiben.

Währenddem sich die Städte weitgehend entleert haben, machen sich Hinweise auf andere Probleme bemerkbar. So stellt Berns Sicherheitsdirektor Nause fest, dass die Fachstelle Häusliche Gewalt mehr Anrufe erhält. Das deckt sich mit Einschätzungen der Genfer Kantonspolizei. Diese stellte fest, dass Einbrüche und Straftaten gegen Personen zwar abnehmen, Einsätze wegen Ehekonflikten und Nachbarschaftsstreitigkeiten dagegen zunehmen.

Tessin schliesst alle Industriebetriebe

Im Kanton Tessin wurden am Samstagabend weitere Massnahmen im Kampf gegen die Verbreitung des Virus bekannt. Die Tessiner Behörden beschlossen, die Aktivitäten auf den Baustellen einzustellen sowie alle Industriebetriebe zu schliessen. Letztere Massnahme gilt vorerst ab Montag bis zum Sonntag 29. März.

Der Branchenverband der Maschinenindustrie Swissmem kritisierte die Schliessung der Industriebetriebe. Laut Swissmem ist die Massnahme eine «Desavouierung des Bundesrates, welcher erst gestern klar gesagt hat, dass die Industrie weiterarbeiten kann, wenn sämtliche Vorsichts- und Schutzmassnahmen des BAG eingehalten werden».

Ein leerer Platz aufgrund der Coronavirus Pandemie aufgenommen am Montag, 16. Maerz 2020 in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/ Davide Agosta)

Lugano, wie leergefegt.

Die Tessiner Behörden raten älteren und gefährdeten Menschen dringend davon ab, selber einkaufen zu gehen. Sie dürfen nur in einigen Fällen zum Arzt gehen oder arbeiten, wie Regierungspräsident Christian Vitta an einer Pressekonferenz in Bellinzona sagte. Die ältere Bevölkerung müsse sich Hilfe von Verwandten holen oder die kommunalen Dienste für die Hauszustellung nutzen.

Derweil musste der Kanton Uri am Samstag die Ausgangssperre für Senioren wieder aufheben. Die Regelungen zum gesellschaftlichen Leben während der Coronakrise lassen laut dem Bund keinen Raum für Kantone, selber Ausgehverbote zu verhängen.

Lohnersatz ab Mitte April

Die AHV-Ausgleichskassen kündigten unterdessen an, am Montag Online-Formulare und Informationen für Betroffene der Corona-Krise zur Verfügung zu stellen. Damit soll vor allem Selbständigerwerbenden ermöglicht werden, schnell und unkompliziert an Lohnersatz zu gelangen. Gemäss Schätzungen des Bundes ist mit über 160'000 Betroffenen zu rechnen. Die Ausgleichskassen gehen davon aus, dass ab Mitte April Gelder fliessen können.

Der Bundesrat hatte am Freitag ein gut 40 Milliarden Franken schweres Hilfspaket für die Not leidende Wirtschaft geschnürt und entschieden, auch Selbstständigerwerbende sowie Eltern, welche wegen der Kinderbetreuung Zuhause bleiben müssen, zu unterstützen.

Fehlendes Personal auf Intensivstationen

Das grösste Problem der Schweiz in der Corona-Krise werden nicht die Anzahl Betten und Beatmungsgeräte sein, sondern fehlendes Pflegepersonal in der Intensivmedizin. Das sagen zwei Ärzte der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI). Die Zahl der Plätze könne mit kreativen Lösungen rasch erhöht werden, sagte Antje Heise, Vizepräsidentin der SGI. Die grosse Frage sei, ob genügend der speziell ausgebildeten Pflegefachpersonen für die Intensivmedizin vorhanden sei.

Die Zahl der Coronavirus-Erkrankungen in der Schweiz stieg über das Wochenende weiter rasant an: Am Sonntagmittag gab es laut Bundesamt für Gesundheit bereits 7014 bestätigte Fälle. 60 Personen sind verstorben. Die Kantone Tessin, Basel-Stadt und Waadt sind am stärksten betroffen. (sda)

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gringo99 23.03.2020 00:15
    Highlight Highlight Was ich mich noch frage in punkto zu Hause bleiben..(wohnhaft an einem typischen CH-Mittellandort der zu gross für ein Dorf und zu klein für eine Stadt ist)..ists auch mal mit Autofahren gut?

    Ich weiss ÖV=Todeszone, nur frage ich mich beim 30-minütigen Spaziergang den ich mir (alleine) noch erlaube nach dem 100ten Auto..wo müsst ihr jetzt alle noch hin 🤔? Wäre zu Hause bleiben nicht auch für leidenschaftliche Autofahrer angebracht?
  • Mikey Duck 22.03.2020 22:27
    Highlight Highlight Gestern bei sonnigem Wetter waren die Berner Innenstadt sowie die Aarepromenaden noch alles andere als ausgestorben... wobei eigentlich alle Leute brav alleine oder zu zweit oder per Bike unterwegs waren (ich auch).
  • soulpower 22.03.2020 21:31
    Highlight Highlight Nachdem nun bald auch die letzten Zweifler die Anweisungen befolgen, gilt es nun zusammen durchzuhalten. Ich warte gespannt auf das Abflachen der Infektionskurve in Italien, und dann hoffentlich auch hier. Aber jetzt brauchen wir alle zuerst etwas Geduld und ich denke, die nächsten 2-3 Wochen könnten ziemlich schwierig werden. Da müssen wir nun durch!
  • MartinZH 22.03.2020 21:06
    Highlight Highlight Der Grund ist definitiv beim Wetter festzumachen, Anteil = 99%. Auf die Vernunft ist 1% zurückzuführen... 😉
  • Canis Lupus 22.03.2020 20:54
    Highlight Highlight Ich vermute sie haben nicht kapiert, es hat einfach kein gutes Wetter gegeben
  • danster 22.03.2020 20:21
    Highlight Highlight Habe ich Heute leider wie anders erlebt. Rund um den Bodensee hatte es viel zu viele Leute, dazu auch noch viele Fahrzeuge mit ZH Kennzeichen.

    Die Nachricht ist definitiv noch nicht angekommen. Was die Zahlen ja leider auch nach wie vor beweisen. Langsam sollten sich diese ja zumindest ein wenig entspannen.
    • weissauchnicht 22.03.2020 22:20
      Highlight Highlight Du hast noch nicht verstanden, dass die Inkubationszeit bis zu 14 Tage dauert? Die Fallzahlen können somit noch eine Woche lang zunehmen, trotz den Massnahmen. Erst danach sollten sie abflachen, falls die Massnahmen wirken...
    • MJCD 22.03.2020 22:24
      Highlight Highlight Die Zahlen welche beweisen können ob die Botschaft bei der Bevölkerung angekommen ist sind in etwa 3-8 Tagen erst sichtbar! (Inkubationszeit von 4-14 Tagen & steigende Testzahl verzerren das „Faktenbild“ stark)
    • Lioness 22.03.2020 22:25
      Highlight Highlight Die jetzigen positiv Getesteten haben sich vor über einer Woche angesteckt. Das zeigt sich nicht so schnell.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Faktenchecker 22.03.2020 20:15
    Highlight Highlight Die Tessiner machen es richtig.
  • Fairness 22.03.2020 20:10
    Highlight Highlight Nur schade, dass dafür so viele sterben mussten und noch werden, bis es so einige kapiert hatten. Ein paar wenige müssen es sogar noch kapieren.
    • Kruk 22.03.2020 20:42
      Highlight Highlight Es vergingen Wochen.
      aber die Menschen brauchen Zeit um sich an neue Begebenheiten zu gewöhnen. Wir wussten dass das Virus auch zu uns kommen wird und hätten unser Verhalten bereits, in Vorbereitung auf das kommende, stufenweise anpassen können.
      Ändern können wir das jetzt nicht mehr und sollten froh sein klappt es jetzt so gut.

Offen gesagt

«Liebe Frau Amherd, wir müssen reden ...»

Sollte die Schweizer Stimmbevölkerung die Beschaffung neuer Kampfjets Ende September auch im zweiten Anlauf ablehnen, wäre das gut für die Schweiz. Sie könnte dann die längst überfällige sicherheitspolitische General-Debatte führen.

Liebe Frau Amherd

Herzliche Gratulation zu den jüngsten «Polls», wie man in Amerika sagen würde. 58 Prozent der Stimmberechtigten gedenken laut einer Tamedia-Umfrage, den Kredit für die Kampfflugzeuge mit «Ja» oder «Eher Ja» anzunehmen.

Aber wie sagt man so schön? «It's not over, until it's over», und solche Abstimmungsbarometer wirken ja eher mobilisierend auf das Lager, das gerade im Rückstand ist.

Für Sie hoffe ich natürlich, dass Sie Ihr erstes grosses Geschäft als Verteidigungsministerin …

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