Schweiz
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Die Schweiz ohne Atomstrom? Fünf Fragen und Antworten zum AKW-Stillstand 

ZUM 50. JAHRESTAG DES BAUBEGINNS DES AKW BEZNAU AM SONNTAG, 6. SEPTEMBER 2015 STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Am 11. Mai 1970 wird in Doettingen das Atomkraftwerk Beznau I - die Anlage ist seit Ende 1969 in Betrieb und produziert seither Strom -  offiziell eingeweiht. Bundesrat Ernst Brugger, sitzend, laesst sich von Professor Hochstrasser, links, und von Direktor der Nordostschweizerischen Kraftwerke AG (NOK) Fritz Aemmer, rechts, in die Geheimnisse des Kommandoraums des AKW einführen. (KEYSTONE/Str)

Drücke hier für Atomstrom: Bundesrat Ernst Brugger (sitzend) lässt sich in die Geheimnisse des AKW Beznau I einführen (11. Mai 1970). Bild: KEYSTONE

1. Alle fünf Atomkraftwerke der Schweiz sind momentan vom Netz – wie kann die Stromversorgung dennoch sichergestellt werden?

Der Atomstrom macht nur knapp 40 Prozent der gesamten Stromproduktion aus, der Rest wird aus Speichersee-, Laufwasserkrafterken und thermischen Kraftwerken (Verbrennungsanlagen) gespeist. Ein Stromengpass ist aber nicht zu befürchten. Im Sommer ist der Stromverbrauch tiefer als im Winter. Die Stauseen haben genügend Wasser gespeichert, um den Strombedarf zu decken. Auch ohne Atomkraftwerke weist die Schweiz einen Überschuss aus. Damit besteht kein Bedarf an zusätzlichem Importstrom.

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bild: screenshot/swissgrid

2. Dass alle Atomkraftwerke gleichzeitig vom Netz sind, kam noch nie vor – wieso genau jetzt?

Die Kernkraftwerke Leibstadt und Mühleberg sind planmässig abgeschaltet: In beiden AKWs ist die Jahresresvision im Gang. Das AKW Gösgen wurde in der Nacht auf Sonntag ausserplanmässig abgeschaltet, Beznau 1 ist seit März wegen Unregelmässigkeiten im Material des Reaktordruckbehälters abgeschaltet und Beznau 2 befindet sich seit Freitag in einer viermonatigen Revision. 

Dass alle fünf Kernkraftwerke gleichzeitig vom Netz sind, war nicht geplant. Zwar werden die Jahresrevisionen von Leibstadt und Mühleberg mit Absicht auf die Sommermonate gelegt, da in dieser Zeit die Stromproduktion ihren Höchstwert erreicht, wie Andreas Schwander von der nationalen Netzgesellschaft swissgrid erklärt. Allerdings wird darauf geachtet, dass nie mehr als drei Kernkraftwerke gleichzeitig in Revision sind.

3. Beznau 1 ist seit 1969 in Betrieb. Droht vom ältesten Atomreaktor der Welt eine Gefahr?

Am Sonntag machte der Tages-Anzeiger publik, dass die europäische Atomaufsichtsbehörde Wenra den Informationsbestand über den Reaktordruckbehälter bemängelt. Die Schweizer Aufsichtsbehörde Ensi beschwichtigt: Das Atomgesetz von 1959 sehe im konkreten Fall keine Pflicht zur Dokumentation vor.



Dennoch sind sich Atomstrom-Kritiker einig: Beznau 1, der Methusalem unter den Atomreaktoren, stellt wegen seines hohen Alters ein Sicherheitsrisiko dar. Als Beznau 1 ans Netz ging, lief in den USA gerade «Easy Rider» an, vier Tage später startete Apollo 11 zum ersten bemannten Flug auf den Mond. Die Hippie-Ära ist seit geraumer Zeit vorbei, Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond, ist 2012 gestorben. Sebastian Hueber, Mediensprecher bei der Atomaufsichtsbehörde Ensi stellt klar: «Der Gesetzgeber hat klare Vorgaben geschaffen: Sobald ein Kernkraftwerk die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfüllt, wird es vom Netz genommen.»  

peter fonda - easy rider

Während Peter Fonda auf der Leinwand bekifft durch die USA fuhr, nahm der Atomreaktor Beznau 1 in Döttingen den Betrieb auf. Bild: pd

4. Häufen sich die Vorfälle bei den Atomkraftwerken?

ENSI

International Nuclear Event Scale (INES): Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011 waren die bisher einzigen Unfälle, die auf Stufe 7 klassiert wurden. bild: ensi/ines

Im vergangenen Jahr kam es insgesamt zu 38 meldepflichtigen Vorkommnissen, 37 davon werden von der Aufsichtsbehörde Ensi, die den Bericht erstellt, als Ereignisse ohne Bedeutung für Sicherheit eingestuft, ein Vorkommnis – eine Bohrung im Kernkraftwerk Leibstadt – wurde auf der Stufe 1 – Anomalie – klassiert. 

2013 wurden 34 Vorkommnisse gemeldet, 2012 kein einziges und 2011 27. Frage an Herrn Hueber: Sind die Atomkraftwerke in der Schweiz unsicherer geworden? «Im Gegenteil: Durch laufend getätigte Nachrüstungen sind die Sicherheitsmargen seit der Inbetriebnahme der Kernkraftwerke vergrössert worden

5. Wie sieht die Zukunft der Stromproduktion in der Schweiz aus?

Nach der Katastrophe von Fukushima war der Tenor von links bis rechts klar: Es ist höchste Zeit für eine Energiewende. Weg vom Atomstrom hin zu sauberer, nachhaltiger Energieproduktion. Mittlerweile ist Fukushima mehr als vier Jahre her, die anfängliche Euphorie scheint etwas verflogen. Der schrittweise Ausstieg aus der Atomenergie ist aber unbestritten. Nach dem Willen von Bundesrat und Parlament soll die Schweiz bis ins Jahr 2050 die Energiewende vollzogen haben. 

Eine Laufzeitbeschränkung für alte Kernkraftwerke lehnte die vorberatende Komission des Ständerats vor kurzem ab. Mit der Laufzeitbeschränkung soll die Betriebsdauer für alte AKWs auf 60 Jahre reduziert werden. Beznau 1 müsste demnach 2029 vom Netz genommen werden, Beznau 2 2031. (wst)

Nachtrag: Das Atomkraftwerk Gösgen SO dürfte noch diese Woche wieder ans Netz gehen. Die Reparaturarbeiten haben bereits begonnen, die Leckstelle an einer Messleitung wurde lokalisiert. «Wir gehen davon aus, dass das schadhafte Teilstück ersetzt werden muss», sagte der AKW Gösgen-Sprecher Konstantin Bachmann am Montag der Nachrichtenagentur sda. 

Schweizer AKWs

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    Alle Leser-Kommentare
  • BeatBox 18.08.2015 09:53
    Highlight Highlight Wieso wird immer behauptet, das wir auch ohne AKW's einen Stromüberschuss haben? Auf www.swissgrid.ch kann die aktuelle (Echtzeit!) Bilanz angeschaut werden, im Moment importieren wir ziemlich massiv. Ich schaue regelmässig auf die Bilanz und habe in den letzten Stunden nie einen Export gesehen. Gestern Abend war die Zahl relativ stabil bei 1500MW Import... Ich bitte Sie die Quelle dieser Behauptung zu nennen!
    4 1 Melden
    • Erich-H 18.08.2015 20:42
      Highlight Highlight Naja, die Grafik stammt wohl auch von heute Nachmittag... und da Gösgen wieder rund 1000 MW ins Netz pumpt, ist es nicht verwunderlich, dass wir (die Schweiz) wieder zum Exporteur werden.
      Gestern wurden in der Tat fast immer 1000 MW importiert.
      3 0 Melden
  • Der Tom 17.08.2015 23:46
    Highlight Highlight Ich rieche nichts! Bei mir kommt kein Kohlestrom aus den Steckdosen. Bezahle ja auch extra für öko Strom.
    1 2 Melden
    • el_chef 18.08.2015 13:19
      Highlight Highlight habe mal einen film eines forschers gesehen, wollte ein jahr ohne schadstoffe leben(titel leider vergessen, jedoch sehr spannend) als er bei dem energiekonzern auf ökostrom umsteigen wollte bekam er folgende antwort: dies ist möglich, jedoch beziehen sie zurzeit ein strommix, wenn sie auf ökostrom umsteigen erhalten die anderen haushalte einen grösseren anteil von nicht ökologischem strom
      4 0 Melden
  • dracului 17.08.2015 18:44
    Highlight Highlight Warum versteckt sich die Ensi hinter Gesetzen und dem Gesetzgeber? Ensi könnte einfach einmal das Alter der AKWs in Europa studieren und feststellen, dass die Schweiz Oldtimer-AKWs hat. Die AKWs müssen entweder endlich modernisiert oder sonst abgeschaltet werden. Brauchen wir wirklich noch einen Weckruf der EU, bis wir uns ernsthaft mit unseren Hippie-Relikten beschäftigen?
    18 7 Melden
    • Bowell 17.08.2015 19:08
      Highlight Highlight In Beznau werden die wenigsten Baustücke aus Anfangszeiten noch vorhanden sein. Das Alter sagt nichts über die Sicherheit eines Kraftwerks aus.
      9 20 Melden
    • Dr. Zoidberg 17.08.2015 19:41
      Highlight Highlight @bowell

      wo hast du denn diese weisheit her? wie jedes technische gebilde altert auch ein kraftwerk. und weder das containment, noch der druckbehälter oder die leitungen des primären kühlkreislaufs wurden ersetz. wie auch. dummerweise sind das aber genau die teile, deren versagen den mit abstand grössten schaden anrichten würde.
      23 3 Melden
    • _kokolorix 17.08.2015 21:50
      Highlight Highlight ich habe mal an einem winzigen projektli gearbeitet wo es um die überwachungskameras von mühleberg ging. die haben ein abartig primitives system ohne rückmeldung. man gibt kamera xy den befehl nach standort z zu fahren und geht dann davon aus, dass kamera xy nach ein paar minuten schon da sein wird. lol.
      aber etwas erschüternd für ein kkw ist das schon.
      4 2 Melden
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  • Str ant (Darkling) 17.08.2015 15:57
    Highlight Highlight Wenn jeder der ein Haus besitzt ohne grosses Brimoborium Solarzellen montieren könnte wär auch schon viel geholfen.

    Wenn die Kantons- und Stadträte statt Anti-Auto lieber
    Pro-Elektro/Wasserstoff wären auch schon viel geholfen
    25 5 Melden

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