DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Konzentrationsschwierigkeiten gehört zu einem der Long-Covid-Symptome.
Konzentrationsschwierigkeiten gehört zu einem der Long-Covid-Symptome.Bild: shutterstock

So viele Personen meldeten sich schweizweit wegen Long Covid bei der IV an

Neue Zahlen des Bundes zeigen: Letztes Jahr registrierten die IV-Stellen schweizweit 1775 Anmeldungen wegen Long Covid.
21.01.2022, 19:59
Maja Briner / ch media

Extreme Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten: Manche Menschen leiden nach einer Covid-Infektion an schweren Langzeitfolgen. «Long Covid ist das Schlimmste, was ich bis jetzt erlebt habe. Immer müde, immer Schmerzen, immer Brainfog», sagt Christian Salzmann vom Verein Long Covid Schweiz. Er leidet seit mehr als einem Jahr an den Folgen der Infektion.

Laut Studien haben rund 20 Prozent der Erwachsenen nach einer Covid-Infektion Langzeitfolgen. Bei manchen sind die Symptome derart stark, dass ans Arbeiten nicht mehr zu denken ist. Neue Zahlen des Bundesamts für Sozialversicherungen zeigen nun, wie viele sich deswegen bei der Invalidenversicherung gemeldet haben: Die IV-Stellen registrierten letztes Jahr 1775 Anmeldungen wegen Long Covid. Das entspricht 3.6 Prozent aller Erstanmeldungen.

Eine Anmeldung heisst noch lange nicht, dass auch Renten ausbezahlt werden. Das wird erst zum Thema, wenn die Eingliederungsbemühungen der IV nicht zum gewünschten Erfolg führen. Bisher ist kein Long-Covid-Fall bekannt, in dem bereits über eine Rente entschieden wurde.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker.

Viele melden sich erst spät an

Der Bund erwartet derzeit keine gröberen finanziellen Auswirkungen auf die IV. «Stand heute dürfte Long Covid nicht zu einer wesentlichen Mehrbelastung der IV führen», heisst es beim Bundesamt für Sozialversicherungen. Es melde sich «nur ein sehr kleiner Teil der Betroffenen» bei der IV.

Die grosse Frage ist: Bleibt das so?

Christian Salzmann von der Patientenorganisation Long Covid Schweiz geht davon aus, dass die Anmeldungen bei der IV noch zunehmen werden. «Sehr viele haben sich noch nicht angemeldet, weil sie hoffen, dass die Symptome sich wieder bessern», sagt er. Und manchen fehle schlicht die Energie für diesen Schritt - zumal es finanziell nicht nötig erscheint. Er sagt:

«Viele sind einfach froh, wenn sie das Krankentaggeld erhalten, und kümmern sich nicht weiter darum.»

Das Krankentaggeld wird in der Regel während zwei Jahren ausbezahlt. Diese Frist wird erst in den nächsten Monaten allmählich bei immer mehr Long-Covid-Patienten ablaufen.

Wer sich zu spät meldet, erhält weniger

Auch Andreas Dummermuth, Leiter der Ausgleichskasse und IV-Stelle Schwyz, erwartet, dass die Zahl der IV-Anmeldungen noch steigen wird – nicht nur wegen der aktuell hohen Fallzahlen:

«Es ist eine Erfahrung, dass sich Personen mit schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen meist erst nach vielen Monaten der Arbeitsunfähigkeit bei der IV-Stelle anmelden.»

Dabei wäre es laut Experten wichtig, sich frühzeitig bei der IV anzumelden. Denn diese zahlt frühestens sechs Monate nach der Anmeldung erste Renten. Zudem unterstützt sie Betroffene, damit diese ihren Job behalten oder zurück in den Arbeitsmarkt finden können. Salzmann von Long Covid Schweiz sagt: «Viele wissen nicht, dass es Lücken bei der IV geben könnte, wenn sie sich zu spät anmelden.» Er selbst hat sich angemeldet und kann inzwischen wieder 40 Prozent arbeiten.

Michael Schlunegger ist Präsident des Vereins Altea Long Covid Network. Er sagt, eine Schwierigkeit bei Long Covid sei, dass die Symptome sehr unterschiedlich seien. Und noch immer hätten viele die Krankheit nicht auf dem Radar, auch Ärzte nicht. Dadurch könne es lange dauern, bis die richtige Diagnose gestellt wird. «Viele Betroffene sagen, dass sie sich nicht ernst genommen fühlen.»

Rente erhalten – aber offiziell nicht wegen Long Covid

Anwalt Marco Chevalier hat schon Klienten beraten, die sich wegen Long Covid bei der IV anmeldeten. Die meisten seien erst im Abklärungsverfahren, sagt er. Er kenne aber Einzelfälle, in denen Personen ihre Beschwerden auf Long Covid zurückführten, die IV-Gutachter den Begriff jedoch kaum gebraucht und andere Diagnosen gestellt hätten, die zur Rente führten. In anderen Worten: In Einzelfällen haben Long-Covid-Patienten und -Patientinnen eine IV-Rente erhalten – jedoch nicht mit dieser Diagnose. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Wie Coronavirus-Quarantäne mit Kindern ist – in 21 Bildern

1 / 21
Wie Coronavirus-Quarantäne mit Kindern ist – in 21 Bildern
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

«Fuul Haus» – Die neue Sitcom in Pandemie-Zeiten

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

103 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Bitsundbites
21.01.2022 20:38registriert Juli 2019
Na dann mal allen viel Glück. Und macht euch schon mal au die Suche nach juristischer Begleitung und Beratung und einen langen Atem ohne diesen geht heute bei der IV leider (oft) nichts mehr.
15732
Melden
Zum Kommentar
avatar
Maya Eldorado
21.01.2022 21:09registriert Januar 2014
Ich hab long covid. Aber mit 74 Jahren brauche ich keine IV. Muss ja sowieso nicht mehr arbeiten.
9022
Melden
Zum Kommentar
avatar
Hadock50
21.01.2022 20:13registriert Juli 2020
Laut Studien haben rund 20 Prozent der Erwachsenen nach einer Covid-Infektion Langzeitfolgen vs. 1775 Anmeldungen
..
Wenn schon 1.7 Millionen Covid hatten, dann sind 20 % 340'000! ...und 1775 die sich gemeldet haben sind dann 0.5 %
Was ist unter Langzeitfolgen zu verstehen ?
Beeinträchtigungen die aber nicht so stark sind, dass man reduziert arbeiten kann ?
8232
Melden
Zum Kommentar
103
Auf dieses Netzwerk zählt die SRG im Kampf gegen die 200-Franken-Initiative
Interne und externe PR-Berater und eine Allianz, die Exponenten der FDP einbindet, sollen der SRG helfen, die Halbierungsinitiative der SVP abzuwehren.

Die SRG sieht sich bedroht. 2018 fiel die «No-Billag-Initiative» an den Urnen klar durch – nun bereitet die SVP eine Volksinitiative vor, die eine Senkung der Haushaltabgabe von 335 auf 200 Franken vorsieht. Ein Ja würde ein Abwrackprogramm bedeuten, sagt man in der SRG. Die Existenz des Service public in Radio und Fernsehen stehe auf dem Spiel.

Zur Story