Schweiz
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Banken, Post, SBB und Swisscom wollen die künftige E-ID gemeinsam herausgeben. Bild: digitaler-pass.ch

Sollen private Firmen die neue E-ID herausgeben? 87% (!) der Schweizer sind dagegen

Der Bundesrat plant einen Systemwechsel: Private Unternehmen sollen den digitalen Pass (E-ID) herausgeben. Bei den Stimmberechtigten kommt das ganz schlecht an. In einer Umfrage unterstützen nur gerade zwei Prozent diese Lösung.



Die überwiegende Mehrheit von 87 Prozent der Befragten wünscht sich, dass der Staat für die Ausgabe der elektronischen Identifizierung (E-ID) zuständig ist. Nur gerade zwei Prozent möchten die geplante E-ID von privaten Unternehmen wie Banken, Post, SBB und Swisscom ausgestellt erhalten. Sieben Prozent spielt es keine Rolle, ob Staat oder Private diese Aufgabe übernehmen, und fünf Prozent machten keine Angabe. Das teilte eine Allianz, zu der die drei grossen Schweizer Konsumentenschutz-Organisationen und die Digitale Gesellschaft gehören, am Montag mit.

Gemäss den Umfrageergebnissen ist die Zustimmung zu einer staatlichen Lösung bei der «Generation Smartphone» besonders gross. Die Befragten zwischen 18 und 34 Jahren sprachen sich mit 90 Prozent am deutlichsten dafür aus, dass der Staat die E-ID ausstellt. 75 Prozent vertrauen beim Datenschutz dem Staat mehr als privaten Unternehmen.

Was ist die E-ID?

Mit einem Reisepass oder einer Identitätskarte (ID) kann eine Person ihre Identität im Alltag beweisen. Im Internet ist dieser Beweis derzeit nur sehr umständlich zu erbringen. Die elektronische Identität (E-ID) ist quasi ein digitaler Pass, der die Identifikation auch im Netz ermöglichen soll: Die Webseite digitaler-pass.ch erklärt dies so: «Die NutzerInnen einer E-ID sollen bei E-Government-Angeboten, beim Online-Shopping und weiteren Online-Dienstleistungen wie Versicherungen eindeutig Identifizierbar sein. Damit sollen Risiken wie Identitätsklau und Manipulationen im Netz verunmöglicht werden. Besonders bei sensiblen Vorgängen wie Gesundheitsdaten, bei Abstimmungen und Wahlen im Netz, der E-Steuerrechnung und im Online-Banking würde die E-ID eine zentrale Rolle spielen.» Im Vergleich mit anderen Staaten sei die Schweiz in Sachen elektronischer Identität in den letzten Jahren in Rückstand geraten. (oli)

43 Prozent wollen E-ID

Die Umfrage zeigt auch, dass eine Nachfrage nach einer E-ID besteht. 43 Prozent der Befragten würden in den nächsten drei Jahren eine solche beziehen. Für 39 Prozent besteht hingegen noch keine Notwendigkeit. Als wichtigste Anwendungsgebiete werden E-Government und die politischen Rechte genannt, gefolgt von Online-Banking und Einkäufen im Internet.

Die Allianz sieht sich durch die Umfrageergebnisse in ihrer Kritik bestätigt. Die Sicherung der Identität sei immer schon eine zentrale Staatsaufgabe gewesen, schreibt sie. Wenn sich das vom Nationalrat beschlossene Konzept auch im Ständerat durchsetze, werde der Staat aber keine E-ID herausgeben. Unternehmen wie UBS, Crédit Suisse, Post, SBB und Swisscom erhielten grosse Freiheiten in der Speicherung und Verwendung privater Daten.

Umfrage

Wer soll die E-ID herausgeben?

  • Abstimmen

1,301

  • Der Staat95%
  • Private Unternehmen3%
  • Ich bin noch unschlüssig2%

Konsumentenschützer drohen mit Referendum

Der Ständerat diskutiert in der Sommersession über das E-ID-Gesetz. Vorgesehen ist, dass der Bund die Identität einer Person prüft und bestätigt. Herausgegeben würde die E-ID von privaten Anbietern, sogenannten Identity Providern (IdP). Diese würden vom Bund überwacht.

Im Nationalrat ist dieses vom Bundesrat ausgearbeitete Konzept auf grosse Zustimmung gestossen. In der Ständeratskommission ist die Skepsis grösser. Diese sprach sich nur knapp dagegen aus, das Gesetz zur Überarbeitung an den Bundesrat zurückzuweisen. Die Umfrageergebnisse lassen die Lösung jedoch wenig tragfähig erscheinen. Die Gegner haben bereits mit dem Referendum gedroht.

Die repräsentative Umfrage ist vom Marktforschungsinstitut Demoscope durchgeführt worden. Befragt wurden 973 Stimmberechtigte. Auftraggeber ist der Verein PublicBeta, der wie die Plattform WeCollect zur gegnerischen Allianz gehört.

Die Ergebnisse als Zusammenfassung (PDF)

Die Ergebnisse der Umfrage im Detail (PDF).

Update: Im Original-Artikel hiess es, dass 98 Prozent die Herausgabe der E-ID durch private Firmen ablehnen. Das ist falsch. 87 Prozent lehnen dies ab. Nur zwei Prozent hingegen sprechen sich ausdrücklich für Private als Herausgeber aus.

(oli/sda)

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28
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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • speedy_86 28.05.2019 13:14
    Highlight Highlight Spanien hat eine eID in der regulären ID drin. Mit dem entsprechenden Lesegerät kann bei verschiedenen (mehrheitlich staatlichen) Portalen eingeloggt, elektronisch unterschrieben wie auch mit verschiedenen Android-Apps verwendet (Gemeindeverwaltung, Sozialversicherung, Rentenbescheinigungen, Grundbuchamt) werden.

    Warum das in der Schweiz nicht klappt...I don't know.
    • speedy_86 28.05.2019 13:21
      Highlight Highlight Hab ich vergessen: Android-App Login läuft per NFC...

      Ich bin bei der Sicherheit zwar skeptisch, aber wenn schon dann eher in diese Richtung...
  • marchinon 28.05.2019 11:48
    Highlight Highlight Weshalb schaut man nicht einmal dorthin, wo bereits eine eID von Privaten und Staat herausgegeben wird? Z.B. im Kanton Schaffhausen? Dann könnte man ev. auch etwas differenzierter zur Meinungsbildung beitragen, ansonsten bleibt das Konstrukt eID für viele nur eine Blackbox, über die der Staat die Kontrolle haben soll. Wenn aber die Daten nur beim User sind, und nirgendwo sonst, macht eine Schaffhauser-Lösung durchaus Sinn.
  • El Vals del Obrero 28.05.2019 08:44
    Highlight Highlight Bei der Umfrage fehlt die Antwortmöglichkeit "Niemand".
  • n3utrino 27.05.2019 19:31
    Highlight Highlight Man merkt, dass bei diesem Thema noch viel Aufklärung betrieben werden muss.

    Viel Halbwissen in den Kommentaren.
  • wolge 27.05.2019 16:32
    Highlight Highlight Habe mir die SwissID (E-ID) zugelegt. Soweit so gut. Was mir jedoch nicht passt ist, dass ich nicht auswählen kann welche Daten der Gegenpartei zur Verfügung gestellt werden.

    Logge ich mich das erste mal mit der SwissID bei einem Portal ein, werde ich nur darüber informiert welche Daten der Service anfordert/erhält. Ich kann nur akzeptieren oder verzichten. Hier will ich zu jedem einzelnen Feld selber entscheiden können was die Gegenpartei erhält.

    Alles andere ist schlicht nicht Kundenzentriert und Datenschutzfreundlich.
  • wolge 27.05.2019 16:27
    Highlight Highlight Hoffentlich gibt es endlich bald mal die E-ID insbesondere für Kontoeröffnungen und dergleichen. Habe absolut keine Lust jedes mal an einen Schalter zu rennen und je nach dem 20.- hin zu legen, nur um meine Identität bestätigen zu lassen.

    Der Bund eiert nun schon seit Jahren rum. Macht mal vorwärts!
    • Ueli der Knecht 27.05.2019 23:43
      Highlight Highlight Bei PostFinance geht das über die Handy-Kamera, ohne dass du zum Schalter rennen musst. Oder bei Revolut geht's noch einfacher. Die haben gar keine Schalter. Eine E-ID braucht's bei beiden nicht.
  • radical 27.05.2019 15:34
    Highlight Highlight Das ist alles Panikmache und Volkshetze von der Linken. Der Bund wird eine e-ID nie auf die Beine stellen, hat es schon versucht, ist gescheitert. Angstmache wegen Daten, tja 80 % der Bevölkerung hat seine Daten bei FB und Google schon frei gegeben. Hört auf lasst die Unternehmungen vorwärts machen, der Bund wird hier 10 Jahre brauchen und viel Geld in den Sand setzten das ihr Steuerzahler wieder berappen müsst. Die Schweiz verkommt zur Insel - Drittweltland das es nicht schafft auf den digitalen Zug aufzuspringen.
  • mrmikech 27.05.2019 12:43
    Highlight Highlight Mietpreise: von private bestimmt. Krankenkasseprämien: von private bestimmt. Medikamentpreise: von private bestimmt. ID ausgabe: von private bestimmt. Was bringt direkte demokratie wann man als bürger auf die ganz wichtige sachen eh kein einfluss hat?
    • Ueli der Knecht 27.05.2019 23:46
      Highlight Highlight Man stimmt heutzutage nicht mehr an der Urne, sondern mit seinem Geld im Laden oder im Webshop ab. Und wer mehr Geld hat, der hat natürlich auch mehr Stimmengewicht.

      Direkte Demokratie? Vergiss es. Das ist doch nur Dekoration zur Beruhigung des VolCHs.

      Wir leben in einer feudal-plutokratischen Kleptokratie. Weltweit. Auch in der Schweiz. Da haben die Kleoptokraten aus der ganzen Welt ihre Beute gebunkert.
  • Bird of Prey 27.05.2019 12:28
    Highlight Highlight Nach Krankenkassen, Serafe die nächste staatliche Abzocke, extra erfunden von unseren Politikern für deren Lobby Freunde.
    • Göönk 27.05.2019 13:06
      Highlight Highlight Die Pensionskassen hast du vergessen. Mit Abstand die grösste Zwangsabgaben-Maschine zur Fütterung von Privaten Gewinnkonten!
    • Töfflifahrer 28.05.2019 11:47
      Highlight Highlight @Göönk: ... mit automatischem Ablaufdatum für den Job Markt, durch hohe Arbeitgeberbeiträge ab 50
  • Töfflifahrer 27.05.2019 12:19
    Highlight Highlight Wie die ID, Pass, Führerausweis ist auch eine E-ID durch den Staat auszustellen. An einfachsten immer zusammen mit der ID.
    Da haben private Anbieter nichts zu suchen.
  • inmi 27.05.2019 12:12
    Highlight Highlight Die Frage ist doch, wieso ist der Staat nicht mehr in der Lage, die eID herauszugeben und wie ändern wir das?
    • Töfflifahrer 27.05.2019 14:20
      Highlight Highlight In der Lage wären die schon, aber dann könnten die Privaten keine Überrissenen Gebühren verlangen.
  • leu84 27.05.2019 12:09
    Highlight Highlight Niemals! Gewisse Sachen sind Sache des Bunds. Analog ID oder dem Pass muss eine E-ID vom Staat organisiert werden.
  • Avenarius 27.05.2019 12:03
    Highlight Highlight Ganz sicher nicht. Der Reiz mit unseren Daten noch mehr Geld zu machen ist bei diesen Firmen real grösser.

    NEIN - NO - NIET - Nej !
  • Fritzeli 27.05.2019 11:44
    Highlight Highlight Es gibt mir schwer zu denken, wenn man sehen kann, dass 98% der Bevölkerung dagegen sind, jedoch eine Mehrheit des Nationalrats (welcher eigentlich ja Volksnah handeln sollte) sich dafür entscheidet.
    • Töfflifahrer 27.05.2019 12:20
      Highlight Highlight Der Nationalrat ist bürgerlich dominiert und alles andere als Volksnah.
    • Caturix 27.05.2019 13:28
      Highlight Highlight Und wenn es ein Abstimmung gibt wird es an irgend etwas anderem gebunden oder mit Arbeitsplatzverlus gedroht. So stimmen die Schäfchen schön ja.
    • Dominik Treier 27.05.2019 13:40
      Highlight Highlight Da gibt es noch viele solche Beispiele... Wenn man aber vor allem in der Bürgerlichen Ecke wählt, wählt man eben meist Wirtschafts- und nicht Volksvertreter. Und ja liebe SVP, es wird auch nicht besser wenn man nebenher irgebdwelche inexistenten Ausländerprobleme heraufbeschwört und sich zum einzig "echten" Schweizer hochstilisiert, während man alle Schweizer Werte verrät...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Meiner Einer 27.05.2019 11:42
    Highlight Highlight Hoffentlich bewirkt das Ergebnis eine Änderung. Man stelle sich vor, der normale Pass wird nicht mehr vom Passbüro sondern von CS, UBS oder Swisscom ausgestellt. Eine solche Kernaufgabe darf der Staat einfach nicht delegieren, sonst kann er sich gleich selbst auflösen und privatisieren...
  • Lowend 27.05.2019 11:41
    Highlight Highlight Hoheitliche Aufgaben darf man nicht privatisieren! Punkt.

    Bei solchen Vorschlägen sieht man aber, wie tief das „Strache-Denken“ auch in der Schweiz verwurzelt ist, denn offenbar würden die Bürgerlichen und die SVP den Staat am liebsten an den Meistbietenden verscherbeln.
  • Nurmalso 27.05.2019 11:38
    Highlight Highlight Ich fände die Idee gut und wäre auch dafür das LKW Fahrer andern Verkehrsteilnehmern Bussen ausstellen dürfen.
    Metzger übernehmen den Tierschutz und die Banken die Bundesfinanzen...

    Naja wobei letzteres ist ja quasi indirekt schon so...

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