Christian Ulmen drehte Serie, die Ähnlichkeiten mit aktuellen Vorwürfen gegen ihn hat
Der Schauspieler und Regisseur Christian Ulmen hat im Herbst 2025 eine Comedyserie auf Mallorca gedreht. Darüber berichtet die «Zeit», der Drehbücher vorliegen. In der Serie geht es um den 18-jährigen Lasse, der seiner Freundin ein Geheimnis gesteht: Er habe Bilder von ihr in Sex-Chatforen gepostet. Es habe ihn angemacht, wie andere Männer über ihren Körper schrieben.
Die Handlung weist erstaunliche Ähnlichkeiten zu den Vorwürfen auf, die Ulmens Ex-Frau Collien Fernandes gegen ihn erhoben hat. Die Moderatorin gab an, Ulmen habe über Jahre hinweg Fakeprofile unter ihrem Namen betrieben. Dabei seien im beruflichen Umfeld manipulierte Nacktfotos und Sexvideos (Deepfakes) versendet worden.
Die Serie mit dem Arbeitstitel «The Au Pair» wurde für den ProSiebenSat.1-Streamer Joyn produziert. Der Sender gab nach den Vorwürfen jedoch bekannt, dass es bis auf Weiteres nicht zu einer Ausstrahlung komme.
Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten war Ulmen nicht mehr mit Fernandes zusammen. Er soll ihr im Dezember 2024 gebeichtet haben, Profile von ihr auf Social Media erstellt und mit Männern gechattet zu haben.
Im Artikel der «Zeit» wird die Frage gestellt, ob man aus einem Werk Rückschlüsse auf seinen Autor und auf seine Persönlichkeit ziehen könne. Die Journalistinnen kommen zum Schluss: Spielt ein Künstler wie Christian Ulmen in seinen Comedy-Serien bewusst mit den Grenzen zwischen Fiktion und Realität, betont in Interviews, er inszeniere sein eigenes Leben, und setzt dabei gezielt auf Tabubrüche, erscheint ein genauer Blick auf sein Werk naheliegend – auch wenn daraus keine Rückschlüsse auf die Vorwürfe möglich sind.
Aus den Drehbüchern zitiert hat die «Zeit» nicht. Sie sind durch das Urheberrecht geschützt, da die Serie noch nicht veröffentlicht wurde. Wenn man darin lese, dränge sich jedoch «die Vermutung auf, Ulmen habe in einigen Szenen recht unmittelbar das verarbeitet, was ihm seine Ex-Frau heute vorwirft», heisst es in der Zeitung. In der ganzen Serie drehe sich viel um Sex und perverse Fantasien.
Die künstlerische Verantwortung für die Serie habe in Ulmens Hand gelegen. Er habe die Drehbücher geschrieben, die Regie übernommen, die Hauptrolle gespielt – den Vater des 18-Jährigen – und die Verantwortung für den Schnitt getragen.
Die «Zeit» hat mit einigen Personen gesprochen, die an der Serie beteiligt waren. Sie seien schockiert über die Parallelen. Einige hätten gesagt, dass sie an nichts anderes mehr denken könnten. Sie würden sich wundern, dass man Ulmen beim Dreh im Herbst nichts angemerkt habe.
Beim Lesen vieler Szenen in «The Au Pair» könne der Eindruck entstehen, wie schon bei der Serie «Jerks» verschwämmen die Grenzen zwischen Figuren und realem Leben. So sage etwa eine Psychologin in der Serie zur Hauptfigur, gespielt von Ulmen, Teile seines Gehirns könnten Realität und Fantasie nicht trennen. Und in Episode Acht gestehe die Hauptfigur seiner Frau, ein pathologischer Lügner zu sein.
Christian Ulmen hat sich bislang nicht selbst zu den Vorwürfen gegen ihn geäussert. (hkl)
