Sicherheitschef von Crans-Montana schiebt 6-jährige Kontrolllücke auf IT-Problem
Der aktuelle Sicherheitsverantwortliche der Gemeinde Crans-Montana, Georges T., wurde am Freitag in Sitten vom Staatsanwalt angehört. Im Zentrum der Befragung stand unter anderem die Tatsache, dass der Betrieb «Le Constellation» zwischen 2019 und 2025 beziehungsweise 2026 nicht kontrolliert worden war.
Laut Georges T. sei diese mehrjährige Lücke auf Probleme bei der Umstellung des IT-Systems zurückzuführen. Die eingesetzte Software zur Verwaltung der Sicherheitskontrollen sei erneuert worden, was zu Verzögerungen bei der Aktualisierung der Kontrolldateien geführt habe. Dadurch seien mehrere Betriebe, darunter auch die Unglücksbar, über Jahre hinweg nicht überprüft worden.
Keine Brandschutzzertifizierung
Während der Anhörung wurde auch die Qualifikation des Sicherheitsverantwortlichen thematisiert. Wie das italienische Medium Rai News berichtet, verfügt Georges T. über eine Zertifizierung im Bereich Gesundheit und Sicherheit, jedoch nicht über eine spezifische Brandschutzzertifizierung.
Ob eine solche Qualifikation für seine Funktion zwingend erforderlich gewesen wäre, ist derzeit noch unklar. Die zuständigen Behörden prüfen diese Frage im Rahmen der laufenden Ermittlungen. Im Zuge der Einvernahme wurde zudem das Mobiltelefon von Georges T. durch die Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, um mögliche relevante Daten auszuwerten.
Betreiber zeigen sich erschüttert
An der Anhörung nahm auch Jacques Moretti teil, Miteigentümer der Bar Le Constellation. Bei seiner Ankunft zeigte er sich sichtlich betroffen. «Wir sind am Boden zerstört», sagte Moretti gegenüber Medien. Zuvor hatte er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP betont, dass kein Tag vergehe, an dem er und seine Familie nicht an die Opfer denken würden. «Wir denken keinen einzigen Augenblick nicht an die Opfer», sagte er.
Streit um geschlossene Servicetür
Bereits am Donnerstag war Jean-Marc G. einvernommen worden, der von den Betreibern als eine Art Adoptivsohn bezeichnet wird. Im Fokus stand dabei eine während des Brandes geschlossene Servicetür, die möglicherweise als Fluchtweg hätte dienen können.
Zu diesem Punkt gibt es widersprüchliche Aussagen. Jacques Moretti erklärte, ein Angestellter habe zugegeben, die Tür geschlossen zu haben. Ein anderer Mitarbeiter hingegen sagte aus, die Tür sei bereits geschlossen gewesen. Jean-Marc G. habe bei seiner Anhörung eher die Version des Besitzers gestützt, wie der französische Sender BFMTV berichtet.
Ermittlungen laufen weiter
Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin zu den genauen Umständen des Brandes sowie zu möglichen Verantwortlichkeiten auf Seiten der Betreiber und der Behörden. Im Zentrum stehen dabei die Frage nach versäumten Kontrollen, organisatorischen Mängeln und der Rolle der Gemeindeverantwortlichen. (sda/AFP/Agenturen)
