DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Thomas Archer-Mills

Thomas J. Mace Archer-Mills gibt dem SRF während der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle Insights ins Königshaus. In Wahrheit heisst er Thomas Muscatello, stammt aus New York und lebt in Vermont.

Von wegen britischer Royal-Spezialist: SRF-Experte ist in Wirklichkeit Tommy aus den USA

Wie viele andere Medien haben auch die SRF-Infoflaggschiffe den Vorsitzenden der britischen Monarchisten-Vereinigung, Thomas J. Mace Archer-Mills, als Royals-Experte gefeatured. Doch der ist nicht, wer er vorgibt zu sein. 



Rund um die Vermählung der US-Schauspielerin Meghan Markle mit dem britischen Prinzen Harry war er ein gefragter Mann: Thomas J. Mace Archer-Mills, als Vorsitzender der British Monarchist Foundation ausgewiesener Royals-Spezialist und -experte. 

Gegenüber einem norwegischen TV-Sender mahnte er an, dass Markle sich zurücknehmen und sicherstellen müsse, «dass die Traditionen und Werte, die wir als britisches Volk haben, immer im Vordergrund stehen». Im Interview mit einem US-Sender riet er Markle aus der Ferne, «keine Mitglieder des Königshauses gegen sich aufzubringen». Adrett und very british gekleidet gab er entlang der Route der Kutschenfahrt des Brautpaares den Royal-Experten und gab Interview um Interview, Einschätzung um Einschätzung.

«Das tun wir hier nicht, wir machen die Dinge ruhig und mit Würde.»

Thomas J. Mace Archer-Mills Tommy aus den USA

Auch SRF holte Thomas J. Mace Archer-Mills anlässlich der Royals-Hochzeit vor die Kamera, denn er ist immer gut für ein knackiges Quote und liebt Markle-Bashing.

Zwei Tage vor der Hochzeit sagte er gegenüber «10vor10»: «Sie muss noch lernen, den Mund zu halten. Sie ist eine selbsternannte Feministin. Das tun wir hier nicht, wir machen die Dinge ruhig und mit Würde.» Das Quote geht seit gestern Abend durch die Weltmedien. Aus unerfreulichem Grund. 

abspielen

Video: streamable

Denn Archer-Mills Einschätzungen sind bei SRF beliebt. Bereits anlässlich des 70. Hochzeitstages der Queen vergangenen Dezember und weiteren Gelegenheiten gab Archer-Mills der «Tagesschau» des SRF seine Einschätzung zur Lage des Königshauses und der Nation zum Besten. 

abspielen

Video: streamable

Das sagt SRF zum Fake-Royal-Experten

Bei SRF ist man not amused über den Royal-Hochstapler: «Wir ärgern uns sehr, dass wir diese Person für einen Experten gehalten haben», sagt SRF-Sprecher Stefan Wyss.  Dieser sei sehr professionell und mit einem grossen Wissen aufgetreten und habe weder bei SRF noch bei vielen anderen Medien einen Verdacht geweckt. 

Als Sofortmassnahme nimmt SRF alle online verfügbaren Beitrage zur Hochzeit von Harry und Meghan mit diesem «Experten» vom Netz. «Zudem werden wir auf unserer Website ein Korrigendum aufschalten.» (amü)

Wie Recherchen des «Wall Street Journal» (WSJ) nun zeigen, ist der britische Chefmonarchist Archer-Mills gar nicht der britische Chefmonarchist Archer Mills, sondern ein kommuner Amerikaner.

«God save the Queen!»

Er heisst  Thomas «Tommy» Muscatello, ist 38 Jahre alt und stammt aus Upstate New York, wo er nahe an der Grenze zu Vermont aufgewachsen ist. Mit den Recherchen des WSJ konfrontiert, weigerte sich Muscatello, seine Nationalität offenzulegen und gab stattdessen an, die britische Lebensweise schon von klein auf bewundert und verinnerlicht zu haben.

Er habe schon früh einen britischen Akzent angenommen, Konversationen mit Freunden konsequent mit dem Ausspruch «God save the Queen!» beendet und fühle sich seit jeher mehr als Brite denn als Amerikaner. 

Sein falscher Name setze sich aus verschiedenen Namensteilen von Freunden und Bekannten zusammen, ausserdem habe er eine Übereinkunft mit zwei älteren britischen Staatsbürgern, die er «Grossvater und Grossmutter» nennen dürfe. 

«Wenn sie herrschen, schenken sie nach»

Nebst dem Vorsitz seiner British Monarchist Foundation engagiert sich Muscatello auch sonst in der Wissensvermittlung rund um die Royals. So hat er auch ein Buch veröffentlicht über die Trinkgewohnheiten in Buckingham Palace mit dem Titel «Their Majesties’ Mixers – when they reign, they pour». Darüber hinaus bezeichnet sich Muscatello auch als Präsident des «Centre for British Royal Studies», dessen Publikationsliste sich laut WSJ auf von Muscatello selbst verfasste Biographien beschränkt.

Gegenüber dem Guardian beschwerte sich Muscatello über den journalistischen Vertrauensbruch des WSJ. Dieses habe ihn mit einer falschen Interview-Anfrage hintergangen und danach auch noch die Fakten falsch dargestellt. 

Muscatellos Vater hingegen bestätigte die Recherchen des WSJ: «Mein Sohn sagte zu mir: ‹Dad, eines Tages will ich nach England auswandern und Teil von allem werden, was dort abgeht.›» (thi)

Die Traumhochzeit von H&M 😍

1 / 41
Die Traumhochzeit von H&M 😍
quelle: epa/british ministry of defence / owen cooban / british ministry of defence / handout
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Prinz Harry sorgt für Lacher

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Ohne Rahmenabkommen droht der Schweiz eine «Stromlücke» im Winter

Das fehlende Stromabkommen mit der EU wird für die Schweiz immer mehr zum Problem. Es drohen Engpässe bei den Importen. In der hitzigen Debatte über das Rahmenabkommen aber ist dies so gut wie kein Thema.

Ohne Elektrizität geht in unserer modernen Welt gar nichts. Und die Nachfrage wird durch Digitalisierung und Elektromobilität weiter zunehmen. Die Schweiz deckt ihren Strombedarf mit Wasserkraft und AKW sowie einem wachsenden Anteil an erneuerbaren Energien. Im Winter aber ist sie auf Importe aus der Europäischen Union angewiesen.

Dies war lange kein Problem. Die Schweiz ist eine wichtige Stromdrehscheibe in Europa. Mit dem so genannten «Stern von Laufenburg» im Aargau schlug 1958 die …

Artikel lesen
Link zum Artikel