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Coronavirus

Das Virus infiziert auch viele Säugetiere und kann zum Menschen zurück

Das Virus infiziert auch viele Säugetiere und kann wieder zum Menschen zurück

Das Coronavirus infiziert nicht nur Menschen. Möglicherweise hat sich die Variante Omikron in einem tierischen Wirt entwickelt.
31.01.2022, 05:5331.01.2022, 05:53
Juliette Irmer / ch media

Omikron gibt den Forschern Rätsel auf. Das Erbgut der neuen Virusvariante hat sich so stark verändert, dass sich im Stammbaum des Coronavirus eine grosse Lücke zeigt: Trotz der mittlerweile knapp sechs Millionen vorhandenen Sars-CoV-2-Genomen gibt es keine Zwischenstufen, die zu Omikron führen.

weisswedelhirsch
Bei Weisswedelhirschen hat sich Sars-CoV-2 stark ausgebreitet.Bild: getty images

Diskutiert werden drei Hypothesen: Das Virus könnte sich ein Jahr lang unbemerkt entwickelt haben. Es könnte in einer immungeschwächten Person entstanden sein. Oder aber in Tieren. Das hiesse, dass Sars-CoV-2, das ursprünglich wahrscheinlich von Fledermäusen stammt, sich an den neuen tierischen Wirt angepasst hätte, und von dort wieder zurück in den Menschen gelangt wäre.

Von Nerzen zurück auf den Menschen

Bereits im April 2020 wurde bekannt, dass sich Nerze in den Niederlanden von Menschen angesteckt hatten. Später wurden solche Fälle auch in Dänemark, Schweden, Italien, Spanien und den USA gemeldet. Später konnte nachgewiesen werden, dass es zurück in den Menschen sprang: Sars-CoV-2 hatte in den Nerzen neue Mutationen entwickelt. Dazu sagt die Virologin Marion Koopsman vom Erasmus MC in Rotterdam:

«Das ist besorgniserregend, wenn neue Reservoire entstehen könnten.»

So könne das Virus sich parallel bei Mensch und Tier verändern. Komplett neue Stämme könnten die Wirkung der Impfstoffe unterlaufen. Um dieses Risiko zu verhindern, wurden allein in den Niederlanden knapp drei Millionen Nerze gekeult.

Übertragungen in 14 Tierarten

Infiziert haben sich aber auch andere Tiere: Die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) hat bis Ende Oktober 2021 Übertragungen in 14 Arten dokumentiert. Darunter Katzen, Hunde, Hamster, Kaninchen und viele Zootiere, hauptsächlich Grosskatzen und Menschen­affen. Im Lincoln Children's Zoo in Nebraska starben Anfang November drei seltene Schnee­leoparden an Covid-19 und jüngst erkrankten zwei Flusspferde in Antwerpen. Dem Tierpfleger war ein dickflüssiger ­Nasenausfluss aufgefallen.

Einige Tiere können das Virus untereinander weitergeben - wie oft es zu Rückübertragungen auf den Menschen kommen kann, ist unbekannt. «Die einzige bestätigte Rückübertragung ist jene von Nerzen auf den Menschen», sagt die Evolutions­biologin Sarah Otto von der Universität von Britisch-Kolumbien in Vancouver. «Möglicherweise sind das sehr seltene Ereignisse.»

Auch Hauskatzen haben sich infiziert

Aber klar ist: Sars-CoV-2 kann die Artbarrieren leicht überspringen. So infizierten sich einer aktuellen Studie zufolge 2020 gut vier Prozent der Hauskatzen mit dem Virus. Katzen erkranken selten, können das Virus aber ausscheiden. Laut den Autoren gebe es aber keine Hinweise darauf, dass Katzen zur Ausbreitung beitragen. Einige Zoos in den USA haben ­begonnen ihre Tiere gegen ­Covid-19 zu impfen. Zoetis, ein aus Pfizer ausgegliedertes Unternehmen, hat einen Impfstoff eigens für Tiere entwickelt.

Breitet sich das Virus aber in grossen und dicht zusammen ­lebenden Tierpopulationen aus, sieht die Sache anders aus. Dann hat das Virus Wirte, in denen es sich massenhaft vermehren kann, was das Risiko für Virusvarianten steigen lässt.

Starke Ausbreitung unter Weisswedelhirschen

In den USA haben Forscher nachgewiesen, dass Sars-CoV-2 sich bei Weisswedelhirschen ausgebreitet hat. 40 Prozent der beprobten Tiere hatten eine Infektion durchgemacht, berichten Wissenschafter auf der Plattform der Amerikanischen Akademie der Wissenschaften, PNAS. Wie sich die Tiere angesteckt haben, ist noch unklar, die Wissenschafter nehmen aber an über den Menschen, denn Weisswedelhirsche sind recht zutraulich und halten sich gerne in der Nähe menschlicher Siedlungen auf. Das ist heikel, denn unter Wildtiere kann sich das ­Virus unkontrolliert ausbreiten – Massnahmen wie Impfen oder Keulen stehen nicht zur Verfügung.

Einige Experten empfehlen daher die Überwachung potenzieller Wirte. Zumindest von solchen Tieren, die in grosser Zahl vorkommen und sich gerne in Gruppen zusammenschliessen. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society könnten dabei helfen: Forscher des Cary Institute of Ecosystem Studies in New York untersuchten, welche Tierarten besonders empfänglich sind für eine Infektion mit Sars-CoV-2 und konzentrierten sich dazu auf den ACE2-Rezeptor - Sars-CoV-2 nutzt den als Eingangstor in die Zelle. Wegen seiner essenziellen Funktion bei der Regulierung des Blutdrucks und des Wasserhaushalts besitzen wahrscheinlich alle Säugetiere (über 6000 Arten) diesen Rezeptor.

Nur Schweine haben sicher kein Corona

Einen ACE2-Rezeptor, der für Sars-CoV anfällig sein könnte, besitzen gemäss dem Modell der Forscher immerhin 500 Säugetierarten. Eine starke Affinität fand sich für Primaten, Nerze und Marderhunde, die in China wegen ihres Fells gezüchtet werden – und auch für die Weisswedelhirsche. Bei Schweinen lag das Modell allerdings daneben: Sie infizieren sich nicht mit Sars-CoV-2.

Viele Experten wünschen sich mehr Forschung, um besser zu verstehen, wann und unter welchen Bedingungen Viren Artbarrieren überspringen. Ob sich in diesem Zusammenhang der Ursprung von Omikron jemals erhellen lässt, ist ungewiss. Denn, um das wasserdicht zu ­beweisen, müsste man die entsprechende Tierpopulation ­finden, dazu braucht es Glück. (aargauerzeitung.ch)

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