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Crans-Montana: So schildern Jacques und Jessica Moretti die Brandnacht

The owners of the bar in Crans-Montana, where the deadly fire happened on New Year's Day, Jacques, left, and Jessica Moretti from France, arrive to be auditioned by the Valais public prosecutor&# ...
Ein Medienbericht zeigt auf, wie das Betreiber-Paar der Bar Le Constellation die Silvesternacht erlebt hat.Bild: keystone

«Tragödie meines Lebens»: So schildern die Morettis die Nacht der Brandkatastrophe

In den Stunden nach dem Brand im Constellation in Crans-Montana befragte die Polizei die beiden Betreiber der Bar, Jacques und Jessica Moretti. Die Aussagen des Betreiber-Paars enthüllen weitere Details der Silvesternacht.
10.01.2026, 17:3710.01.2026, 18:13

Die Polizei befragte das Betreiber-Paar noch in der Nacht der Brandkatastrophe zum Geschehen – und zwar getrennt voneinander. Das berichtet BFMTV. Zu Beginn der Befragung waren erst rund zehn Stunden vergangen.

Jacques Moretti erwähnt zunächst eines der Opfer: seine Schwiegertochter, die 24-jährige Kellnerin Cyane P.

«Ihr Freund und ich haben mehr als eine Stunde lang versucht, sie draussen auf der Strasse zu reanimieren, bis uns die Rettungskräfte sagten, dass es zu spät sei», schildert Moretti.

Morettis Frau erwähnt P. ebenfalls – sie sei wie ihre kleine Schwester gewesen.

«Sie hatte Weihnachten mit uns verbracht. Ich bin am Boden zerstört», so Jessica Moretti.

Der Abend sei anfangs weniger turbulent gewesen als die vorherigen. Jessica Moretti kommt um 22.30 Uhr im Lokal an. Ihr Mann befindet sich zu diesem Zeitpunkt in einem anderen Lokal in der Nähe, das ebenfalls ihnen gehört. Um Mitternacht seien erst wenige Menschen dagewesen, erzählt die Barbetreiberin. Nach und nach füllt sich das Constellation, ihrer Aussage nach sind knapp hundert Gäste vor Ort. «Ich sagte gerade zu Cyane, dass wir Leute hereinholen müssten, damit Stimmung aufkommt.»

Später spürt sie laut eigenen Angaben Bewegung in der Menge. «Ich sah ein oranges Licht in der Ecke der Bar. Ich habe sofort geschrien: ‹Alle raus!›», schildert Jessica Moretti. Nachdem sie die Bar verlassen habe, wählt sie um 1.28 Uhr den Notruf. Ausserdem habe sie Sicherheitsmitarbeiter informiert, alle Gäste hinauszuschicken.

Jacques Moretti erhält kurz danach einen Anruf von seiner Frau, die ihm mitteilt, dass es brennt. Der Anruf dauert nur elf Sekunden. «Er sagte mir sofort, dass er zu mir kommen würde.»

Der Besitzer schildert seine Ankunft vor Ort:

«Ich kam auf die Aussenterrasse. Alle Fensterfronten waren geöffnet. (...) Es waren viele Menschen da.»

Er habe versucht, ins Innere zu gelangen, was aufgrund des vielen Rauchs «unmöglich» gewesen sei. Stattdessen geht er um das Gebäude herum zur Servicetür. Diese sei, anders als sonst, von innen verschlossen gewesen. Zusammen mit zwei weiteren Personen habe er die Tür aufgebrochen. Sie habe nach wenigen Sekunden nachgegeben.

Als sich die Tür öffnet, liegen mehrere Menschen reglos am Boden. Auch Cyane P. gehört dazu.

«Wir haben sie nach draussen gezogen, in die stabile Seitenlage gebracht und mit Wiederbelebungsmassnahmen begonnen», sagt Moretti unter starken Emotionen.

Mehr als eine Stunde lang habe man versucht, mehrere Opfer zu retten.

Als die Feuerwehr bereits im Einsatz ist und die Zahl der Verletzten und Toten weiter steigt, bittet Jacques Moretti seine Frau, den Ort zu verlassen. Sie habe eine leichte Verletzung am Arm erlitten und solle nach Hause fahren, um sich um die Kinder zu kümmern.

«Ich wollte nicht, dass sie diese Tragödie mit ansehen muss.»

Jessica Moretti kommt der Aufforderung nach. Später schildert sie den Ermittlern, sie sei zu Hause in Panik gewesen, wie in einem Ausnahmezustand. Ihr Körper habe nicht mehr mitgemacht. Ihr Mann bleibt die ganze Nacht vor Ort.

Bereits bei dieser ersten Befragung nehmen die Ermittler die Sicherheitsvorkehrungen des Lokals unter die Lupe. Das Constellation wurde 2015 übernommen und laut Jacques Moretti komplett renoviert. Boden, Mobiliar und Bar seien erneuert worden, ebenso der Schaumstoff an der Decke des Untergeschosses. Elektrik und Lüftung seien von externen Firmen installiert worden. Das Lokal verfüge über einen Haupteingang sowie einen Notausgang, beide gekennzeichnet. In den vergangenen zehn Jahren habe es zwei bis drei Brandschutzkontrollen gegeben, ohne Beanstandungen oder Auflagen. Feuerlöscher seien vorhanden gewesen, eine automatische Sprinkleranlage jedoch nicht.

Auf Nachfrage geben die Betreiber zudem an, dass die Mitarbeitenden nicht speziell für den Umgang mit Brandereignissen geschult gewesen seien. Auch die Bengalfeuer, die letztlich den Brand ausgelöst haben sollen, sind Thema der Befragung. Diese seien bei besonderen Anlässen wie Geburtstagen üblich gewesen und hätten bislang nie Probleme verursacht. Die funkelnden Kerzen würden nur kurz verwendet und ausschliesslich vom Personal getragen, erklären Jacques und Jessica Moretti. Gäste hätten sie nie selbst in der Hand gehalten. Nach dem Erlöschen seien sie jeweils in ein Glas Wasser gelegt worden.

Dass Kellnerinnen dabei auf die Schultern von Kollegen stiegen und sich so der mit Schaumstoff verkleideten Decke näherten, sei zwar schon vorgekommen, aber keine feste Praxis gewesen.

«Ich habe es nie angeordnet, aber auch nie verboten», sagt Jessica Moretti.

Kritische Fragen stellen die Ermittler auch zum Alter der Gäste. Die Betreiber geben an, dass Personen unter 16 Jahren keinen Zutritt hätten und 16- bis 18-Jährige nur in Begleitung eines Erwachsenen eingelassen würden. Gleichzeitig räumt Jacques Moretti ein, dass es trotz Kontrollen zu Fehlfällen kommen könne, etwa durch gefälschte Ausweise. In der Brandnacht waren jedoch zahlreiche Minderjährige im Lokal, darunter auch unter 16-Jährige. Mehrere von ihnen gehörten zu den Todesopfern.

«Ich fühle mich verantwortlich, nicht alle geschützt zu haben», sagt Jacques Moretti.
«Es ist die Tragödie meines Lebens», erklärt seine Frau.

Beide wurden inzwischen wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Brandstiftung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Die Ermittlungen dauern an. (hkl/mke)

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