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Schweizer kiffen klar mehr als Deutsche und Ösis – Gefahr für die Psyche unterschätzt?

08.12.2016, 14:1308.12.2016, 20:57
Cannabiskonsum: Frankreich am oberen, Österreich am unteren Ende der Liste.
Cannabiskonsum: Frankreich am oberen, Österreich am unteren Ende der Liste.grafik: sucht schweiz

Eine Studie von «Sucht Schweiz» im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit zeigt, dass der Cannabiskonsum hierzulande eher dem in lateinischen als in deutschsprachigen Länder ähnelt.

Besonders junge Männer kiffen.
Besonders junge Männer kiffen.Bild: KEYSTONE

Vor allem junge Männer

Frankreich meldet europaweit den derzeit höchsten Konsum, die Schweiz und Italien verzeichnen hohe, Deutschland mittlere und Österreich niedrige Vergleichswerte. In der Schweiz sowie in den vier Nachbarländern wird dabei entweder eine Stabilisierung oder gar eine Steigerung des Verbrauchs beobachtet.

Cannabiskonsum ist nach wie vor ein für Jugendliche und junge Erwachsene typisches Phänomen, auch wenn ein Viertel der Kiffer in Frankreich und der Schweiz über 35 Jahre alt sind.

Gefahr psychischer Probleme

Die Männer sind deutlich zahlreicher vertreten als die Frauen, besonders bezogen auf regelmässigen Konsum: 20 bis 25 Prozent der Konsumierenden unter 35 Jahren kiffen täglich oder fast täglich, dies entspricht 1 bis 2 Prozent dieser Altersgruppe in der Schweiz, in Italien und in Deutschland.

Wann sorgt Marihuana für psychische Probleme? Wer in jungen Jahren damit beginnt und wer viel kifft, gehört zu den Gruppen, die gefährdet sind. Doch bisher erhobene Umfragen deuten daraufhin, dass konsumbedingte Störungen nicht nur Kiffer treffen können, die täglich rauchen, warnt Frank Zobel.

«Damit sind nicht Leute gemeint, die sich nur ab und zu einen Joint mit Freunden teilen», verdeutlicht der Vizedirektor von «Sucht Schweiz» auf Nachfrage von watson. «Es geht meistens um Menschen, die mehrmals pro Woche konsumieren und auch solche, die jedes Wochenende kiffen.» Er wünsche sich aber auch eine bessere Datengrundlage: «Wie viel Leute hier ein Problem haben, können wir leider nur schwer einschätzen.»

Wird die Gefahr psychischer Störungen durch Cannabis unterschätzt?

Die immer noch unzureichende Datenlage stört den Suchtbekämpfer auch mit Blick auf die Forderung, Cannabis wie in den USA zu legalisieren: «Wenn es so eine Änderung geben sollte, sollte man wissen, wie die Situation vorher ist. Und die grosse Fragen, die die Amerikaner nicht beantworten können, sind: Was ist mit dem Schwarzmarkt passiert? Und: Was ist mit dem problematischen Konsum? Das sollte man besser studieren!»

Wie stehst du zur Legalisierung von Cannabis?

Stabile Preise, mehr THC, mehr Anzeigen

Wie bei unseren Nachbarn ist es auch hierzulande schwierig, Eigenarten und Umfang des Cannabismarkts zu erfassen. Eine Schätzung im «EU Drug Markets Report» geht mittlerweile von einem Volumen von 1300 Tonnen für die gesamte Europäische Union aus.

Chronologie der Schweizer Drogenpolitik 

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Chronologie der Schweizer Drogenpolitik (17.8.2016)
quelle: keystone / michele limina
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Die polizeilichen Daten beweisen laut Studie, dass die Verkaufspreise in den fünf untersuchten Ländern stabil sind, während die THC-Werte steigen. Dass mehr Marihuana beschlagnahmt wurde, wird mit einer wachsenden Verbreitung des Produkts begründet.

In allen untersuchten Ländern ist eine steigende Anzahl von entsprechenden Gesetzesverstössen zu beobachten. In der Schweiz ist die Zahl der gemeldeten Verstösse im Vergleich zu Deutschland und Frankreich hoch.

Hierzulande und in den Nachbarländern gebe es einerseits Strafverfolgungen mit schärferen Sanktionen, aber andererseits auch vereinfachte Verfahren mit geringerem Strafmass, ohne dass immer zu erkennen wäre, wann und weshalb welche Sanktion zur Anwendung kommt, heisst es in der Erhebung. 

Die NGO «Sucht Schweiz»
«Sucht Schweiz» ist ein nationales Kompetenzzentrum im Suchtbereich. Sie betreibt Forschung, konzipiert Präventionsprojekte und engagiert sich in der Gesundheitspolitik. Ziel ist, Probleme, die aus dem Konsum von Drogen, durch Glücksspiel und Internetnutzung entstehen, zu verhindern und sie zu lindern. Mehr als 200'000 Personen unterstützen die NGO.
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    (sda/sucht schweiz/phi)

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