DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Nationalrat Jonas Fricker, GPS-AG, verfolgt die Debatte in der Kleinen Kammer an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 12. September 2016 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Wirbt per WhatsApp für ein Ja zum Energiegesetz: Nationalrat Jonas Fricker. Bild: KEYSTONE

Jonas Fricker trommelt via WhatsApp fürs Energiegesetz – doch hilft das?

Um vor Abstimmungen zu mobilisieren, versenden Politiker Mitteilungen übers Handy. Doch nicht alle sind davon begeistert.

Manuel Bühlmann / aargauer zeitung



«Bitte stimme Ja zum Energiegesetz. Unsere Kinder und deren Kinder werden es Dir danken.»

WhatsApp-Nachricht von Jonas Fricker

Nun wird es doch noch eng: Die Zustimmungswerte für das Energiegesetz sinken. Die Umfragen lassen einen spannenden Abstimmungssonntag erwarten. Eine Spannung, auf die Grünen-Nationalrat Jonas Fricker gerne verzichten würde. Mit klaren Worten wirbt er um Unterstützung für die Vorlage: «Bitte stimme Ja zum Energiegesetz. Unsere Kinder und deren Kinder werden es Dir danken.»

Den Aufruf verschickte er per Kurznachrichtendienst WhatsApp. Aufgrund der neusten knappen Prognosen, wie er sagt. Rund 600 Personen aus Frickers Adressbuch haben seine Botschaft erhalten. Sein Ziel: Verhindern, dass die Abstimmung vergessen geht.

Nationalraetin Ruth Humbel, CVP-AG, spricht in der Debatte an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 28. Februar 2017 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Findet derartige Aufrufe ebenfalls absolut vertretbar: CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. Bild: KEYSTONE

WhatsApp, ein willkommener Helfer im Abstimmungskampf? Durchaus, wenn es nach Ruth Humbel geht. Managed Care, Ausschaffungs- und Durchsetzungsinitiative – schon mehrmals hat die CVP-Nationalrätin auf diesem Kanal oder per SMS um Unterstützung geworben. Darauf greife sie aber nur zurück, wenn ihr ein Thema besonders am Herzen liege.

Der Grat zwischen anregen und aufregen ist schmal. «Kommen zu viele Mitteilungen, wird es grenzwertig.» Die meisten Leute reagierten zudem empfindlicher, wenn politische Werbung auf dem Handy statt im Mail-Eingang lande, sagt Humbel. Das bekam sie selbst schon zu spüren. Vereinzelt habe sie auf ihre Aufrufe per Handy «geharnischte Reaktionen» erhalten.

Ärger vermeiden

ZUM SDA-VORAUSBERICHT ZU DEN EIDGENOESSISCHEN WAHLEN IM KANTON AARGAU STELLEN WIR IHNEN AM SONNTAG, 28. JUNI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Bernhard Guhl, Nationalrat BDP/AG, vom Initiativkommitee zur Volksinitiative‚

BDP-Nationalrat Bernhard Guhl nutzt lieber Twitter & Co. Bild: KEYSTONE

Aus diesem Grund wirbt BDP-Nationalrat Bernhard Guhl auf Twitter und Facebook, statt über den Kurznachrichtendienst um politische Unterstützung: «Mit WhatsApp-Nachrichten würde ich die Leute wohl eher verärgern, als sie zum Abstimmen zu bewegen.» Innerhalb seiner Partei sei schon über den Versand politischer Werbung via Handynummern diskutiert worden; die Pläne wurden aber wieder verworfen. «Die Akzeptanz für solche Aktionen ist zu klein. Die Gefahr besteht, dass sich Leute danach von der Unterstützerliste streichen lassen.»

Zu einem anderen Schluss kam die FDP, die via SMS ihre Mitglieder zum Wählen der eigenen Kandidaten animierte. Thierry Burkart setzt selbst zum Stimmenfang vor Abstimmungen zwar nicht auf WhatsApp, hält den Dienst aber trotzdem für ein probates Mittel. Der freisinnige Nationalrat warnt jedoch davor, zu oft darauf zurückzugreifen: «Man muss vorsichtig sein, den Leuten damit nicht auf die Nerven zu gehen.»

«WhatsApp ist übernutzt worden, die Bedeutung nimmt bereits wieder ab.»

Cédric Wermuth (SP)

Ähnliches befürchtet GLP-Nationalrat Beat Flach, der bei der Mobilisierung bewusst darauf verzichtet. Für die Empfänger könne dies störend oder stressig sein, seien sie doch schon einer Flut aus Informationen ausgesetzt. Flach kennt das aus eigener Erfahrung, allein Mails erhält er 70 pro Tag. Er sagt deshalb: «Zurückhaltung ist geboten.» Ansonsten hält der Grünliberale WhatsApp für «ein super Mittel», das seine Partei häufig nutze, etwa zur Diskussion über einen Vorstoss.

Sibel Arslan, GPS-BS, links, und Cedric Wermuth, SP-AG, rechts, sprechen an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 6. Maerz 2017 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Cédric Wermuth greift zur Mobilisierung lieber auf SMS zurück. Bild: KEYSTONE

Auch Cédric Wermuth (SP) nutzt den Kurznachrichtendienst, sagt allerdings: «WhatsApp ist übernutzt worden, die Bedeutung nimmt bereits wieder ab.» Ein ähnliches Schicksal, wie es bereits den Mails geblüht habe, «heute gehen sie in der Masse unter». Deshalb greift Wermuth zur Mobilisierung wieder auf SMS zurück – oder auf Telefonanrufe, wie sie die Sozialdemokraten vor Wahlen im grossen Stil tätigen. «Nimmt sich jemand für einen Anruf Zeit, beeindruckt das die Leute mehr.»

Eine Erinnerung zum Schluss

Inwiefern Jonas Fricker mit seinen Aufrufen die Empfänger zu beeinflussen vermag, kann er nicht einschätzen. «Ich kann nicht auswerten, was ich damit bewirke. Aber wenn einige Leute wegen der Erinnerung ihre Stimme abgeben, freut mich das.» WhatsApp eigne sich für die Schlussmobilisierung, findet Fricker. «Als Reminder.» Fest steht für ihn aber auch: «Das kann man nicht für jede Abstimmungsvorlage machen.»

Deshalb beschränkt er sich auf Herzensangelegenheiten, wie er sie nennt. Die abgeschwächte Version des Energiegesetzes, die nach seinem Geschmack deutlich zu stark verwässert worden ist, zählt da nur noch bedingt dazu. Die Einsicht, dass es knapp werden könnte, verleitete ihn dann aber doch noch dazu, das Smartphone zur Hand zu nehmen, um für den «bescheidenen, aber wichtigen Schritt in die richtige Richtung» zu werben.

Und nun: Die Geschichte des Schweizer Atomausstiegs in 15 Bildern

1 / 17
Die Geschichte des Schweizer Atomausstiegs in 15 Bildern
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Mehr zur Energiewende:

Das Energiegesetz ist «alternativlos»: Die Gegner wissen nur, was sie NICHT wollen

Link zum Artikel

ETH-Professor: «Man müsste halt ein Tal mit Solaranlagen zupflastern»

Link zum Artikel

Lohnt sich Teslas Super-Batterie für Schweizer Hausbesitzer? Das sagen die Experten

Link zum Artikel

Wenn es ums Klima geht, sind wir schizophren: Die Politik blockt, die Wirtschaft investiert

Link zum Artikel

Du glaubst immer noch nicht an Wind- und Sonnenenergie? Die neuesten Entwicklungen sollten dich eines Besseren belehren!

Link zum Artikel

Dieser ETH-Professor mag keine Subventionen. Die Energiewende ist für ihn trotzdem kein Luxus – sondern ein glänzendes Geschäft

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Es gab noch nie so viele Mountainbiker – das führt zu Konflikten in der Schweiz

Velofahren im Gelände ist in der Schweiz ein Volkssport. Ein Mountainbike-Journalist spricht von einem fast ungesunden Wachstum. Darum: Der Hype hat nicht nur Vorteile.

Im Jahr 2020 wurde der Rekord noch einmal übertroffen. 200'000 neue Mountainbikes fanden einen Besitzer in der Schweiz. Zwar ist dieser, vom Branchenverband der Fahrradlieferanten Velosuisse erhobene, Wert nicht eins zu eins mit dem Vorjahr vergleichbar, als es noch rund 144'000 Mountainbikes waren. Dass der Sport im Coronajahr einen starken Aufschwung erlebte, ist aber unbestritten.

Mancher Veloverkäufer musste seine Kunden auf später vertrösten, weil nicht jedes Modell immer lieferbar war. …

Artikel lesen
Link zum Artikel