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Glarner blamiert sich mit Tweet über Tesla und die Weihnachtsbeleuchtung

Die Weihnachtsbeleuchtung «Lucy» an der Zürcher Bahnhofstrasse.
Die Weihnachtsbeleuchtung «Lucy» an der Zürcher Bahnhofstrasse.Bild: KEYSTONE/@technikblog_ch

SVP-Glarner setzt sich mit Tweet über Tesla und die Weihnachtsbeleuchtung in die Nesseln

05.09.2022, 11:3706.09.2022, 15:36

SVP-Nationalrat Andreas Glarner versucht sich als Energiepolitiker: Auf Twitter rechnete er am Sonntag vor, dass ein einziger Tesla auf 100 Kilometer «fünfmal mehr Energie als die Weihnachtsbeleuchtung ‹Lucy› an der Bahnhofstrasse während den ganzen 6 Wochen!» verbrauche.

Glarners Vergleich ist natürlich Unfug, wie zahlreiche Twitter-User umgehend bemerkten.

Die Weihnachtsbeleuchtung Lucy hat eine Anschlussleistung von gerade mal rund 3 kW (weniger als 2 Staubsauger).
Die Weihnachtsbeleuchtung Lucy hat eine Anschlussleistung von gerade mal rund 3 kW (weniger als 2 Staubsauger).screenshot: twitter/@erich_marti

Die gut ein Kilometer lange Weihnachtsbeleuchtung Lucy an der Zürcher Bahnhofstrasse verbraucht laut Hersteller pro Saison, respektive in sechs Wochen, rund 1260 Kilowattstunden (kWh). Zum Vergleich: Angenommen ein Tesla verbraucht rund 18,5 kWh auf 100 Kilometer (abhängig vom Modell und Fahrprofil), käme das Elektroauto rund 7000 Kilometer weit.

Anders gesagt:

Sechs Stunden Weihnachtsbeleuchtung Lucy entsprechen ungefähr 100 Kilometer mit dem Tesla.
Sechs Stunden Weihnachtsbeleuchtung Lucy entsprechen ungefähr 100 Kilometer mit dem Tesla.screenshot: twitter/@andreas_glarner

Glarner bezieht sich bei seiner Rechnung auf die Webseite der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse. Dort steht zu Lucy: «3000 Watt durchschnittlicher Verbrauch elektrischer Leistung im Normalbetrieb pro Stunde».

Das Problem: Der Politiker hat anscheinend den Unterschied zwischen Leistung (Watt) und Energie (Kilowattstunde) nicht verstanden. Die Kilowattstunde ist eine Einheit für Energie. Sie ist abhängig von der Leistung (Watt) und der Zeit. Glücklicherweise springt die Twitter-Community ein und klärt umgehend auf:

Glarner hat seinen Tweet trotz der falschen Behauptung bislang nicht gelöscht.

Übrigens: Die 1260 kWh Strom für 42 Tage Weihnachtsbeleuchtung an der Bahnhofstrasse oder 7000 Kilometer mit dem Elektroauto verbraucht die Flutlichtanlage im Stadion Letzigrund während eines Fussballspiels. Zumindest mit der Aussage, dass das Abschalten von Lucy Symbolpolitik wäre, liegt Glarner also nicht komplett daneben (zur Einordnung: In der Schweiz hat ein typischer Zwei­per­so­nen­haus­halt einen Stromverbrauch von 2000 bis 3000 kWh/Jahr.)

Eine Weihnachtsbeleuchtung fällt also nicht ins Gewicht, aber bekanntlich gibt es zig Tausende davon.

Watt? Kilowattstunde?
Die Kilowattstunde ist eine Einheit für Energie. Sie ist abhängig von der Leistung (Watt) und der Zeit (Stunden). Kilo steht für 1000.

Ein Beispiel: Ein professioneller Föhn verfügt über eine Leistung von 2000 Watt – oder eben über 2 Kilowatt. Lassen wir ihn eine halbe Stunde in Betrieb, benötigt das eine Kilowattstunde (2*0.5= 1) Energie.

Hätte Andreas Glarner das grosse Strom-Einmaleins gelesen, wäre dies nicht passiert 👇

(oli)

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Adolf Ogi wollte bereits 1989 Strom sparen – das SRF machte sich über ihn lustig

Video: watson

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289 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sapperlot!
05.09.2022 11:45registriert Januar 2016
Das schönste an Populisten ist ja, dass sie sich regelmässig selbst deklassieren, weniger schön ist, dass es ihre Wähler nicht merken.
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jangoB
05.09.2022 12:01registriert Januar 2015
Er ist nicht die hellste LED in der Lichterkette.
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Büezerbueb (der echte)
05.09.2022 11:46registriert März 2020
Würde Glarner Watson lesen, hätte er dies wissen können.
Aber der Inhalt spielt bei Glarners Fans keine Rolle, Hauptsache herumpoltern.
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