Was uns die Handys der Morettis verraten könnten
Smartphones spielten eine zentrale Rolle bei der Tragödie von Crans-Montana. In den Händen der Opfer hielten sie die letzten Bilder aus Le Constellation fest, lieferten Hinweise auf die Brandursache und ermöglichten es der Welt, das Ausmass der Katastrophe zu begreifen.
Diese Geräte könnten sich nun als unschätzbar wertvoll für die Ermittlungen erweisen – sowohl jene der Opfer als auch jene der Beschuldigten. Im Fall der Barbesitzer Jacques und Jessica Moretti wurde kürzlich bekannt, dass sie ihre Handys nach ihrer ersten Befragung im Anschluss an den Brand mitnehmen durften.
Erst acht Tage später wurden sie beschlagnahmt. Eine Verzögerung, die viele erstaunte und wütende Reaktionen auslöste.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Mögliche «Abhörung»
Im Studio der RTS-Sendung «Forum» kommentierte der Neuenburger Staatsanwalt Nicolas Feuz die Entscheidung seiner Walliser Kollegen. «Es gibt verschiedene Vorgehensweisen», erklärte er vorsichtig.
Und fügte hinzu:
Der Richter erwähnte auch die Möglichkeit einer «Telefonabhörung», die zu den «Strategien» der Ermittler gehöre. Er wies ferner auf die Existenz spezialisierter Dienste der Polizei hin, die in der Lage seien, gelöschte Daten auf dem Telefon wiederherzustellen.
Eine «entscheidende Frage»
Hannes Spichiger, Dozent für digitale Forensik an der Hochschule Luzern, bestätigte diese Möglichkeit gegenüber der Sendung «24 heures»:
Es bleibt abzuwarten, was die Analyse der Geräte des Ehepaars Moretti ergeben wird. Spichiger erklärte gegenüber «24 heures», dass die wichtigsten Daten bei Ermittlungen oft jene über «Bewegung und Aufenthaltsort» seien, die in der Regel präziser seien als «traditionelle Beweismittel wie DNA oder Fingerabdrücke».
Im Fall von Crans-Montana könnten diese Informationen jedoch weniger entscheidend sein, da der Aufenthaltsort der Morettis zum Zeitpunkt des Brandes «bekannt und unbestritten» ist. Für die Eigentümer des Le Constellation könnten ihre privaten Nachrichten von entscheidender Bedeutung sein.
Zur Erinnerung: Jacques und Jessica Moretti werden fahrlässige Brandstiftung, Körperverletzung und Totschlag vorgeworfen. Für beide gilt die Unschuldsvermutung. (jzs)
